Solarthermie-Anlage kaufen: Sind Sie fit fürs erste Beratungsgespräch?

Wer eine Solarthermie-Anlage kaufen will, sollte sich fit machen fürs Beratungsgespräch.

Wer sich auf die Suche nach dem passenden Fachbetriebe für den Einbau einer Solarthermie-Anlage auf seinem Haus und/oder Grundstück macht, der sollte einige Fakten zu seinem Gebäude, seiner “privaten Energiewirtschaft” und zum Thema Solarthermie kennen. Hier kommt das Wichtigste dazu kurz und bündig formuliert:

1. Eignet sich mein Haus für eine Solarthermie-Anlage?

Wer Sonnenwärme nutzen möchte, braucht Sonne, ganz klar. Und davon gelangt genügend in sämtliche Regionen Deutschlands, so dass sich der Betrieb einer solarthermischen Anlage hierzulande überall lohnt. Selbstverständlich sind sonnige Standorte gegenüber schattigen zu bevorzugen. Experten empfehlen zur Installation beispielsweise eine schattenfreie (Sattel)Dachfläche, die zwischen Südost und Südwest ausgerichtet ist und deren Neigungswinkel zwischen 20 bis 60 Grad liegt. Auch flache Dächer sind für die Errichtung einer solarthermischen Anlage gut geeignet. Ist die Ausrichtung des Daches eher Richtung Osten oder Westen muss man gegebenenfalls eine größere Kollektorfläche anbringen (siehe Frage 3).

2. Muss die Kollektorfläche auf dem Dach angebracht werden?

Nein. Man kann die Kollektoren anstelle auf dem Dach (Aufdachmontage) auch ins Dach einbauen (Indachmontage) oder freistehend aufstellen (Freiaufstellung), zum Beispiel im Garten. Oder man bringt sie an der Wand an (Fassadenmontage). Auch als Brüstung, etwa an Balkon oder Terrasse, lassen sich Kollektoren montieren.

3. Welche Kollektorfläche benötige ich in etwa?

Hier gilt die Faustregel, dass man zum Erwärmen des Brauchwassers etwa ein bis anderthalb Quadratmeter Kollektorfläche pro Person im Haushalt installieren sollte, um sinnvoll zu wirtschaften. Die Kollektorfläche sollte jedoch mindestens fünf Quadratmeter betragen.

4. Die Kollektorfläche an sich ist nur ein Teil der Solarthermie-Anlage. Welche weiteren Komponenten muss ich einkalkulieren?

Neben Sonnenkollektoren gehören zur Anlage eine Regeleinheit mit Pumpe und ein gut gedämmter Warmwasserspeicher. Letzterer benötigt eine Stellfläche, beispielsweise im Keller, von gut einem Quadratmeter bei einer Höhe von etwa zwei Metern.

5. Kann ich mein Haus jederzeit mit einer solarthermischen Anlage aufrüsten lassen?

Ja. Wobei sich beispielweise die anstehende Modernisierung von Heizung beziehungsweise Dach als günstige Zeitpunkte für den Einbau einer Solarthermie-Anlage erwiesen haben. Wer das Ganze mit einer Wärmedämmung kombiniert, kann häufig sogar Fördergelder dafür einstreichen. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH dena rät, „eine Solarwärmeanlage zu installieren, wenn die Heizung modernisiert wird. Das lohnt sich oft schon, wenn die Heizung älter als 15 Jahre ist.“ Wer neu baut und die solarthermische Anlage gleich einkalkuliert, spart gegenüber einer nachträglichen Aufrüstung bis zu 20 Prozent Kosten, sagen die Solartechnikberater auf ihrer gleichnamigen Internetseite.

6. Wie lange dauert es in etwa, eine Solarthermie-Anlage zu montieren?

Das hängt  selbstverständlich von der Projektgröße ab, ist aber in Privathaushalten meist eine Sache von nur wenigen Tagen.

7. Liefert eine Solarthermie-Anlage so viel Wärme, dass sie bedarfsdeckend arbeitet?

Hier gilt die Faustregel: Eine gut durchdachte Anlage aus hochwertigen technischen Bauteilen kann hierzulande mehr als die Hälfte des Bedarfs an warmen Wasser (Küche, Bad, Waschküche) decken – wohlgemerkt: übers Jahr betrachtet. In den sonnigen Monaten geht die Deckung gar bis an die 100 Prozent.Sprich: Der Heizkessel kann aus bleiben (Ausnahmen wie der aktuelle Nicht-Sommer 2013 bestätigen die Regel!) In den kühleren Monaten wärmt die Anlage das kalte Wasser meist nur vor, seine endgültige Brauchtemperatur erhält es dann von der Heizung.

8. Mit welcher Lebensdauer kann ich bei einer Solarthermie-Anlage rechnen?

Je nach Anlage liefert diese über Jahrzehnte Wärme. Gute Firmen geben auch sehr lange Garantien.

9. Brauche ich eine Baugenehmigung, wenn ich eine Solarthermie-Anlage errichten will?

Soll die Anlage auf oder in das Dach Ihres Einfamilienhauses montiert werden, benötigen Sie in den meisten Bundesländern dafür keine Genehmigung. Die konkreten Fakten dazu können Sie in der Landesbauordnung ihres Bundeslandes nachlesen, die sie hier online finden. Im Zweifelsfall sollten Sie vor der Errichtung der solarthermischen Anlage beim für Sie zuständigen Bauamt nachfragen, ob Sie eine Genehmigung benötigen oder nicht. Es gibt nämlich schon ab einer bestimmten Kollektorfläche Genehmigungsfälle, ebenso, wenn man die Anlage als Freisteller oder an der Fassade montieren will. Gut zu wissen: Wessen Haus unter Denkmalschutz steht, der braucht in der Regel für die Errichtung einer Solarthermie-Anlage eine Genehmigung.

10. Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich eine Solarthermie-Anlage montieren lassen möchte?

Eine Flachkollektoren-Anlage  konzipiert für einen Haushalt mit vier Personen kostet zwischen vier- bis sechstausend Euro, wobei die Montage bereits im Preis inbegriffen ist. Soll sie heizungsunterstützend funktionieren, müssen Sie mit bis zehntausend Euro rechnen. Für eine Vakuumröhrenkollektoren-Anlage müssen Sie noch tiefer in die Tasche greifen. Die kostet etwa ein Drittel mehr.

11. Und was kostet mich die Wartung der Solarthermie-Anlage?

Der Aufwand, den Sie betreiben müssen, um die Anlage zu warten beziehungsweise warten zu lassen, ist relativ gering. Wer von Beginn an eine sogenannte Wärmemengenerfassung einbauen lässt, kann die „alltägliche“ Prüfung der Funktionsfähigkeit der Anlage sogar selbst übernehmen.

12. Sollte die Solarthermie-Anlage versichert werden?

Ob eine Solarthermie-Anlage in die Gebäudeversicherung oder die Haftpflichtversicherung mit aufgenommen werden sollte, klären Sie am besten mit Ihrer Versicherung.

Foto: Doreen Brumme

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