Neues aus Hallerndorf: Sonniges Nahwärmenetz mit 1.300 m² Kollektorfläche

Wärmenetz in Hallerndorf

Die Gemeinde Hallerndorf im Landkreis Forchheim  in Oberfranken macht dieser Tage von sich Reden:  Hallerndorf baut sich ein Nahwärmenetz – inklusive 1.300 Quadratmetern Solarkollektoren aus dem Hause Ritter. Dieses Nahwärmenetz will ich Euch heute näher vorstellen.

Gleich vorweg und nur für die, die heute zum ersten Mal auf unserem Blog sind: Hinter Ecoquent Positions steht die Ritter Gruppe. Insofern geht es mit dem Nahwärmenetz in Hallerndorf teilweise um eine Art Hofberichterstattung, wozu ich Euch jedoch versprechen kann, dass es sich hier nicht nur um Hausgemachtes dreht.

Die Gemeinde Hallerndorf möchte sich laut Aussage ihres Bürgermeisters Torsten Gunselmann vom Öl unabhängig machen. Mit den Worten „Wir machen das nicht nur wegen des Geldes“ zitiert ihn das Portal in Franken.de hier.

Über Hallerndorf

Die Gemeinde Hallerndorf besteht aus neun Ortsteilen. Sie liegt im oberfränkischen Landkreis Forchheim etwa auf halber Strecke zwischen Bamberg und Erlangen im Mündungsbereich des Flusses Aisch, den man auch „Unterer Aischgrund“ nennt. Hallerndorf ist Grenzgemeinde zu den Landkreisen Bamberg und Erlangen-Höchstadt. Am 31. Dezember 2015 zählte Hallerndorf laut Wikipedia 4.077 Einwohner. Wer mehr über Hallerndorf wissen will, schaut am Besten auf die Internetseite der Gemeinde. Erwähnenswert ist vielleicht noch dies: Deutschlands bester Schinken soll von einem Hallerndorfer Metzgermeister stammen.

Über Hallerndorfs neues Nahwärmenetz

Das Projekt im Überblick

Hallerndorf soll ein Nahwärmenetz bekommen, das ausschließlich mit Hilfe erneuerbarer Energien betrieben wird. Im Sommer sorge eine Solarthermie-Anlage für die Wärme, die die angeschlossenen Verbraucher benötigen, die Rede ist von mehr als 100 Gebäuden, während  im Winter diesen Job Großteils der Brennstoff Holz übernimmt, der in den Heizkesseln verfeuert werde. Die Solarthermieanlage unterstütze die Kessel dann lediglich. So zumindest heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung von Ritter XL Solar, dem Unternehmen der Ritter-Gruppe, das mit der Lieferung und Installation der 1.304 Quadratmeter großen Solarthermie-Anlage beauftragt wurde.

264 Vakuum-Röhrenkollektoren werden dazu verbaut und sollen künftig etwa ein Fünftel des jährlichen Wärmebedarfs der Gemeinde Hallerndorf decken. Die Kollektoren kommen direkt auf den grünen Wiesengrund neben die neu zu errichtende Heizzentrale am Fuße des Kreuzbergs am westlichen Ortsrand. Die Heizzentrale wird auch die Pufferspeicher beherbergen, die zur thermischen Solaranlage gehören. Sie sind auf ein Volumen von mehr als 85.000 Litern ausgelegt. Im Vorfeld gab es in Hallerndorf das eine oder andere zu diskutieren: So stellte sich laut einer Untersuchung des Baugrunds heraus, dass dort in der Vergangenheit Blähtonkügelchen abgelagert worden seien, die für baustatische Probleme sorgen würden. Das berichtete das Portal Nordbayern.de hier.

Deshalb sei es nicht mehr möglich, den 100 Kubikmeter Wasser fassenden Pufferspeicher des Heizwerks ein Stück im Boden zu versenken. Und so werde der Speicher demnach voraussichtlich nicht neun sondern zwölf Meter aus der Erde ragen. Der Speicherturm soll mit Holz verkleidet werden. Auf einem begrünten Vorplatz würden zudem Sitzgelegenheiten geschaffen. Eine große Glasscheibe gewähre jedermann Einblicke auf die Heizhaustechnik, so dass eine Art „offenes Heizhaus“ entstünde. Das sei laut Aussage des Hallerndorfer Bürgermeisters Torsten Gunselmann die gelebte Energiewende. Bei einem Spaziergang in Richtung Kreuzberg könne ihm

Die Grafik zeigt die geplante Solarstation für Hallerndorf. Grafik: Ritter XL Solar

Die Grafik zeigt die geplante Solarstation für Hallerndorf. Grafik: Ritter XL Solar

zufolge jeder einen Eindruck davon gewinnen, wie in Hallerndorf nachhaltige Wärme erzeugt werde. Ganz nach dem Vorbild des Bioenergiedorfes Willersdorf sei Hallerndorf die zweite Ortschaft in der Gemeinde, deren Anwohnerinnen und Anwohner regenerativ mit Wärme versorgt würden.

Die Heizzentrale wurde von dem Büro „Kienbaum Projekt“ geplant. Sie werde insgesamt eine Fläche von etwa 310 Quadratmetern (m²) einnehmen. Davon entfielen, so liest man hier auf der Seite des Neuen Wiesenboten, etwa 120 m² auf den Technikraum, in dem vier Gilles-Kessel mit einer Leistung von je 145 Kilowatt (kW) sowie ein Kessel mit 300 kW aufgestellt würden, um Wärme zu erzeugen. Verfeuert würden in den Kesseln dem Bericht des Wiesenboten zufolge Hackschnitzel und Pellets aus der Region. Der Pellet- beziehungsweise Hackschnitzelbunker werde eine Fläche von etwa 77 m² einnehmen. Das lange als Lagerplatz für bis zu 140 Tonnen Brennstoff.

Die Projektpartner

Betreiberin des neuen Nahwärmenetzes in Hallerndorf ist die Naturstrom AG – ein nach eigenen Angaben führender unabhängiger Anbieter von Strom und Gas aus erneuerbaren Energien. Da dem Ökoenergieversorger nach eigener Aussage daran gelegen sei, die Wertschöpfung in der Region zu halten, arbeite er weitestgehend mit Unternehmen aus der näheren Umgebung zusammen. Nach Fertigstellung profitiere zudem die lokale Forstwirtschaft von dem Holzbedarf, der im Heizhaus anfiele. „Das Nahwärmenetz ist das nächste Projekt mit dem NATURSTROM einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten will. Wir beweisen gemeinsam mit den Hallerndorfern, dass die dezentrale Energieversorgung auch im wichtigen Energiesektor Wärme machbar ist“, sagt Felix Schubert, Projektleiter Wärme bei der NATURSTROM AG und Verantwortlicher für das Projekt Hallerndorf.

Die Naturstrom AG beauftragte Ritter XL Solar mit dem Bau der Solarthermie-Anlage in Hallerndorf.

Die Projektkosten

Die NATURSTROM AG investiere eigenen Angaben zufolge insgesamt rund 3,51 Millionen Euro in das Projekt.

Die Kosten für die entsprechenden Planverfahren werden dem Vernehmen nach von Naturstrom übernommen. Das Unternehmen verlege auf eigene Kosten zudem zu sämtlichen Haushalten in Hallerndorf, die ans Nahwärmenetz angeschlossen würden, auch ein Leerrohr für einen Glasfaseranschluss, ein sogenanntes Speedpipe-Leerrohr. Die Naturstrom AG wolle für die Kosten der nötigen Verlege- und Montagearbeiten der Leerrohre (25.300 Euro) und für die Erd- und Straßenbauarbeiten aufkommen (98.100 Euro). Die Gemeinde hätte dann lediglich die 18.000 Euro Materialkosten auf der Rechnung.

Der aktuelle Stand

Am 16. August starteten die Bauarbeiten in den Rötgärten von Hallerndorf – die Tiefbaubagger verlegten dort zuerst die Leitung des Nahwärmenetzes, die ersten Haushalte sind damit angeschlossen. Ende September begannen die Bauarbeiten für das Herzstück des Hallerndorfer Nahwärmenetzes: die Heizzentrale. Die Anschlussnehmer des Bauabschnitts 1 werden voraussichtlich ab Dezember mit der neuen regenerativen Wärme versorgt. Netzerweiterungen seien für das kommende Jahr geplant.

Grafiken (Titel plus Solarstation): Ritter XL Solar

 

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