Was Sie über die Kosten von Solarthermie wissen müssen

Solare Fernwärme, Röhrenkollektor

Nachdem ich meine Aufgabe ein Auge auf die Kosten von Solarthermie zu werfen Ernst nehmen möchte, kommt hier schon der nächste Artikel. Viel Spaß bei all den AHA-Effekten, die das Thema in mir ausgelöst hat.

Was die Wissenschaft zu den Kosten der Solarthermie sagt

Zu Beginn gleich eine der wichtigsten Grafiken zum Thema aus dem wissenschaftlichen Bereich. Werner Weiß von der AEE Intec hat diese Berechnungen für die Renewable Heating and Cooling Platform durchgeführt. Hier die Detailbeschreibungen zum Download. Da diese Grafik für “Normalsterbliche” nicht auf den ersten Blick zu verstehen ist, versuche ich diese nicht nur fremdsprachlich, sondern auch technisch zu übersetzen.

Cost of solar heat installations

Kosten ein Solarheizung in Europa – Quelle: RHC-Platform.org, AEE-Intec

Falls Sie diese Grafik mit einem Blick erfassen können, einfach auf den nächsten Punkt springen:

Was sehen wir hier eigentlich?

Die Grafik zeigt eine Aufschlüsselung der unterschiedlichen Anwendungsgebiete für solarthermische Anwendungen und deren Wärmepreis in ct/kWh. In anderen Bereichen wird dieser Wert auch “Gestehungskosten” genannt. Ich hab diese hier schon mal erklärt. Die vereinfachte Kurzform lautet:

Wärmepreis bzw. Wärmegestehungskosten = Abgezinste Gesamtinvestition/ Gesamte Wärmemenge über die Laufzeit

Es handelt sich hier also nicht nur um die laufenden Kosten im Betrieb, sondern um die über die Laufzeit aufgeteilten Kosten inkl. der Gesamtinvestition inkl. Finanzierungskosten. Aus diesem Grund finde ich das Wort Wärmepreis nur bedingt passend, weil Wärmepreis auch einfach die Brennstoffkosten für Öl oder Gas sein können, aber dazu später mehr.

Die Bandbreite der Kosten aufgeschlüsselt

Der Einfachheit halber schreibe ich die Kosten noch einmal in tabellarischer Form auf, da sich die Kosten je nach Anwendungsform stark unterscheiden. Zu Beginn sind zum Vergleich die herkömmlichen Energiequellen wie Wärme aus Strom oder aus Erdgas angezeigt.

Kosten Konventionelle Energieformen

  • Wärme aus Strom: 10-33 ct/kWh
  • Erdgas: 4-15 ct/kWh

Kosten Solarthermische Anwendungen

  • Solare Fernwärme: 4-19 ct/kWh
  • Solare Prozesswärme: 3-13 ct/kWh
  • Kombianlagen mit Heizungsunterstützung: 15-23 ct/kWh
  • Solares Warmwasser mit Pumpen (Zwangsumlauf): 8-19 ct/kWh
  • Solares Warmwasser mit Thermosiphon: 4-11 ct/kWh

An genau dieser Grafik sieht man, wie viel die Branche hier noch zu tun hat. Die Bandbreiten sind noch viel zu groß, was auch bedeutet, dass sich noch keine Technologie/Anwendung so richtig durchgesetzt hat aber gleichzeitig noch sehr viel Potenzial vorhanden ist.

Kosten von Alternativen: ACHTUNG IM VERGLEICH!!

Weil diese oben genannten Zahlen ohne einen aktuellen Vergleich für viele nur schwer greifbar sind, gibt es nun noch eine weitere spannende Grafik. Sie zeigt die Heizkosten in Deutschland im Jahr 2013. Die Interpretation nach obigen Prinzip könnte nun so aussehen:

Brennstoffkosten alternativer Energieformen

  • Heizöl: 8,2 ct/kWh
  • Wärmepumpe: 7,1 ct/kWh
  • Gas: 6,9 ct/kWh
  • Pellets: 5,8 ct/kWh

Nun könnte man auf den falschen Schluss kommen, dass diese Energieformen viel günstiger sind als Solarthermie, vergleicht man diese Werte mit den Werten der oberen Bandbreite, aber ACHTUNG: Es handelt sich hier um die REINEN BRENNSTOFFKOSTEN OHNE INVESTITIONSKOSTEN. Deshalb scheint die Solarthermie hier auch nirgends auf, weil es im Betrieb ja keine Brennstoffkosten gibt.Kosten Heizung im Vergleich Heizöl Wärmepumpe Erdgas Pellets

Aus diesem Grund halte ich den Begriff Wärmepreis für gefährlich, es wird immer wieder passieren, dass die Brennstoffkosten mit den Gestehungskosten verwechselt werden.

Brennstoffkosten von Gas und Wärmepumpe gleich auf

Was ich im Zusammenhang mit dieser Grafik interessant finde ist, dass diese Studie zu dem selben Ergebnis kommt wie meine berühmte Berechnung des Stromverbrauchs einer Wärmepumpe. Da ich die laufenden Kosten mit meinen derzeitigen Gasverbrauchskosten verglichen habe, kam ich auf fast dieselben Kosten wie beim derzeitigen Gasanbieter. Dabei sind aber eben die relativ hohen Investitionskosten noch nicht eingerechnet gewesen. Im Vollkostenvergleich sieht die Geschichte dann eben wieder etwas anders aus, wie wir gleich unten sehen.

Wärmepreis nach Vollkosten alternativer Energieträger

Die Studie, die die Vollkosten anderer Energieträger nach dem selben Gestehungskostenprinzip wie oben vergleicht, habe ich hier schon einmal im Detail vorgestellt. Um den Artikel vollständig zu gestalten, hier noch einmal die Grafiken dazu. Toll finde ich, dass sich mittlerweile das damals noch sehr große Fragezeichen bei der Solarthermie schon etwas aufgelöst hat.

Kosten-Heizung-Öl-Gas-Wärmepumpe

Wärmepreise bei der Annahme: Einfamilienhaus: Nutzfläche 130 m2, HWB: 70 kWh/m2a (saniert), Quelle: Austrian Energy Agency, 2013

Die Gesamtkosten des Systems sind also um einiges höher, als die Brennstoffkosten alleine. Was logisch klingt, wird oft und gerne vergessen. Hier nochmal die Aufschlüsselung in Tabellenform.

Kostenvergleich Solarthermie, Wärmepumpe, Gas

Ich hoffe Sie sind nun ein wenig schlauer was die Kostenbetrachtung bei verschiedenen Heizungssystemen betrifft. Bitte auch nicht auf unseren Heizkostenrechner vergessen, da vor allem das individuelle Haus oder Unternehmen entscheidend ist und keine Studie eben den Einzelfall darstellen, sondern lediglich einen Überblick geben kann.

Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht hier mal wieder tiefer einzutauchen und die Perspektiven, die in der Solarthermie noch möglich sind, zu beleuchten. Stellt euch vor, es werden überall die unteren Bandbreiten erreicht! Natürlich ist das noch lange nicht alles, was es über die Kosten von Solarthermie zu berichten gibt. Nächstes Mal verraten wir, wie die Herrschaften die diese Studien erstellen, diese Berechnungen eigentlich durchführen um auf diese Ergebnisse zu kommen. Wer generell interessiert an den durchschnittlichen Kosten ist, kann in diesem Artikel schon mal vorlesen.

Was sagt ihr zu diesen Erkenntnissen? Brauchbar oder eher nicht?

Titelbild: Ritter XL Solar

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Vielen Dank und sonnige Grüße

14 Kommentare zu “Was Sie über die Kosten von Solarthermie wissen müssen”

  1. Doreen Brumme

    Schön, dass Du das detailliert auseinanderklamüsert hast, Conny. Ich hoffe nur wie bei jedem solcher “augenöffnenden” Texte, dass auch die Entscheider ihn lesen. Die, die das Material herannehmen können, um damit Entscheidungen zu treffen: politische und sozioökonomische. Solche, die zukunftsgerichtet sind. Gerade der Vergleich der Vollkosten des Wärmepreises dürfte ein guter Wegweiser sein.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke! Ja, ist immer eine Menge Arbeit aber auch total interessant, wenn man auch mal alle Vergleich auf dem Tisch hat. Von da weg kann man dann natürlich auch diskutieren und argumentieren, aber es ist auf jeden Fall ein Startpunkt. Bin ja ein rieisiger Fan von Vollkosten, sowohl bei fossiler als auch erneuerbarer Energie. Leider ist die Transparenz der Erneuerbaren im Vergleich zur furchtbaren Intransparenz in der fossilen Welt derzeit noch ein Nachteil der Erneuerbaren. Ich bin aber trotzdem ein Fan von Transparenz, das Gute und Richtige setzt sich am Ende dann doch durch!

  2. Sabine Eva Rädisch

    Brauchbar auf jeden Fall – ich bin mal wieder beeindruckt, was du hier alles zusammengetragen hast. Auffällig sind für mich die hohen verbrauchsabhängigen Kosten von “Stromheizungen”… und die große Bandbreite, von der ich auch hoffe, dass in Zukunft mehr und mehr die Untergrenze erreicht wird. Es sollte noch viel mehr solare Fernwärme geben.

    1. Conny

      ja, das ist tatsächlich beeindruckend und sieht man erst, wenn man genau nachrechnet. Und Ad: Solare Fernwärme: Ist ja kein Geheimnis, dass ich ein Riesenfan davon bin. Diese Berechnungen zeigen auch warum und dass es hier noch einiges zu tun gibt. In der Studie wird vor allem die Optimierung der Planungskosten bei diesen Projekten als entscheidend eingestuft. Wenn es hier viele Projekte gibt, wird das sicher besser!

  3. ich

    Es überrascht micht dass Gas-Brennwert teuerer ist als Gas-Heizwert.
    Wurde mit einer Preissteigerung der Brennstoffe gerechnet und wenn ja mit welcher?
    Was mit auch interessieren würde wie die Kombination der Anlagen die Zahlen verändert. z.B. die häufig eingebauten Gas-Brennwertgeräte mit Solarer-WW bereitung. Die Kosten müssten ja noch höher liegen als reines Gas-Brennwertgerät weil die Investition der Gas-Brennwertgerätes sich auf weniger produzierte kwh umgelegt werden müssen. Aber wieviel macht das ca. durchschnittlich aus?

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Danke für die Inputs und die Fragen. Die Berechnungsgrundlagen müsste man direkt in der Studie nachlesen können. Ich hoffe auch, dass ich auf die 2. Frage bald eine Antwort habe aber Sie haben grundsätzlich natürlich recht. Ein Problem der neuen Energiewirtschat ist eben die Bichtvereinbarkeit mit möglichst hohen Volllaststunden. Es braucht hier definitiv neue Denkansätze und Betrachtungsweisen.

  4. Franz Bergen

    Sehr geehrte Frau Daniel-Gruber,
    die Auflistung der
    Kosten Konventionelle Energieformen
    Wärme aus Strom: 10-33 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    Erdgas: 4-15 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    Brennstoffkosten alternativer Energieformen
    Heizöl: 8,2 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    Wärmepumpe: 7,1 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    Gas: 6,9 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    Pellets: 5,8 ct/kWh (nur Brennstoff, ohne Investition)
    und der Kosten Solarthermische Anwendungen
    Solare Fernwärme: 4-19 ct/kWh (Investition und “Brennstoff”)
    Solare Prozesswärme: 3-13 ct/kWh (Investition und “Brennstoff”)
    Kombianlagen mit Heizungsunterstützung: 15-23 ct/kWh (Investition und “Brennstoff”)
    Solares Warmwasser mit Pumpen (Zwangsumlauf): 8-19 ct/kWh (Investition und “Brennstoff” für eine kleine Energiemenge)
    Solares Warmwasser mit Thermosiphon: 4-11 ct/kWh (Investition und “Brennstoff” für eine kleine Energiemenge)
    lässt vermuten, dass Solaranlagen zur Heizungsunterstützung zu teuer seien und sich zu spät amortisieren.
    Das Gegenteil ist jedoch der Fall, da nicht nur 150-400 kWh/Person/a, sondern bis zu 15.000 kWh/Gebäude/a durch kostenlose Solarwärme bzw. Optimierungsersparnis ersetzt werden, jedenfalls solange wie der Bundeswirtschaftsminister nicht auf die Idee kommt die erzeugte und selbst genutzte Solarwärme zu besteuern. Daher sollte versucht werden die solare Deckungsrate (darunter verstehe ich Heizungsoptimierung plus solarer Ersatz von Brennstoff) so hoch als möglich zu gestalten. Ich plädiere für 40-55% im Altbau und 50-100% im Neubau, auch wenn es dadurch erhebliche solare Überschüsse im Sommer gibt.
    Außerdem fehlt bei der Betrachtung der gesamten Wärmemenge über die Laufzeit die Differenzierung zwischen Flach- und Röhrenkollektoren. Ich behaupte Röhrenkollektoren produzieren doppelt so lange (40 Jahre und mehr) wie Flachkollektoren, weil sie, bei entsprechender Ausführung, doppelt so lange ihre volle Funktionsfähigkeit behalten.
    In diesem Zeitraum gibt es vermutlich erhebliche Preissteigerungen bei den Brennstoffen, die in diese Berechnungen nicht einfließen. Dem käme gleich, die Autoren würden erwarten in 40 Jahren genauso auszusehen wie heute.
    Die Betrachtung der Heizsysteme nach Kosten pro kWh ist seeeehr interpretationsfähig. Sie muss auf jeden Fall um die Faktoren Lebensleistungsdauer des Systems und Preissteigerungsrate des verwendeten Brennstoffs erweitert werden. Die Berechnungen müssen diese Faktoren dann auf die Lebensdauer des Systems mit der längsten Lebensleistungsdauer hochrechnen (Reinvestition). Erst dann ist ein realistischer Vergleich möglich.

  5. Cornelia Daniel-Gruber

    Hallo Herr Bergen!!

    Super, Super, Super!! Vielen Dank für den ausführlichen Denkanstoss. Genau das wollte ich erreichen. Wir müssen endlich eine Diskussion der Bewertung der Solarthermie beginnen und es ist traurig, dass wir erst jetzt damit anfangen. Die Solarthermie leidet wie viele andere erneuerbare Energieformen unter den derzeitigen Bewertungsmethoden. Um eine neue Bewertungsmethode zu erschließen, muss aber zuerst aufgearbeitet werden, wo wir stehen. Das wird mMn von der Branche völlig ausgeblendet und es fehlt das Selbstbewusstsein die Technologien so darzustellen, wie sie sind. Wenn es aber kein transparentes Bewertungssystem und Berechnungsmethoden gibt, sind jegliche Aussagen nicht überprüfbar. Es ist so wie es jetzt ist, auch nicht möglich verschiedene Solarthermiesysteme miteinander zu vergleichen. Deshalb ist es auch nicht möglich eine längere Lebensdauer eines Systems in einen geldwerten Vorteil umzurechnen. Wir können uns auch auf den Kopf stellen und hundertmal wiederholen, dass sich nix im Leben rechnet und deshalb auch die Solarthermieanlage nicht rechnen muss, es wird dann aber ein Nischenprodukt bleiben und nicht massenfähig werden.

    Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass die Solarthermie es schaffen kann, sich als saubere UND wirtschaftliche Lösung zu positionieren. Dafür ist es aber nötig auch unterschiedliche Annahmen zu treffen und diese öffentlich auszudiskutieren ob diese Annahmen auch haltbar sind. Dazu braucht es aber eben mehr als zwei Studien. Jede einzelne Anlage sollte sich der Gestehungskostenfrage stellen, dann wird auch ganz schnell klar, was der optimalste Deckungsgrad ist und welche Stellschrauben noch verändert werden müssen, damit das System als ganzes massenfähig ist.

    Sie wissen vermutlich warum Wasserkraftwerke und Atomkraftwerke als “billig” gelten. Es liegt nicht an den Investitionskosten – diese sind horrend – sie haben es aber geschafft für sich den Status von Laufzeiten jenseits der 50-100 Jahre zu reklamieren. Heute hinterfragt niemand ob ein Atomkraftwerk tatsächlich 60 Jahre läuft, bei Wasserkraftwerken stimmt ja die Annahme zumindest. Sie sagen: 40 Jahre? Ich sage: HERVORRAGEND!!!!!! Dann starten wir Berechnungen mit 40 Jahren!! Warum macht das niemand??? Warum redet sich die Branche ständig selbst schlecht??? Soweit ich weiß liegen den Berechnungen 20 Jahre zu Grunde, weil sich niemand traut das nach oben zu schrauben. Ich glaube es braucht hier einen deutlichen Selbstbewusstseinsschub und sollte viel mehr in die öffentliche Diskussion.

    Wie gesagt, ich werde auch öffentliche Berechnungen starten. Wenn Sie Inputdaten haben, her damit. Ich brauche:

    Investitionskosten (getrennt in reine Kosten für Kollektoren + Installation und Kosten des Gesamtsystems weil nur erstere relevant sind)
    Größte der Anlage in m2
    Ertrag/m2
    Nutzungsgrad der Anlage (wie viel % des Ertrages werden genutzt)
    Lebensdauer

    Natürlich bin ich auch offen für andere Bewertungsmethoden, aber es hilft nix, es einfach gar nicht zu machen und auch wenn der Vergleich mit anderen Energieformen derzeit noch etwas hinkt, hat man zumindest Zahlen von denen man externe Kosten abziehen kann. Viel wichtiger halte ich aber den internen Vergleich verschiedener Solarthermiesysteme. Die oben gezeigten Grafiken geben das einfach nicht wider.

    Wie gesagt, bin voll bei Ihnen und dankbar für jeglichen Input.

    1. Franz Bergen

      Hallo Frau Daniel-Gruber,
      ich komme leider nicht so oft dazu den Blog zu besuchen. Schnellere Antwort bekommen Sie von mir, wenn Sie Ihre Antwort auch an meine Mailadresse (frbergen@nullsolar-sanieren.de) senden. Dann kann ich Ihnen auch pdfs und Grafiken aus einem selbsterstellten excel-Tool zur Verfügung stellen.
      Zu Ihren Fragen am Beispiel eines Hauses mit 40.000 kWh (Öl) Wärmebedarf:
      Investitionskosten (getrennt in reine Kosten für Kollektoren + Installation und Kosten des Gesamtsystems weil nur erstere relevant sind): Warum? Der Kunde muss alles bezahlen, also sind die Gesamtkosten (24.200 €; 21.300 € nach Förderung durch BAFA + progres.NRW) relevant. Kollektoren und Installation ca. 12.000 €.
      Größte der Anlage in m2: 15,2 m² CPC-Vakuumröhrenkollektor
      Ertrag/m2: 475 kWh
      Nutzungsgrad der Anlage (wie viel % des Ertrages werden genutzt): 371 kWh (96 kWh sind Überschuss im Sommer, ca. 4,5 Monate Stillstand stand des Ölbrenners)
      Lebensdauer: >40 Jahre; ich rechne jedoch auf 10, 20 und 30 Jahre

      Weiteree Faktoren:
      jährliche Preissteigerung für Öl 6% und für Strom 3% (solarer Ersatz bei Geschirrspül- und Waschmaschine)
      Effizienzsteigerung der überdimensionierten Ölheizung (53 kW) durch den Pufferspeicher der Solaranlage: 20%
      rein solarer Deckungsgrad: 14%
      Amortisation: innerhalb von 13 Jahren
      Ersparnis nach 20 Jahren: 21.000 €
      Ersparnis nach 30 Jahren: 70.000 €
      Zusätzlich zur Solaranlage wird der Kunde auch den Brennstoff wechseln (auf Holz-Grundofen)

  6. Blumental

    Zu dem Beitrag von Herrn Bergen und der Antwort von Frau Daniel-Gruber:

    Am Ende des Tages muss jemand sich aber die Wirtschaftlichkeitsberechnung ansehen und sagen: Ja, da investiere ich. Und wenn die Dauer bis sich die Haustechnik “rentiert” bei einem Einfamilienhaus deutlich über der Dauer liegt die der Häulebauer braucht um das Haus überhaupt abzubezahlen, denke ich wird das Ganze mehr als schwierig werden. Wenn, dann sollte man es an diesen Zeitraum orientieren, also dem Zeitraum wo die Immobilie abbezahlt wird. Und das werden in den meisten Fällen nicht mehr als 30 Jahre sein.

    Klar werden Wasser/Kohle/Atomkraftwerke mit deutlich längeren Zeiträumen gerechnet, nur was hilfts? In diesem Fall stehen und standen dort große Unternehmen dahinter die zudem vom Staat lange Zeit mehr oder weniger eine Bestandsgarantie bekommen haben. Betreiber die Kraftwerke bis zur Jahrtausendwende errichtet haben, konnten sich doch relativ sicher sein das die auch ihre 40 Jahre laufen, einfach weil auch von der Politik signalisiert wurde das man sie als stabile und zuverlässige Energiequelle braucht.

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Umso wichtiger ist es auch in die Politik zu signalisieren, dass es auch noch andere zuverlässige Energiequellen gibt. Was spricht eigentlich dagegen, dass der Staat auch als Betreiber erneuerbarer Kraftwerke auftritt und die Energie verkauft??

      30 Jahre fände ich auch einen guten Richtwert, wenn Instandhaltungsmaßnahmen ebenfalls einkalkuliert werden ist das mehr als realistisch, oder??

    2. Blumental

      Gegen beides spricht nichts, ist halt die Frage wie der Staat Wärme aus erneuerbaren Quellen die überwiegend dezentral bereitgestellt wird, verkaufen will.

      Da man ja bei der Teuerung fossiler Energieträger von einer exponentiellen Steigerung ausgeht (5% mehr im Jahr ist hoch 1,05) würden die 10 Jahre mehr schon sehr sehr viel bringen. Dennoch muss der Investor sei es privat, eine Genossenschaft oder wer sonst – dann sagen: Ja das überzeugt mich, da investiere ich. Und wenn demjenigen die Rahmenbedingungen der Rechnung nicht gefallen, ist das halt schwierig, darauf wollte ich hinweisen.

      Bekannte von mir ziehen zum Beispiel nun in ein Haus der Genossenschaft. Ich war schon in der neuen Wohnung und an merkt an jeder Ecke das überall mit der spitzen Feder gerechnet wurde. So auch bei der Haustechnik: WW-Bereitstellung über Durchlauferhitzer, also über Strom. Keine Solarthermie auf dem Dach.
      Die Genossenschaft hat nur das ausgeführt was sie seitens des Gesetzgebers musste, sprich nach den Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes. Ob hier eine Heizungsunterstüzung mit 20 oder 40 Jahren gerechnet wurde, spielte vermutlich überhaupt keine Rolle.

      Ein anderer Fall, beruflich hatte ich mit der Sanierung eines Studentenwohnheims zu tun. In der Planungsphase hatte man noch sehr ehrgeizige Ideen mit Solarthermie und einem BHKW. Zunächst lagen auch Berechnungen vor, die eine Wirtschaftlichkeit nahelegten.
      Im weiteren Verlauf hat man die Berechnungen nochmal geprüft und festgestellt das sich das mit der Solarthermie nicht rechnet. Auch hier denke ich, hätte man mit nem längeren Zeitraum bei der Wirtschaftslichkeitsberechnung nichts reißen können. Man will nicht mehr Geld ausgeben als nötig.

      Vielleicht kommt man nur mit deutlich schärferen Vorgaben seitens des Gesetzgebers weiter.

    3. Cornelia Daniel-Gruber

      Ja, letztendlich muss der Investor auch seine persönlichen Rahmenbedingungen auswählen und bei Mehrfamilienhäusern braucht es ganz andere Anreize für die Bauherren. Derzeit spielen die laufenden Kosten einfach überhaupt keine Rolle. Gerade aber beim sozialen Wohnbau, sollte das ein Thema sein und auch Betreibermodelle müssten viel stärker forciert werden. Gerade eben weil bei den Anschaffungskosten der Rotstift immer fetter wird. Das diese Modelle nicht einfach umzusetzen sind, ist auch klar aber Erfolg ist halt oft im Blaumann gekleidet ;-). Die ersten die da wirklich flächendeckende und interessante Angebote für große Bauträger bringen werden gewinnen.
      Natürlich wird die Branche auch nicht umhin kommen, sich ihres Kostensenkungspotenzials bewusst zu werden und daran zu arbeiten. Gerade in Mehrgeschosswohnbau gibt’s da noch einiges an Potenzial.

      Das mit den schärferen Vorgaben ist halt auch so eine doofe Sache. Die Installationspflicht hat ja anscheinend vor allem dazu geführt, dass eben irgendwas gemacht wir, nur um die Vorgaben zu erfüllen… Helfen könnte natürlich wie immer sowas wie eine Dreckssteuer für alles was nicht erneuerbar ist. Fände ich persönlich viel charmanter als Förderungen.

  7. Andreas Reitmann

    Hallo Frau Daniel-Gruber,
    vielen Dank für die interessante Aufstellung der Gesamtkosten nach Heizungssystem. Komisch nur für mich, dass ich in meiner Nebenkostenabrechnung als (Noch)Mieter einen Preis von 8 ct/kWh finde. Das hieße ja, dass der Vermieter mit Verlust abrechnet oder dürfen die Investitionskosten für die Heizung nicht mit in die Heizkosten angesetzt werden?
    Ich verstehe auch nicht warum bei der reinen Solarthermie nur Fragenzeichen stehen. Gerade hier sollte es doch einfach sein, anhand von Erfahrungswerten die Preise für Kollektor/kwh + Regelung+Planung+(Langzeit)Speicher, Leitungen, Wartung, Laufzeit etc … auf einen Vollkostenpreis für die kWh Wärme zu kommen. Diese Größe wäre dann im Übrigen auf die nächsten 30 Jahre als konstant anzusehen und kann mit jeglicher angenommener Preissteigerungsrate bei fossilen Rohstoffen und Strom individuell verglichen werden.

    Genau diese Gegenüberstellung benötige ich zur Zeit, da wir in einem Altbauensemble auf eine 100% Solarheizungslösung kommen wollen bei einem Wärmebedarf von 160.000 kWh und zusätzlich WW von 70.000 kWh. Ausreichend Platz an Wand- und Dachflächen ist vorhanden, ebenso Platz für ein Saisonspeicher. Momentan “zanken” sich aber die Fachleute, ob Solarthermie oder PV in Kombination mit einer WP die bessere Lösung ist.
    Sie sehen, die Gesamtgestehungskosten pro kWh in der Solarthermie wären mir sehr wichtig.

    Vielen Dank und ein dickes Lob an diesen Blog hier !! Andreas Reitmann (www.Liebon.de)

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Vielen Dank und sonnige Grüße

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