Handwerker 4.0

(Solar)Handwerk 4.0 – dabei sein ist alles!

In Teil 1 dieser Artikelreihe zum Thema 4.0 ging es um das Grundlagenwissen. Heute dreht sich alles um die Frage, ob sich die Handwerker hierzulande schon auf den Integrationsweg zu 4.0 gemacht haben. Und darum, was den Handwerkern entgeht, die noch nicht im Internet zugange sind. Das heißt, auch der Verbraucher mit seinem Verhalten in Bezug auf Handwerker (Suche nach geeignetem Dienstleister) ist hier Thema.

Bestandsaufnahme: Handwerker und Internet

Das Handwerksblatt schrieb zu Jahresbeginn in seiner Online-Ausgabe, dass Studien zufolge 37 Prozent der kleinen Unternehmen noch nicht im Internet präsent seien. Das Portal bezieht sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, denen zufolge bislang „nur 63 Prozent die Vorteile einer eigenen Internetpräsenz“ nutzen würden.

Was bedeutet es für einen Handwerksbetrieb, wenn er digital nicht oder besser: noch nicht stattfindet? Eine fehlende Internetseite heißt:

  • Der Handwerker wird von Verbrauchern nicht online gefunden, die seine handwerklichen Dienste brauchen. Das heißt, er bekommt die Aufträge dieser Verbraucher nicht.
  • Der Handwerker wird von Verbrauchern nicht online gefunden, die nach einem Ausbildungsplatz suchen und sich vorab über mögliche Ausbildungsbetriebe informieren möchten. Angesichts des allerorts beklagten Fachkräftemangels und der Problematik, geeignete Nachfolger zu finden, ist gerade dieser Grund für einen Web-Auftritt von immenser Bedeutung.

Keine Internetseite – weniger Aufträge

Wer meint, dass es nicht so schlimm sein, als Handwerker (noch) nicht im Internet zu stehen, der sollte die folgenden Fakten kennen:

Die Deutsche Handwerkszeitung (DHZ) berichtet online bezugnehmend auf eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Gelben Seiten, in der unterschiedliche Dienstleister wie Hotels, Gärtner und Handwerker bewertet werden sollten, unter anderem , über die Suche nach dem für das eigene Vorhaben geeigneten Handwerker. Demnach würden die Verbraucher nicht nur unterschiedliche sondern oft auch mehrere Quellen zur Handwerkersuche anzapfen – allen voran Freunde und Bekannte (86 Prozent). 60 Prozent der Verbraucher würden in gedruckte oder Online-Branchenverzeichnisse schauen, um einen Handwerker zu finden. Und 46 Prozent suchten diesen über eine Suchmaschine online.

Das heißt, mehr als jeder zweite Verbraucher schaut gezielt in Branchenverzeichnissen im Internet und / oder via Google & Co. nach einem Handwerker – wer da nicht online stattfindet, wird schlichtweg nicht gesehen und ist damit raus aus der Auswahl, raus aus dem Rennen um den Auftrag.

Eine weitere Info aus dem Artikel der Zeitung sollte ebenfalls beachtet werden: Im Zusammenhang mit Handwerksarbeiten, die Verbraucher als Laien beziehungsweise Hobbyhandwerker in Eigenleistung erledigen würden, schreibt die Zeitung:

Verbraucher, die keinen Handwerker beauftragen, wollen damit in erster Linie Geld sparen. 67 Prozent der Befragten nennen dies als Hauptgrund. Aber 56 Prozent der Befragten geben auch an, Spaß bei der handwerklichen Arbeit zu haben und deshalb keinen Fachmann zu rufen. Nur fünf Prozent tun dies, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben.“

So weit so gut. Jetzt aber kommt’s:

„Die meisten Hobbyheimwerker sind zwischen 30 und 49 Jahren alt. Nur 51 Prozent dieser Altersgruppe beauftragen für anspruchsvolle Arbeiten immer oder häufig einen Profi. Junge Menschen erledigen anspruchsvolle Arbeiten in ihren eigenen vier Wänden hingegen seltener alleine. In der aktuellen Umfrage sind es 68 Prozent der 18 bis 29-Jährigen, die für komplexe Bau-, Sanitär- oder Elektroarbeiten immer oder häufig einen Handwerker rufen. 2012 waren es noch 56 Prozent.“

Das heißt, die Zahl der jungen Verbraucher, die einen Handwerker rufen, ist nicht nur erstaunlich hoch, sondern sie scheint offensichtlich zu wachsen. Verknüpfen wir das Wissen um die Affinität der jungen Verbraucher zu Internet, sozialen Medien & Co. mit diesem Fakt, wird klar, was einem Handwerker ohne Internetpräsenz an Aufträgen heute schon durch die Lappen geht und künftig noch gehen wird.

Keine Internetseite – weniger Auszubildende

Kein Auszubildender gleicht dem anderen – und doch haben sie alle eins gemeinsam: Sie sind jung! Junge Verbraucher jedoch sind im Internet mehr als zu Hause! Sie verbringen große Teile ihres Tages online und suchen dort ganz sicher auch nach ihrer beruflichen Zukunft. Um der Probleme Fachkräftemangel und Nachfolgersuche Herr zu werden, haben die Kammern & Co. längst ihrerseits reagiert:  Neben den Lehrstellenbörsen, die sie auch online unterhalten, bieten sie Apps an, mit deren Hilfe die Jugendlichen sich zu Berufsbildern und Ausbildungsplätzen informieren können. Oft können sie sich auch online „profilieren“, also ihr Profil hinterlegen, so dass auch potentielle Ausbilder aktiv nach geeigneten Kandidaten für ihre Betriebe Ausschau halten können. Wer als Handwerker nicht online zugange ist, dem entgehen deshalb so manche Kandidaten.

Handwerk 4.0 braucht Internetkompetenz

Nun ist Handwerk 4.0 weit mehr, als dass ein Handwerker seine Adresse auf einer Seite im Internet hinterlässt, in der Hoffnung, vom  Verbraucher gefunden zu werden.  Denn es geht schon lange nicht mehr um „sich finden lassen“, sondern vielmehr um ein „sich anbieten“. Dazu muss man wissen, dass die Vermarktung der eigenen Dienstleistung online nicht 1:1 wie im echten Leben stattfinden kann. Handwerker brauchen für die Integration ins Handwerk 4.0 auch eine digitale Kompetenz.

Die 4.0-Kompetenz lässt sich erwerben, keine Frage. Oder aber man nutzt die konzeptionelle Vernetzung von 4.0 und delegiert den Marketing-Job an beratende und dienstleistende „Internet-Marketiere“. In diesem Fall kann sich der Handwerker auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und seinem Kerngeschäft nachgehen. Denn seien wir mal ehrlich: Hege und Pflege von Website, Facebook & Co. kosten Zeit und Mühe – die sich auf jeden Fall lohnen. Denn schon seit Jahren suchen Jugendliche auch in sozialen Netzwerken nach Profilen von Unternehmen, zugehörigen Karriereseiten und Ähnlichem, wie beispielsweise die „Social-Media-Studie“ der Kommunikationsagentur Kienbaum Communications belegte.

Was den jungen Verbrauchern dabei wichtig ist, beschreibt ein Artikel des Portals Wirtschaftspsychologie aktuell: „Dabei schätzen die Teenager (rund 1.200 Schüler unterschiedlicher Schultypen zwischen 14 und 20 Jahren – Anmerkung der Redaktion) besonders die direkte Ansprache und die Schnelligkeit des Mediums. So versprechen sich 73 Prozent der Nutzer eine schnelle Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen. 69 Prozent sehen den Vorteil in den direkten Informationen, die sie über die Karriere-Pages in sozialen Netzwerken erhalten. … Bereits 60 Prozent der Schüler haben die Karriere-Page eines Unternehmens in einem sozialen Netzwerk besucht und zwei Drittel der Befragten empfinden diese bei der Ausbildungsplatzsuche als nützlich und hilfreich. … Die Jugendlichen nutzen die unterschiedlichsten Kanäle, um sich zu informieren, und hinterfragen dabei die gebotenen Informationen. So zeigt die Studie, dass 53 Prozent der Schüler Erfahrungsberichte anderer Auszubildender im Internet lesen. Rund ein Drittel der Befragten schaut dazu in Chats, Blogs und Foren, 13 Prozent besuchen zu diesem Zweck soziale Netzwerke. Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch, dass nur sieben Prozent der Befragten selbst eigene Erfahrungsberichte ins Internet stellen. Die Zahl der passiven Leser überwiegt hier momentan (der Bericht ist von 2012 – Anmerkung der Redaktion) noch deutlich.“

Wer wissen will, welche Solarteure schon auf Facebook aktiv sind, der kann sich mal unseren Artikel hier anschauen – bitte auch die Einträge in den Kommentaren beachten:

Liste der Solarthermie-Handwerker mit Facebook-Seite

Und wer nach einem Solarteur in seiner Nähe sucht, der findet ihn über die praktische Handwerkersuche auf der Paradigma-Homepage.