Worauf ist beim Kollektorkauf zu achten?

Checkliste vor dem Kollektorkauf: worauf ist zu achten?

Wer sich eine Solarthermie-Anlage zulegen möchte, investiert langfristig. Man sollte wissen, wofür das Geld ausgegeben wird. Je nach gewünschter Verwendung unterschiedlich konfigurieren. Hier kommen die wichtigsten Punkte, die man beim Kauf einer Solarthermie-Anlage mit entsprechenden Kollektoren beachten sollte.

Kollektor entsprechend der Anwendung auswählen: Nur Trinkwasser erwärmen oder auch heizen?

Mit der Solarthermie-Anlage lässt sich entweder nur das Brauchwasser (Trinkwasser) erwärmen oder zusätzlich auch die Heizung unterstützen. Wer nur das Warmwasser auf Wohlfühltemperatur bringen möchte, kann eine kleiner dimensionierte Anlage installieren, die mit vier- bis sechstausend Euro entsprechend weniger kostet, als eine größere, die auch die Heizung aktiv unterstützt (Solarheizung). Dafür muss man dann schon mal achttausend und mehr Euro hinblättern. Der Preisunterschied ergibt sich nicht nur aus einem vergleichsweise größeren Kollektorfeld auf dem Dach für die auch heizungsunterstützende Anlage: Die je nach Verwendung eingesetzten Kollektoren unterscheiden sich auch. Flachkollektoren locken mit einem günstigen Preis, einfachem Aufbau und einem Wirkungsgrad von gut 80 Prozent. Allerdings ist die Wärmeleistung des Flachkollektors geringer als die eines Vakuumröhrenkollektors, da man für Flachkollektoren mehr systemische Wärmeverluste in Kauf nehmen muss. Der Wirkungsgrad des Vakuumröhrenkollektors liegt um Einiges über dem eines flachen Kollegen.  Die höhere Leistung des Vakuumröhrenkollektors kostet dann auch deutlich mehr. Flache Kollektoren haben sich insbesondere wegen ihres guten Preis-Leistungsverhältnisse bewährt, um Warmwasser zu produzieren. Sie liefern die dafür nötige Wärme in den Sommermonaten komplett allein, die herkömmliche Heizung kann ausbleiben. Im Übergang wärmen sie das Wasser allerdings nur vor, das Brauchwasserheizsystem muss den Rest erledigen. Vor allem dann, wenn das Dach gen Süden zeigt. Röhrenkollektoren sind die bessere Wahl, wenn die Anlage auch die Heizung unterstützen soll. Sie sollten auch dann zum Einsatz kommen, wenn das Dach nicht optimal gen Süden zeigt oder die Anlage groß dimensioniert werden soll.

Kollektor entsprechend dem Ertragsziel wählen

In Monaten, die ärmer an Sonnenstrahlen sind, macht sich der höhere Wirkungsgrad eines Vakuumröhrenkollektors gegenüber dem niedrigeren eines Flachkollektors deutlich bemerkbar. Man muss hier allerdings auch abwägen, ob der Aufstellwinkel des Kollektors

  • auf einen größtmöglichen Ertrag in den Wintermonaten hin optimiert wird
  • oder auf einen größtmöglichen jährlichen Gesamtertrag.

Die erste Option wird traditionell bevorzugt, um – ohne einen saisonalen Speicher in das System integrieren zu müssen – den Großteils im Winter aufkommenden Heizbedarf unmittelbar und komplett abzudecken. Und das bei kleinstmöglicher und kostenoptimierter Dimensionierung des Kollektorfeldes. Deshalb werden die Kollektoren in einem Neigungswinkel von  etwa 40 bis 45 Grad montiert – und somit deutlich steiler, als bei Anlagen, die mit 30 bis 35 Grad Neigung auf einen möglichst hohen jährlichen Gesamtertrag hin optimiert werden.

Die Hersteller, deren Produkte nach der Solar Keymark geprüft wurden, geben den sogenannten Jahresertrag an. Es soll sogar schon Daten zum Ertrag in der Heizperiode geben, wer weiß, wo, der melde sich doch bitte per Kommentar bei uns!

Kollektor entsprechend der vom Hersteller / Systemanbieter / Installationsbetrieb gewährten Garantie und Gewährleistung wählen

Klar, wer sich eine teure Solarthermie-Anlage aufs Dach setzt, sollte darauf achten, dass er die entweder aus einzelnen Komponenten zusammengestellte oder als Komplettpaket angebotene Anlage mit der längsten garantierten Lebensdauer sowie bestmöglichen Garantie und Gewährleistung kauft. Während sich die Kollektoren aus deutschen, europäischen oder außereuropäischen Landen in Sachen Leistung mitunter kaum noch unterscheiden, ist das bei der Garantie noch anders. Um im Schadensfall bestmöglich versorgt zu werden, sollte man das Kleingedruckte auf jeden Fall aufmerksam lesen!

Kollektor entsprechend dem favorisierten Regelungskonzept wählen

Solarthermie-Anlagen gibt es in zweierlei Betriebsarten: Temperaturdifferenzregelung (Delta-T-Regelung) oder Intervallbetrieb (auch Eimer(lade)betrieb genannt), mitunter kann eine Anlage beides. Wer im Intervallprinzip „eimern“ will, braucht Röhrenkollektoren, besser noch:  wassergeführte Vakuumröhrenkollektoren mit CPC-Siegel, die mit der dabei anfallenden relativ hohen Temperatur, die gerne mal 90 Grad Celsius betragen kann, zurechtkommen.

Kollektor nach der benutzten Solarflüssigkeit (Wasser oder Wasser-Frostschutzmittel-Mix) wählen

Kollektoren können je nach Bauart als Wärmeträger (Medium) Wasser oder ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel nutzen. Wasser als Wärmeträger hat eine Reihe von Vorteilen, darunter:

  • Die wasserdurchströmte Solaranlage funktioniert wie ein Zusatzkessel mit beliebig wählbarer Temperatur.
  • Solarwärmetauscher und Frostschutzmittel werden bei wasserdurchströmten CPC-Kollektoren überflüssig. So spart man die nicht unerheblichen Kosten dafür.
  • Überhitzungsprobleme gehören mit Wasser als Wärmeträger der Vergangenheit an. Die wasserdurchströmte Anlage kann ohne Bedenken stillstehen, auch wenn keine Wärme abgenommen wird. Das erlaubt den Einsatz kleiner effizienter Speicher.
  • Dank der hervorragenden thermischen Schichtung im Speicher sowie dem minimalen Speicherbedarf ist die Solarwärme extrem schnell verfügbar.
  • Verglichen mit konventionell betriebenen Anlagen sparen wasserdurchflossene Kollektoren etwa 50 Prozent an elektrischer Pumpenlaufzeit- und Pumpenergie.

Kollektor nach der gewünschten BAFA-Förderung wählen

Die Bundesrepublik fördert einmalig die Inbetriebnahme einer Solarthermie-Anlage. Wer sich den Zuschuss aus dem Staatssäckel sichern will, sollte die Voraussetzungen kennen, die erfüllt werden müssen, um die Fördergelder einzustreichen.

Kollektor nach Globalstrahlung (Solar-Potential) am Standort wählen

Die Globalstrahlung innerhalb Deutschlands ist von Region zu Region unterschiedlich. Die höchsten Werte treffen auf Süddeutschland und die Ostseeküste. Je höher der Kollektorwirkungsgrad ist, desto mehr Strahlung kann – auch bei ungünstiger Sonnenlage – gesammelt werden.

Kollektor entsprechend der Vorlauftemperatur wählen

Soll die Solaranlage nicht nur der Warmwasser-Bereitung dienen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur solaren Heizungsunterstützung liefern, so sollte sichergestellt werden, dass die Kollektoren auch in der Heizperiode die benötigte Systemtemperaturen für den Vorlauf liefern können. Wird das nicht erreicht, so ist man wieder auf das meist fossile Zuheizen mit dem Kessel angewiesen. Die besser gegen Wärmeverluste isolierten Röhrenkollektoren punkten insbesondere im Gebäudebestand; denn hier kommen meist noch Radiotoren mit höheren Vorlauftemperaturen von 55 – 60° C zum Einsatz. In Neubauten, mit dem großflächigen Einsatz von Wand- und Fußbodenheizungen ohne Radiotoren, zirkuliert hingegen bewusst deutlich kühleres Heizungswasser durch die Rohrschlingen der beheizten Räume. Die tiefere Vorlauftemperatur sollte von allen Kollektor-Bauarten zu erreichen sein.

Kollektor nach Möglichkeiten der Integration in bestehende Systeme wählen

Oft wird eine Solarthermie-Anlage in ein bestehendes Heizsystem, das möglichst zuvor optimiert wurde, integriert. Dabei kommt es auf perfekte Schnittstellen an: Das heißt, möglichst wenig bauliche Maßnahmen sollten nötig werden, um die Anlage effizient in Betrieb zu nehmen und zu betreiben. Ein Beispiel: Hochwertige wasserdurchströmte CPC-Kollektoren ersparen einem mitunter den Einbau eines neuen Speichers im Keller und damit zusammenhängende Umbauten.

Für diese Liste habe ich hier zusammengetragen, was ich an Beachtenswertem zum Kollektorkauf fand. Sicher hat der eine oder andere von Euch noch den einen oder anderen Punkt beizutragen! Ich freue mich auf Euren Input!

Foto: Venture / photocase.de

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