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Solarisierung beschleunigen: BSW Solar empfiehlt 10 Maßnahmen

Während die Politik in Koalitionsverhandlungen um einen Fahrplan für die Zukunft Deutschlands ringt, hat der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW Solar) der künftigen Bundesregierung zur neuen Legislaturperiode einen Plan mit 10 Maßnahmen aufgestellt, die aufzeigen, wie die Solarisierung der deutschen Energieversorgung angepackt werden sollte. Der 10-Punkte-Solarisierungsplan fasst die Ergebnisse einer Befragung zusammen, an der mehr als 300 Solar- und Speicherunternehmen teilgenommen hatten.

Energiewende 2.0 – Photovoltaik, Solarthermie und Speicher können substanziellen Beitrag leisten

Mit Blick auf die Entwicklung der Technologien, Technik und Kosten habe die Solarenergie mit Photovoltaik (PV), Solarthermie (ST) und Speichern in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie einen substanziellen Beitrag zur Energiewende 2.0 leisten könne, schreibt der BSW Solar, der sich als Interessenvertretung der Solar- und Speicherbranche in Deutschland versteht.

“Unser Energiesystem ist für eine deutliche Beschleunigung des Solarenergie-Ausbaus bereit.”

Dazu bräuchte es, so der BSW Solar weiter,

  • “die Stärkung der bestehenden Basis,
  • einen kraftvollen Solarenergie- (PV und ST) und Speicherzubau einerseits
  • und mutige Innovation und
    Offenheit für rasche Weiterentwicklungen hin zu
    einem smarten Energiesystem andererseits.”

Stark sinkende Kosten würden es demnach erlauben, den Markt in den nächsten Jahren auf weitgehend selbsttragende solare Geschäftsmodelle vorzubereiten. Dafür seien dem BSW Solar zufolge drei Voraussetzungen nötig:

  1. müssten diese
    Geschäftsmodelle durch den Abbau von Hemmnissen
    erleichtert und am Markt akzeptiert werden.
  2. müssten faire Marktbedingungen durch eine angemessene
    CO2-Bepreisung geschaffen werden.
  3. dürfe es auf dem Weg zu diesen selbsttragenden solaren Geschäftsmodellen keinen Fadenriss für die am Markt tätigen Unternehmen und andere Akteure geben.

10 Maßnahmen, um die Solarisierung der deutschen Energiewende voranzutreiben

Die folgenden 10 Empfehlungen (das PDF könnt ihr hier downloaden) habe der BSW Solar formuliert, um den Weg zur Erreichung der genannten Ziele zu konkretisieren:

1. Maßnahme zur Solarisierung: Höhere Ausbauziele für Solarenergie (Photovoltaik plus Solarthermie)

Die erste Empfehlung des BSW Solar betrifft die Ausbauziele für Solarenergie.

  • So gelte es, den Ausbaukorridor für die Erzeugung von Solarstrom (Photovoltaik) deutlich zu erhöhen. Denn die  aktuell von der Bundesregierung geplanten 2,5 Gigawatt (GW) Solarstrom pro Jahr würden demnach nicht genügen, um die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes zu erreichen. Nach der Empfehlung von Wissenschaftlern müsste der Zubaukorridor – in Abhängigkeit vom Grad der Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors – mindestens verdreifacht bis versechsfacht werden.
  • Der Ausbau der Solarthermie sei demnach sogar zu verzehnfachen: von aktuell 0,5 auf mindestens 5 GW pro Jahr.

2. Maßnahme zur Solarisierung: Stärkerer Eigenverbrauch und Direktversorgung

Zweitens empfiehlt der BSW Solar,

  • sowohl den solaren Eigenverbrauch
  • als auch die solare Direktversorgung

zu stärken. Das gelänge mit einer vom Erneuerbare energien Gesetz (EEG) unabhängigen Finanzierung. Die setze voraus, dass die anteilige EEG-Umlage (vom BSW Solar “Investitionshindernis” genannt) auf den selbst verbrauchten Strom aus Anlagen mit einer Leistung von mehr als zehn Kilowatt abgeschafft würde.

Damit Eigenverbraucher sich nicht vorwerfen lassen müssten, dass sie sich so aus der solidarischen Finanzierung des Netzes teilweise herauszögen, empfiehlt der BSW Solar, dass sie künftig eine pauschale und einfach zu berechnende Abgabe zahlen müssten. In die Berechnung sollte nicht nur der solare Eigenverbrauch sondern auch der Eigenverbrauch aus Anlagen anderer Technologien einfließen.

3. Maßnahme zur Solarisierung: Kraftvollerer Ausbau der Freiflächen für Photovoltaik-Anlagen

Für mehr Photovoltaik-Solarparks müssten

  • einerseits das Ausschreibungsvolumen von derzeit 600 Megawatt (MW) auf mindestens 3 GW jährlich erhöht werden. Die in den Sondierungsgesprächen bislang vereinbarten Sonderausschreibungen von 2 MW jährlich für 2018 und 2019 würden nicht ausreichen, um den Bedarf abzudecken, wird in diesem Beitrag dazu angemerkt.
  • anderseits  die Standortrestriktionen für den Bau von Freiflächenanlagen lockerer werden, damit die Preisvorteile der Solarenergie zum Tragen kämen. Es reiche nicht aus, die über das EEG geförderten Anlagen auf 750 Kilowatt Leistung zu beschränken – das würde den Bau großer Solaranlagen auf Dächern verhindern.

Es käme hier auch auf neue Geschäftsmodelle an, zum Beispiel das Abschließen von bilateralen Stromlieferverträgen (Power Purchase Agreements – PPAs), die in Deutschland noch unbekannt und daher noch nicht gefragt seien.

4. Maßnahme zur Solarisierung: Abschaffung des 52-GW-Zubaudeckels für PV

Aktuell gelte der 52-GW-Zubaudeckel: Das hieße, so schreibt der BSW-Solar, dass keine Photovoltaik-Anlage mehr eine Einspeisevergütung bekäme, wenn insgesamt eine Photovoltaik-Leistung von 52 GW installiert sei. Weil inzwischen allerdings schon 42 GW installiert wären, sei dieser Deckel eine Investitionsbarriere. und das insbesondere dann, wenn die EEG-Umlage in Zukunft nur noch um 0,015 Cent pro Kilowattstunde steige. Darum sei der bisherige Deckel nicht dazu geeignet, die EEG-Umlage zu senken.

5. Maßnahme zur Solarisierung: Stärkerer Ausbau der Solarthermie

Längst könne die Solarthermie dank gesunkener Preise – im großtechnischen Bereich liege der deutlich unter 5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) – mit billigem Gas und Öl konkurrieren. Für einen stärkeren  Ausbau der Solarthermie, sprich: einer Solarisierung insbesondere der Bereiche

  • Nahwärme,
  • Fernwärme
  • und Prozesswärme, 

müssten auch endlich die Klimafolgekosten fossiler Energiequellen angemessen eingepreist werden.  Darüberhinaus müsste kurzfristig der Plan umgesetzt werden, einen Umstieg auf Solarwärme mit Steuervergünstigungen deutlich stärker anzureizen und dies mit einem verbesserten Marktanreizprogramm (MAP) zu flankieren. Zudem empfiehlt der BSW Solar, baurechtliche Hindernisse zur Verbreitung solarer Nahwärme-Systeme zu beseitigen. 

6. Maßnahme zur Solarisierung: Sichere Erneuerbare-Energien-Mindeststandards zur Modernisierung und Dekarbonisierung des Gebäudebestands

Um den Gebäudebestand zu dekarbonisieren, sollten die Standards für den Primärenergieverbrauch angehoben werden – nicht nur für Neubauten, sondern auch für Bestandsgebäude. Damit die Mieter nicht auf den Kosten sitzen bleiben, was in der Vergangenheit immer wieder zur Kritik an der energietischen Sanierung geführt hat, muss das Mietrecht derart geändert werden, dass eine faire Kostenverteilung zwischen Vermietern und Mietern zustande kommt.

7. Maßnahme zur Solarisierung: Potential von Speichern für Energiewende erschließen

Zur Erschließung des technischen Potenzials von Energiespeichern für die Energiewende müsste endlich die doppelte EEG-Umlage (wirke als Doppelbelastung) für zwischengespeicherten Strom abgeschafft werden. Statt dessen sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Speichern Systemdienstleistungen ermöglichen würden.

8. Maßnahme zur Solarisierung: Marktbarrieren abbauen, um auch Förderungen abzubauen

Die Regelungen für Solaranlagen (PV und ST) seien kompliziert und überbordend bürokratisch, schreibt der BSW Solar. Sie würden die Investitionsbereitschaft ersticken und müssten dringend aufgeräumt werden, zum Beispiel die 2017 beschlossene Unterstützung von Mieterstromanlagen.

Die Energie die Mehrfamilienhäuser direkt verbrauchen würden, müsse dringend mit dem Eigenverbrauch in Industrie und Gewerbe sowie im Einfamilienhaus gleich gestellt werden. Darüberhinaus müsse künftig auch die Nahstromversorgung ohne Restriktionen und riesigem bürokratischem Aufwand machbar sein.

9. Maßnahme zur Solarisierung: Stärkung der deutschen Solarindustrie mit Unterstützung für internationale Solarprojekte

Zur Unterstützung der deutschen Solarindustrie sollte die Bundesregierung Wege finden, internationale Solarprojekte staatlich sicher zu finanzieren. Vor allem mittelständische Solarunternehmen bräuchten demnach Unterstützung beim Einstieg in den Export von Technologie und die Umsetzung internationaler Projekte.

10. Maßnahme zur Solarisierung: CO2-Ausstoß fair einpreisen, Subventionen für Fossile beenden

Weder im Strom- noch im Wärmemarkt gebe es derzeit
einen fairen Wettbewerb, da sich die Schäden, die
fossile Energieträger an Klima, Umwelt und Gesundheit
anrichten würden, entweder gar nicht oder nur rudimentär in ihrem Preis widerspiegeln würden. Noch immer würden fossile Energieträger hoch subventioniert und die Milliardenkosten ihrer Nutzung zum Beispiel über
Gesundheitsfolgekosten vergesellschaftet, stellt der BSW Solar fest. Und weiter: Der europäische Emissionshandel habe bislang versagt.

Daher müsste jetzt eine nationale CO2-Steuer kommen, wie sie der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) vorgeschlagen habe. Neben dem Ausstieg aus der Kohleverstromung sei zudem das Überführen der Industrieprivilegien bei der Zahlung der EEG-Umlage in den Bundeshaushalt nötig.

Käme es zur Umsetzung der 10 Maßnahmen zur Solarisierung der deutschen Energieversorgung, sei es laut dem BSW Solar in absehbarer Zeit möglich, dass die Solarenergie weitgehend auf Basis selbsttragender Geschäftsmodelle und unabhängig vom EEG ausgebaut werde.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. sagte gegenüber der Presse zu den Ergebnissen der Sondierungsgespräche der deutschen Politiker: „Wir begrüßen die angestrebte Beschleunigung des EE-Ausbaus. Was leider noch aussteht, ist ein klares Aufbruchsignal und Bekenntnis zur Neuen Energiewelt mit ihren enormen Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Mit Homöopathie ist dem Klimaproblem nicht beizukommen.”

Titel: BSW Solar