Das sollten Sie über Wärmepumpen wissen

Wissenswertes über Wärmepumpen

Einer der Artikel von Sabine, die die Frage gestellt hat, ob Wärmepumpen denn nun eine Kostenfalle seien, hat schon in der Testphase des Blogs für viel Aufregung gesorgt. Da es uns ein Anliegen ist, hier viele ecoquente Stimmen zu sammeln, kommt bereits jetzt der erste Gastartikel von Robert Doelling, der seit vielen Jahren online über Erneuerbare Energien schreibt und auch im Bereich Wärmepumpen sehr aktiv ist.

Vorurteile und Fakten von Wärmepumpen

Nicht viele Themen genießen seit Jahren eine so hohe Medienaufmerksamkeit wie die erneuerbaren Energien. Neben vielen gut recherchierten Beiträgen halten sich jedoch hartnäckig Vorurteile, die immer wieder gerne herangezogen werden, um politisch Kapital zu schlagen oder herstellerseitig konkurrierende Techniken zu diskreditieren. Die Wärmepumpe gehört zu den erneuerbaren Heizsystemen, die besonders mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Daher ist es Zeit, die eigentlichen, hinter diesen Vorurteilen steckenden Fakten und Zusammenhänge zu erläutern.

Sind Wärmepumpen Stromfresser?

Immer wieder ist zu lesen, dass Wärmepumpen ähnlich der Nachtspeicherheizungen Stromfresser seien. Die Bezeichnung “Stromfresser” ist im Falle der Wärmepumpe nicht ganz falsch. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, muss sich nämlich daran gewöhnen, dass der größte Posten der Stromrechnung die Wärmepumpe ist. Dies muss jedoch immer im Verhältnis zu den ansonsten angefallenen Kosten für Gas, Öl oder auch Holzpellets gesehen werden. Dieser Vergleich fällt jedoch gerade im Neubau schwer, da hier keine Erfahrungswerte vorliegen.

Lohnen sich Wärmepumpen nur im Neubau?

Das wohl hartnäckigste Vorurteil ist, dass sich Wärmepumpen nur in Neubauten mit guter Dämmung und Fußbodenheizung lohnen würden. Das ist so nicht ganz richtig. Die Eignung einer Wärmepumpe ist weder vom Haustyp noch vom Umfang der Wärmedämmung noch von der Art der Warmwasserverteilung abhängig, sondern einzig und allein von der Differenz zwischen Wärmequellen- und benötigtem Vorlauftemperaturniveau (Was ist die Vorlauftemperatur?). Natürlich bedingen die oben genannten Faktoren ein geringes “Delta” (Temperaturdifferenz), doch auch im Altbau mit Radiatoren ist es möglich, mit für Wärmepumpen geeigneten Vorlauftemperaturen zu heizen. Und das ist ganz einfach: Durchflussmenge erhöhen und Temperatur drosseln. So ergibt sich der gleiche Wärmeeffekt.

Sind Wärmepumpen Umweltsünder?

Viele sagen, Wärmepumpen seien Umweltsünder, weil sie den eingesetzten Strom nicht energieeffizient genug in Wärme umwandeln. Kennzahl dieses (Mis-)Verhältnisses ist die Jahresarbeitszahl, der Quotient aus produzierter Wärme zu eingesetztem Strom. Dahinter steckt die (veraltete) Überlegung, dass ein durchschnittliches Kraftwerk nur ein Drittel der eingesetzten Energie in Strom umwandelt. Wenn eine Wärmepumpe also “besser” sein soll, dann muss diese eine Jahresarbeitszahl von über 3,3 aufweisen. Zum einen weisen heutige Braun- als auch Steinkohlekraftwerke einen Wirkungsgrad von rund 44 % bis 46% auf, Tendenz steigend. Zum anderen hat sich auch der Energiemix in Deutschland wesentlich verändert. Theoretisch ist in diesem Fall eine Wärmepumpe schon ab einer Jahresarbeitszahl ab 2 energiewirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll.

Sind Wärmepumpen Kostenfallen?

Nein, Wärmepumpen sind genau das Gegenteil! Wärmepumpen nutzen immer einen Teil kostenlose Umweltenergie. Im Falle einer Erdwärmeheizung, die in einem normal gedämmten Haus mit einer Jahresarbeitszahl von 4 betrieben wird, muss nur ein Viertel der Heizwärme durch Strom bereitgestellt werden. Das heißt, dass eine 10%ige Strompreissteigerung natürlich auch die Kosten um 10% steigen lässt. Im absoluten Vergleich zur 10%igen Gaspreissteigerung fällt die Strompreissteigerung jedoch wesentlich geringer aus. Bei konstanten Preissteigerungsraten für beide Energieträger ergibt sich über mehrere Jahre aufgrund der Preissensibilität eine immer größere Ersparnis auf Seiten der Wärmepumpe. Eine Wärmepumpe ist daher systemimmanent eines der preisstabilsten Heizsysteme.

Wärmepumpen-Kritik trotzdem Ernst nehmen

Diese Liste an gängigen Vorurteilen könnte man durchaus noch erweitern. Vielen dieser Vorurteilen und Unterstellungen sollte jedoch nicht noch ein weiteres Mal Raum zur Desinformation eingeräumt werden. Auf der anderen Seite gibt es durchaus auch ernstzunehmende Stimmen. Dies bezieht sich häufig auf die Planungs- und Ausführungsqualität der Wärmepumpenanlagen. Dies ist jedoch nicht das Problem der Wärmepumpe, sondern allen Heizungstechniken gemein, die komplexer sind als Öl- oder Gasheizungen. Dies bestätigt auch ein vor Kurzem durchgeführter österreichischer Test zu Wärmepumpen und Solarthermieanlagen der Energieagentur Vorarlberg. Hier werden deutliche Planungs- und Ausführungsfehler moniert. Daher ist es wichtiger, sich einen versierten Anbieter zu suchen, als sich von Vorurteilen von einem der beliebtesten alternativen Heizsysteme in Deutschland abbringen zu lassen.

Über den Autor

Robert Doelling ist Autor des Buches “Information Performance – Wie aus Kunden die besten Vertriebspartner Ihres Unternehmens werden” und seit vielen Jahren im Online-Marketing von regenerativen Energien tätig. Momentan ist Robert Doelling Social Media Manager bei der DAA GmbH in Hamburg und betreut u. a. die Portale www.solaranlagen-portal.comwww.heizungsfinder.de und jetzt auch www.solarcontact.com

Wir danken Robert für die Ausführungen und freuen uns schon auf weitere Diskussionen zu diesem Thema. Was fehlt eurer Meinung nach noch?

Foto: Flickr | Chan Bliss

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6 Kommentare zu “Das sollten Sie über Wärmepumpen wissen”

  1. Walter Schmidt-Neuhaus

    Gute Zusammenfassung! Einen Aspekt kann man noch anfügen: wenn im Haus noch ein Pufferspeicher installiert ist, kann die Wärmepumpe zusammen mit einer intelligenten Steuerung immer dann, wenn zuviel erneuerbare Energie (Wind oder PV) im Stromnetz ist, dies zu günstiegen Preisen speichern.

    1. Sabine Warncke

      Die Ergänzung von Herrn Schmidt-Neuhaus trift den energetischen Nagel genau auf den Kopf! Wenn man seine WP nicht “konventionell” mit Netzstrom, sondern mit dem selbstgeärnteten Strom vom eigenen Dach betreibt, ist die WP ein sehr kluges Wekzeug im regenerativen Energiemix! In Verbindung mit solarer Thermie ist es möglich ein, sowohl ökologisch, wie auch ökonomisch, höchsteffizientes System zu erstellen.
      Wir planen gerade unser eigenes Stroh- Plus- Energie- Haus mit genau dieser Technik.
      Als primäre Energiequelle für die WP wird ein 10m³ großer, im Garten eingegrabener, ungedämmter Latentwärmespeicher dienen. Den kann man im Sommer dann auch nutzen, um die eventuell anfallende Überwärme aus dem Haus zu “tragen”…

    2. Hans Steck

      Wenn ich Strohhaus höre beginnen meine Äuglein zu glänzen. Bauten schon vor Jahrzehnten im Raum Traustein ein solches in Stampfstrohlehm und Strohlehm Ziegel bauweise. Mach man das heute auch noch so. Ist der Latentwärmespeicher ein Eisspeicher ?
      Wären für euch nicht Hybridkollektoren die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen interessant .
      Ich erwarte mit Interesse die Antwort.
      Freundliche Grüße
      H. Steck

  2. Sabine Warncke

    Ja, es ist ein Eisspeicher. Die Hybridkollektoren setzen voraus, dass man im ganzen Jahr das gleiche Verhältniss von Strom- zu Wärmebedarf hat. Bei uns ist das nicht so. Aus diesem Grund werden die Vakuumröhren an der senkrechten Südfassade und die PV- Module auf das 30°Süddach montiert. Die PV- Module können so an besonders heißen Sommertagen, per zwischengespeichertem Regenwasser, auch mal eine kühlende Dusche bekommen, was bei Hybridmodulen nicht so klug wäre.

  3. Seb

    Achtung unglückliche Formulierung zur Frage: Sind WP Kostenfallen?
    Es wird gesagt, dass 10%ige Strompreissteigerung die Kosten ebenfalls um 10% steigert. Das ist richtig und gilt selbstverständlich auch bei einer 10%igen Gaspreissteigerung bzgl. der Gaskosten! Ein Vergleich der Preissteigerungen um 10% muss auf der gleichen Basis erfolgen. Eine Steigerung um 10% von beispielsweise 500 Euro Heizkosten ergeben 550 Euro, egal ob mit Strom oder Gas geheizt wird.
    Vergleicht man unterschiedliche Heizungssysteme sind schließlich die Kosten für nutzbare Wärmeenergie relevant und nicht der Preis pro kWh Primärenergie.
    Eine Preissteigerung um 10% macht sich nur weniger bemerkbar, wenn die Gesamtkosten geringer sind. Wirkungsgrad und Primärenergiequelle sind den Kosten völlig wurst.

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