Was haben Amalgam und Glycol gemeinsam?

Ich hatte gerade eine interessante Erkenntnis. Auf Sabine’s Artikel hin, die die unterschiedlichen Werte von Wasser und Glykol als Trägermedium verglichen hat, hatte sich im Kommentarfeld auf Facebook ein Installateur zu Wort gemeldet, der die wassergefüllten Anlagen vor allem deshalb nicht verbaut, weil er im Schadensfall dafür haften müsste. Soweit ich weiß, ist der Verbau dieser Anlagen auch einen Tick komplexer und man muss vielleicht etwas genauer arbeiten, weil der Rohrdurchmesser ganz genau bestimmt ist und man sich an alle Anweisungen des Herstellers halten muss. In meinem Kopf ist da auf einmal eine Paralleldiskussion aufgepoppt – jene um die Verwendung von Amalgam (Quecksilber) bei Zahnfüllungen.

Quecksilber ist für den Handwerker Zahnarzt ein dankbares Material

Es scheint mittlerweile ausser Frage, dass Quecksilber im Mund nicht unbedingt gesund für uns ist. Ich durfte in den letzten Monaten einige persönliche leidvolle Erfahrungen damit machen und bin deshalb auf dieses Thema sensibilisiert. Soweit ich die Diskussion verfolgt habe, ist der Hauptgrund, warum Amalgam trotz massiver gesundheitlicher Bedenken und möglicher Verursacher von chronischen Krankheiten gilt, jener, dass es für Zahnärzte – die Handwerker also – es viel einfacher ist das Material zu verbauen, weil es Fehler im „Handwerk“ eher verzeiht (schmiegt sich genau an die Löcher an) angeblich länger hält und deutlich billiger ist. Zudem ist die Industrie natürlich interessiert daran, das Material weiterhin tonnenweise in Zähnen zu „verbauen“. Hier ein Auszug aus Wikipedia

In der EU werden pro Jahr etwa 70 Tonnen Quecksilber für Amalgam verwendet, wobei Zahnärzte die Hauptverbraucher darstellen. Insgesamt befinden sich etwa 1300 bis 2200 Tonnen Quecksilber in den Zähnen von EU-Einwohnern.

Was hat das nun mit Glycol zu tun?

Nun, wer die Thematik kennt weiß vermutlich worauf ich hinaus will. Es scheint hier einige Parallelen zu geben. Aus umwelttechnischer Sicht und auch von den Eigenschaften her, scheint es sinnvoller Wasser zu verwenden. Alle die davon zum ersten Mal hören sind zwar teilweise skeptisch aber dennoch begeistert ob der Möglichkeiten, die die Verwendung von Wasser eröffnet. Historisch wurde jedoch seit Jahrzehnten nur mit Glycol gebaut, weil es für Handwerker anscheinend einfacher zu händeln ist, bzw. vielleicht Fehler eher verziehen werden. Vielleicht hat auch der ein oder andere Glycol Hersteller Interesse daran, dass sich daran nichts ändert. Anscheinend gibt es auch ein höheres Risiko was die Haftung betrifft. Hierzu hätte ich gern noch mehr Infos von den Installateuren. Geht es darum, dass die Beweislast beim Installateur liegt, wenn etwas schief geht? Und wie ist das bei glycolgeführten Anlagen? Wer haftet da wenn das Glycol im Sommer tatsächlich crackt oder die Anlage trotzdem einfriert? Es ist auch anscheinend ungleich schwieriger auf Herstellerseite, weshalb es uns schon seit längerer Zeit nicht gelingt auch andere wassergeführte Kollektoren im europäischen Raum zu finden, die das in großen Stil verbauen.

Umdenken in weiter Ferne?

Die Wasser-Glycol Diskussion hat gerade erst begonnen. Über das Thema Amalgam streitet man mittlerweile viele Jahre. Nachdem es aber schon unzählige Zahnärzte gibt, die auch trotz fehlender gesetzlichen Bestimmungen andere „Baustoffe verbauen“ auch wenn es etwas schwieriger ist, bin ich mir sicher, dass auch viele Kunden und Installateure den Charme von Wasser erkennen und zu schätzen lernen werden. Schließlich kann das auch zum Wettbewerbsvorteil werden. Viele sogenannte ganzheitliche Zahnärzte werben schon mit dem Thema um sich abzuheben, ich bin mir sicher, dass das auch bei den Wassersystemen so kommen wird.

Erfahrungen der Wasserinstallateure gefragt

Mich würden nun natürlich die Erfahrungen aber auch die Bedenken der Installateure interessieren. Die Facebookdiskussion hat mir wieder gezeigt, welch andere Sichtweise dort herrscht und wir wollen hier natürlich so viele Meinungen wie möglich hören. Demnächst kommt übrigens ein Interview mit so einem ganzheitlichen Installateur.

Foto: kasia / photocase.com

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8 Kommentare zu “Was haben Amalgam und Glycol gemeinsam?”

  1. Efried

    Das ist keine philosophische Frage- der Frostschutz muss bei nicht dehnbaren Absorbern und Leitungen gewährleistet werden- es geht natürlich mit Wasser auch aber etwas Wärme aus dem Haus muss dan da dran glauben und es muss auch bei Stromausfall das warme Wasser in den Kollektor zirkulieren können. Das ist wohl alles nicht so einfach.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke für den Beitrag! Genau, die Wärme die dafür aufgewendet werden muss ist ca. 1% des Ertrages. Also deutlich weniger als durchs Glycol verloren wird.
      https://blog.paradigma.de/wassergefuellte-solarthermie-anlage-auf-pruefstand-am-beispiel-wels/ Ertrag ist

      Das mit dem Stromausfall ist sicher ein Thema, aber wie lang ist ein Stromausfall in Deutschland normalerweise? Reicht das um zu frieren? Mir sind da noch keine Fälle bekannt, wo das zum Problem geworden wäre.

      Mit „nicht so einfach“ haben Sie bestimmt recht. Aber trotzdem machbar und deshalb kommt es mir von außen schon ein wenig so vor wie eine Glaubensfrage.

  2. Uwe Trenkner

    Glykol mit Amalgam zu vergleichen ist eigentlich ein bisschen böse, weil von Glykol wirklich keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Ob es Zusammen mit Wasser das ideale Solar-Trägermedium sind, kann man dagegen sicherlich diskutieren.

    Ich denke nach wie vor, dass (reines) Wasser als Wärmeträger vor allem dann richtig interessant wird, wenn man es mit Drain-Back-Technologie kombiniert. In diesen Systemen, befindet sich der Wärmeträger in einem Behälter innerhalb der Gebäudehülle und wird überhaupt nur dann durch den Kollektorkreislauf gepumpt, wenn die Temperaturdifferenz stimmt (genug, damit sich das Pumpen lohnt, aber nicht zuviel, als das Stagnation zu befürchten wäre). Selbst bei einem Stromausfall ist man so auf der sicheren Seite, weil beim Ausfall der Pumpe die Flüssigkeit von selbst wieder aus dem Kollektor läuft.

    Das funktioniert natürlich nur mit dafür geeigneten Kollektoren und wenn der Rücklauf durchgängig eine leichte Neigung hat. Das Konzept war (und ist) besonders in den Niederlanden sehr beliebt, weil es dort einmal eine Trinkwasservorschrift gab, die die Verwendung von Glykol im Kollektorkreislauf verbot, wenn nicht ein doppelter Wärmeaustausch jeglichen Übergang von Glykol ins Trinkwasser ausschloss. Mittlerweile weiß man zwar auch in den Niederlanden, dass das Glykol gesundheitlich sicher ist, aber der Systemtyp erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. In Deutschland und anderswo ist es vor allem ein gewisses Misstrauen in das saubere Arbeiten von Installateuren, was Drainback mit reinem Wasser so selten macht. Einige Drainback-Anbieter empfehlen sogar die Verwendung von Glykol als zusätzliche Sicherung gegen Frost.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Aber Amalgam ist doch nicht gesundheitsschädlich ;-)! Aber du hast recht, ich hab auch sehr lange überlegt ob ich das so schreiben soll/kann. Es soll auch kein Glycol=Böse Artikel sein. Der Punkt den ich machen will ist nicht die Substanz per se, sondern, dass es anscheinend auch mit der Angst der Handwerker/Zahnärzte zu tun hat und man mit dem Produkt vielleicht etwas genauer arbeiten muss. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, nimmt eben Glykol/Amalgam. Das bestätigen anscheinend auch die Erfahrungen in den Niederlanden. Und irgendwie läuft es schon wieder darauf hinaus, dass es viel mehr spezialisierte Anbieter bräuchte, die wirklich wissen was sie tun, aber bei so einem Auf- und Ab-Regulations/Förderchaos kann sich auch das Handwerk nicht so entwickeln wie es notwendig wäre…

      Dieses Drain-Back System klingt ja auch sehr vernünftig, müssen wir uns mal anschauen, hättest du da einen Link? Das mit dem Stromausfall scheint ja echt viele zu beschäftigen. Gibt’s da Erfahrungswerte wie oft das wirklich zum Problem wurde?

  3. Wolfgang Günther

    Glycol kann ja schon deshalb nicht gesundheitsschädlich sein, weil es bisweilen sogar in Weinen, überwiegend aus Östereich (sorry Conny 🙂 ), verarbeitet wurde. Die Verbraucher fanden dass aber offensichtlich gar nicht witzig. Es ist also naheliegend (für mich als Installateur jedenfalls), dass man auf diese Mittelchen grundsätzlich verzichtet, wenn es denn machbar ist, und eben nicht einfach den bequemen, scheinbar sicheren Weg geht. Aber diese Diskussion kann man eben in vielen Bereichen führen. Warum heizen wir noch mit Heizöl, wenn es machbar ist mit Sonne und (oder) Holz zu heizen? Warum verbauen wir Kunststoffrohre anstatt weiterhin dem altbewährten, seit Jahrhunderten verwendetem Werkstoff Kupfer zu vertrauen?
    Die ersten Wassersysteme auf dem Markt waren Drainback-Systeme. Alle mir bekannten Anlagen dieser Bauart werden heute wieder mit Glycol betrieben. Mag sein, dass die aktuellen Systeme zuverlässiger sind. Die Problematik besteht eben darin, das sich die Kollektoren zuverlässig entleeren können. Technisch ist das nicht immer einfach zu realisieren, je nach Kollektorbauart. Seit Einführung des Paradigma Aqua-Systems verbaue ich konsequent nur noch diese Anlagen, weil sie einfach zuverlässig sind, und dabei ungleich effizienter als Andere. Es gibt (noch) nichts vergleichbares auf dem Markt. Natürlich gab es anfangs ein paar Probleme, diese waren aber sehr häufig durch Montagefehler verursacht. Wir Installateure mussten lernen, dass nicht nur das Wärmeträgermedium ein anderes war, sondern in der Montage auch einiges mehr beachtet werden musste. Montagefehler gab und gibt es heute noch auch bei Glycol-Anlagen, sie frieren dann im Winter eben nur nicht ein. Es merkt dann allerdings auch niemand, dass die Anlage evtl. nicht korrekt arbeitet und kaum Ertrag bringt. Bei wassergeführten Anlagen ist eine saubere Montage gemäß den Richtlinien des Herstellers unabdingbar, was eigentlich ohnehin selbstverständlich wäre. Ein Armutszeugnis für uns Installateure, wenn so etwas überhaupt diskutiert werden muss.
    Zum Thema Stromausfall folgendes. Sind die Bewohner zuhause werden sie einen Stromausfall wohl bemerken. Der Installateur hat eine Einweisung durchgeführt und seinem Kunden eine Handlungsanweisung gegeben, was er in diesem Fall bei Frost und länger anhaltendem Stromausfall zu tun hat. 1 Handgriff und nichts kann passieren. Sollten sich die Bewohner im Winterurlaub befinden, haben sie dafür gesorgt, dass je nach Witterung, das Haus mehr oder weniger häufig betreut wird, ansonsten handeln sie fahrlässig und eine Heizungsanlage und die Trinkwasserinstallation frieren bei Stromausfall auch ein. Die glycolgefüllte Solaranlage auf dem Dach bleibt dann allerdings heile, na wenn das kein Argument pro Glycol ist.
    Fazit: Es ist eigentlich alles ganz einfach, man kann es aber auch kompliziert denken.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen schönen 2. Advent.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke, dass jemand auch dieses Thema anspricht 🙂 Wollte nicht selbst das Österreich/Wein Thema aufwärmen, die Volksseele leidet darunter nach wie vor!

      Vielen Dank auch für die Ausführungen aus erster Hand.

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