Wärmepumpe Schalldruck Schallleistung

Schalldruck und Schallleistungspegel bei Wärmepumpen: Das müsst ihr wissen!

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Ihr vergleicht zwei Wärmepumpen. Das Datenblatt der einen zeigt euch 38 dB(A), das der anderen 54 dB(A). Auf den ersten Blick ist die eine deutlich  leiser als die andere. Tatsächlich kann es jedoch sein, dass beide Wärmepumpen gleich laut bei euch im Garten schallen. Denn die Hersteller von Wärmepumpen geben zwei unterschiedliche Werte an: entweder den Schalldruck oder die Schallleistung. Wir erklären euch, was Schalldruck und Schallleistungspegel sind, warum beide wichtig sind, wo Hersteller Unterschiede machen und was das für eure Kaufentscheidung sowie Wahl des passenden Aufstellortes eurer Wärmepumpe heißt.

Was ist Schall?

Schall ist das, was ihr hört: jedes Geräusch, vom leisen Flügelschlag eines Schmetterlings bis hin zum lauten Überschallknall, den ein platzender Luftballon verursacht. Die Geräusche entstehen, wenn eine Schallquelle (der Schmetterlingsflügel, oder der platzende Luftballon) die Teilchen in der Luft in Schwingungen versetzt. Das sind winzige Bewegungen, die sich wellenartig ausbreiten und unter anderem auch das Trommelfell in euren Ohren schwingen lassen. Schlussendlich interpretiert euer Gehirn die Signale, die der Hörnerv ihm sendet.

Auch eine Wärmepumpe ist eine Schallquelle. Sie erzeugt Schallwellen vor allem über zwei Komponenten:

  1. den Ventilator, der die Außenluft ansaugt, und
  2. den Verdichter, der das Kältemittel komprimiert.

Gemessen wird Schall in der Einheit Dezibel (dB). Zum Vergleich ein paar typische Alltagsgeräusche:

ruhiges Flüstern: rund 15 bis 20 dB(A)
ruhige Bibliothek: rund 35 bis 40 dB(A)
normales Gespräch in einem Meter Abstand: rund 50 bis 60 dB(A)
Verkehrslärm an einer Hauptstraße: rund 70 bis 80 dB(A)

Wichtig zu wissen: Die Dezibel-Skala ist logarithmisch, nicht linear. Das heißt, dass eine Erhöhung um 10 dB nicht nur „ein bisschen lauter” wird, sondern eine Verzehnfachung der Schallenergie bewirkt. Und die wird vom menschlichen Ohr als etwa doppelt so laut empfunden. Der Unterschied zwischen 40 dB(A) und 50 dB(A) ist also deutlich größer, als die Zahlen vermuten lassen.

Das „(A)” hinter der Dezibel-Angabe begegnet euch bei jeder Wärmepumpe. Es bedeutet, dass der Messwert mit einem Filter bewertet wurde, der sich an das menschliche Hörempfinden anlehnt. Wir hören tiefe und sehr hohe Frequenzen schlechter als mittlere – die A-Bewertung trägt dem Rechnung. Praktisch bedeutet das: dB(A)-Werte sind direkt vergleichbar und geben einen realistischen Eindruck davon, wie laut etwas für uns tatsächlich klingt.

Paradigma Wärmepumpe WP Hypernova
Unsere neue Luft-Wasser-Wärmepumpe Paradigma WP Hypernova hat je nach Modell einen Schallleistungspegel nach EN 12102 (ERP-Label) zwischen 38 und 41 dB(A), einen maximalen Schallleistungspegel Tag zwischen 54 und 61 dB(A) und Nacht bei 70 Prozent Leistung zwischen 45 und 47 dB(A).

Schallleistungspegel (LWA): Eigenschaft des Geräts

Der Schallleistungspegel, kurz: LWA, beschreibt, wie viel Schallenergie eine Wärmepumpe insgesamt abstrahlt. Das ist eine feste Eigenschaft des Geräts, unabhängig davon, wo es steht, wie weit ihr davon entfernt seid oder ob eine Wand den Schall reflektiert.

Weil der Schallleistungspegel eine reine Geräteeigenschaft ist, ist er der Wert, der auf dem europäischen Energieeffizienzlabel (ErP-Label) verpflichtend angegeben werden muss. Er ist normiert, vergleichbar zwischen Herstellern und damit der Wert, den ihr in erster Linie zum Vergleich verschiedener Wärmepumpen heranziehen solltet.

Schalldruckpegel (LpA): was bei euch tatsächlich ankommt

Der Schalldruckpegel, kurz: LpA, dagegen beschreibt die tatsächlich messbare Lautstärke an einem bestimmten Ort, in einem bestimmten Abstand zur Schallquelle, beispielsweise zu einer Wärmepumpe. Anders als der Schallleistungspegel ist der Schalldruck keine feste Eigenschaft des Geräts: Denn er hängt von der Entfernung ab.

Die Physik dahinter folgt einer einfachen Faustregel:

Bei der Schallausbreitung im Freien sinkt der Schalldruck um rund 6 dB, wenn sich die Entfernung zur Schallquelle verdoppelt.

Eine Beispielrechnung zur Veranschaulichung

Ein Gerät mit einem Schallleistungspegel von 60 dB(A) – das ist ein realistischer Wert für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Volllastbetrieb – soll uns als Beispiel dienen: Mit der Abstandsfaustregel von minus 6 dB pro Verdopplung der Entfernung ergibt sich näherungsweise:

in 1 Meter Abstand: rund 60 dB(A)
in 2 Metern Abstand: rund 54 dB(A)
in 4 Metern Abstand: rund 48 dB(A)
in 8 Metern Abstand: rund 42 dB(A)
in 16 Metern Abstand: rund 36 dB(A)

Unser Beispiel zeigt: „Leise auf dem Datenblatt” und „leise im Garten” sind zweierlei Dinge. Dasselbe Gerät kann am Aufstellort selbst recht präsent klingen und am Nachbarfenster, ein paar Meter weiter, bereits deutlich unter dem nächtlichen Grenzwert liegen. Genau deshalb lohnt sich eine Berechnung für den konkreten Aufstellort, denn pauschale Aussagen wie „diese Wärmepumpe ist leise” oder „diese Wärmepumpe ist laut” greifen ohne diesen Kontext zu kurz.

Deshalb geben Hersteller den Schalldruck oft mit einem Bezugsabstand an: „in 1 Meter Abstand” oder „in 5 Meter Abstand”. Dieser Bezugsabstand ist entscheidend: Denn ein Schalldruck von 45 dB(A) in einem Meter Abstand ist etwas völlig anderes als 45 dB(A) in fünf Metern Abstand. Das zweite Gerät ist demnach deutlich leiser. Wenn ihr Werte vergleicht, müsst ihr also immer auch den Bezugsabstand mitlesen.

Schallleistung vs. Schalldruck: der Unterschied

Die Schallleistung ist eine Eigenschaft der Wärmepumpe und beziffert, wie viel Schallenergie sie insgesamt abgibt.

Der Schalldruck dagegen ist eine Erfahrung vor Ort, er beziffert, was ihr oder auch eure Nachbarschaft an einem bestimmten Punkt tatsächlich von eurer Wärmepumpe hört.

Um das zu verstehen, schauen wir uns mal einen Herd an: Die Herdplatte strahlt mit 2.000 Watt (W) immer dieselbe Wärme ab, das ist ihre feste Eigenschaft. Wie warm sich diese Wärme anfühlt, hängt jedoch davon ab, wie nah ihr eure Hand an die Platte haltet. Genauso ist es auch mit dem Schall eurer Wärmepumpe: Die Schallleistung bleibt gleich, der Schalldruck ändert sich mit dem Abstand zum Gerät.

Das ist für die Praxis wichtig: Ein Gerät mit höherem Schallleistungspegel kann trotzdem von euren Nachbar:innen als leiser wahrgenommen werden als ein Gerät mit niedrigerem Schallleistungspegel: Nämlich dann, wenn es

  • weiter von der Grundstücksgrenze entfernt steht,
  • eine günstigere Abstrahlrichtung hat
  • oder weniger Schall von reflektierenden Flächen verstärkt wird.
WP-Aero-Calima_Paradigma_außen
Unsere Paradigma Luftwärmepumpe WP Aero Calima ist dank einer speziellen Kapselung des Verdichters und eines großen und strömungstechnisch optimierten Ventilators im Betrieb flüsterleise: Schallleistungspegel nach EN 12102: je nach Leistung 45 bis 50 dB(A).

Tag- und Nachtwerte: Warum Hersteller mehrere Zahlen angeben

Moderne Wärmepumpen reduzieren ihre Leistung im Nachtbetrieb automatisch. Infolgedessen sinkt auch auch ihre Lautstärke. Deshalb findet ihr in Datenblättern oft mehrere Werte:

  • einen höheren für den Volllastbetrieb tagsüber
  • und einen niedrigeren für den reduzierten Nachtbetrieb. Dieser liegt häufig bei 70 Prozent der Maximalleistung.

Der Tagwert ist in der Regel der höchste angegebene Wert. Er entsteht bei voller Heizlast, zum Beispiel an einem sehr kalten Wintertag. Für die nächtliche Lärmbelastung, die rechtlich am strengsten geregelt ist, ist der Nachtwert die relevantere Größe. Wer ein Datenblatt liest, sollte beide Werte im Blick haben und verstehen, dass sie in unterschiedlichen Betriebsarten ein und derselben Wärmepumpe entstehen.

Merkt euch: Die Werte auf Datenblättern sind nicht immer direkt vergleichbar, weil Hersteller unterschiedliche Bezugspunkte wählen.

Unterschiedliche Betriebsarten

  • Ein Hersteller gibt den Schallleistungspegel im reduzierten Teillastbetrieb an. Das ist der niedrigste Wert, den das Gerät überhaupt erreichen kann.
  • Ein anderer nennt den Schallleistungspegel bei Nennleistung, also im Volllastbetrieb.

Beide Werte sind korrekt gemessen, beschreiben aber unterschiedliche Betriebszustände.

Auf dem Datenblatt zu unserer neuen Paradigma Wärmepumpe WP Hypernova (Foto oben) zum Beispiel weisen wir

  • sowohl den Schallleistungspegel nach ErP-Label
  • als auch separate Maximalwerte für Tag- und Nachtbetrieb aus.

Unterschiedliche Bezugsabstände beim Schalldruck

Ein Schalldruckwert „in 1 Meter Abstand” sieht auf dem Papier höher aus als einer „in 5 Metern Abstand”, selbst wenn es sich um ein und dieselbe Wärmepumpe handelt. Wenn ihr zwei Wärmepumpen vergleicht und nicht auf den Bezugsabstand achtet, vergleicht ihr möglicherweise Äpfel mit Birnen, ohne es zu merken.

Schallleistungspegel werden nach der europäischen Norm EN 12102 gemessen, Leistungsdaten allgemein nach EN 14511. Diese beiden Normen legen Messverfahren und Prüfbedingungen fest, sorgen also für eine gewisse Vergleichbarkeit. Was sie nicht vorschreiben, ist, welchen von mehreren zulässigen Werten ein Hersteller in seinem Prospekt oder auf seiner Website hervorhebt.

Was das für euch praktisch bedeutet: Checkliste zum Wärmepumpenvergleich

  • Fragt nach dem Schallleistungspegel (LWA) nach EN 12102. Denn das ist der normierte Vergleichswert.
  • Fragt, ob sich der angegebene Wert auf Volllast oder reduzierten Betrieb bezieht.
  • Fragt nach dem Schalldruckpegel inklusive Bezugsabstand: Wie laut ist das Gerät in 3 Metern Entfernung?
  • Fragt nach separaten Tag- und Nachtwerten, falls diese nicht angegeben werden.
WP-Aero-Marin_Paradigma_außen
Auch unsere Paradigma Luft-Wasser-Wärmepumpe WP Aero Marin ist besonders leise im Betrieb: Schallleistungspegel nach EN 12102 – je nach Leistung 42 bis 53 dB(A).

Warum die Lautstärke bei Wärmepumpen rechtlich relevant ist

Die Lautstärke der Betriebsgeräusche, die eine Wärmepumpe machen darf, ist rechtlich geregelt: mit der “Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“, kurz: TA Lärm. Sie gilt auch für Wärmepumpen, weil diese als technische Anlagen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes eingestuft werden.

Die Immissionsrichtwerte je Gebietstyp:

Wärmepumpe Schalldruck SchallleistungDer entscheidende Punkt ist der: Diese Werte gelten nicht am Gerät selbst, sondern am sogenannten Immissionsort, also dort, wo der Schall ankommt. In der Praxis ist das meist das nächstgelegene Fenster eines schutzbedürftigen Raums bei den Nachbar:innen, also beispielsweise deren Schlafzimmerfenster. Gemessen wird, falls es zum Streitfall kommt, rund 0,5 Meter vor dem geöffneten Fenster.

Der Tagwert ist bei Wärmepumpen in der Praxis selten ein Problem, weil tagsüber ohnehin viele andere Geräusche wie die vom Straßenverkehr, vom Wind oder Stimmen die Umgebung prägen. Der Nachtwert von 35 dB(A) in reinen Wohngebieten ist dagegen eine Herausforderung und der Wert, auf den bei der Platzierung einer Wärmepumpe besonders geachtet werden muss.

Zusätzlich gibt es einen sogenannten Spitzenpegel: kurze Geräuschspitzen, beispielsweise, wenn der Kompressor anläuft oder der Ventilator nach einer Pause hochfährt. Dieser darf den Richtwert um bis zu 30 dB(A) tagsüber und 20 dB(A) nachts überschreiten, ohne dass das schon einen Verstoß bedeutet.

Für die noch aktuelle staatliche Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – KfW) gelten inzwischen zusätzliche Anforderungen an die Geräuschemission von Wärmepumpen. Förderfähige Wärmepumpen müssen seit diesem Jahr (2026) 10 dB unter dem Grenzwert der europäischen Ökodesign-Verordnung liegen. Das heißt für euch: Wenn ihr heute eine geförderte Wärmepumpe kauft, bekommt ihr automatisch ein Gerät, das deutlich leiser ist als der gesetzliche Mindeststandard.

Abstandsregeln der Bundesländer: Neben der TA Lärm gibt es landesrechtliche Abstandsvorschriften für technische Anlagen. Diese Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und wurden in den letzten Jahren in mehreren Ländern gelockert, um den Einbau von Wärmepumpen zu erleichtern. Beide Regelwerke gelten unabhängig voneinander und müssen beide eingehalten werden.

Online-Schallrechner Wärmepumpen

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) stellt einen Online-Schallrechner zur Verfügung, mit dem ihr schon mal abschätzen könnt, welcher Aufstellort und welcher Abstand zur Grundstücksgrenze für eine bestimmte Wärmepumpe die TA-Lärm-Werte einhält. Unsere Paradigma Partnerbetriebe führen dann eine solche Berechnung im Rahmen der Planung ohnehin durch.

Wärmepumpe: Tipps zur Lärmminderung

  • Reflexionen vermeiden: Wird die Außeneinheit der Wärmepumpe in eine Ecke zwischen zwei Hauswänden gestellt, summieren sich Schallreflexionen, so dass das Gerät lauter klingt, als es eigentlich ist. Ein freistehender Aufstellort ohne reflektierende Flächen in unmittelbarer Nähe ist akustisch günstiger.
  • Ausrichtung der Luftaustrittsseite: Die Seite, aus der die Luft mit erhöhter Geschwindigkeit ausströmt, sollte nicht direkt auf Fenster oder Terrassen, ganz gleich, ob die eigenen oder die der Nachbarschaft, gerichtet sein.
  • Abstand zur Grundstücksgrenze und zu Schlafzimmerfenstern: Schon wenige Meter mehr Abstand machen wegen der Abstandsdämpfung von rund 6 dB pro Verdopplung einen spürbaren Unterschied.
  • Schallschutzhauben und Aufstellsockel: Diese können zusätzliche Dämpfung bringen, ersetzen aber keine durchdachte Standortwahl. Sie sind eine Ergänzung, nicht die Basis.
  • Innenaufstellung als Alternative: Bei manchen Wärmepumpen ist eine Aufstellung im Gebäudeinneren möglich, die Außenluft wird dann über zugehörige Kanäle zu- und abgeführt. Das verändert die akustische Situation grundlegend.

Die Checkliste zum Mitnehmen

Bevor ihr euch eine Wärmepumpe bestellt, lohnt sich unser kurzer Check:

  • Liegt der Schallleistungspegel nach EN 12102 vor und ist klar, ob er sich auf Volllast oder reduzierten Betrieb bezieht?
  • Gibt es separate Werte für Tag- und Nachtbetrieb?
  • Liegt ein Schalldruckwert mit Bezugsabstand vor und lässt sich daraus der Wert an eurem geplanten Aufstellort abschätzen?
  • Wurde der Aufstellort mit Blick auf die TA-Lärm-Grenzwerte für euer Gebiet durchgerechnet, idealerweise mit dem Schallrechner des BWP oder einer vergleichbaren Methode des Fachbetriebs?
  • Liegen Abstand zur Grundstücksgrenze und zu Schlafzimmerfenstern im grünen Bereich?

Abschließend bleibt zu sagen, dass moderne Wärmepumpen so leise sind, dass sie bei sorgfältiger Planung in den allermeisten Wohnsituationen problemlos die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Seit der Verschärfung der Förderkriterien für Wärmepumpen gilt das für geförderte Geräte umso mehr. Die Lärmfrage ist eine reine Planungsfrage.

Fotos:  Pixel-Shot – Adobe.Stock.com (Titel), Paradigma