ERP Label? – Die wichtigsten Meilensteine im Überblick

EU Energielabel

Anfang des Jahres stellte meine Bloggerkollgin Sabine Eva Rädisch das Thema ErP Labelling und die 23 EU-Labels für Heizung und Warmwasserbereitung ausführlich vor. Damals schien der 26. September 2015 noch weit entfernt. Zur Auffrischung habe ich die wichtigsten Daten noch einmal zusammengestellt.

Die ErP-Richtlinie soll die Effizienz energieverbrauchender und energie-relevanter Produkte steigern. Die EU-Kommision bedient sich hierzu dreierlei Instrumente. Mit Ökodesign-Richtlinien und Verkaufsverboten für energieineffiziente Produktvarianten übt sie direkten Druck auf die Hersteller aus. Informationspflichten auf Websites und in Anleitungen sollen die Transparenz für Händler und Fachhandwerker vergrößern. Sie wirken mittelbar auf die Absatzquote ineffizienter Modelle, genau wie das dritte Instrument: Das ErP Labelling. Die Energielabel sind vor allem als Vergleichshilfe für Hausbesitzer und Heimwerker gedacht.

Ein EU-Label ist Pflicht für Heizungen bis zur einer Leistung von 70 kW. Detaillierte Handouts für Installationsbetriebe und Planer sind für Anlagen bis zu einer Heizleistung von 400 kW verpflichtend, also Anlagen, die selten ohne Fachplaner ausgewählt und angeschlossen werden.

ErP Label: Herausforderungen und Marktveränderung

Fachplaner schwanken zwischen Unsicherheit und Optimismus, sind sie doch zukünftig für die Bewertung von Gesamtsystemen zuständig. Der Beratungsbedarf wird steigen, kann jedoch nur mit umfassendem Überblick und zuverlässiger Berechnungsoftware bewältigt werden. Diverse Hersteller bieten bereits Software zur Effizienklassenberechnung von Verbundanlagen an.

Wer Beratungskosten und Haftungsprobleme minimieren möchte, greift zu Komplettsystemen. Wohl dem Hersteller, der 2015 über ein Komplettsystem-Portfolio verfügt.

Haftung und Lagerware

Apropos Haftungsprobleme: Der Hersteller haftet für alle Deklaration. Die Auswahl der passenden Komponenten treffen natürlich immer noch Handwerker und Planer. Ein positives Energielabel alleine ist kein Garant für langfristige Einsparungen.

Wie bei der Glühlampenverordnung gelten auch Heizungsanlagen aus Lagerbeständen als „in den Verkehr gebracht“ und dürfen weiterhin eingebaut und betrieben werden. Ein Run auf Heizungen und Warmwasserspeicher ohne ErP Label dürfte jedoch ausbleiben. Es lohnt sich für Handel und Fachhandwerker, nur noch Produkte mit guten Energieeffizienzwerten einzukaufen.

Aber was tun, wenn ein Kunde auf dem Einbau einer ungelabelten Komponente besteht? Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) bietet vorformulierte Schreiben zum Haftungsausschluss an.

Die Meilensteine für ErP Label und erweiterte Produktinformationen im Überblick

DatumProduktRichtlineRegelung
01.01.2013Externe Nassläufer-Umwälzpumpen (EG) 640/2009Schon gewusst? Seit 2013 dürfen nur noch synchrone Heizungspumpen mit Drehzahlregelung verkauft werden.
Asynchrone Nassläuferumwälzpumpen mit Festdrehzahl und auch solche mit Drehzahlregelung sind seit dem 1.Januar 2013 aus den Regalen verschwunden.

Da Heizungspumpen eher selten von Enverbrauchern eingekauft werden, tragen sie kein ErP-Label. Der Hersteller hat jedoch eine erweiterte Informationspflicht.

Vorteil: Ungeregelte Heizungspumpen sind Stromfresser. Man erwartet 23 Milliarden Kilowattstunden Einsparung jährlich.
26.09.15Warmwasserbereiter812/2013Anforderungen an die Produktinformationen: Der Hersteller und seine bevollmächtigten Vertreter müssen alle Warmwasserbereiter mit weniger als 400 kW Wärmenennleistung und weniger als 2000 Liter Fassungsvermögen ausführlich dokumentieren.
26.09.15Warmwasserbereiter812/2013Warmwasserbereiter bis zu einer Heizleistung von 70 kW tragen eine Energieverbrauchskennzeichung.
Mögliche Energieeffizienzklassen sind: A, B, C, D, E, F und G.

Wichtig: Effizienzklassen gelten nur zusammen mit einem Lastenprofil. Das Lastprofil ist eine Kombination aus bestimmten Wasserentnahmen zu bestimmten Uhrzeiten, simuliert also System-Benutzer. Mehr dazu hier .
26.09.15Warmwasserspeicher812/2013Kennzeichnungspflicht für Warmwasserspeicher mit weniger als 2000 Liter Speichervolumen auf allen Anleitungen und Websites des Herstellers und seiner bevollmächtigten Vertreter.
26.09.15Warmwasserspeicher812/2013Kennzeichnungspflicht für Warmwasserspeicher bis zu 500l. Mögliche Energieeffizienzklassen sind A, B, C, D, E, F und G. Das ErP-Label enthält auch Angaben über Warmhalteverluste.
26.09.15Verbundanlagen aus Warmwasserbereitern und Solareinrichtungen812/2013Das ErP-Label enthält Angaben zur Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz einer Verbundanlage aus Warmwasserbereiter und Solareinrichtung.

Mögliche Energieeffizienzklassen sind: A+++, A++, A+, A, B, C, D, E, F und G.
26.09.15Raumheizgeräte und Kombiheizgeräte811/2013Die folgenden Energieeffizienzklassen gelten für den Aspekt Warmwasserbereitung bei Kombigeräten (η  wh) mit einer Nennleistung von höchstens 70 kW: A, B, C, D, E, F und G

Die Effizienzangaben gelten natürlich nur für das angegebene Lastprofil.
26.09.15Verbundanlagen aus Raumheizgeräten oder Kombiheizgeräten, Temperaturreglern und Solareinrichtungen
811/2013Diese ErP-Energieeffizienzklassen gelten für Verbundanlagen mit höchstens 70 kW:
A+++, A++, A+, A, B, C, D, E, F und G.

Gemerkt? Solarthermie ist immer mit drin (vgl. den den Artikel von Sabine Eva Rädisch).
26.09.17Warmwasserbereiter812/2013Für die Effizienzkennzeichnung von Warmwasserbereitern mit höchstens 70 kW Wärmenennleistung gelten folgende:
Energieeffizienzklassen: A+, A, B, C, D, E und F.
26.09.17Warmwasserspeicher812/2013Für Warmwasserspeicher mit höchstens 500 Litern Speichervolumen sind folgende Energieeffizienzklassen vorgesehen: A+, A, B, C, D, E und F.
26.09.19Raumheizgeräte und Kombiheizgeräte811/2013Die folgenden Effizienzklassen gelten für die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz (η s) von Raumheizgeräten und den Aspekt Raumheizung von Kombiheizgeräten mit einer Nennleistung von höchstens 70 kW:
A+++, A++, A+, A, B, C, D.
26.09.19Raumheizgeräte und Kombiheizgeräte811/2013Die folgenden Effizienzklassen gelten für die Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz (η wh) von Kombigeräten mit einer Nennleistung bis 70 kW:
A+, A, B, C, D, E und F

Wichtig: Kombigeräten brauchen zwei Skalen auf dem ErP-Label – die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz wird getrennt ausgewiesen.

Info: Die Energieeffizienzklassen werden anhand der “jahreszeitbedingten Raumheizungs-Energieeffizienz ”?s“ und der “Warmwasserbereitungs-Energieeffizienz „? wh“ ermittelt, vereinfacht gesagt – dem Verhältnis zwischen der Nutzenergie und dem dazu notwendigen Energieverbrauch.

Wie bereiten Sie sich als Käufer, Handwerker oder Planer auf die neuen EU-Labels und Produktinformationen vor? Was sagen Sie zu der Berechnung von Komplettsystemen? Ich freue mich auf Ihre Antworten!

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
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4 Kommentare zu “ERP Label? – Die wichtigsten Meilensteine im Überblick”

  1. Thomas Lohrum

    Entschuldigung!
    Komme aus der Hausgeräte Branche, habe selbst ausliefert und montiert!
    Bei Haushaltsgeräten gibt es ja auch dieses ERP Label, welches meiner Meinung nach für den Otto- Normalverbraucher kaum zu durchschauen ist!
    (Die meisten Kunden haben es ohne weiter zu schauen, gleich ins Altpapier!)

    Um diese Labels richtig zu deuten, braucht man ja einen Doktortitel!
    Warum gestallte man solche Energieeffizienzklassen nicht einfacher?

    So kann dann auch jeder für sich entscheiden, welche Heizung bzw. Waschmaschine sich kauft!

    Gruss Tom

    1. Alice Scheerer

      Hallo Herr Lohrum,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Ihre Erfahrung als Praktiker überrascht mich. Ich hätte erwartet, dass mehr Kunden auf Energieeffizienzlabel achten. Schließlich kann sich die Auswahl eines energieeffizienten Gerätes monetär auszahlen.
      Wir selbst hatten auf die Gestaltung des Labels leider keinen Einfluss.
      Durch die Reduktion auf einzelne Kennzahlen soll das Vergleichen der Geräte einfacher und übersichtlicher gestaltet werden. Es mag sein, dass man bei manchen Produkten über das Ziel hinausgeschossen ist und das Label nicht übersichtlich, sondern für viele Käufer unverständlich wurde.
      Als Fachhändler und Branchenkenner haben Sie da einen Informationsvorsprung. Vielleicht können Sie das Label als Chance nutzen, um mit Ihren Kunden ins Gespräch zu kommen und Ihr Fachwissen zu präsentieren.

      Sonnige Grüße
      Alice Scheerer

    2. Cornelia Daniel-Gruber

      Hallo Herr Lohrum,

      wir würden uns auch wünschen, dass dieses Heizungslabel etwas übersichtlicher ist. Leider ist dieses ERP Label nochmal um ein vielfaches komplexer als die Haushaltsgerätelabel, die mMn doch einen ersten guten Überblick geben aber leider geht es hier um Wärme und nicht um Strom, der sich viel leichter messen lässt und nicht von so viel Nutzungsfaktoren abhängt. Und dann sind dann noch die Tausenden Interessen der großen Hersteller, die über das Label anscheinend auch mitentscheiden durften. Nichtsdestotrotz ist es ein erster Schritt in Richtung Transparenz im Heizungsmarkt. Durch diesen Tschungel müssen wir uns jetzt erstmal durchkämpfen um am Ende hoffentlich auf eine Lichtung zu stoßen. Wir werden unser möglichstes Tun, um dabei zu helfen. Welche Fragen stehen bei den Lesern und Leserinnen so an?

  2. Jürgen Lutz

    Guten Tag,

    es stellt sich für mich die Frage warum es die 400kW-Grenze gibt. Die 70kW-Grenze wird (für mich nachvollziehbar) damit erklärt dass es für Anlagen >70kW i.d.R. einen Fachplaner gibt, der die Anlagenkomponenten nach seinem Wissen optimal aussucht und zusammenstellt. Was aber ist bei Anlagen >400kW?

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