Mein Wunsch: Staatliche Förderung für Solarthermie in der Ukraine!

Paradigma Handwerker des Monats

Unser Handwerker des Monats kommt von weit her: aus der Stadt Kiew in der Ukraine. Wer uns auf Facebook  folgt, hat vielleicht schon das eine oder andere Foto von einer der Anlagen  gesehen, die das ukrainische Unternehmen Sahara, für das Sergii als Verbindungsmann zu Paradigma arbeitet, installiert hat. Im Interview erklärt uns Sergii seine tiefe Leidenschaft für Solarthermie und was seinen Job so vielfältig macht.

Sergii Biliavets, beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb!

Mein Chef, Sergiy Danyliv, sein Bruder Vasyl und die Brüder Povoroznyk gründeten im August 2000 als Partner unser Unternehmen „Sahara“. Anfangs gab es elf Mitarbeiter, deren Hauptbeschäftigung die Montage von einfachen Heizungssystemen auf Basis von Gas-NT-Technik war (NT steht für Niedertemperatur – Anmerkung von Doreen). Der damalige ukrainische Heizungsmarkt war auf sehr geringem technologischen Niveau, Gas-Brennwertkessel oder Fußbodenheizung galten als  höchst innovative Lösungen. Das war ein perfekter Moment, um den Markt mit neuen innovativen Produkten zu erobern.

Unsere heimischen Produkte, darunter Gaskessel, Radiatoren und Heizkreispumpen, waren qualitativ deutlich schlechter als vergleichbare europäische, deswegen haben wir angefangen, die Hauptkomponenten für unsere Heizungsanlagen aus der EU zu importieren. Die ersten Gaskessel stammten aus Italien, aber mit der Zeit haben wir uns auf deutsche Hersteller umorientiert – den Grund für diese Entscheidung muss man nicht erklären. Seit mehr als zehn Jahren arbeiten wir nur mit deutschen Unternehmen zusammen. Heute sind wir Vertragspartner mit Exklusivrechten von namhaften Firmen wie Wodtke, Tado, Fränkische, Waterkotte, Frank – und natürlich Paradigma!

Wir haben derzeit vier Standorten mit Hauptsitz in Kiew, einer war in Donezk. Insgesamt sind wir 176 Mitarbeiter, zum größten Teil sind das unsere Montageleute. Wir haben unsere eigenen Planer, Büroangestellte und eine Vertriebsabteilung.

Wie kamen Sie zu dem Beruf?

Während meines Studium an der FH Amberg-Weiden, habe ich in der Ferienzeit als Monteur von PV-Anlagen bei der Firma Iliotec gearbeitet: Das war mein erste praktische Erfahrung mit Solarenergie … Dieses Thema hatte mich schon in der Schule sehr interessiert, ich schrieb sogar mal eine Hausarbeit in Physik mit dem Titel „Erneuerbare Energien: Sonnenenergie“.

Als ich wieder in die Ukraine zurückkam, suchte ich gezielt eine Arbeitsstelle, die mit Solarenergie und Deutschland verbunden ist. Es hat fast ein Jahr gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt: 2011 wurde Sahara Vertragspartner von Paradigma. Eine der Vertragsbedingungen lautete, dass Sahara einen deutschsprachigen Techniker einstellen müsste, der nur für Paradigma-Produkte zuständig sei. Ich habe nicht einmal eine Bewerbung an Sahara schreiben müssen, die haben mich gefunden!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

In erster Linie wäre da die Vielfalt zu nennen … Und hier weiß ich ehrlich gesagt nicht, womit ich anfangen soll  … Ich bin komplett mit der Marke Paradigma beschäftigt, sowohl im Bereich Marketing (Erstellen von Broschüren, Werbematerial und Preiskatalogen) als auch auf technischer Seite (Beratung unserer Mitarbeiter und Partner bei der Planung, Montage und bei Servicearbeiten). Hinzu kommen noch die technischen Schulungen zu Einsatzmöglichkeiten, Planung, Montage, Inbetriebnahme und Service der Solarthermie-Anlagen und Pelletsheizungen. Ich bin selten im Büro und selten zu Hause, dafür ständig unterwegs im ganzen Land.

Aber was mich dabei am meisten fasziniert, das ist die Wiedererkennung des Namens Paradigma in der Ukraine, die von Jahr zu Jahr wächst. Vor allem, wenn über uns in Fachkreisen gesprochen wird, macht mir das sehr große Freude.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

Die erste Erfahrung mit einer Solarthermie-Anlage haben wir im Jahr 2007 gemacht: Das war damals eine kleine Anlage mit Flachkollektor. Schon ein Jahr später haben wir Vakuumröhrenkollektoren eingesetzt und machten unsere ersten Erfahrung mit Frostschutzmittel, teilweise negative …

Es war schwer, dem Kunden zu erklären, dass wir nach ein paar Jahren das Frostschutzmittel tauschen müssten, aufgrund der häufigen Stagnation der Anlage. Die Kunden waren der Meinung, dass sie das, was sie in einigen Jahren an Kosten eingespart hätten, jetzt für neues Frostschutzmittel ausgeben müssten. Seit 2010 bieten wir unseren Kunden ausschließlich Aqua-Solaranlagen von Paradigma an.

Das Thema Erneuerbare Energien steht in unserem Unternehmen auf Platz Eins, wir sind komplett weg vom Thema Gasheizung. Deswegen bieten wir unseren Kunden ausschließlich Kombinationen aus Solarthermie-Anlage mit Pelletsheizung oder Wärmepumpe an, wobei es schon Projekte gab, wo wir alle drei Technologien eingesetzt haben.

Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Seit 1988 ist Paradigma ein Pionier in der Solarthermie-Branche und von Anfang an mit dem Thema Solarenergie beschäftigt. Paradigma hat ein langen Weg hinter sich, von Flachkollektoren bis zur Eigenproduktion der Vakuumröhrenkollektoren, von Anlagen mit Frostschutzmitteln bis zu Aqua-Solaranlagen. Diese vieljährige Erfahrung spiegelt sich in jedem einzelnem Produkt wieder. Das Gesamtsystem ist heute eine Intelligente Lösung für solarthermische Energieversorgung. Aqua-Plasma-Kollektoren, Aqua-EXPRESSO-Speicher und Aqua-Solaranlagen – das sind die innovativsten Produkte auf dem Markt, damit können wir die Wünsche unserer anspruchsvollsten Kunden erfüllen. Doch das ist nur die eine Seite unserer Partnerschaft.

Als Partner bekommen wir allseitige Unterstützung von Paradigma. Nicht nur objektspezifische, technische Planungs- oder Serviceberatung sondern auch Marketing-Unterstützung. Außerdem werden unsere Partner einmal im Jahr nach Dettenhausen zur Schulung in der Paradigma-Akademie und zur Produktionsbesichtigung eingeladen. Das sind gesamtwirkende Gründe für eine treue und langfristige Partnerschaft.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Paradigma-Solarthermie-Projekt!

Momentan befinden sich bei uns drei Projekte in der Planungsphase und zwei sind in der Montagephase. Die drei Planungsobjekte sind allesamt Einfamilienhäuser, bei denen die gleichen Technologien eingeplant sind. Unterschiede  machen wir bei der Leistung von Wärmepumpen und Anzahl von Solarkollektoren. Ein Planungsobjekt wäre zum Beispiel das:

  • 6 x Aqua-PLASMA-Kollektoren des Typs 19/50 von Paradigma für Warmwasser-Bereitung und Heizungsunterstützung (Flachdachmontage mit Aufstellwinkel von 45 Grad)
  • 1 x Erdwärmepumpe 12 kW
  • 1 x Elektroheizkessel 12 kW
  • 1 x Pufferspeicher 800 l für Heizungs- und Kühlungssystem
  • 1 x Pufferspeicher 300 l für Heizungssystem
  • 1 x Frischwasserstation
  • 1 x Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Die zwei Anlagen, die bereits montiert werden, sind von der angebotene Technik ein bisschen anders. Das eine Objekt, unser eigenes, ist eine Zahnarztklinik, das andere, ein Einfamilienhaus, wird von einem unserer Partner realisiert.

Bei der Zahnarztklinik kommen zum Einsatz:

  • 1 x Pelletti Maxi 48 kW
  • 3 x Aqua-Plasma-Kollektoren (Typ: 19/50)
  • und ein Aqua-EXPRESSO-Speicher für eine hygienische Warmwasserbereitung

Dazu kommt auch die SystaComfort II mit Fernüberwachung- und Steuerungsmöglichkeiten über das Systawebportal. Die kontrollierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung darf auch nicht fehlen.

Bei diesem Objekt laufen noch Innenarbeiten, aber die Solaranlage ist schon in Betrieb genommen worden und liefert ihre bis zu 67 kWh Tagesgewinn für die Estrich-Trocknung, der Pelletti-Maxi wird vor der Heizperiode fertig montiert.

Bei dem Privathaus werden 6 x Star 19/49er-Kollektoren für die Freibaderwärmung und die solare Teilheizung eingesetzt.

Das sind zwei spannende Projekte, Sergii! Doch welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Die Antwort auf diese Frage fällt mir ziemlich schwer … Es ist unmöglich, ein bestimmtes Solarthermie-Projekt zu benennen, das mein Lieblingsprojekt sein könnte. Wenn überhaupt, wäre es sicher eins der Projekte, an denen ich von Anfang an bis zur Inbetriebnahme beteiligt wurde und danach noch im Kontakt mit dem Kunde stehe.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Ganz klar: Das war ein Hotel bei dem wir 2014 das alte Heizungssystem komplett erneuern sollten. Dieses Hotel gehört zu einer Kirchengemeinde, die einer deutschen Kirche untergeordnet ist, über die nicht nur die finanziellen Ausgaben kontrolliert sondern auch die eingesetzte Technik abgestimmt wurden. Natürlich haben wir für dieses Projekt eine Paradigma-Aqua-Solaranlage mit 6 x Aqua-Plasma-Kollektoren für die Warmwasserbereitung angeboten – aber unser Angebot wurde abgelehnt und als Alternative wurde von deutscher Kirchenseite eine Anlage mit Flachkollektoren (von einem deutschen Hersteller) vorgeschlagen. Für mich war das eine gute Gelegenheit und Herausforderung, unsere Aqua-Technik zu vertreten, deswegen habe ich eine Zusammentreffen mit dem Techniker aus Deutschland initiiert … aber nach fast zwei Stunden Diskussion gab’s noch immer keine Entscheidung … Erst nach drei Wochen kam eine offizielle Antwort von der Kirchengemeinde mit dem Zuschlag für unsere Planung. Das Projekt haben wir im August 2015 in Betrieb genommen, der Jahresgewinn beträgt stolze 17,81 MWh!

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Es gibt viele falsche Meinungen über den Einsatz von Solarthermie, nicht nur bei den Endkunden, wo man oft betonen muss, dass unsere Anlage keinen Strom produziert, der Kollektor nachts nicht funktioniert und im Winter die Wärme nicht für 100 Prozent Heizung reicht. Aber wir arbeiten daran und versuchen, diese Situation zu verbessern. Wir schreiben auf unserer Internetseite viele Artikel, nicht nur über Paradigmas Aqua-Systemtechnik, sondern über die gesamte solarthermische Branche , die meisten davon sind Übersetzungen von Artikeln des Paradigma-Blogs, dafür einen riesen Dank an Frau Brumme für den Stoff!

Und damit unsere Partner die Aqua-Solaranlage nicht nach dem Prinzip von Glykol-Solaranlage bauen, organisieren wir verschieden Schulungen und Seminare (siehe Foto).

Handwerker des Monats Sergii Biliavets

Unser Handwerker des Monats , Sergii Biliavets aus der Ukraine, ist im Unternehmen Sahara der Verbindungsmann zu Paradigma. Hier schult er Partnerhandwerker in Paradigma-Kollektortechnik. Foto: Sergii Bilivets, Sahara Kiew

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Mein globaler Wunsch wäre, dass es endlich ein staatliches Förderungsprogramm für solarthermische Anlagen gäbe. Auch fehlt uns in der Ukraine noch ein Solarthermie-Verband. Das Thema Solarthermie wird viel zu schwach in verschiedene Fachmedien dargestellt.

Was halten Sie vom neuen Kollektorertragslabel und wie hilft es Ihnen in der Praxis?

Die Idee ist gut, aber positive Auswirkungen wird es nur geben, wenn alle Hersteller es benutzen. Hier in der Ukraine, wird darüber nur von unserer Seite kommuniziert, die meisten Wettbewerber wissen darüber (noch) nichts.  Wenn es um einen Vergleich des Kollektorertrags geht, dann greife ich zum Solar-Keymark-Datenblatt. Auf Grund der Werte zu optischem Wirkungsgrad und thermischen Verlust kann ich einen Vergleich von verschiedene Kollektoren in Abhängigkeit von Einstrahlungsleistung und Temperaturdifferenz berechnen und dem Kunden das Ergebnis in Form einer anschaulichen Grafik  präsentieren.

Wie bevorzugen Ihre Kunden die Überwachung der Anlagen – mit den üblichen onboard-Mitteln oder Extras?

Einige Kunden haben kein großes Interesse an der Überwachung der Anlage: Die schalten den Heizungskessel im März ab und wenn genügend Warmwasser zur Verfügung steht, dann
rechnet sich für sie die Investition in die Solaranlage. Ist dagegen die Rede von Vollkontrolle der Heizungsanlage, dann erfolgt diese natürlich mit SystaComfort II über das SystaWebportal. In dem Fall, dass der Kunde nur die Solaranlage überwachen will, wird die SystaSolar Aqua II über die Schnittstelle SystaService Lan ans Webportal die Datenübertragung realisieren.

Fotos: Sergii Biliavets, Sahara Kiew

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