Solarthermie-Anlage kaufen: Anlage aus System-Komponenten vs. Anlage aus einzelnen Komponenten

Vergleich Komplett-Anlage vs. STA aus Einzelkomponenten

Wer den Kauf einer Solarthermie-Anlage plant, hat zwei Möglichkeiten: Er kann sich seine Anlage aus Einzelkomponenten zusammenstellen (lassen) oder eine sogenannte Komplettanlage kaufen. Wie sich die beiden Varianten unterscheiden, das will ich heute erklären.

Eine moderne Solarthermie-Anlage ist ein höchst komplexes Konstrukt aus mehreren, verschiedenen Bauteilen, den sogenannten Komponenten. Die Bauteile beziehungsweise Bauteilgruppen, auch Module genannt, haben wir hier auf dem Blog schon ausführlich vorgestellt, siehe Link zum Weiterlesen unten! Das Zusammenspiel der Komponenten begründet die Leistung der Anlage und damit den Solarertrag, die sie liefert. Sind alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt, läuft die Anlage reibungslos und fährt entsprechend ihrer Fähigkeit und den herrschenden Bedingungen vor Ort maximalen Solarertrag ein.

Komplettanlagen: passgenau abgestimmte Komponenten, teils modular konstruiert

Hersteller von kompletten Solarthermie-Anlagen, sprich: Solarthermie-Systemen, sogenannte  Systemhersteller also, die zur Anlage auch passende Geräte wie Heizkessel und Wärmespeicher im Produktprogramm haben, stimmen die einzelnen Komponenten passgenau und leistungstechnisch aufeinander ab. Das ist ihre Stärke. Viele der Hersteller von Komplettanlagen haben ihre Systeme inzwischen sogar modular aufgebaut, so dass Planer sich die stets passenden Module nach dem vom Kunden benötigten Bedarf zu einer Anlage zusammenstellen können. Das hat zudem den Vorteil, dass bei Änderungen des Bedarfs und/oder technischer Standards gegebenenfalls nur einzelne Bauteilgruppen (Module) angepasst und nicht gleich die ganze Anlage ausgetauscht werden muss. Und noch ein Vorteil der Komplettsysteme soll hier nicht unerwähnt bleiben, insbesondere die Handwerker wissen ihn zu schätzen: Die Ausstellung des ErP-Labels für Heizsysteme inklusive Solaranlage ist deutlich einfacher, wenn die Komponenten alle aus einer Hand kommen.

Einzelkomponenten mit geringem Grad an Standardisierung

Ein erfahrener  Solarteur, der im täglichen Handwerk Anlagen plant, baut und wartet beziehungsweise ein Planer kann selbstverständlich aus Einzelkomponenten, auch unterschiedlicher Herkunft, sprich: von mehreren Herstellern/Anbietern, eine leistungsfähige Solarthermie-Anlage zusammenstellen. Die Betonung liegt hier auf dem Attribut „erfahren“. Der Solarthermie-Markt ist in den inzwischen Jahrzehnten seiner Existenz recht bunt geworden. Es gibt viele Varianten von Anlagen und entsprechend viele Bauteile. Der Solarexperte Roger Corradini stellt in dem Buch „Solarthermie – Technik, Potenziale, Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz für solarthermische Systeme in Einfamilienhäusern“ für Letztere einen „verhältnismäßig geringen Grad an Standardisierung“ fest. Das kann insbesondere dann zum Problem werden, wenn der Solaranlagen-Planer eben nicht erfahren genug ist.

Hydraulische Mängel bei Solarthermie-Anlagen am häufigsten

Immerhin – und das habe ich auch in dem erwähnten Buch gelesen, seien die weitaus größten Fehler bei Solarthermie-Anlagen „im Bereich der Hydraulik zu finden“. Corradini liefert dazu auch eine anschauliche Grafik:

Solarthermie-Anlagen häufige Mängel

Er schreibt dazu, dass dies „vermutlich auf die Vielzahl der Anlagenvarianten, den verhältnismäßig geringen Grad an Standardisierung der Einzelkomponenten und auf das Vorhandensein von Wissensdefiziten bei einzelnen Installationsbetrieben zurückzuführen“ sei. Und empfiehlt, „möglichst auf ein Komplettsystem zurückzugreifen, bei dem die Komponenten bereits optimal aufeinander abgestimmt sind und die Fehlerrate beim Aufbau durch vorgefertigte Module erheblich gesenkt wird“.

Mängel wegen fehlender Kontrollsysteme oft schwer/spät feststellbar

Nun könnte man argumentieren, dass ein Mangel an der Solarthermie-Anlage einem als Anlagenbetreiber ja auffallen würde. Das ist in der Praxis allerdings oft nicht so. Der Anlagenbetreiber erhält Informationen zum Solarertrag seiner Anlage bestenfalls über entsprechende Kontrollsysteme. Sind die Kontrollsysteme – aus welchen Gründen auch immer – nicht installiert, kann der  Anlagenbetreiber ohne großes Fachwissen lediglich über die Energieersparnis an herkömmlicher Heizenergie auf die Menge der mit der Solarthermie-Anlage erzeugten Solarenergie schließen. Das heißt, in der Rückschau.

Solarertragsminderung wegen Teamwork mit Heizkessel schwer/spät feststellbar

Doch auch das wird in der Praxis noch erschwert: denn in der Regel springen beim Ausfall einer Solarthermie-Anlage, zum Beispiel wegen fehlendem Sonnenschein, Wärmeerzeuger wie Holz-Pellet-Kessel & Co. ein, die wie die Solarthermie-Anlage zur Heizungsanlage des Haushalts gehören. Das ist durchaus erwünscht, schließlich soll der Wärmebedarf für die Bereitstellung von Warmwasser und Heizwasser im Haushalt allzeit lückenlos gedeckt werden. Zugleich aber erschwert das perfekte Teamwork von Solarthermie-Anlage und Heizkessel, Probleme der Solarthermie-Anlage, die ertragsmindernd sind, frühzeitig auszumachen und zu lösen.

Tipps zum Anlagenkauf

Was heißt das nun für diejenigen von Euch, die eine Solarthermie-Anlage kaufen möchten:

Ihr solltet euch mit eurem Solarthermie-Projekt an einen erfahrenen Planer wenden, der sich

  1. mit der Solarthermie-Technologie als solche ebenso gut auskennt
  2. wie mit den am Markt erhältlichen Anlagen und Bauteilen.

Ihr solltet mit dem Fachmann abwägen, ob es sich lohnt, eine Anlage

  1. aus einzelnen Komponenten
  2. oder als Komplett-Anlage zu errichten.

Wissen müsst ihr zudem, dass viele Solarteure Partner von Anlagen-Herstellern sind. Und das aus mehreren guten Gründen, die ich euch hier auf dem Blog schon mal aufgezeigt habe. Daher an dieser Stelle nur so viel: Die Hersteller verbinden mit der Partnerschaft oft eine Schulung der Solarteure auf die „hauseigene“ Technik und spezielle Preise, die die Handwerker an ihre Kunden weitergeben.

Vergleich der Effizienz von Komplett-Anlage und Anlage aus Einzelkomponenten

Vielleicht hilft euch bei der Entscheidung für oder wider eine Anlage aus Einzelkomponenten vs. eine Komplettanlage auch die folgende Grafik, die ich ebenfalls in dem bereits erwähnten Buch von Roger Corradini und seinen Solarexperten-Kollegen fand: Sie ist demnach ein Ergebnis des internationalen Projekts CombiSol, in dessen Rahmen „41 Kombianlagen in Österreich, Frankreich, Deutschland und Schweden messtechnisch ausgestattet und über einen längeren Zeitraum untersucht“ worden seien.

Die Grafik lasse laut Corradini Rückschlüsse auf die Effizienz einer einzelnen Anlage zu, wenn der theoretische FSC (FSC steht für „Fractional Colar Consumption“, die Basis auf der der Vergleich der der 41 Anlagen verschiedener Größe, unterschiedlicher Hersteller und abweichender Standorte erfolgte) zusammen mit der tatsächlichen, anteiligen Energieeinsparung in ein Diagramm eingetragen werde. Die grüne Zone in der Grafik markiere demnach einen „Bereich, in dem von einer energieeffizienten Betriebsweise“ der Solarthermie-Anlage ausgegangen werde.

Komplettanlagen effizienter als Anlagen aus Einzelkomponenten

Die Grafik zeige uns mehrere Aspekte: Offensichtlich würden ihr zufolge nicht alle Anlagen optimal funktionieren. Bei etwa einem Drittel bestünde Verbesserungspotenzial. Im schlechtesten Fall hätte der Einbau der Solarthermie-Anlage sogar einen zusätzlichen Energieaufwand (Punkte unterhalb 0 Prozent) verursacht. Als weiterer Gesichtspunkt werde ersichtlich, dass Solarthermie-Anlagen-Systeme mit hohem Vorfertigungsgrad der einzelnen Komponenten bezüglich der Effizienz besser abschneiden würden, als durch den Planer aus Einzelkomponenten zusammengestellte Anlagen.

Corradi betont an dieser Stelle, dass inzwischen „viele Hersteller auf einen recht hohen Modularisierungsgrad ihrer Komponenten“ setzen würden, was ein Grund dafür sei, solche Anlagen-Systeme mit genau aufeinander abgestimmten Komponenten frei konfigurierten Anlagen vorzuziehen. Denn mit Ersteren ließe sich das Risiko für Fehler im Anlagenaufbau deutlich reduzieren, was sich generell in einem Effizienzgewinn äußere.

Fehlende Messtechnik – ein Grund für die Diskrepanz zwischen subjektiver Zufriedenheit der Anlagenbetreiber und messtechnischer Untersuchung

Auch interessant: Die in der Grafik manifestierte Untersuchung stünde im Gegensatz zu dem hohen Grad an Zufriedenheit von Anlagenbesitzern, die eine repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) 2011 zum Ergebnis hatte: 90 Prozent aller Besitzer von Solarthermie-Anlagen seien demnach mit ihrer Anlage sehr zufrieden, während 10 Prozent nur teilweise zufrieden und niemand der befragten 500 Ein- oder Zweifamilienhaus-Eigentümer mit seiner Anlage unzufrieden gewesen sei. Und jetzt kommt’s: „Die Diskrepanz zwischen dem subjektiven Empfinden der Anlagenbesitzer und der messtechnischen Untersuchung“ ergebe sich laut Corradini vermutlich aus dem Grund, dass nur in den wenigsten Anlagen tatsächlich eine entsprechende Messtechnik eingebaut sei, die es ermögliche, Erträge und Effizienz einer Anlage objektiv festzustellen. Wobei der Autor auch darauf hinweist, dass selbst wenn eine solche Messeinrichtung vorhanden sei, die Werte nicht direkt mit anderen Anlagen verglichen werden könnten, da sich die spezifischen Einflussfaktoren (Aufstellort, Neigung, Energiebedarf, u. v. m.) auf jeder Solarthermie-Anlage anders darstellen würden.

Wie steht ihr zu der Frage: Solarthermie-Anlage aus Einzelkomponenten oder als Komplett-System? Welche Erfahrungen habt ihr – so oder so – damit gemacht? Lasst von euch hören!

Wer das Buch von Roger Corradine u.a. lesen will: „SOLARTHERMIE – Technik, Potenziale, Wirtschaftlichkeit und Ökobilanz für solarthermische Systeme in Einfamilienhäusern“, Roger Corradini et al.; Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg (Hrsg.) 2014; Bezug über: www.solarthermie-potenziale.de/buch oder info@nullwuestenrot-stiftung.de; ISBN: 978-3-933249-89-0

Foto: se.scho / photocase

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