Mehrfamilienhaus mit Solaranlage in Celle | Projekt des Monats 11/2015

Neuer Monat, neuer „Handwerker des Monats“. Diesmal ist das Wolfgang Günther. Der Gas- und Wasserinstallateur-Meister und Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-Meister ist Inhaber und Geschäftsführer der Elotherm Anderson GmbH. Das erste seiner beiden Lieblingsprojekte stellen wir Euch heute als „Projekt 1 des Monats November 2015“ vor. 

Bei dem Solarthermie-Projekt, das Wolfgang Günther sehr am Herzen liegt, handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohneinheiten in Celle. Die Südheide Wohnungsbaugenossenschaft e.G. beauftragte als Bauherr die Elotherm Anderson GmbH mit der Modernisierung der Heizung des Gebäudes. Die unterhaltsame Geschichte, wie es zu dem Zuschlag kam, hat Wolfgang Günther uns bereits hier in Form eines Interviews erzählt.

Das Mehrfamilienhaus in Celle - noch ohne die Solarthermie-Kollektoren. Foto: Elotherm

Das Mehrfamilienhaus in Celle – noch ohne die Solarthermie-Kollektoren. Foto: Elotherm

Vorher: Gaskessel und Trinkwasserspeicher

Bislang gab es in dem Celler Mehrfamilienhaus eine Heizanlage mit einem Gaskessel und mit einem 600 Liter fassenden Warmwasser-Speicher. Darüber wurden die Bewohner der 18 Wohneinheiten mit Warmwasser versorgt. Hervorzuheben ist dabei, dass das Trinkwasser bei diesem „Boilerprinzip“ demnach im Speicher wartete, bis seine Zapfzeit kam. Das kann immer mal zu unschönen Hygiene-Problemen (Stichworte: Keime,  Bakterien o.a. Legionellen) führen.

Nachher: 40 m² Solathermie-Kollektoren, Pufferkaskade, Gasbrennwertkessel und eine Frischwasserstation

Wolfgang Günther und sein Elotherm-Team installierten auf das Dach 40 Quadratmeter (m²) Vakuum-Röhrenkollektoren – und zwar das Modell „AQUA PLASMA“ aus dem Hause Paradigma. Somit besitzt das Mehrfamilienhaus mit Solaranlage fast schon den Status einer kleineren Großanlage.

Mehrfamilienhaus mit Solaranlage

Da schwebt ein Aqua Plasma Kollektor aufs Dach. Foto: Elotherm

Im Keller wurde der alte Gaskessel mit einem  Gasbrennwert-Kessel „Modula III“ mit 65 kW ersetzt. Das Mehrfamilienhaus mit Solaranlage ist dank der Grenzen der Physik und des weniger-intensiven Sonnenscheins trotz üppiger Auslegung in den Wintermonaten schließlich immer noch auf die Hilfe einer Brennwertanlage zur Deckung der Lastspitzen angewiesen.

Kaskadeure: Puffer-Kaskade im Keller. Foto: Elotherm

Kaskadeure: Puffer-Kaskade im Keller. Foto: Elotherm

Außerdem gab’s drei neue Pufferspeicher á 1.000 Liter Fassungsvermögen zur Ergänzung der Anlage dazu (siehe Foto). Drei solcher Pufferspeicher als sogenannte Kaskade machten insofern Sinn, als dass ein einzelner, größerer nachträglich nicht mehr ins Haus reinpasste. Zudem kommt der Bauherr mit einer Kaskade meist günstiger weg als mit einem dazu noch eher unflexiblen Riesenspeicher.

Die Warmwasserbereitung für das Mehrfamilienhaus mit Solaranlage für die Hausbewohner erfolgt künftig über eine Wand-hängende Frischwasserstation WFS 35 („Friwa“) von Paradigma. Sie bereitet das Warmwasser bei tatsächlichem Bedarf an den Zapfstellen der 18 Wohneinheiten. Dabei wird kaltes Trinkwasser über einen Wärmetauscher am Speicher erwärmt ohne dass es zu einer physisches Durchmischung der Kreisläufe (Trinkwasser – Heizkreis) kommt. Lediglich die Wärmeenergie wird über große Kontaktflächen übertragen. Da so kein abgestandenes Wasser mehr im Kreislauf ist, sind die oben erwähnten hygienischen Probleme dank moderner Frischwasser-Technik weitestgehend ausgeschlossen.

Laut Wolfgang Günther reiche eine solche FriWa aus, um alle 18 Wohneinheiten mit Trinkwasser zu versorgen – selbst dann, wenn mehrere Leute zugleich am Wasserzapfen sind.

Das ist das ungewöhnliche an diesem Projekt, denn normalerweise rät man in so einem Fall eher zu einer aufwändigeren Firschwasser-Lösung und üppig dimensionierte Anlagen. Doch Wolfgang Günther ist auf Nummer Sicher gegangen und hat zuvor über zwei Wochen hinweg den den tatsächlichen Warmwasserbedarf mittels eines Messventils gemessen und so auch den Spitzenvolumenstrom (Spitzenlast) ermittelt, der in dieser Zeit bei max. 27 Liter pro Minute (l/min) lag. Und damit wird die für bis zu 35 l/min ausgelegte Paradigma-FriWa auch in diesem Mehrfamilienhaus mit Solaranlage fertig.

Das Schema der Heizungsanlage mit Solarthermie für das Mehrfamilienhaus in Celle. Foto: Elotherm

Schema der Heizungsanlage mit Solarthermie für das Mehrfamilienhaus in Celle; Screenshot aus dem Live-Monitoring via SystaWeb. Foto: Elotherm

Durch die Zirkulationsleitung (im Schaubild lila gefärbt) wird sichergestellt, dass die FriWa immer genug Wärme auf Abruf bereitstellen kann. Und damit ist tatsächlich auf Abruf, also mit Aufdrehen des Wasserhahns gemeint: Wenn einer der Bewohner die Dusche anstellt, fließt gleich heißes Wasser raus. Ein nerviges und Wasser verschwendendes Warten von ein, zwei Minuten auf heißes Wasser gibt es durch den zusätzlichen Zikurlationsstrang nicht.

Sommerliche Überschüsse

Aus der schematischen Darstellung der Heizungsanlage wird auch das ersichtlich: Sie verfügt über einen sogenannten Bypass. Der sorgt dafür, dass – falls im Sommer keine zusätzliche Wärme von den Solarkollektoren mehr abgenommen werden kann, sprich der Speicher voll mit Wärme ist und eine thermische Stagnation drohen würde –  kühleres Wasser aus dem Rücklauf eingemischt wird (im Schema als Stagnationsdämpfung zu sehen). Zusätzlich dient ein passendes Dampfventil dazu, heißen Wasserdampf in Abhängigkeit vom Temperatur-Niveau an unterschiedlichen Zuleitungen am Puffer einzuleiten, so dass der heiße Wasser-Dampf wieder kondensieren kann. Diese Art der aktiven Stagnationsbekämpfung findet sich immer in Großanlagen; im Einfamilienhaus mit kleineren Kollektorflächen kann darauf in aller Regel verzichtet werden.

Der tatsächliche Solarertrag im Mehrfamilienhaus mit Solaranlage

Die Solarthermie-Kollektoren auf dem Mehrfamilienhaus in Celle haben im Zeitraum 1. Januar bis 31. Oktober 2015 einen Ertrag von gut 14.500 kWh erbracht. Das parallele Angebot, das ebenfalls zur solaren Versorgung der 18 Wohneinheiten im Rennen war, sah hingegen einen Ertrag von lediglich 10.000 kWh vor; allerdings während des Zeitraums von ganzen 12 Monaten und mittels eines 50 Quadratmeter messenden Kollektorfelds mit Flachkollektoren.

Noch erwähnenswert: Die Anlage wurde in der Heizsaison modernisiert, deshalb wurden die Bewohner während der Montage von einer mobilen Heizanlage mit Wärme versorgt um keine Komfort-Einbußen hinnehmen zu müssen.

Projekt 1 des Monats November 2015 - Mehrfamilienhaus (18 WE) in Celle

Anlagengröße:40,08 m² (8 x 5,01 m²)
KollektorenAqua Plasma 8 x 3.312 kWh/a je m² nach Solar Keymark Datenblatt (50° C Würzburg)
Ausrichtung:k. A.
Pufferspeicher:3 x 1000 Liter / Pufferkaskade
Zusatzheizung:
Alte Heizung:GaskesselVerbrauch vorher: k. A.
Trinkwassererwärmung:ja
Heizungsunterstützung:ja
Beheizte Fläche:k. A.Baujahr der Anlage: 2013
Energiebedarf heute:k. A.
Gesamteinsparung:Kosten: 89.000 Euro
Ertrag/Jahr:Tatsächlich: von 1/2015 bis 11/2015: 14.500 kWhErrechnet: k. A.
Ausführender Betrieb:
Elotherm Anderson GmbH, Henighuser Str. 18 in D-31311 Hänigsen
www.elotherm-gmbh.de
Wir veröffentlichen monatlich zwei Anlagen unserer "Handwerker des Monats". Das ist das Projekt 1 des Handwerkers des Monats November 2015, Wolfgang Günther, Elotherm Andersen GmbH in Henighuser Str. 18
31311 Hänigsen.

Fotos: Elotherm Anderson GmbH

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Ein Kommentar zu “Mehrfamilienhaus mit Solaranlage in Celle | Projekt des Monats 11/2015”

  1. Sebastian

    Als Anregung möchte ich gerne den Vorschlag machen das nicht nur der Geschäftsführer die „Lorbeeren“ für die Vorgestellte Anlage einheimst sonder evtl. noch die Namen der ausführenden Monteure vorgestellt werden. Irgendwie habe ich beim durchstöbern Ihrer Seite mehrfach darüber nachgedacht, irgendwie war es auffällig. Gute Firmen definieren sich heute immer mehr durch gute Monteure und nicht mehr nur durch den Chef der alles am laufen hällt ;-)!

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