Solarthermie ist nicht gleich Solarthermie und was Siemens damit zu tun hat

Mein Solarthermie-Alert spielt gerade verrückt, weil alle großen Medien nix besseres zu tun haben, als darüber zu berichten, dass Siemens nun aus dem Solargeschäft aussteigt. Was es damit auf sich hat?

Mich interessiert was in der Solarthermie und Photovoltaik-Welt so geschrieben wird, deshalb informiert mich ein Google Alert immer über die aktuellsten Meldungen. Da über Solarthermie erfahrungsgemäß sehr wenig in den großen Medien berichtet wird, trudelt da alle paar Tage etwas ein und so war ich überrascht, dass die letzten Tage fast im stundentakt neue Berichte zum Thema Solarthermie online gingen. Nach einem kurzem Blick war klar: Ein Großkonzern, nämlich Siemens, hat sein CSP-Solarthermie– und Photovoltaikgeschäft aufgegeben und das Schlagwort Solarthermie kommt dabei ständig vor. Der Laie denkt dabei natürlich gleich wieder an die klassische Solarthermie, die warmes Wasser erzeugt. Im vorliegenden Fall geht es allerdings um solarthermische Kraftwerke zur Stromerzeugung.

CSP – Concetrated Solar Power macht das Verwirrungstrio komplett

Ich weiß, es ist furchtbar, wie soll sich da noch jemand auskennen. Es gibt ja schon genug Verwirrung, weil die Dinger, die am Dach liegen, zwar gleich ausschauen, aber absolut nichts miteinander zu tun haben. Ich hab schon mal darüber geschrieben und eine Bildanleitung für Journalisten gebastelt. Wer also den Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie wissen möchte, bitte dort weiterlesen.

CSP erzeugt Strom aus Dampf, Solarkollektoren warmes Wasser

Hier gehts darum warum Solarthermie nicht gleich Solarthermie ist. Bei der genannten Technologie von Siemens geht es nämlich um Parabolrinnenkraftwerke oder CSP (Concentrated Solar Power) Kraftwerke, die durch die Konzentration der Sonne auf eine Röhre Dampf erzeugen, welche dann eine Turbine antreibt und Strom erzeugt. Auf Wikipedia gibt’s da auch eine gute Erklärung der einzelnen Sonnenwärmekraftwerke. Die „alte“ Solarthermie erzeugt warmes Wasser mit Flach oder Vakuumröhrenkollektoren, welches in einen Heizkreislauf gebracht wird. Leider konnte man sich da noch nicht auf gesonderte Bezeichnungen einigen und man muss einfach selbst lernen zu unterscheiden. Zumindest sieht ein CSP-Kraftwerk komplett anders aus, als ein Röhrenkollektor. Wobei man ja sagen muss, dass die Röhrenkollektoren, welche mit Spiegeln ausgestattet sind, auch wieder kleine Parabolrinnenkraftwerke sind, aber das erklär ich ein anders mal mit Bildern.

Ich halte fest: Bei Siemens geht es um solarthermische Anlagen zur Stromerzeugung, nicht zur Wärmeerzeugung, worüber wir hier schreiben. Jetzt frag ich mich warum diese Meldung wie ein Lauffeuer durch die Medien gejagt wurde? In einem schnellen Suchdurchlauf habe ich satte 15 Meldungen in den größten deutschen Nachrichtenblättern von Welt über FAZ bis hin zu NZZ und Standard.

Verkauft sich Solarbashing einfach gut in den Medien?

Was ist aber so spannend an der Nachricht? Ist es einfach unser genereller Durst nach negativen Nachrichten á la „Bad News is good News“ oder passt es einfach so gut in die Flut an Solar-Bashing-Artikeln, die vor allem die etablierten Medien seit kurzem so gerne bringen? Dass ein Konzern wie Siemens in einem so dynamischen Markt nicht bestehen kann, ist für mich keine Überraschung; dass die solarthermischen Kraftwerke durch den Preisdruck auf Photovoltaikseite derzeit ein schwieriges Geschäftsfeld sind, ist ebenso klar und dass bei eben diesem Preisdruck die Margen bei Photovoltaik uninteressant werden war vorhersehbar. Warum also die ganze Aufregung? Wind und Wasser werden die Spielwiesen der Großen bleiben und das muss man ihnen wohl auch lassen. Haben ja schließlich einen Riesenapparat, der versorgt werden muss und solche Großinvestitionen können nur von großen Konzernen gestemmt werden. Die Sonne hingegen ist eben etwas, dass vor allem dezentral sein volles Potenzial ausschöpfen kann und deshalb werden auch viele kleinere Player sich hier behaupten, die innovative Lösungen anbieten und sich auch mit kleineren Margen zufrieden geben.

Ich bin ja mal gespannt ob der ultimative Spielplatz der Großen – auch Desertec genannt – nun auch Geschichte ist, Siemens war ja da kein unwichtiger Partner…

Was meint ihr? Warum ist es so furchbar interessant, dass Siemens nun verkauft und ist der Unterschied etwas klarer geworden? Werde da glaub ich noch einen Bilderklärungsartikel machen, gibt’s dafür Interesse?

Bild: Tom Raftery/flickr.com

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
  • Vakuumröhrenkollektor einfach erklärt
    Vakuumröhrenkollektoren – einfach erklärt
  • Flachkollektor
    Flachkollektor, einfach erklärt
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7 Kommentare zu “Solarthermie ist nicht gleich Solarthermie und was Siemens damit zu tun hat”

  1. Christian

    Hallo Cornelia,

    die Meldung ist vermutlich über die DPA oder eine andere Nachrichtenagentur gelaufen und deshalb als „wichtig“ deklariert worden. Anders lässt sich die Reichweite der Meldung kaum erklären.

    Nach einer aktuellen Meldung vom Spiegel sieht es bei Desertec wohl ganz gut aus: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/abkommen-ueber-erstes-desertec-solarkraftwerk-in-marokko-rueckt-naeher-a-864397.html

    Es bleibt auf jeden Fall spannend.

    Viele Grüße,
    Christian

    1. Cornelia Daniel Post Author

      Ich find vor allem interessant, dass Desertec im Spiegel anscheinend immer gut wegkommt, während PV in Deutschland immer pfuiteufl ist.

  2. Andy

    Ich finde ja schon erstaunlich, dass Desertec in den Energieblogs kaum auftaucht . Nur die großen Medien schreiben regelmäßig über dieses Projekt, aber kaum jemand weiß genau was es damit auf sich hat. Für die deutschte Politik ist es praktisch, Solarenergie kann weit weg verschoben werden und man muss sich hier nicht damit belasten.

    Habe eine Einladung zu einer Desertec Pressekonferenz, überlege dahin zu gehen, um mal was dazu schreiben zu können. Müsste nur einen Termin für die Aufzeichnung eines Podcasts verschieben.

    1. Cornelia Daniel Post Author

      Ich würde auf jeden Fall hingehen um dir da mal ein Bild zu machen und vor allem was anderes zu schreiben als die Massenmedien, die mangels besseren Wissens oft nur die Pressemeldungen übernehmen.

  3. T. Doppler

    Gut geschrieben. 😉 – und Desertec war schon tot als es gegründet wurde: Zuviele Unbekannte, zuviel Pionierarbeit im Netzbereich, zuwenig Erfahrung mit der Technologie.

    Das Zeitalter der lokalen und regionalen Energieversorgung auf einem der Region angepassten Energiemix dämmert nun langsam herauf. Das ist wieder ein Beweis für Schumpeter und seine kreative Zerstörung.

  4. Cornelia Daniel Post Author

    Ganz meiner Meinung. Wie sollen sich solche Konzerne jemals einig werden wo jeder viel zu viele Eigeninteressen verfolgt. Ganz zu schweigen von der militärischen Angriffsfläche, die ein solches Projekt bietet. Den meisten ist ja nicht mal bewusst wie unfassbar groß das wäre. Desertec für Afrika jederzeit, aber bitte nicht für Europa…

    1. Andy

      darauf wird es nach meinem aktuellen Eindruck auch hinauslaufen, dass Desertec nur für die Stromerzeugung in Afrika genutzt wird

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