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AEE kürt Hallerndorf zur Energie-Kommune des Monats

Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) kürt die Gemeinde Hallerndorf im Landkreis Forchheim in Oberfranken (Bayern) zur Energie-Kommune des Monats. Die Wärmewende in Deutschland habe Luft nach oben: Nur rund 13 Prozent des Wärme- und Kälteverbrauchs würden mit Erneuerbaren Energien gedeckt. Hallerndorf zeige uns, dass es anders gehe, begründet der kommissarische Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) Nils Boenigk die Wahl.

Wir gratulieren unseren Kollegen von Ritter XL Solar, die die Solarthermie-Großanlage in der Energie-Kommune Hallerndorf errichtet haben, zu dieser Ehrung ganz herzlich!

Energie-Kommune Hallerndorf: Nahwärmenetz erzeugt Wärme aus Biomasse plus Solar

Das Nahwärmenetz von Hallerndorf versorge rund 130 Gebäude mit Wärme. Die dafür benötigte Wärmemenge von drei Millionen Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a) werde zu zwei Dritteln in der Energiezentrale (siehe Titelfoto) mit vier modular-geschalteten Biomasse-Kessel, drei mit jeweils einer Nennleistung von 145 kWh und einem Kessel mit einer Nennleistung von 300 kWh, erzeugt, die Holzhackschnitzel und Pellets verfeuert.Die Holzhackschnitzel beziehe man aus der Region.

Wärmenetz in Hallerndorf
Die 1.300 m2 große Solarthermie-Anlage aus dem Hause Ritter XL Solar erzeugt ein Drittel der von den Hallerndorfern benötigten Wärme. Grafik: Ritter XL Solar

Das andere Drittel produziere die mit 1.300 Quadratmetern (m2) größte Solarthermie-Anlage ihrer Art in Bayern (siehe Titelfoto), die wir euch hier auf dem Blog bereits ausführlich vorgestellt haben, denn sie ist made by Ritter XL Solar, der Großanlagensparte der Ritter Gruppe, zu der auch die Marke Paradigma zählt. Je nach Wärmebedarf könne die Energiezentrale die Wärmeerzeugung zurückfahren oder Biomasse-Kessel befeuern und somit die Versorgungssicherheit für die Hallerndorfer Wärmeverbaucher garantieren.

Die AEE schreibt in der Pressemeldung, in der sie Hallerndorf zur Energie-Kommune kürt, dass das moderne Hallerndorfer Nahwärmenetz mit Erneuerbaren Energien die bayerische Wärmewende einen großen Schritt voranbringe.

Die Idee für das ausgebaute Nahwärmenetz sei laut der AEE auf Initiative des Vereins „Generation Erde“ entstanden, der sich für die lokale Energiewende engagiere. „Für ein Neubaugebiet wollten wir erneuerbare Wärme und haben uns dann gefragt, warum eigentlich nicht für alle“, sagt der Hallerndorfer Bürgermeister Torsten Gunselmann.

Aus diesem Grund seien neben den 29 neuen Einfamilienhäusern auch private Bestandsgebäude ebenso wie sämtliche gemeindliche Liegenschaften mit in das regenerative Wärmekonzept einbezogen worden. Das Wärmekonzept für den Ortsteil habe man in Zusammenarbeit mit Unternehmen auf verschiedenen Informationsveranstaltungen vorgestellt. Nach nur anderthalb  Jahren und vielen Info-Veranstaltungen mit dem Netzbetreiber, der Politik und den Einwohnern sei dann das Hallerndorfer Nahwärmenetz entstanden, das neben der regionalen Wertschöpfung, kostengünstige und erneuerbare Wärme liefere.

Ein positiver Nebeneffekt für die Bürger sei die zeitgleiche Verlegung einer Leerrohrinfrastruktur (sogenannte Speedpipes) in die Leitungsgräben des Nahwärmenetzes gewesen, um künftig eine schnelle Internetverbindung mit Glasfaserkabeln zu realisieren. Hier hätte sich gezeigt, so heißt es seitens der AEE weiter, dass die Verbindung von zweierlei moderner Technologien und Transparenz in Planung, Bau und Umsetzung solcher Maßnahmen essentiell für die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien sei.

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Biogasanlage in Willersdorf, Gemeinde Hallerndorf. Foto: Naturstrom AG

Das Thema Nahwärme an sich sei aber nichts Neues für die Gemeinde Hallerndorf mit ihren rund 4.300 Einwohnern: Bereits im Jahr 2012 habe die Bürgerschaft eine Energie-Genossenschaft gegründet, um die Abwärme von lokalen Biogas-Anlagen für Wärme zu nutzen. Das Bioenergiedorf Willersdorf, ein Ortsteil von Hallerndorf, beheize inzwischen über 82 Anschlussnehmende – darunter auch ein großes Hotel. Insgesamt würden so 250.000 Liter Heizöl pro Jahr gespart. Die Gemeindeverwaltung besitze ebenfalls Genossenschaftsanteile und beziehe Nahwärme für den Kindergarten und ein Grundschulgebäude. Die Initiative der Hallerndorfer zeige Bürgermeister Gunselmann zufolge, dass die Politik Vorantreiber und Unterstützer für eine erfolgreiche Energiewende brauche.

Der Schlüssel für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende seien die Bürger Hallerndorfs. Die dezentralen Energieerzeugungsanlagen als Beitrag zur Energiewende seien nicht sein Verdienst, sondern allein der Erfolg der Hallerndorfer. Das sagt Gunselmann. Hallerndorf ziehe demnach an einem Strang und kämpfe mit vereinten Kräften für eine erfolgreiche Energiewende: Der Winter könne kommen.

Energie-Kommune Hallerndorf: Strom von der Sonne

Ein ähnliches Bürgerprojekt wie das Hallerndorfer Nahwärmenetz habe man in Hallerndorf auch für die solare Stromversorgung realisiert: Auf den Gemeindedächern Hallerndorfs stünden rund 200 Photovoltaik-Module mit einer installierten Leistung von 28 Kilowatt. Noch heute würden die Hallerndorfer Stromverbraucher, die sich als Anleger an dieser Investition beteiligt hätten, von einem hervorragenden Zinssatz profitieren.

„Der Schlüssel für eine erfolgreiche Energie-und Wärmewende sind die Bürgerinnen und Bürger Hallerndorfs. Die dezentralen Energieerzeugungsanlagen als Beitrag zur Energiewende sind nicht mein Verdienst, sondern allein der Erfolg der Hallerndorfer“, erklärt der Bürgermeister Gunselmann.

Energie-Kommune Hallerndorf macht E-Mobil

Unterstützung und Offenheit für Neues beweise die Gemeinde Hallerndorf auch bezüglich der Elektromobilität. An der Energiezentrale am Kreuzberg sei bereits eine E-Ladesäule mit Ökostrom installiert worden. In Zusammenarbeit mit dem Ladesäulenverbund Frankenplus und dem Landkreis Forchheim soll noch mindestens eine E-Ladesäule in Hallerndorf aufgestellt werden. Eine weitere E-Ladesäule werde in Kooperation mit einem privatwirtschaftlichen Betreiber vor dem Rathaus geschaffen. „Die Kooperation mit vielfältigen Partnern von Landkreis, über Unternehmen und besonders den Bürgern zeige, dass Hallerndorf die Energiewende mit vereinten Kräften anpacke und erfolgreich sei, sagt Nils Boenigk von der AEE.

Fotos: Heizhaus Hallerndorf, Naturstrom AG (Titel), Biogasanlage in Willersdorf, Gemeinde Hallerndorf, Naturstrom AG