tado° – die App, die die Heizung via Handy steuert und Heizkosten spart

Tado Heizungs-App

Moderne Heizungen haben so einiges drauf, Anlagenbesitzer wissen das. Doch die Programmierung der Heizungsanlage beziehungsweise die manuelle Temperaturregelung über die Thermostate am Heizkörper erfordern, dass man vor Ort ist. Mit der App tado° sorgen Sie für Wärme, wann Sie sie brauchen – von wo aus immer.

Wer gemäß verbreiteter Empfehlungen für gesundes Schlafen lebt, dreht die Heizung nachts runter – und fröstelt beim Verlassen des kuscheligen Betts am Morgen mitunter. Auch tagsüber bleiben viele Wohnungen kalt, weil ihre Bewohner außer Haus sind. Das Aufdrehen der Heizung lässt sich zwar  vorprogrammieren, doch das Programmieren ist oft recht umständlich. Außerdem könnte man auf spontane Änderungen des alltäglich gewohnten Tagesablaufs, eine andere Aufstehzeit oder eine unüblich frühe Heimkehr beispielsweise, kaum reagieren.

Hinzu kommt, dass „74 Prozent der Gebäude in Deutschland vor 1979 gebaut worden sind, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Diese Wohngebäude verursachen 75 Prozent des Endenergieverbrauchs. Es besteht also sehr großes Einsparpotential und genau hier setzen wir mit tado° an. Wir bieten unseren Kunden ein Produkt, mit dem jeder ganz leicht einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann und das bei gleichzeitig mehr Wohnkomfort“, sagt Christian Deilmann, (30), Unternehmensgründer und CEO des Münchner Technologie-Start-ups tado° gegenüber Ecoquent Positions.

tado° – japanische Begrüßungsformeln werden Heizungssoftware!

Der Name tado° leite sich von zwei japanischen Begrüßungsformeln ab: „tadaima“ und „okaeri“, heißt es seitens des Unternehmens.  Auf Deutsch bedeuten sie so viel wie: „Ich bin wieder zuhause“ und „Schön, dass du da bist“. Die Floskeln machen sich die tado°-Entwickler zum Programm, Wohlfühlatmospäre statt Begrüßungsfrösteln ist ihr Ziel:

Die Macher der App tado° wollen mit ihrer Anwendung schließlich ein klassisches Dilemma lösen, das jeder von uns kennt: Heizt man im Winter durch, um stets in eine heimelig warme Wohnung zurückzukehren oder schont man Klima und Portemonnaie und dreht die Heizung beim Verlassen der eigenen vier Wände – wenn man‘s nicht vergisst! – runter, um abends eine kalte Bude zu betreten?

Die tado°-App sei, so sagt Unternehmensgründer Deilmann weiter, „eine völlig neue Art intelligenter Heizungsregelung“, die wie ein persönlicher Heizungsassistent funktioniere. Mit ihrer Hilfe ließen sich die Heizkosten durchschnittlich um 27 Prozent senken, das habe ein Betatest mit Endkunden im Winter 2011/12 ergeben.

Wie hilft die tado°-App, Heizkosten zu sparen?

Laut Angaben ihrer Entwickler erkenne die App tado° ohne Zutun der Nutzer beispielsweise, wann der letzte Bewohner das Haus verlasse – und sende ein Signal an die Heizung, so dass diese die Temperatur senke. Das System befände sich dann im sogenannten Away-Modus. Mache sich einer der Bewohner auf den Heimweg, reagiere die Anwendung unmittelbar und heize die Wohnung auf die Wunschtemperatur auf (sogenannter Home-Modus, Foto, gelber Screen). Sie berücksichtige dabei auch Schlafzeiten (Foto, blauer Screen). Das Programmieren von An- und Abwesenheit entfalle demnach.

Das Besondere des Heizungsassistenten sei jedoch, dass er in wenigen Tagen (sogenannte Echtzeit), so verspricht es das Unternehmen, alle wichtigen Eigenschaften des Gebäudes lerne: Zum Beispiel wie schnell sich die Wohnung abkühle oder welchen Einfluss die Wärme der Sonne (Solarthermie) auf die Innenraumtemperatur nähme. Aus diesen Erkenntnissen leite das Programm Regelstrategien ab, um anhand dieser effizient  für die vom Verbraucher gewünschte Raumtemperatur zu sorgen. Selbst aktuelle Wettervorhersagen ziehe sich die App aus dem Internet, zum Beispiel die prognostizierte Sonnenscheindauer des kommenden Tages, um dann gegebenenfalls entsprechend weniger zu heizen.

Zu wem passt die tado°-App?

Die tado°-App passt laut Hersteller zu nahezu allen gängigen Heizthermen in privaten Haushalten oder kleineren Unternehmen. Ganz gleich, welchen Typs und ganz gleich, ob diese mit Gas, Öl, Pellets oder Hackschnitzeln heizen. Die App lasse sich über

  1. ein Smartphone,
  2. einen Tablet-PC
  3. oder einen an das Internet angeschlossenen PC

steuern (benötigter Speicherplatz: etwa 6 Megabyte) und notfalls auch manuell programmieren.

Sämtliche Benutzeroberflächen seien webbasiert  und  damit so ausgelegt, dass sie eine Cloud-Strategie verfolgten, wobei tado° bewusst auf eine zusätzliche stationäre Bedienungsanzeige (Display) in den einzelnen Wohnräumen verzichte. Schließlich hätte der Benutzer diese dank Smartphone ja bereits in der Tasche, sagt das Unternehmen. Die tado°-App sei laut Angabe des Herstellers gegenüber Ecoquent Positions derzeit für Android (ab 2.3) sowie iPhone (ab iPhone 4) verfügbar. Die Versionen für Blackberry, Windows und Symbian sollen demnach in Kürze folgen.

Wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Hardwarekomponenten sei es zudem gewesen, so tado° weiter, dass diese wenig Strom verbrauchen: Das System lasse sich somit autark betreiben.

Wer tado° im Onlineshop bestellen möchte,  werde anhand von Fragen und Antworten durch einen Kompatibilitätscheck geführt, so dass klar gestellt werden könne, ob tado° auch zur eigenen Heizung passe. Gegenüber Ecoquent Positions sagte das Unternehmen, dass es derzeit an Lösungen für weitere Heizungssysteme arbeite.

Wie erfolgt die Inbetriebnahme des Heizungsassistenten tado°?

Auf Nachfrage von Ecoquent Positions beschreibt tado° die Systeminstallation in folgenden fünf Schritten, die der Verbraucher entsprechend den Anweisungen nach dem Login in das Onlinesystem von tado° absolviert:

  1. Login online
  2. Der Gateway (im Lieferumfang) wird mit dem Internet-Router verbunden.
  3. Installation der tado°-Box (im Lieferumfang), die das vorhandene Raumthermostat ersetzt.
  4. Anmeldung mit Adressdaten.
  5. Download der tado°-App aus dem Netz (App-Store oder Google Play).

Wer dabei Unterstützung braucht, könne laut tado° auch den Vor-Ort-Einrichtungs-Support des Unternehmens buchen.

Hardwarepaket tado - Heizen via App

tado – Heizungsmanagement System: die Hardware

Was kostet die intelligente Heizungs-App?

Laut Hersteller bekomme man mit Vertragsabschluss ein Hardwarepaket mit oder ohne Temperatursensor (Kosten ab 149 Euro, die ersten 1.000 Betakunden würden das Basispaket kostenfrei erhalten). Bei der Bestellung zahle man 99 Euro und damit die Nutzung des Systems für ein Jahr. Nach Ablauf des Jahres bestehe demnach dann allmonatlich die Möglichkeit,  tado° zu kündigen.

Fotos: tado°

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12 Kommentare zu “tado° – die App, die die Heizung via Handy steuert und Heizkosten spart”

  1. Martin Kämper

    Guter Artikel, der mich neugierig auf das Thema gemacht hat. Mal schauen ob die App auch in meinem Haus funktioniert. Danke Frau Brumme.

  2. Eleni

    Endlich mal eine sinnvolle App.
    Super Artikel – gerade in Zeiten von steigenden Energiekosten wird dieses Thema und solch eine Lösung immer wichtiger. Mal sehen, ob mein technikbegeisterter Mann dies gleich in die Tat umsetzt und Betakunde wird 😉

  3. Hilbert

    Was ich mich frage: „Installation der tado°-Box (im Lieferumfang), die das vorhandene Raumthermostat ersetzt.“ Das geht aber nur dann, wenn das ein „Solo“ Raumtermostat ist. Bei vielen Heizungen ist der Termostat in einem Gehäuse, das mehr kann als nur die Tempertatur regelt, nämlich auch die Heizung und das Warmwasser regelt. Dann geht das gar nicht – oder nicht so einfach.

    Z.B. Bei mir und meiner Paradigma Systa Comfort. 🙁 Ich hoffe, dem Thema nehmen sich die Heizungshersteller schnellstens an.

  4. Erick

    Ich denke, dass in Zukunft die Steuerung der Heizungen mit Smartphones oder Tablet PCs noch zunehmen wird. Ich glaube hier liegt die Zukunft des Heizungsservice, besonders wenn noch mehr Heizsysteme unterstützt werden.

  5. Doreen Brumme

    Danke Eleni, Martin und Robert für das Lob. Hilbert, ich danke Dir für den Hinweis. Und Erick, ich hoffe nur, dass parallel zur Entwicklung per Handy steuerbarer Alltäglichkeiten auch schnell was kommt, was das Smartphone länger laufen lässt. Von Batterien u.ä. hier mal ganz zu schweigen. Mir geht schön öfter mal der Akku leer und was dann? Dann weiß mein Herd nicht, wo ich bin und ob er jetzt schon mal kochen soll oder nicht …

  6. Ralf Melzer

    Der technische Fortschritt ist faszinierend und gleichwohl verführend. Wenn schon viele kluge Gedanke zur Energie durch das Netz schwirren, sollten wir auch hier über den berühmten Tellerrand hinausschauen:
    Die Energieversorger bieten das ja teilweise schon. Fernablesungen von Zählern werden Mode und Apps werden noch vieles mehr ermöglichen. Aber allen Varianten gemeinsam ist die Einflußnahme von aussen! Insider wissen, dass vor Hackern nichts sicher ist, was Bits verarbeitet. Das wird ein Spaß, wenn im Winter die Wohnung kalt bleibt und der Zahler trotzdem das 3-fache anzeigt …!

    Viele Grüße

    Ralf

    1. Cornelia Daniel

      Das Verschmelzen von Energiewirtschaft und Informationstechnologie ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende. Das mit jeder Chance auch Risiken einhergehen ist klar. Umso wichtiger ist hier Aufklärung aber nicht Panikmache. Genau wie bei der Einführung des Internets und sozialer Medien glaube ich, dass die Vorteile überwiegen und nicht die Nachteile. Bin aber auch hoffnungslose Optimistin.

  7. Doreen Brumme

    Ich bin da auch ganz zuversichtlich – obwohl ich mir im Klaren darüber bin, dass jeder Zaun, der irgendwo aufgestellt wird, von irgendjemandem als Einladung verstanden wird – sei es aus Spaß, sportlichem Ehrgeiz oder vorsätzlicher Böswilligkeit – diesen zu überwinden. Ich weiß, welche Schäden entstehen können, ich weiß aber auch, das die Mehrzahl der Menschen drumherum gehen würde. Zaunlochgucker inbegriffen. No Risk, no Fortschritt. Für den Fall des von Dir, Ralf, angedachten Missbrauchs hoffe ich auf eine moderne und verbraucherfreundliche Lösung und die zugehörigen kurzen Bearbeitungswege. Denn der betroffene könnten wir schließlich alle sein. 😉

  8. Peter

    Echt gut beschrieben,
    es lässt sich echt ernsthaft überlegen ob man sich nicht so ein tado besorgt.
    Strom und Heizkosten werden ja immer teurer, da ist so etwas sehr intelligent.

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