Schäuble: "Eine Solarthermie-Anlage ist der einzig sich jemals amortisierende Wärmeerzeuger"

Handwerker des Monats //2015

Ein neuer Monat, ein neuer Handwerker des Monats! Wir stellen vor: Manfred Schäuble und sein Unternehmen Schäuble Regenerative Energiesysteme in Rickenbach-Hottingen. Warum der Solarthermie-Fachmann mit der Sonnenwärme die Grundlast decken will, erklärt er hier. 

Herr Schäuble, beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb! Wie kamen Sie zu dem Beruf und was gefällt Ihnen daran?

Mein Vater Wilhelm Schäuble gründete 1954 seine Firma als Sanitär- und Blechnereibetrieb. 1972 begann ich meine Lehre als Heizungsbauer und machte 1980 den Meister als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer im Handwerk. Ab 1988 habe ich den Bereich Heizungsbau im elterlichen Betrieb aufgebaut. Zehn Jahre später, 1998 stieg ich aus der Schäuble GmbH, die ich inzwischen zusammen mit meinem Bruder geführt hatte, aus und gründete meinen eigenen Betrieb. Mittlerweile habe ich rund 20  Mitarbeiter im Bereich Regenerative Energiesysteme und bin im gesamten Gebiet des Hochrhein/Südschwarzwald tätig.

Meine erklärtes Ziel seit Jahren: Bester Betrieb am Hochrhein sein und bleiben! Ich freue mich, dass meine Frau und Mitarbeiter diesen Weg zusammen mit mir gehen.

Was sind für Sie Regenerative Energiesysteme?

Die konsequente Ausrichtung auf regenerative Energien heißt zum Beispiel: Wenn eingesetzt wird, dann in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung. Dadurch bedingt sind wir ständig auf der Suche nach Innovationen, um unsere Kunden mit fortschrittlichster Technologie zu bedienen. Alle Produkte, die verkauft werden, werden zuerst selbst (Betrieb oder Mitarbeiter) getestet. Selbstverständlich steht für uns fachliches Know-how an erster Stelle, weshalb wir stark auf innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung setzen. Regelmäßige technische Schulungen sind für uns keine Floskel aus dem Prospekt, sondern werden absolut ernst genommen und sind durch zahlreiche Zertifikate belegt. Denn nach wie vor gilt: Zufriedene Kunden sind unser wichtigstes Kapital!

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

Eine Solarthermie-Anlage ist der einzig sich jemals amortisierende Wärmeerzeuger. In alle anderen Technologien – egal wie fortschrittlich und modern – muss immer ein Rohstoff gesteckt werden. Eine gewisse Abhängigkeit von Herstellern/Lieferanten/Netzbetreibern wird also immer bestehen. Hier kann die Solarthermie ihren Vorteil voll ausspielen. Unser Ansatz für die Wärmeerzeugung unserer Kunden ist es daher, die Solarthermie-Anlage als obligatorisch anzusehen, quasi als Grundlast. Spitzenlasten im Winter werden dann über einen weiteren Wärmeerzeuger abgedeckt, der aber eben keinen allzu großen Anteil an der Wärmeversorgung mehr ausmacht. So können Abhängigkeiten und Risiken in der Zukunft minimiert werden.

Ich bin der Überzeugung, dass alle Energie, die wir nicht brauchen, die beste Einsparung ist. Und dass Energie aus der Sonne – getreu meinem Motto: “Zurück zum SonnenEnergieHaus!” – die Möglichkeit sein wird, die Ressourcen zu schonen und die Erde bewohnbar zu erhalten.

Das S für Solar stand von Anfang an an erster Stelle: Schon 1998 hieß die Firma Solar- Heizung, Sanitär-Selbstbausysteme vom Fachmann.

Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Bereits 1992 war es mein Wunsch und sehr großes Ziel, mit Paradigma zusammen zu arbeiten. Ich hatte die weißen Kaminfeger gesehen und bewundert und wollte einen Anbieter, der mir Gas-Brennwerttechnik mit Solar im System anbieten kann. Paradigma passt optimal in meine Philosophie/Denkweise.

Konsequenz, mit der regenerative Energien eingesetzt und vorangetrieben werden, Spitzentechnologie und ständige Innovation sind für uns selbstverständlich und machen uns deshalb zu idealen Partnern.

… weiße Kaminfeger? Das müssen Sie erklären!

Gerne. Paradigma bot in den 1990ern mit einer in der Branche unvergessenen Werbeaktion als einer der ersten Hersteller die Gasbrennwerttechnik an: Auf der Messe sah ich weiße Schornsteinfeger herumlaufen, die für die „saubere Technik“ warben.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Solarthermie-Projekt!

Solar steht bei uns  immer an erster Stelle und wir haben ganz klare Firmenziele im Bereich “Zurück zum SonnenEnergieHaus für den Neubau & Bestand”. Daher haben wir regelmäßig tolle Solar-Projekte, die wir umsetzen können. (2 Beispiele folgen!).

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Mein eigenes SonnenEnergieHaus habe ich vor 20 Jahren gebaut und 2014 habe ich das Haus von meiner Frau Ilse Degout aus dem Baujahr 1995 (mit einer alten Ölheizung und rund 3.000 Litern Heizölverbrauch pro Jahr) zum SonnenEnergieHaus gemacht. In einem SonnenEnergieHaus wird der überwiegende Teil des Energiebedarfs von der Sonne gedeckt. In diesen beiden Gebäuden steckt mein ganzes Herzblut und damit meine Erfahrung aus über 30 Jahren.

Diese Konzepte werden oft als Zukunftsvisionen verkauft. Dabei bieten wir das schon lange an – mit hocheffizienten Komponenten und  exzellenter Planung.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

2010 die Inbetriebnahme der ersten regenerativen Strom-Tankstelle in der Region (hier bei unserem Firmengebäude) zusammen mit der Ausarbeitung des Projektes “Zurück zum SonnenEnergieHaus im Neubau & Bestandsgebäude”.

Außerdem freue ich mich regelmäßig darüber, ein guter Paradigma-Kunde zu sein (lacht), also über entsprechend verkaufte Solarthermie-Flächen & Pelletanlagen.

… das klingt sehr zufrieden?

Ja. Auf der einen Seite gibt es Meilensteine, wie das Rathaus in Rickenbach, Krankenhaus, Kindergarten und andere, aber im Prinzip freue ich mich einfach, wenn ich durch den Hotzenwald fahre und die von Schäuble installierten Kollektoren auf den Dächern sehe. Mit jedem einzelnen Projekt tragen wir ein Stück zu einer besseren Zukunft bei. Mittlerweile haben wir über 850 Solaranlagen (+ ca 170 SenerTec Dachs und Dachs-Stirling Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, rund 300 Pellets-, Scheitholz- und Hackschnitzel-Anlagen sowie knapp 400 Öl- und Gas-Brennwert-Anlagen) installiert und sparen damit über 7.200 Tonnen jährlich CO2 ein. 3,6 Mio Bäume wären nötig, um die Menge CO2 abzubauen.

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Vor allem muss ich da nennen: Der Gedanke vieler Kunden, dass sich Solar-Energie nicht mehr lohnt.

Aber auch die unstete und ungerechte Förderpolitik der Bundesregierung gehört dazu: Die leistungsbezogene Förderung wurde zwar gerade eingeführt, allerdings nur für Mehrfamilienhäuser. Ebenso gehört in diese Liste die gefühlte Bevorzugung der Photovoltaik-Industrie vor der thermischen Industrie bei jeder Gelegenheit. Mehr Gleichstellung und Gerechtigkeit wäre wünschenswert und vor allem eine stärkere Fokussierung auf die gesetzten Klimaziele der Bundesregierung.

Oft haben die Kunden kein Bewusstsein für die enormen Einsparpotenziale beim Heizen beziehungsweise überhaupt für den Umgang mit häuslicher Energie. Dazu kommt dann noch das generell negative Image der Heizung. Die technologische Vielfalt, die heutzutage besteht, mag vielleicht im ersten Moment positiv erscheinen, im Entscheidungsprozess der Endkunden ist dies jedoch oft ein sehr großes Hemmnis.

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Dass politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Durchbruch der thermischen Solarenergie im Mehrfamilienhaus ermöglichen und, dass erkannt wird, dass die Solarthermie ein ganz wichtiger Eckpfeiler ist für Ressourcen- und Umweltschutz, Reduzierung der Treibhausgase und ganz generell für unsere Zukunft! Außerdem: Dass wir sobald wie möglich 80 Prozent der Energie für Wärme, Strom sowie Mobilität regenerativ erzeugen.

Herr Schäuble, in Gesprächen mit Handwerkern hören wir mitunter, dass es so manchem Kollegen lieber sei, ein Bad einzubauen, als eine Solarthermie-Anlage aufs Dach zu montieren. Wie sehen Sie das “Baddilemma” – und falls es so ist, was müsste Ihrer Meinung nach zugunsten der Solarthermie verbessert werden?

Wir als Handwerker können mit unserer Ausrichtung sehr wohl beeinflussen, was wir gerade und gerne tun. Eine klare Positionierung der eigenen und Firmen-Werte ist wichtig. Wir können täglich als Beispiel vorangehen, was für mich bedeutet, dies auch ganz klar im Alltag zu integrieren und zu leben. Immer dran bleiben, vorausschauend und authentisch zu sein, ist für mich der Schlüssel zum Erfolg.

Für unseren Betrieb ist die Ausrichtung im Bereich Regenerative Energiesysteme verankert, weshalb es für uns als Experten keinen anderen Weg gibt. Genau diese klare Ausrichtung bringt uns in unserer Region den Vorteil gegenüber den Mitbewerbern.

Vielen Dank, Herr Schäuble, dass Sie uns Rede und Antwort gestanden haben! Wir stellen wie versprochen hier auf dem Blog zwei Ihrer Solarthermie-Projekte näher vor.

Foto: Manfred Schäuble

Webseite: http://www.manfred-schaeuble.de/

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