Was wurde aus … dem E.ON Hanse Projekt "Solare Einspeisung ins Fernwärmenetz"?

Sonne über Hamburg

Ende November 2009 stellte Karl-Friedrich Henke, Geschäftsführer der E.ON Hanse Wärme GmbH auf dem Forum Solarpraxis in Berlin ein Projekt vor: Erstmals sollte ein großer saisonaler Solarwärmespeicher mit einem größeren Fernwärmenetz gekoppelt werden, der für das Netz Pufferfunktionen übernimmt. Wo? In der Hansestadt Hamburg, im Stadtteil Bramfeld des Stadtbezirks Wandsbek.

Solarsiedlung Hamburg-Bramfeld: 4.500 Kubikmeter Wärmespeicher

Die Branche schätzte das Modell damals sowohl technisch als auch finanziell als eine Art Präsedenzfall ein. Die Hauptrolle sollte der im Jahr 2000 in Betrieb genommene Speicher der sogenannten Solarsiedlung (Steckbrief der Solarsiedlung) im Hamburger Stadtteil Bramfeld mit einem Volumen von 4.500 Kubikmetern spielen. Das zugehörige 3.000 Quadratmeter große Kollektorfeld war zwischenzeitlich defekt und sollte erneuert werden. Gleichzeitig wollte E.ON Hanse die Möglichkeiten schaffen, dass Kunden auf Dächern bestehender Wohnanlagen mit sonnengünstiger Ausrichtung Solaranlagen errichten könnten, deren Ertrag zu 100 Prozent in das unternehmenseigene Wärmenetz eingespeist werden sollte.

Damit entfiele einerseits die teure Zwischenspeicherung in den einzelnen Gebäuden. Andererseits sollte die Energieproduktion auf den Primärenergiebedarf eines anderen Gebäudes im Netz angerechnet werden können, mit dem Effekt, dass dieses somit in den Genuss von Förderungen wie günstige KfW-Kredite käme.

Henke berichtete weiter, dass die Hamburgische Wohnungsbaukreditgesellschaft Interesse an der Idee habe und auch mit der KfW bereits verhandelt werde.

Ecoquent Positions fragt heute, Ende 2014, was wohl aus dem Hamburger Modellprojekt wurde.

Erster multifunktionaler Wärmespeicher der Welt läuft seit 2011

Im “Energiekonzept für Hamburg – Kooperationsvereinbarung zur zukunftsorientierten Gas und Wärmeversorgung”, das zwischen der Hansestadt Hamburg und unter anderem der E.ON Hanse AG vereinbart und Ende November 2011 auf der Landespressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist Folgendes zu lesen: “Große Heizwasserspeicher schließen die zeitliche Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch. Die E.ON Hanse-Gruppe hat in Hamburg-Bramfeld (‘Karlshöhe’) einen Langzeit-Wärmespeicher in den weltweit ersten multifunktionalen Wärmespeicher umgebaut. Zusätzlich zu der bisher durch knapp 3.000 Quadratmeter Solar-Kollektorflächen eingespeicherten Wärme kann dieser durch Integration in das Wärmeverbundnetz auch Energien aus anderen Quellen (z.B. KWK und Industrieabwärme) aufnehmen. Damit werden saisonale und kurzfristige Schwankungen zwischen Erzeugung und Bedarf ausgeglichen.”

Das Hamburger Abendblatt nannte den zehn Meter hohen, teilweise in den Boden des Geländes des Gutes Karlshöhe der Klimaschutzstiftung Hamburg eingelassenen Multifunktionsspeicher Ende November 2011 in seiner Online-Ausgabe “Hamburgs größte Thermoskanne”. Und das sei er in der Tat, bestätigte Karl-Friedrich Henke der Zeitung: “Der hoch isolierte Edelstahlspeicher hat aufgrund seiner zylindrischen Form ein sehr günstiges Verhältnis von Oberfläche und Volumen, sodass keine nennenswerten Verluste auftreten.” Der Betriebswart der Anlage, Stefan Meimersdorf, sagte dem Abendblatt, dass aus dem Speicher hauptsächlich die Solarsiedlung Karlshöhe versorgt werde.

Die neue Einspeisemöglichkeit käme demnach für alle Immobilien mit Solarthermie-Anlagen infrage, die im Einzugsbereich des zugehörigen E.ON-Netzes lägen. Idealerweise seien die Kunden schon an Fernwärme angebunden, sagt Henke dem Abendblatt. So müsse kein neuer Anschluss erfolgen, sondern es werde lediglich ein kleiner Wärmetauscher mit Zähler benötigt, der als Übergabestation zum Netz fungiere. Darüber könne die produzierte Wärmemenge abgegeben werden, die den Eigenbedarf übersteige, schreibt das Abendblatt weiter. Dazu sei weder ein eigener Wärmespeicher mit teurer Regelungstechnik noch eine kostspielige Pumpe nötig. Die eingespeiste Wärmemenge bekämen die Kunden demzufolge gutgeschrieben und könnten sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder entnehmen – zur Warmwasserproduktion oder zum Heizen.

Der Multifunktionsspeicher hat inzwischen auch Spuren in der Freien Enzyklopädie Wikipedia hinterlassen: Dort ist zu lesen, dass die E.ON Hanse Wärme den Multifunktionsspeicher in Hamburg Bramfeld 2011 in Betrieb genommen habe. Dank der Einbindung des Speichers in das Wärmenetz könne demnach nicht nur die solarthermische Wärme der Solarsiedlung in Hamburg-Bramfeld gespeichert werden, sondern auch die Wärme, die in der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld und in Blockheizkraftwerken für das Netz erzeugt wird. Darüber hinaus biete sich durch die Anbindung in das Netz die Möglichkeit weitere solarthermische Anlagen in den Kreislauf einzubinden. Allerdings lohne sich laut der Angaben in Wikipedia der technische Aufwand für die Einbindung erst ab einer Anlagengröße von mindestens 100 Quadratmetern.

Derzeit teste man die technischen Grundlagen für eine solche Einspeisung in einem Pilotprojekt, heißt es weiter. Als Pilotanlage diene demnach eine Solarthermieanlage auf einem Heizhaus des Unternehmens in Hamburg-Wandsbek. Die Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, sollen als Grundlage für zukünftige Angebote an Solaranlagenbetreiber dienen.

Pilotprojekt Heizwerk Busbrookhöhe

Über das in der Wiki erwähnte Pilotprojekt berichtete die Autorin Anke Dibbern im April 2012 in der Online-Ausgabe des Hamburger Wochenblattes Farmsen-Berne: “Eine Solarthermieanlage auf dem Dach des Heizwerks Busbrookhöhe sammelt zukünftig die Wärme der Sonnenstrahlen. Über Wärmetauscher und Pumpen leitet das Unternehmen die Energie direkt in ihr Wärmenetz.” Die in dem Bericht zitierte Ingenieurin und Projektmanagerin bei E.ON Hanse Wärme,  Britta Rudolf, wolle demnach unter anderem herausfinden, “ob die Sonnenwärme besser im Vorlauf, also der Wärmezuleitung zu den Verbrauchern, eingespeist werden sollte oder im Rücklauf. Dort fließt das Wasser, das einen Teil seiner Energie an die beheizten Gebäude bereits abgegeben hat, zurück zum Heizwerk”.

Den hier aufgezeigten Rechercheergebnissen zufolge arbeitet in Hamburg der multifunktionale Großspeicher also seit 2011. E.ON Hanse nennt als Investitionswert für den Multifunktionsspeicher übrigens die Zahl sieben Millionen Euro und als einen Anteilsfinanzierer (40 Prozent) das Bundesministerium für Umwelt.

So weit, so gut. Doch sicher gibt es inzwischen weitaus mehr dazu zu berichten. Deshalb fragen wir direkt beim Umternehmen E.ON Hanse danach. Die Antworten auf unsere Fragen könnt Ihr demnächst hier auf dem Blog nachlesen.

Foto: Doreen Brumme

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