Wie berechnet man den Stromverbrauch einer Wärmepumpe?

Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen - Kosten

Die Landschaft der erneuerbaren Heizmethoden ist vielfältig. Da gibt es Solarthermie, Pelletsöfen, Wärmepumpen oder einfache Holzkamine. Jede dieser Energieformen spart unterschiedlich viel Energie ein, hat unterschiedliche Investitionskosten und auch unterschiedliche Kosten im Betrieb. Ein heilloses Durcheinander also. In letzter Zeit höre ich immer wieder die Frage danach, wie man die laufenden Kosten bzw. den Stromverbrauch einer Wärmepumpe realistisch einschätzen kann. Die Antwort ist meistens: Faustregel gibt es nicht, hängt von zu vielen Faktoren ab, etc… aber ich finde man muss es wenigstens probieren.

Ich habe hier nun einige Infos zusammengetragen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte. Die klassische Formel lautet folgendermaßen.

Heizleistung / Jahresarbeitszahl * Heizstunden * Wärmepumpentarif = Stromkosten der Wärmepumpe/Jahr

Als normaler Mensch kann man mit keiner der einzelnen Punkte etwas anfangen, hab ich Recht? Bevor ich also auf diese Formel im Detail eingehe, zügle ich das Pferd nun vorher von hinten auf und versuche von meiner Wohnung ausgehend die zukünftigen Heizkosten die ich bei der Umstellung von Gas auf die Wärmepumpe hätte. Ich verbrauche derzeit ca. 8000 kWh Gas/Jahr. Ich denke, das ist auch die einzige Information, die ich als Heimbesitzer habe, wenn ich die Energiekostenabrechnung aus den Unterlagen hervorkrame. Es geht jetzt auch nicht unbedingt um Neubau, da hat man all die oben stehenden Werte noch eher zur Hand. Mir geht’s hier ums Verständnis und, dass das jeder mal für sich durchrechnen kann.

Warmwasser und Heizwasserverbrauch entscheidend

Bevor man jedoch zu rechnen beginnen kann, muss man sich bewusst sein, dass man in einem Haus zwei verschiedene Nutzungsmöglichkeiten von Warmwasser mit jeweils unterschiedlichen Temperaturniveaus hat. Während ich beim Brauchwasser fürs Duschen höhere Temperaturen von 50° benötige, will die Fußbodenheizung mit niedrigeren Temperaturen um die 30° betrieben werden. Das Temperaturniveau ist ganz entscheidend, weil jedes gewünschte Grad mehr, auch entsprechend mehr Leistung vom Energiesystem verlangt. Nun hat man als Normalverbraucher aber leider keinen Einblick in die Aufteilung der verbrauchten Energie in Warmwasser und Heizung. Am Ende des Jahres kommt nämlich nur die Gesamtrechnung. Das macht die Sache nicht unbedingt leichter. Früher ist man von einer Aufteilung von 80:20 oder 70:30 zugunsten der Heizung ausgegangen. Das ist auch logisch, da schlecht gedämmte Häuser im Verhältnis viel mehr Heizenergie verbraucht haben als Duschwasser. Nun werden Häuser immer besser gedämmt und der Heizenergiebedarf sinkt entsprechend. Nicht aber jener fürs Brauchwasser. Wir duschen ja nicht weniger häufig, nur weil das Haus jetzt gedämmt ist. Dieses Verhältnis verrückt sich in vielen neuen Häusern nun natürlich dementsprechend und es gibt Fälle, wo der Warmwasserbedarf jenen der Heizung bereits überschritten hat. Für mein Rechenbeispiel nehme ich der Einfachheit halber nun eine fiktive 50:50 Aufteilung in Heiz- und Brauchwasser an. Dies kann zum Beispiel bei Passivhäusern möglich sein.

Meine persönliche Milchmädchenrechnung

Ich entschuldige mich schon mal vorab für die vermutlich sehr vereinfachte Darstellung, aber hier geht’s primär um das Verständnis und sie soll vor allem als Diskussionsgrundlage dienen für die Frage, wie man den zukünftigen Stromverbrauch einer Wärmepumpe definieren kann.

Meine Annahmen lauten also:

  • Derzeitiger Verbrach 10 000 kWh/Jahr für Heizung und Warmwasser
  • Vereinfachte Aufteilung von 50% für Heizung und 50% für Warmwasser
  • Verluste bei der Gasverbrennung bleiben unberücksichtigt

Annahmen für die Wärmepumpen müssen auch gemacht werden, weil die Jahresarbeitszahl (JAZ) sich ändert, wenn ich damit wärmeres Wasser machen möchte. Vielleicht ist auch noch eine kurze Erklärung zur Jahresarbeitszahl nötig: Vereinfacht gesagt ist das der Faktor, der angibt, mit wie vielen Kilowattstunden (kWh) Strom ich soundsoviele Kilowattstunden warmes Wasser erzeugen kann (Was ist eine Kilowattstunde?). Eine Jahresarbeitszahl von 3 bedeutet also, dass ich mit einer kWh Strom drei kWh Wärme erzeugen kann. Hier noch Zusatzinfos zu den Einflussfaktoren. Nun zurück zum Beispiel. Folgende Werte nehme ich für die Wärmepumpen an (darüber kann man sicher auch streiten, es handelt sich um eine Annahme, die ich aus verschiedenen Gesprächen entnommen habe, einen JAZ-Rechner gibt’s übrigens hier):

Luftwärmepumpe:

  • JAZ Warmwasser: 2,4
  • JAZ Heizung: 2,8
Erdwärmepumpe
  • JAZ Warmwasser: 3,8
  • JAZ Heizung: 4

Berechnung der Stromkosten der Wärmepumpe

Jetzt wo das alles geklärt ist, ist meine sprichwörtliche Milchmädchenrechnung recht einfach. Ich nehme die jeweils 5000 kWh und dividiere sie durch die Jahresarbeitszahl, dadurch bekomme ich die kWh die ich vom Stromnetz beziehen muss. Die Beispiele sind wieder aufgeteilt in Luftwärmepumpe und Erdwärmepumpe.

Beispiel Luftwärmepumpe:
Warmwasser: 5000 kWh / 2,4 = 2083 kWh
Heizung: 5000 kWh / 2,8 = 1785 kWh
Gesamt: 3868 kWh

Würde ich die Wärmepumpe mit meinem Ökostromtarif betreiben müssen, wären das  21ct/kWh. Da die Energieversorger den Mehrverbrauch an Strom aber begrüßen, gibt es meist Wärmepumpentarife, leider nicht bei meinem Ökostromanbieter, warum eigentlich? Ich nehme hier den aktuellen der Wien Energie. Ich weiß, dass die deutschen Tarife deutlich darüber liegen, aber ich sollte das Beispiel trotzdem für Österreich zu Ende rechnen. Der Nachttarif ist dort 14,5 ct/kWh und der Tagtarif 16,8 ct/kWh. Zur Vereinfachung nehme ich für die weitere Berechnung den Mischtarif von 15,65 ct/kWh.

  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif: 3868 * 0,21 = € 812,-/Jahr
  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 3868 * 0,1565 = € 605,-/Jahr

Beispiel Erdwärmepumpe

Warmwasser: 5000 kWh / 3,8 = 1315 kWh
Heizung: 5000 kWh / 4 = 1250 kWh
Gesamt: 2565 kWh

Nachdem wir die Tarifsache bereits bei der Luftwärmepumpe geklärt haben, hier nun das Beispiel für die Erdwärmepumpe.

  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Ökostromtarif: 2565 * 0,21 = € 538,-/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 2565 * 0,1565 = € 401,-/Jahr

 Ergebnis im Vergleich mit den derzeitigen Heizkosten

Uff, das war jetzt ein hartes Stück Arbeit, aber ich denke wir sind der Sache schon ein bisschen näher gekommen. Nun bleibt nur noch die Kosten mit den dezeitigen Kosten zu vergleichen. Gas ist leider immer ein undankbarer Vergleichspartner. Die Kosten sind zwar gestiegen und werden es weiter tun, aber Öl ist da den Erneuerbaren gegenüber schon deutlich dankbarer, wenn man es vom Einsparungspotenzial her betrachtet. Mein geringer Energieverbrauch ist auch nicht unbedingt förderlich, für ein wahnsinnig hohes Einsparpotenzial. Derzeit zahle ich für die kWh Gas 8ct/kWh. Das sind bei den angenommenen 10.000 kWh also € 800,-/Jahr.

Hier nochmal die Ergebnisse im Überblick:

  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif: 3868 * 0,21 = € 812,-/Jahr
  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 3868 * 0,1565 = € 605/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Ökostromtarif: 2565 * 0,21 = € 538,-/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 2565 * 0,1565 = € 401,-/Jahr

Der Umstieg auf die Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif macht derzeit leider keinen Sinn. Auch die Ersparnisse aus dem Wärmepumpentarif sind überschaubar. Bei der Erdwärmepumpe sieht’s schon etwas besser aus, wobei ich konsequenterweise schon zu einem Ökostromtarif tendieren würde. Was bringt mir die Wärmepumpe, wenn dafür Kohle verbrannt werden muss. Wie gesagt, mein Beispiel mit wenig Energieverbrauch und Gas zum Vergleich ist wenig representativ. Ich wollte es aber aus meiner Situation heraus vergleichen, damit es mir andere gleich tun können. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Investitionskosten. Wirtschaftlich ist diese Anlage auf keinen Fall, weil ja fast keine Ersparnisse zu erwarten sind. “Rechnen” tut sie sich also nicht.

Der Haken – Unabhängigkeit wird schwierig

Die Energieversorger haben grosses Interesse daran, dass möglichst viele Menschen ihre Heizung auf Wärmepumpen umstellen. Bei immer härteren Effizienzmaßnahmen und der flächendeckenden Einführung von LEDs die ihnen vor allem in der Nachtabnahme weh tun, sind Wärmepumpen, denen man nachts Energie liefern kann, natürlich eiche willkommene Quelle. Über Photovoltaikbetriebene Wärmepumpen habe ich nach wie vor keine fertige und fundierte Meinung und da sich auch die hohe Wissenschaft in der Frage nicht einig ist, dauert die Erkenntnisgewinnung wohl noch ein wenig, bzw. hängt die Frage maßgeblich von der zukünftigen Entwicklung der Strompreise ab, über die aber weder ich noch die Wissenschaft Bescheid weiß. Wenn ich mir anschaue wie massiv der Leistungsabfall meiner Anlage im Winter ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Heizleistung durch die Anlage erbracht werden kann. Man muss sich also bewusst sein, dass der Strom im Winter hauptsächlich vom Netz kommt. Solange dieser nicht aus Wind- und Wasserkraft ist, ist die Gefahr sehr hoch, dass vor allem Kohle- und Atomkraftwerke angeworfen werden müssen um diesen Mehrverbrauch an Strom zu decken. Wenn das Haus fast keine Wärme braucht, lässt sich das natürlich leichter bewerkstelligen.

Ich hoffe ihr könnt nun selbst auch die Berechnung anstellen. Die Energie-Experten haben das hier ebenfalls schon mal gemacht. In weiterer Folge werden wir solche Berechnungsmodelle für alle verschiedenen Heizarten vorstellen. Wirklich spannend wird die Berechnung bei der Kombination der Systeme. Leider gibt’s da noch nicht wirklich gute Rechner, oder hat hierzu jemand Tipps?

Bild: sonnentaler / photocase.com

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  • Heizen mit der Wärmepumpe
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  • Bekenntnisse einer Wärmepumpen-Betreiberin
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  • Kostenfalle Wärmepumpenheizung
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Vielen Dank und sonnige Grüße

37 Kommentare zu “Wie berechnet man den Stromverbrauch einer Wärmepumpe?”

  1. Jan Gesthuizen

    Eine schöne Berechnung. Allerdings ist der Warmwasseranteil doch sehr hoch angesetzt. Es geht mir dabei weniger um die Frage ob 20:80 oder 50:50 realistischer ist. Das ist ja zugegebenermaßen je nach Gebäude anders. Aber wer verbraucht den 5000 kWh Warmwasser? Das klingt ja so, als wenn die Dusche den ganzen Tag durchläuft 😉

    1. Robert

      Über die absoluten Zahlen ließe sich sicherlich nochmal diskutieren. Da es aber um eine grundsätzliche Rechnung geht, halte ich die hier dargestellte Herleitung für vollkommen ausreichend. Ich finde den etwas höheren Warmwasserverbrauch sogar ganz gut, da dieser ja immer gerne nochmal als Kritikpunkt in Wirtschaftlichkeitsberechenungen bei Wärmepumpen genannt wird. Da wird dann immer mit 60°C usw. gerechnet, obwohl nun ja kein Mensch mit 60°C duscht 😉 Obwohl ich es den Kritikern, die sowas sagen, gerne mal empfehlen würde. Richtig ist, dass zur Legionellenabtötung das Warmwasser einmal in der Woche auf eine ähnliche Temperatur erhitzt wird – für eine halbe Stunde. Aber das Warmwasser wird sicherlich nicht dauerhaft auf diesem Nievau gehalten. Daher erscheint auch die hier angegebene JAZ für Warmwasser realistisch.

  2. Cornelia Daniel

    Vielen Dank für den Hinweis. Wie gesagt war das der Versuch einer massiven Vereinfachung einer furchtbar komplexen Sache. Das Problem ist, dass nichtmal ich ein Gefühl dafür habe, wie viel kWh Gas in meiner Wohnung fürs Warmwasser draufgehen. Hier ging es aber ohnehin primär nur darum darauf hinzuweisen, dass verschiedene Temperaturniveaus verschiedene Auswirkungen haben und bei einer 50:50 Aufteilung wird der Unterschied einfach noch deutlicher.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn durch den Artikel, mehrere Leute die Berechnung bei sich durchführen und hier posten, oder sogar eigene Artikel in derselben Form schreiben. Man kann auch diese Berechnung nochmal aufmachen und andere Annahmen treffen. Wichtig ist einfach, dass die Annahmen transparent sind. Bei so manchen Studien werden ja oft nur die Ergebnisse präsentiert und man kann sich dann ausmalen was da eigentlich dahintersteckt.

  3. Blumental

    Hallo Frau Daniel,

    Also, den Betriebskosten-Vergleich kann man vereinfacht ja so machen. Ich finde die Wärmpepumpen-Technik ja auch faszinierend- insbesondere in größeren Gebäuden mit Klimaanlage lassen sich da sehr interessante Lösungen realisieren (im Winter wird mit dem Erdreich geheizt und im Sommer gekühlt und so wird die Quelle auch “regeneriert”).

    Eine Milchmädchenrechnung bleibt das ganze aber deshalb, weil die völlig unterschiedlichen Investitionskosten nicht in die Rechnung einfließen. Ein Wärmepumpe- insbesondere eine mit Erdwärmesonden und die ist zu bevorzugen wie ja die Überschlagsrechnung hier auch zeigt- hat wie viel höhere Investitionskosten als ein Gas-Brenntwertkessel? Zweimal, dreimal so hoch?

    Schauen wir einfach bei einem Einfamilienhaus: Ich hab da als Faustformel ca. 5000 € für eine Bohrung für eine Erdwärmesonde im Kopf. Um dem Erdreich nicht dauerhaft zuviel Wärme zu entziehen, sollte man jedoch besser zwei Bohrungen vorsehen. Dazu kommt die ganze Anlagentechnik- ist man schnell bei 20000€. Jetzt schauen wir mal, was ein Gasbrennwertkessel kostet. Das macht ca. 3000 bis 4000€ für ein Einfamilienhaus dazu kommt noch der Gasanschluss, gehen wir da mal großzügig von 2000€ aus. Macht zusammen 6000 bis 7000€- und damit wie vermutet ca. ein Drittel der Kosten einer Wärmepumpe.

    Jetzt kann man auch die Lösungen “Gas-Brenntwertkessel mit Solarthermie” und “Erdwärmepumpe” vergleichen. Was die Investitionskosten betrifft, nehmen sich dann beide Lösungen nicht viel. Dennoch wird die Brenntwertkessel-Lösung vermutlich immer noch wesentlich wirtschaftlicher sein.

    Das mit den Investitionskosten haben sie auch in einem Nebensatz erwähnt. Ich denke aber leider das ist der Knackpunkt überhaupt bei dieser Technik und sollte deshalb intensiver betrachtet werden. Das man dann im Betrieb auch ein paar Euros sparen kann, ist sicher unbestritten- wobei das Einsparpotential wie sie selber ausführen auch nicht gerade so hoch ist.

    1. Cornelia Daniel Post Author

      Hallo Herr Blumental,

      das ist natürlich eine ganz andere Baustelle und ist meiner Meinung nach viel einfacher zu recherchieren. Einfach in Google Kosten einer Wärmepumpe eingeben und man wird fündig. Nicht aber das Thema “laufende Kosten”. Finde aber super, dass Sie sich die Mühe gemacht haben auch selbst eine neue Rechnung aufzumachen. Ich bin ein Fan davon, komplexe Dinge in viele kleine Häppchen zu teilen. In diesem Beitrag ging’s eben ausschließlich darum, wie man die laufenden Kosten berechnet, wie es auch der Titel verspricht. Dadurch ergibt sich dann nämlich ganz einfach die Investitionssumme, die man gewillt ist zu zahlen. Ich interessiere mich sehr für die Wirtschaftlichkeit von erneuerbaren Anlagen und deshalb wird es eine ähnliche Rechnung für alle anderen Formen geben. Gas wird immer ein undankbarer Vergleichspartner bleiben. Das ist klar. Ich hoffe aber nicht, dass unsere zukünftige Energieversorung auf 100% Gas aufgebaut werden soll, nur weil sie derzeit eine vergleichbar günstige Energieform ist. Ziel muss es sein, die Gestehungskosten der Anlagen unter jenen der fossilen zu bringen. Das funktioniert aber erst dann, wenn wir Klarheit über diese Kosten haben.

    2. Blumental

      Ihr Ansatz Themen zu behandeln ist schon der Richtige. Ich finde den Blog hier auch insgesamt super, wie er viele unterschiedliche Aspekte aufgreift von denen man sonst in der Medienlandschaft nicht viel mitbekommt. Sehr erfrischend beispielsweise der Artikel “Wo ist der Aufschrei zur 10 Prozent Heizölpreissteigerung? ” als im vergangenen Herbst sich der Fokus nur auf die Steigerung der EEG-Umlage richtete und alles andere ausgeblendet wurde. Deshalb an dieser Stelle an dickes Lob an sie und ihre Mitbloggerinnen.

      Zwei Anmerkungen habe ich dann noch direkt zum Artikel:
      – Sie sind jetzt bei der Betriebsweise der Wärmepumpe vom monovalenten Betrieb (Wärmebedarf wird komplett über die Wärmepumpe gedeckt) ausgegangen. Gerade bei Luftwärmepumpen wird aber bei tiefen Temperaturen ein Teil noch anders gedeckt, beispielsweise über einen Zuheizer (einfach ein elektrischer Heizstab). Ich weiß das es auch Betrachtungsweisen gibt, in denen diese elektrische Leistung in der Jahresarbeitszahl enthalten ist. Es ist auch schwer einzuschätzen, wie groß dieser Nachheizbedarf ausfällt. Ich wollte es nur anmerken.
      – Es kam die Frage nach dem Warmwasserbedarf auf. Hier kann ich mit den Tagesmittelwerten für den Wärmebedarf zur Warmwasserbereitung weiterhelfen (Quelle: VDI):
      Wohnen, niedriger Bedarf 15 bis 30 Liter pro Tag => ca 0,6 bis 1,2 kwh
      Wohnen, mittlerer Bedarf 30 bis 60 Liter pro Tag => ca 1,2 bis 2,4 kwh
      Wohnen, hoher Bedarf 60 bis 120 Liter pro Tag => ca 2,4 bis 4,8 kwh
      Die Literwerte gelten für 45°C Vorlauftemperatur, für 60°C die Werte mit 2/3 malnehmen, die kwh-Werte bleiben ungefähr gleich.

    3. Cornelia Daniel Post Author

      Hallo Herr Blumental,

      freut uns sehr das zu hören und bitte weiter so mit den kritischen Anmerkungen. Ich denke auch, dass es bei Luftwärmepumpen einige Fehlentwicklungen gibt, die nicht so wirkliche “ecoquent” sind, aber darum gings eh nicht. Das war ein Versuch das Thema von der abstrakten Ebene etwas runterzuholen.
      Vielen Dank auch für die Werte zum Warmwasserbedarf. Das klingt wirklich nach sehr wenig. Heissen die Punkte niedrig, mittel und hoch dass es sich um kleinere oder größere Haushalte handelt, oder um sparsame oder weniger sparsame Bewohner? Wenn ich mich da als mittlerer Bedarf einordne, bin ich ja wirklich weit unter 1000 kWh/Jahr. Habe jetzt auch einen anderen Wert gefunden von ca. 10 l/min duschen, so kann man glaub ich auch ganz gut hochrechnen. 10l pro Spülgang Geschirrspüler ist auch noch ein ganz hilfreicher Wert den ich gefunden habe. Ist das realistisch?

      Verstehe jetzt auch die Kritik zu dem absoluten Wert von 5000 kWh. Er wird bei mir also irgendwo zwischen 800 und 1500 kWh liegen. Aus oben genannten Gründen werde ich die Rechnung aber nicht nochmal aufmachen, freue mich aber wenn das andere tun.

    4. Blumental

      Hallo Frau Daniel,

      die Werte gelten pro Person, dass habe ich vergessen dazu zu schreiben.
      Dabei muss man aber daran denken, das sie vermutlich nicht mit 45°C duschen ^^. Sie “verdünnen” ja den Strahl zumindest leicht mit Kaltwasser und dadurch fließen nicht 10 Liter Warmwasser pro Minute, sondern weniger. Ähnliches gilt für Händewaschen usw…
      Geschirrspülmaschinen werden doch in den meisten Fällen mit Kaltwasser betrieben? Kann natürlich sein, das sie eine haben die ans Warmwasser angeschlossen ist. Dann werden sie vermutlich eher in den Bereich des hohen Bedarfs reinkommen.

      Interessant zu wissen, ist noch das der Warmwasserbedarf in Hotels höher ausfällt als im Wohnbereich. Das hat den banalen Zusammenhang, dass die Leute gerne länger duschen oder baden wenn die dafür nicht extra aufkommen müssen. Die Werte liegen hier bei 74 bis 135 Liter pro Tag bei einem Hotelzimmer mit Dusche. Deshalb machen auch Solarthermieanlagen im Hotelbereich besonders Sinn. Leider hat sich das wohl noch nicht herumgesprochen.

    5. Cornelia Daniel Post Author

      Stimmt, hab mal getestet und ich bin eher die 36-38° Grad Person. Danke für die weiteren Ausführungen. Vor allem das mit den Hotels finde ich ebenfalls sehr, sehr verwunderlich. Wir haben ja mal die Serie zu den gemacht und es war unfassbar wie wenig man da findet. Liegt es wirklich nur daran, dass sie es nicht wissen, oder geht’s den Hoteliers einfach zu gut? Leider vertreten viele die Denke, dass man die Energiekosten eh einfach den Kunden weiterverrechnen kann, dass man sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil erwirtschaften kann wird glaub ich gerne vergessen…

    6. Hilbert

      Also wenn man schon so Haarspalterisch auftritt, dann muss man das Komfortthema Zirkulation auch noch mit hineinnehmen und die Leitungsverluste sowieso. Auch die neue Warmwasserverordung, die derzeit über uns schwebt (Thema – Legionellen) muss da mit rein. Denn eines muss klar sein: Je höher die Temperatur (Legionellen wollen mit größer 70 “bekämpft” werden), die die Wärmepumpe liefern muss, desto niedriger die Arbeitszahl und irgendwann ist es dann halt nur mehr eine Stromheizung.

    1. Cornelia Daniel Post Author

      Hallo,

      da bin ich selbst noch “Suchende”. Außer Marketingunterlagen hab ich da noch nicht viel gesehen. Lebensdauer ist auch ein wichtiger Punkt dazu… Sachdienliche Hinweise – wenn möglich nicht zu marketinglastig – sind jederzeit willkommen!

    2. Cornelia Daniel Post Author

      Was hier eben auch noch das “Problem” für eine seriöse Berechnung sein könnte, ist dass eben wenige Menschen das Verhältnis zwischen Energie, welche für die Heizung notwendig ist und jene, welche für das Brauchwasser nötig ist. Neben der Infrarotheizung braucht es ja definitiv noch ein System, welches das Warmwasser bereitet.

  4. Michael Koch

    Hallo Frau Daniel,

    ich freue mich, dass Sie sich des Themas annehmen und versuchen, eine verständliche Herangehensweise darzustellen. Noch die ein oder andere Anmerkung.

    Die Aufteilung 50/50 für Heizung und Warmwasser ist zwar nicht gänzlich unrealistisch, ist aber in der Regel nur für Gebäude im Passivhausstandard anwendbar. Im Bestand liegt der Warmwasser-Anteil heutzutage bei unter 20%. Heißt, der Effekt der Warmwasser-Bereitung – für den ja idR höhere Temperaturen notwendig sind – auf die Gesamteffizienz und damit die Betriebskosten der Anlage sind in diesem Fall weitaus geringer.

    Die JAZ für die Luft-Wärmepumpe sind ein wenig besser, als von Ihnen angenommen. In einem unsanierten Altbau liegt sie bei 2,7 (inkl. Warmwasser) bzw. 3,0. Das sind Zahlen von Fraunhofer ISE.

    In der Rechnung taucht darüber hinaus der Punkt “Wartung” nicht auf. Bei Gas und Öl liegt dieser erheblich höher als bei WP-Systemen, die in dieser Hinsicht weitaus niedrigere Kosten verursachen (z.B. kein Schornsteinfeger nötig).

    Bleibt das Thema Strompreis: Sie haben Recht, die Preise sind zuletzt gestiegen und der WP-Strom ist verglichen mit dem Gas leider weniger preiswert. Woran liegt das? Das liegt an der massiven staatlichen Belastung des Strompreises. Während die Steuern- und Abgabenquote bei Gas leidglich rund 25%, liegt er beim WP-Strom bei knapp 60%. Hier gibt es keine Waffengleichheit. Sobald die Politik erkennt, dass eine Energiewende, die sich ausschließlich mit dem Stromsektor beschäftigt und den Wärmemarkt vollkommen vernachlässigt, wird sich hier hoffentlich etwas ändern.

    Ein weiteres Thema sind die Stromnetze. Durch den Ausbau der Erneuerbaren Stromerzeugung fluktuiert die Stromerzeugung, sodass es Speicher bedarf, um dies auszugleichen. Die Politik ist sehr am Konzept Power-to-Heat interessiert, also der Umwandlung überschüssigen Stroms in Wärme. WP-Kunden könnten so in Zukunft über entsprechende Tarife ihrer Anbieter in Zeiten von Überproduktion äußerst günstigen Strom beziehen.

    Was die Öko-Bilanz angeht: Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Der Atomausstieg ist in Deutschland politischer und gesellschatlicher Konsens, ebenso wie der Umbau der Stromversorgung – der ja mittlerweile rasant voranschreitet. Je höher der EE-Anteil am Strommix ist, desto besser ist die Umweltbilanz der Wärmepumpe. Heißt, wenn Sie sich heute eine Wärmepumpe kaufen – und das ist ja eine Investition für die nächsten 20 Jahre – dann heizen Sie im Jahr 2030 weitaus umweltfreundlicher als heute. Die Auswirkungen der Wärmepumpe auf den Strommix sind dabei minimal. Das hat uns gerade erst eine Studie der TU München bestätigt (http://www.waermepumpe.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/article/studie-der-tu-muenchen-waermepumpe-spart-2030-rund-80-prozent-co2-emissionen-und-primaerenergie.html)

    Sie sehen also, das Thema muss man sehr differenziert betrachten. Ob eine “Milchmädchenrechnung” weiterhilft, würde ich zu bezweifeln wagen. Wir raten den Verbrauchern, sich fachkundig beraten zu lassen (am besten von einem EUCERT-geprüften Installateur), sich für ein hocheffizientes Produkt zu entscheiden (am besten mit EHPA-Gütesiegel) und sicherzugehen, dass ihr Gebäude für eine Wärmepumpe geeignet ist. Sind diese Punkte erfüllt – gute Voraussetzungen, fachkundige Planung und Installation, hochwertiges Produkt – ist eine Wärmepumpe nach wie vor, auch aus heutiger Perspektive, ein über die Nutzungsdauer wirtschaftliches Produkt.

    Beste Grüße,
    Michael Koch
    Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.

  5. Cornelia Daniel Post Author

    Hallo Herr Koch,

    es freut mich wirklich sehr, dass sich sogar jemand vom Bundesverband meldet. Vielen Dank für die weiterführenden Informationen. Wie auch schon weiter oben erwähnt, ging es bei der 50:50 Aufteilung eigentlich ausschließlich um eine Vereinfachung der Materie. Aus dem Lager der “Unwissenden” kommend, weiß ich wie wenig greifbar das Thema überhaupt ist und wie sich so eine Rechnung überhaupt zusammensetzen könnte. Es hat mich einfach persönlich interessiert, welche Berechnungen man anstellen muss und wie man zu einem halbwegs anschaulichen Ergebnis kommt und ich habe dabei viel über Wärmepumpen gelernt. Es soll ein kleines Stück Energiebildung für jene sein, die sich mit dem Thema einer neuen Heizung auseinandersetzen und ich glaub mit dem Artikel und den Ausführungen der Kommentierer sind die Verbraucher ein gutes Stück weiter gerüstet und können auch dann bei den Gesprächen mit dem Fachbetrieb vielleicht sogar auf Augenhöhe diskutieren. Man ist als Unwissender ja leider schon ein kleines Stück ausgeliefert und ich denke, dass solche Erklärungen vor allem dabei helfen, die Kunden zu animieren sich mit erfahrenen Partnern auseinanderzusetzen und auch darüber nachzudenken, wie das zukünftige Energiesystem aussehen könnte und wie sich die Preise entwickeln werden.

    Was ich schon beobachte ist eine Tendenz, dass zum Beispiel PV oder Solarthermie-Befürworter von steigenden Strompreisen ausgehen, aber bei Wärmepumpenberechnungen Preissteigerungen eher moderater angesetzt werden oder ist das nur eine verzerrte Wahrnehmung? Nicht falsch verstehen, ich versuche nur alle Informationen zusammenzutragen und denke, dass vor allem Kombinationsmöglichkeiten riesiges Potenzial haben.
    Wie Sie richtig sagen, ist das ja eine Entscheidung für die nächsten 20 Jahre und da ist dieser Punkt ja nicht wirklich irrelevant. Leider kann die Frage nur derzeit niemand beantworten…

    Korrekturen oder Einwände sind weiterhin willkommen.

  6. Mario Sedlak

    “Über Photovoltaikbetriebene Wärmepumpen habe ich nach wie vor keine fertige und fundierte Meinung”

    Gerade wenn die Sonne scheint, braucht man wenig Wärme. Dezentrale Stromspeicher sind vollkommen unwirtschaftlich. Die Idee von “photovoltaikbetriebenen Wärmepumpen” finde ich schon ein wenig absurd. Besser Sonnenkollektoren zur Heizungsunterstützung auf das Dach geben!

    1. Martina Herzog

      Wie ist das, wenn man die Wärmepumpe (Luft-Wasser) im Sommer eben mit eigenem PV-Strom versorgt (derzeit Preis bei ca. 9-11 ct/kWh), man benötigt dann relativ wenig Strom, denn es wird nur Brauchwasser benötigt und die Umgebungstemp ist relativ hoch. Interessant wird es im Winter. Angenommen, ich heize meinen Hygienespeicher (400l-800 l) miz der Wärmepumpe (2,2 kWel =ca 8 kW w) tagsüber nur auf 40 oder 50 Grad auf , weil ich die Heizung mit einem wasserführenden Holzherd betreibe, der zudem 100qm (von insges. 200qm) direkt heizt, wie groß müsste dann die PV-Fläche bzw. Leistung sein? Bei diesem System hätte ich meine PV-Anlage nach dem Strombedarf im Winter ausgelegt, die Stromüberschüsse im Sommer kann ich mit allerlei Stromfressern (Rasenmäher, Auto…) und Netzeinspeidung loswerden. Der Strombedarf der Wärmepumpe im Winter wäre dann aber durch den Herd relativ begrenzt. Hätte ich statt PV eine Photothermie auf dem Dach, würde ich dann im Winter noch auf die Heizleistung der Wärmepumpe damit kommen und wie viel Strom frisst das System der Pth? Im Sommer hätte ich keine Verwertungsmöglichkeit für das viele heiße Wasser (jedenfalls habe ich kein Schwimmbad).
      Mir feht immer bei den ganzen Berechnungssystemen eine größere Flexibilität und Kombinierbarkeit verschiedener, sich ergänzender Systeme, die nach ihrer Art möglichst sinnvoll miteinander verknüft werden könnten. Jedenfalls bin ich gewaltig ins Schleudern gekommen, da ich für die geplante Pth-Anlage als Ergänzung meines Holzherdes mit Warmwasserbereitung, keine verlässlichen Leistungsparameter für den Winter finden konnte, somit davon ausgehen muss, dass u.U. die gesamte Heizleitung über das Holz kommen muss.

  7. Dr. Martin Jordan

    Hallo Frau Daniel-Gruber,

    super Beitrag, genau das habe ich gesucht, mit den Parametern kann ich eh selber spielen und eine Art Sensitivitätsanalyse durchführen. Danke auch an die teilweise sehr guten Kommentare. Zum Thema “fachkundige Beratung” einholen. Ich habe selber in Thermodynamik promoviert und habe noch nicht wirklich eine gute fachkundige Beratung gefunden. Daher ist der Beitrag doppelt gut,

    Danke nochmal,
    Martin Jordan

  8. Sven

    Wir haben vor einem Jahr ein Haus (Baujahr 2009, guter Waermestandard, aber kein “offizielles” Niedrigenergiehaus) gekauft, das mit einer Luftwaermepumpe betrieben wird (sowohl fuer den Heizbedarf als auch fuer Warmwasser). Bewohnt wird es mit zwei Personen. Die Raumtemperatur ist auf 22 Grad im Wohnzimmer und 21 Grad im uebrigen Haus eingestellt. Die Wohnflaeche betraegt ca. 250 qm, mit Fussbodenheizung. Die Vorlauftemperatur der Waermepumpe liegt bei 45 Grad.

    Jetzt haben wir das erste volle Jahr abgeschlossen, und die Waermepumpe hatte einen Stromverbrauch von 13800 kWh. Meine Frage: Ist das ein Verbrauch, der im Rahmen des Ueblichen liegt? Oder sollte der Verbrauch bei unseren Rahmendaten niedriger liegen?

    1. Cornelia Daniel-Gruber Post Author

      Hallo Sven,

      vielen Dank für die Werte. Das klingt jedenfalls nach einer Menge Energie für ein 2009 gebautes Haus. Würde da aber auch eher auf einen Experten unter den Kommentierern verweisen, bzw. werde mich dazu selbst noch schlauer machen. Vielleicht schreiben wir einen Beitrag über die Erfahrungswerte.

  9. klaus-jürgen forth

    Ich hzabe jetzt nicht alle Beiträge gelesen.
    Ich habe eine Wärmepumpe für einen 4-Personenhaushalt.
    Da mich ebenfalls die Frage bezüglich des Strombedarfes interessiert hat, habe ich einen Verbrauchszähler zwischengeschaltet. Meine Wärmepumpe verbraucht 5 KW in 24 Stunden!!

    Bei Fragen: 0173 6894195

  10. Jörg Matthies

    Hallo Frau Daniel-Gruber,

    prima Beitrag; Ihre “Milchmädchenrechnung” finde ich plausibel und einfach zu verstehen ( Devise => man kann sich nicht so sehr verschätzen, wie man sich verrechnen kann)
    habe mich vor 9 Jahren für eine WP entschieden (Einfamilienhaus 140 mx2 mit Fussbodenheizung; durch-schnittlicher Stromverbrauch ca.4000-4500 kWh pro Jahr incl. WW) und kann Ihre Abschätzung bestätigen

    Lassen Sie mich ergänzend zu Ihrer “Milchmädchenrechnung” und zu anderen Blog-Beiträgen folgende Bemerkungen machen

    1. Ersetzen der Erdwärmekollektoren durch einen Fächen-Erdkollektor (300-500 m PVC-Rohre in 1-1,5 m Tiefe) => Invest von 20000 € wird damit fast halbiert, die WP-Mehrkosten im Vergleich zu einer Gasheizung haben sich dann nach maximal 5-10 Jahre amortisiert, Risiken der Erdbohrungen (Wiesbaden, Karlsruhe…) sind eleminiert

    2. Das Legionellenproblem lässt sich mit einem “Hygienespeicher” lösen, das durch das Speicherwasser aufzuwärmende Frischwasser fließt durch eine Wärmetauscherspirale, das Volumen dieser Spirale beträgt ca. 20-30 l, anstatt den gesamten Speicher auf 60-70 °C aufzuwärmen wird mit 1-2 x Geschirrspülen die Spülmenge von 20-30 l durch die Geschirrspülmaschine erhitzt (Wasserversorgung der Geschirrspül-maschine mit WW vorausgesetzt) .

    3. Ich vermisse bei allen WP-Systemen die Kombination mit einer Thermosolaranlage (HT-Anteil im Sommer zur WW-Versorgung, NT-Anteil in den Übergangszeiten/im Winter zur Heizungsunterstützung), für die Heizungsunterstützung wird die solare Energie direkt in den Flächen-Erdkollektor transportiert, die WP benötigt somit für die gleiche Heizleistung weniger Strom, Jahresarbeitszahl wird somit gesteigert, dabei kann in den kälteren Jahreszeiten der Flächenkollektor in der Erde die gleiche solare Leistung aufnehmen wie der “Hygienespeicher” im Sommer (die Temperaturniveaus sind unterschiedlich => Hygienespeicher 45-50 °C => Flächen-Erdkollektor 5-15° C => Thermokollektor Sommer/Winter 70 / 30 °C)
    In den warmen Jahreszeiten werden mit thermosolarer Überschussenergie örtliche Wärmesenken im Flächen-Erdkollektor zurückgenommen (vgl. Solarheizung “Jettenhausen”) und eine LCF-Belastung (Low Cycle Fatigue) der Thermosolaranlage vermieden (keine Dampbildung => keine Zerstörung der Solarflüssigkeit) => im Sommer läuft die WP nicht, in den kalten Jahreszeiten wird der Flächenkollektor als NT-Kollektor benutzt,

    4. Elektrische Wärmepumpen sind nach meiner Meinung nur eine sehr teure Variante einer Thermosolar-anlage, ich empfehle, den Energiegewinn über die Wirkungsgradkette “Solare Strahlungsenergie => Photo-voltaikkollektor => WP” zu berechnen, das Ergebnis liegt nach einer ersten “Milchmädchenrechnung” auf dem Niveau eines Thermosolarkollektors in Röhrenbauweise (“Solare Strahlungsenergie => Thermosolar-kollektor”) ein anschließender Kostenvergleich zeigt die effektivere Lösung

    1. Cornelia Daniel-Gruber Post Author

      Hallo Herr Matthies, vielen Dank für Ihre Aussführungen. Ich liebe Ihren Spruch: Man kann sich nicht so sehr verschätzen wie man sich verrechnen kann. Ist wohl ganz meine Devise, da es mir meistens um die Größenordnungen geht um etwas besser zu verstehen.

      Ich verstehe auch ABSOLUT nicht warum es nicht schon bessere Kombilösungen von Wärmepumpe und Solarthermie gibt, natürlich sind die Systemkosten dafür jetzt noch sehr teuer wenn man bei zwei Anbietern kauft, aber eine Kombilösung, die von EINEM Anbieter kommt, müsste doch auch kostentechnisch gut hinzukriegen sein. Ich nenne Solarthermie+Wärmepumpe+Erd/betonspeicher das goldene Trio bei dem sehr viele Nachteile gegenseitig aufgehoben werden.

  11. Ingo

    Hallo Frau Daniel-Gruber, hallo Herr Matthies!

    Ich denke, dass im Neubaubereich mit nur wenigen KW Heizlast ein großer Pufferspeicher (gerne auch mit der von Herrn Matthies beschriebenen Frischwasserlösung) für die Solare Unterstützung ausreicht. Die Solare Vormwärmung im Winter in den unteren Teil vom Speicher und im Sommer den kompletten Speicher durchheizen.
    Für die Heizung kann es ja im Winter direkt genutzt werden, weil es wahrscheinlich mit einem Temperaturniveau um 30 Grad vom Sonnenkollektor kommt. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass auch mal ein paar Tage keine Sonne scheint im Winter. In Kombination mit einer Luft | Wasser Wärmepumpe ist dies am kostengünstigsten. Da keine Erdbauarbeiten nötig sind.

    Ganz wichtig!

    Ich bin ein großer Freund von einfachen Erklärungen und Milchmädchenrechnungen. Das bringt auch die Menschen die sich sonst nicht mit Technik beschäftigen in die Lage ein wenig mehr zu verstehen was in dem Bereich möglich ist.
    Es gibt so viele schwarze Schafe im Bereich der Planung und Installation, die den ganzen Bereich der Erneuerbaren Heizungen in Verruf bringen.
    Darum!!!! prüfe wer sich ewig bindet. Immer die Planung vom Fachbetrieb machen lassen und vielleicht noch eine weitere Meinung einholen, bevor man ein System kauft, oder baut, bzw. bauen lässt.
    Jedes Haus ist, wie auch die Bewohner darin, sehr unterschiedlich und das Heizsystem sollte direkt darauf abgestimmt werden.

    Und bitte nicht aufhören den Menschen zu verdeutlichen, was schon alles möglich ist heute.

    Schönen Tag und schönen Gruß

    Ingo

    Ach ja, Frau Daniel-Gruber… 18% für Anteil WW-Bereitung ist im Einfamilienbereich völlig ausreichend

    1. Cornelia Daniel-Gruber Post Author

      Danke für den Input. Hätte nicht gedacht, dass meine Milchmädchenrechnung auf so viel Zustimmung stösst. Ich sehe auch sehr oft, wie viel zu komplizierte Rechnungen auf den Menschen vergessen. Heutzutage muss man ja schon fast promoviert haben, um sich eine neue Heizung sinnvoll anzuschaffen.

      Sind die 18% Warmwasseranteil ein Wert für Niedrigenergiehäuser oder kann man das wirklich verallgemeinern?

  12. antani55@aol.com

    Hallo Frau Daniel-Gruber,

    ich suche ein APP in das ich die variablen Daten meiner wie auch immer gearteten Wärmeversorgungsanlage eintrage, einschließlich der aktuellen Energiepreise meines Anbieters als Ergebnis erhalte ich eine
    Kontrollrechnung zu meiner Abrechnung von den Stadtwerken.

    Gruss
    Josef Müller

  13. Ingo

    Hallo Frau Daniel-Gruber!
    Ein wenig verspätet, aber doch eine Antwort auf mein Kommentar zwei weiter oben. 🙂
    Sie können die 18% im Altbau gerne als Daumenwert nutzen. (Einfamilienhaus)
    Am elegantesten ist aber die Auslegung wie in der DIN EN 15450 beschrieben. Verbrauchsverhalten feststellen und Bedarf ermitteln. Zum einfachen Erläutern hilft der Leitfaden vom bwp. (ab 4.)
    http://www.waermepumpe.de/uploads/tx_bwppublication/2013-11-21_Leitfaden_Warmwasser.pdf
    Wie ich schon erwähnte geht nichts über eine gute Planung.
    Ich hab damals vor knapp 8 Jahren eine Luft | WP gekauft, ohne mich damit wirklich gut ausgekannt zu haben.
    Die Auslegung der Anlage mit den von befreundeten Experten errechneten Verbräuchen und damit vorhandenen Kosten passen wie die Faust aufs Auge.
    Schönen Gruß

  14. Boris Loncar

    Guten Tag
    Sind hier noch Leute anwesend ?
    Hätte da ein Anliegen wo ich Hilfe benötigen könnte.

    Lg Boris

    1. Boris Loncar

      So weiß garnicht wie ich richtig anfangen soll. Ich versuche es mal.

      Wir sind gerade in Planung einer
      Stadtvilla 170m2 kfw 70
      – 3-fach Verglasung
      – 24cm Porotonstein Außenwand (mit Dämmung und Styropor ca. 40cm Außenwand
      – Fußbodenheizung EG+OG
      Falls noch relevante Angaben zum Haus benötigt werden reiche ich diese gerne nach.
      Im Moment haben wir zwei Bauträger mit denen wir zusammenarbeiten.

      Natürlich gibt es auch 2 Leistungsbeschreibungen.

      In beiden Fällen wird eine Luftwärmepumpe empfohlen.
      So und fängt das Chaos an.

      Ich habe mir bisher wenig Gedanken um die Heizung gemacht da man überall Luftwärmepumpe hier Pumpe da etc hört … Also muss ja was gutes dran sein.

      Dann fing ich gestern an mir ein wenig Zeit zunehmen (Ca.8std) und mich mal über die Luftwärmepumpen mal schlau zu machen. Und bin am Ende hier gelandet. 🙂

      Mein Fazit: Ich bin genauso schlau wie vor den 8 std. mittlerweile bereue ich es sogar das ich mich da in die Materie eingelesen habe.
      Da es kein wirkliches für aber auch kein gegen gibt.

      Frage: Luftwärmepumpe ja oder nein
      -> in Bezug auf das Haus
      Und allgemein was ihr davon hält …

      Die 2 Bauträger haben natürlich auch 2 unterschiedliche Hersteller/Firmen mit denen sie zusammenarbeiten. Habe mich da auch bisschen erkundigt und habe deren Daten da falls benötigt wird.
      Es ist einmal die Firma A

      1. Novelan mit einer LA Compact Station LA 7.1 oder LA 8.1
      295 l Speicher + 98 l Pufferspeicher

      Firma B
      2. Vailant – flexocompact
      185 l warmwasserspeicher
      Hierzu habe ich keine weiteren Daten -> bin da aber dran.

      So hier geht’s schon los …
      Firma A hat 295 l Speicher
      Firma B nur 185 l Speicher

      Ich bräuchte jetzt mal allgemein eure Hilfe
      zu dieser ganzenLWP Geschichte oder Vllt gibt es sogar eine Alternative.
      Vllt hat sogar jemand Erfahrung mit den beiden Firmen/Herstellern.

      Allgemein:
      Es wird ein 2 Personen Haushalt bis wir uns entscheiden zu vermehren.:) Am Ende wird es wohl ein 4p Haushalt
      Ich hoffe ich konnte mich einigermaßen verständlich ausdrücken.

  15. Karina Przykopp

    Hallo, benötig kurzfristig Hilfe. Habe meine Heizungsfirma verklagt und warte seit Jahren auf den Sachverständigen… Punktum, es geht um den enormen Energieverbrauch.
    KFW 70 gebaut 2012, 130 qm, Fußbodenheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe Carnotherm.
    Verbrauch: 2012/13 11857 kwh
    2013/14 9879
    2014/15 8612
    2015/16 8968

    ist erschreckend, jeder rät mir ab, sogar Sachverständige/ Energieberater
    Was soll ich tun, die Klage zurückziehen??

  16. Dipl.-Ing Axel Creifelds

    Hallo Frau Przykopp,
    als Sachverständiger bin ich häufig mit derartigen Problemfällen/ gerichtlichen Auseinandersetzengen befasst.
    Da ein Rat ohne Kenntnis näherer Hintergründe absolut nicht möglich ist, nehmen Sie doch Kontakt mit mir auf.
    Waermepumpen-doktor(AT)gmx.eu
    oder GESBB(AT)gmx.eu
    oder WP-Hzg-optimierung(AT)gmx.eu

    v.g.

  17. Dipl.-Ing. Axel Creifelds

    An dieser Stelle mal zur allgemeinen Information:

    Jede Heizungsanlage benötigt, völlig unabhängig von der Art der Wärmeerzeugung eine hinreichende Grundlagenermittlung, Planung, Dimensionierung der gesamten Anlage.
    Die Kosten für ein EFH/ZFH betragen je nach Randbedingungen ca. 1,2…1,3 T€. M.E. peanuts im Vergleich zum Gesamtinvest von 200T€ + Grundstück.
    Faustformeln, Milchmädchenrechnungen, Schätzungen, Vermutungen bzw. Rätselraten sind die Ursache für mitunter deutlich überhöhte Verbräuche und Umweltbelastungen in der Praxis, quasi ein Groschengrab.
    LWP sind dabei die sensibelsten Wärmeerzeuger und benötigen besondere Aufmerksamkeit.
    Seitdem vollmodulierende Splitt-Inverter div. Hersteller auf dem Markt sind, nehmen LWP Anlagen prozentual bei meinen Naubauplanungen stetig zu.
    Wer hier Milchmädchenrechnungen propagiert, sollte doch mal mittels WMZ die Energieeffizenz derartiger Konstrukte nachweisen.

    v.g.

  18. D. Genscher

    Ich finde diesen Blogeintrag sehr gut. Gerade hier unten im kalten Bayern sind die Bedingungen etwas anders, als oben an der Küste, wo man eher mit gemäßtigtem Wetter rechnen kann. Da lohnen sich die (Luft)Wärmepumpen auch eher.

    Wir wollen jetzt auch bauen und werden auf eine klassische Gasheizung setzen, unterstützt mit Solarthermie und einem Kamin im Wohnzimmer bei offener Bauweise.

    Ich erinnere mich noch an unsere Nachbarn die neu mit Luft-Wärmepumpe gebaut haben und alle Nachbarn immer am Schmunzeln waren wenn es kalt wurde, die Lautstärke war leider unüberhörbar. Ich denke aber, dass ist sicherlich auch Herstellerabhängig.

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