Büsingen ist mit seinem Nahwärmekonzept Energie-Kommune des Monats

Über Büsingen am Hochrhein in Baden-Württemberg, ein Ort, der politisch gesehen zu Deutschland und wirtschaftlich zur Schweiz gehört und somit die einzige Exklave Deutschlands ist, haben wir hier auf dem Blog bereits berichtet. Sabine hat euch im Frühjahr 2013  hier das Nahwärmekonzept der Gemeinde vorgestellt, für das Büsingen jetzt von der  Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zur „Energie-Kommune des Monats“ ausgerufen wurde. 

Das Nahwärmenetz von Büsingen, das eine Holzhackschnitzelanlage mit Solarthermie-Anlagen, also Energie aus Biomasse mit Solarwärme kombiniert, ist mittlerweile seit 2012 in Betrieb, die Solarthermie-Anlagen auf dem Heizungshaus und auf Freiflächen nebenan wurden 2013 von Ritter XL Solar errichtet, einem Unternehmen, das wie Paradigma zur Ritter Gruppe gehört. Jetzt wurde die Kommune von der Agentur für Erneuerbare Energien mit dem Titel „Energie-Kommune des Monats“ ausgezeichnet.

„Durch den Betrieb der Holzhackschnitzelanlage in Kombination mit Solarwärme gelingt es dem Bioenergiedorf Büsingen rund 450.000 Liter Heizöl und 1.200 Tonnen Kohlendioxid jährlich einzusparen“, betont Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien in der entsprechenden Pressemeldung.

Grundlage für das Projekt sei demnach die Bereitschaft der Gemeinde gewesen, die eigene Energieversorgung klimafreundlich auszurichten. „Wir wollten für die Zukunft gewappnet sein, indem wir die Nutzung fossiler Ressourcen vermeiden“, betont Bürgermeister Markus Möll gegenüber der Presse.

Über das Nahwärmeprojekt in Büsingen: Biomasse plus Solarwärme

Das Kollektorfeld aus hochwertigen Vakuumröhrenkollektoren ist 1.090 Quadratmeter groß und erzeugt zwölf Prozent der Wärme, die vor allem zur Deckung des Wärmebedarfs  im Sommer verbraucht werde. „Der größte Teil der Vakuumröhrenkollektoren befindet sich auf zwei Freiflächen. Als innovative Lösung wurden zusätzlich auf der Fassade der Heizzentrale Kollektoren installiert“, schreibt die AEE anlässlich der Auszeichnung der Gemeinde Büsingen als „Energie-Kommune des Monats“.

Die restlichen 88 Prozent Wärme liefere demnach ein Hackschnitzelheizwerk, dessen Leistung auf 1.350 Kilowatt beziffert wird. Zwei Speicher mit jeweils einer Kapazität von 50 Kubikmetern Warmwasser unterstützten die Versorgung der 1.300-Einwohner-Gemeinde mit Nahwärme; alle 107 Haushalte sowie alle öffentlichen Gebäude der Gemeinde kämen laut der AEE in den Genuss klimafreundlicher Wärme. Das Nahwärmenetz, das die erneuerbare Wärme direkt in die angeschlossenen Haushalte liefere, sei insgesamt sechs Kilometer lang.

Dank der Solarthermie-Anlagen verbrauche Büsingen im Sommer weniger Holz zum Heizen: Der Holzbedarf der Gemeinde sei somit pro Jahr um viele Kubikmeter gesunken – und damit auch die jährlichen Betriebskosten. Die Solarthermie vermeide unwirtschaftliche Teillastbetriebszustände und schaffe außerdem Zeit für Wartungsarbeiten an der Holzhackschnitzelheizung, schreibt die AEE weiter.

Baden-Württemberg hat das Büsinger Nahwärme-Projekt laut Sabines Bericht hier auf dem Blog mit bis zu 100.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. In der Pressemitteilung der Agentur für Erneuerbare Energien ist zudem von einem zusätzlichen KfW-Darlehen (Teilschulderlass) die Rede. Außerdem sei der restliche Anteil demnach aus dem Aktienkapital des Betreibers finanziert worden: der Solarcomplex AG, deren Vorstand Bene Müller uns hier auf dem Blog schon ein Interview gegeben hat.

Wissen müsst ihr, dass die Investitionskosten für die Kombi von Bio- und Solarenergie gegenüber dem Heizen mit nur einem System zunächst einmal höher gewesen sind. Allerdings lassen sich bei den Brennstoffkosten hohe Einsparungen erzielen. Zudem seien wegen des Mengeneinkaufs die technischen Komponenten und die Montage der Solaranlage günstiger gewesen. Der Bürgermeister von Büsingen, Markus Möll, sagt: „Die Investitionen in ein Nahwärmenetz auf Basis von erneuerbaren Energien müssen immer langfristig betrachtet werden. Auch bei derzeit niedrigen Gaspreisen zeigt die Vollkostenrechnung, dass die Erneuerbaren nicht teurer sind. Gleichzeitig profitiert die Gemeinde ökologisch enorm von den positiven Effekten dieses Projektes“.

Interessant ist der Schlusssatz der Pressemeldung der AEE. Er lautet: „Die Übertragbarkeit der Strategie in Büsingen zeigt sich bei weiteren Projekten, die derzeit in der Region geplant werden: Das Nahwärmenetz in Randegg, welches derzeit über Holzhackschnitzel versorgt wird, wird nun um eine Solarthermie-Anlage mit einer Fläche von 2.000 Quadratmetern ergänzt.“

Randegg. Da werfen wir dann demnächst mal einen genaueren Blick drauf.

Weitere Infos zur Exklave Büsingen

Wer mehr über die Exklave Büsingen sehen oder lesen will, dem empfehle ich folgende Links:

Foto: solarcomplex AG

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