Keine Ahnung Verbraucher wissen zu wenig zu Solarthermie & Co.

Viele Verbraucher wissen zu wenig zu Solarthermie & Co.

Zwei Fakten vorweg: 1. Etwa 70 Prozent der in Haushalten verbrauchten Energie gehen fürs Heizen drauf. Und 2. Fast 90 Prozent der rund 20 Millionen Heizungen in deutschen Haushalten arbeiten ineffizient und verfeuern fossile Energie. Wenn Energiewende heißt, den Energieverbrauch insgesamt zu drosseln und den verbleibenden Bedarf mit Energie aus möglichst regenerativen Energiequellen zu decken, dann belegen die Zahlen das riesige Potential der Wärmewende, die deshalb unbedingt Teil der Energiewende sein muss. Eine aktuelle Studie hat das Entscheidungsverhalten von Verbrauchern zum Kauf klimafreundlicher(er) Heizungssysteme untersucht. Und das kam dabei heraus: Verbraucher wissen zu wenig zu Solarthermie & Co.

EuPD Research (Herausgeber der gleichnamigen Webseite ist die EuPD Research Sustainable Management GmbH mit Sitz in Bonn) fragte 10.428 Verbraucher im Rahmen der Studie „Wärmewende Deutschland – Eine Bestands- und Potentialanalyse des deutschen Heizungsmarktes“,

  • welche regenerativen Technologien zur Wärmeerzeugung sie bevorzugen,
  • wann und warum sie gegebenenfalls aus dem Kaufprozess aussteigen
  • und wo Informationslücken bestehen.

Für Verbraucher sind Solarthermie und Wärmepumpe mittel- bis langfristig am relevantesten

Das Umfrageergebnis zeigte, dass

mittel- bis langfristig die relevantesten Technologien aus Sicht der Verbraucher seien, wenn es den Austausch ineffizienter und fossil befeuerter Heizungen und damit um die Wärmewende im eigenen Heizungskeller/-raum gehe. So hätten laut der Pressemeldung der EuPD Research Sustainable Management GmbH 16 Prozent beziehungsweise 18 Prozent der Befragten angegeben, sich vorstellen zu können, in den nächsten 12 bis 24 Monaten eine entsprechende Anlage zu kaufen. Mini-/Mikro-BHKW und Pelletheizungen würden mit jeweils etwa 12 Prozent dahinter liegen.

Verbraucher wissen zu wenig zu Solarthermie und andere regenerative Wärmeerzeugungstechnologien

Allerdings zeige die Umfrage auch, dass die Verbraucher über die vier Technologien sehr unterschiedlich ausgeprägte Kenntnisse hätten. Auf die Frage nach ihrem Kenntnisstand antworteten die 10.428 befragten Verbraucher so:

Solarthermie

  • 5 Prozent – „Ich kenne mich sehr gut aus (Funktionsweise der Technologien, Förderungen, Anbieter).“
  • 25 Prozent – „Ich kenne mich gut aus (grundsätzliche Funktionalität).“
  • 51 Prozent – „Habe ich schon gehört.“
  • 19 Prozent – „Ist mir nicht bekannt.“

Wärmepumpe

  • 6 Prozent – „Ich kenne mich sehr gut aus (Funktionsweise der Technologien, Förderungen, Anbieter).“
  • 25 Prozent – „Ich kenne mich gut aus (grundsätzliche Funktionalität).“
  • 60 Prozent – „Habe ich schon gehört.“
  • 9 Prozent – „Ist mir nicht bekannt.“

Pelletheizung

  • 5 Prozent – „Ich kenne mich sehr gut aus (Funktionsweise der Technologien, Förderungen, Anbieter).“
  • 31 Prozent – „Ich kenne mich gut aus (grundsätzliche Funktionalität).“
  • 51 Prozent – „Habe ich schon gehört.“
  • 13 Prozent – „Ist mir nicht bekannt.“

Mini-/Mikro-BHKW

  • 2 Prozent – „Ich kenne mich sehr gut aus (Funktionsweise der Technologien, Förderungen, Anbieter).“
  • 12 Prozent – „Ich kenne mich gut aus (grundsätzliche Funktionalität).“
  • 43 Prozent – „Habe ich schon gehört.“
  • 43 Prozent – „Ist mir nicht bekannt.“

Die folgende Grafik zeigt diese Ergebnisse noch einmal anschaulich auf:

EuPD-Umfrage Relevanz regenerativer Wärmeerzeugung für Verbraucher wissen zu wenig zu Solarthermie

Schaut man sich die Anteile der Verbraucher an, die zu den vier regenerativen Technologien wenig („Habe ich schon gehört.“) bis nichts („Ist mir unbekannt.“) wissen, sieht das Ganze so aus:

  • Solarthermie: wenig Kenntnisse (51 Prozent) + keine Kenntnisse (19 Prozent) = 70 Prozent
  • Wärmepumpe: wenig Kenntnisse (60 Prozent) + keine Kenntnisse (9 Prozent) = 69 Prozent
  • Pelletheizung: wenig Kenntnisse (51 Prozent) + keine Kenntnisse: (13 Prozent) = 64 Prozent
  • Mini-/Mikro-BHK: wenig Kenntnisse (43 Prozent) + keine Kenntnisse (43 Prozent) = 86 Prozent

Die damit bezifferten, großen Wissenslücken seitens der Verbraucher zu regenerativen Wärmeerzeugungstechnologien sind sicher ein Grund dafür, dass die Wärmewende nicht in Schwung kommt. Denn wer die Alternativen zu seiner veralteten, ineffizienten und umweltunfreundlichen Heizungstechnik nicht kennt und nichts von ihren Vorteilen wie höhere Effizienz und daraus resultierend weniger Energieverbrauch, weniger Heizkosten und weniger CO2-Emissionen weiß, der hat auch keinen Grund für einen Heizungstausch, oder?

Übrigens, für uns hier auf dem Blog sind die Wissenslücken vieler Verbaucher Ansporn, weiter zu schreiben und euch mit Solarthermie & Co. vertraut zu machen.

Energieversorger bieten zu wenig Produkte und Leistungen im Bereich regenerativer Wärmerzeugungstechnologie an

Laut der oben verlinkten Pressemitteilung sei der lokale Energieversorger ein wichtiger Akteur der Wärmewende. Im Rahmen der jährlichen Untersuchung zum Energiewende Award habe man demnach auch die knapp 1.700 Energieversorger in Deutschland, Österreich und der Schweiz (sogenannte DACH-Region) hinsichtlich ihres Produkt- und Leistungsportfolios im Wärmebereich untersucht. Für Deutschland sei dabei festgestellt worden, dass derzeit

  • nur jeder 10. Versorger Wärmepumpen
  • und nur jeder 12. Mini-/Mikro-BHKW anbiete.

Die Macher der Studie kommen daher zu dem Schluss, dass das geringe Angebot seitens der Energieversorger dem bestehenden Potential kaum gerecht werde.

Fotos: go2/photocase (Titelbild), EuPD Research (Grafik)