Was ist eine Kilowattstunde?

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Sie erscheint auf der jährlichen Stromrechnung und beziffert unseren Heizenergieverbrauch, trotzdem ist sie für viele eine eher abstrakte Größe: Die Kilowattstunde. Sie ist quasi die Basiseinheit unseres Energieblogs. Aber mal ehrlich, wer kann schon aus dem Stand erklären, was eine Kilowattstunde ist, und in welchen Größenordnungen sie haushaltsüblich auftaucht? Ich versuch’s mal.

Energie ist Strom und Wärme – unter anderem

Aus dem Physikunterricht habe ich behalten, dass Energie “die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten” ist. Arbeit im physikalischen Sinne, das kann sein: Das Wohnzimmer von 17 Grad auf 20 Grad aufheizen, einen Berg erklimmen oder fernsehen. Wobei der Fernseher dann die Arbeit verrichtet, also elektrische Energie verbraucht, während wir selber möglicherweise Energie in Form von Kartoffelchips zu uns nehmen. Beim Essen ist immer noch die Einheit Kilokalorie gebräuchlich, doch die offizielle SI-Einheit der Energie lautet Joule, gleichbedeutend mit einer Wattsekunde.

1 Joule (J) = 1 Wattsekunde (Ws)

Das ist total wenig: Ein einziger Herzschlag verbraucht ungefähr 1 Joule. Zum Fahrradfahren, Bergsteigen oder für den Fernseher benötigen wir ein Vielfaches an Energie. Damit die Zahlen handhabbar bleiben, haben sich so genannte Vorsätze eingebürgert, die eine Einheit jeweils um den Faktor 1000 erhöhen; so zum Beispiel k (Kilo) für 1000:

  • 1000 Joule = 1 kJ (Kilojoule)
  • 1000 Wattsekunden = 1 kWs (Kilowattsekunde)

Und weil auch eine Sekunde sehr kurz ist, bezieht man das Ganze auf Stunden. Eine Stunde hat 3.600 Sekunden.

1 Kilowattstunde (kWh) = 3600 Kilowattsekunden (kWs)

So kommt man zu handlichen Zahlen für den alltäglichen Energiebedarf bei Stromverbrauch und Heizung. Die Kilowattstunde Strom wird bei meinem Ökostromanbieter ab nächstes Jahr 26,75 Eurocent kosten – aber wie viel Strom verbrauche ich überhaupt? Ich habe gern eine Vorstellung von den Größenordnungen, um zu verstehen, wovon die Rede ist.

Ein Gefühl für die Größenordnungen

Der Strombedarf eines Vier-Personenhaushalts liegt bei gut 4.000 kWh im Jahr. Mit einer Kilowattstunde (1 kWh) Strom kann ich:

  • eine Maschine Wäsche waschen
  • eine Stunde staubsaugen (1.000 W-Staubsauger)
  • sieben Stunden lang fernsehen
  • eine 10-Watt-LED-Lampe 4 Tage lang brennen lassen

Der Heizwärmebedarf eines zehn Jahre alten Hauses liegt größenordnungsmäßig bei 70 kWh pro Quadratmeter und Jahr, d.h. bei 140 Quadratmetern Wohnfläche gehen gut 10.000 kWh Heizwärme jährlich in das Haus, das entspricht etwa dem Energieinhalt von 1.000 Liter Heizöl.

Energie = Leistung x Zeit

Die Angaben in Watt (W) bezeichnen die Leistung des Verbrauchers, also die Energiemenge (Arbeit) pro Zeiteinheit. Umgekehrt errechnet sich der Energiebedarf aus der Leistung multipliziert mit der Zeit, z.B. im Fall des Staubsaugers mit 1000 W (= 1 kW) kommt heraus:

Eine Kilowattstunde ist eine Stunde Staubsaugen.

Foto: (c) Petra Bork / Pixelio

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
  • was ist Energie?
    Was ist Energie?
  • teilsolares Heizen mit der Sonne
    Eine kurze Geschichte der Energieeinheiten
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15 Kommentare zu “Was ist eine Kilowattstunde?”

  1. Sissy Müller

    Vielen Dank für die simple Darstellung einer Kilowattstunde. Insbesondere der Vergleich mit Staubsaugen, Fernsehen und anderen Tätigkeiten verdeutlicht, wie leicht man durch energieeffiziente Produkte Strom sparen kann.

    1. Sabine E. Rädisch Post Author

      Stimmt genau! Am energieeffizientesten bin ich aber wahrscheinlich, wenn ich über dem Bloggen und den spannenden Energiethemen das Staubsaugen komplett vergesse – was schon mal vorkommt 🙂

  2. Sita

    Hi Sabine,
    finde ich auch super erklärt mit den Beispielen. Werde mir meine Stromabrechnung nun mal genauer unter die Lupe nehmen, um dann evtl. auch vermehrt die Hausarbeit zu reduzieren 🙂

    1. Cornelia Daniel

      Vielen Dank für den Link Herr Turtur. Was mich bei der Raumenergiediskussion immer wundert ist, dass niemand über die Kosten der Produktion eines solchen Aparates spricht. Ich kann ja die Energie nicht aus der Luft erzeugen, oder? Wenn ich aber eine Aparatur brauche um diese Energie zu nutzen ist es ja salopp gesagt nicht’s anderes als eine Solarzelle, die die “freie Energie” der Sonne nutzbar macht.
      Gibt es einen Gerät, das etwas kostet, dann hat dieser Gerät auch eine Lebensdauer und eine Anzahl an erzeugten kWh über die Laufzeit und damit wird’s wieder möglich Gestehungskosten auszurechnen, die dann je nachdem höher oder niedriger als konventionelle Energieformen sind.
      Oder hab ich da was übersehen?

  3. Sepp

    Guten Abend!

    @ C. Tutur: In dieser Welt jedenfalls existiert keine Methode, Energie zu wandeln und nutzbar zu machen, bei der keine Kosten entstehen … na ja, vllt. wenn man seinen Buckel in die Sonne hält und sich von ihr den Rücken wärmen lässt.

    Die Nullpunktenergie wird so wenig ohne Kostenfolgen sein, wie die Atomkraft ohne CO2-Freisetzung.

    Von heute aus betrachtet scheint mir die Nutzung von Nullpunktsenergie übrigens noch weiter weg als die von Kernfusionsenergie.

    Schöne Grüße

    Josef

  4. Cornelia Daniel

    @ Sepp, danke für den Kommentar. Das ist genau der Punkt, den ich auch meinte. Ich möchte irgendwo mal eine Zahl hören, wie viel so ein Gerät kostet, selbst das Perpetuum Mobile muss jemand bauen, womit es Kosten erzeugen wird.

  5. Minne Güte

    Hallo in die Runde,

    da muss ich widersprechen. Ich selbst habe schon drei 5 KW-Generatoren gesehen, die auf Magnetismus basieren. Aber leider ist es zu gefährlich, jetzt damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Alleine in den USA sind bis 2010 über 5000 Patente in diesem Bereich zur Verschlusssache erklärt worden. Fragt mal die Regierungen, warum das so ist. Herr Turtur hat also nicht Unrecht.

    Gruß

    1. Cornelia Daniel

      Ich sag ja nicht, dass sie nicht existieren, aber dass sie auch Materialeinsatz bedürfen und das Material kostet ja auch was und dann kann man sich ausrechnen, wie viel die kWh kostet – Gestehungskosten also. Vermutlich ist es pro kWh dann ein ganz ganz kleiner Betrag, je nachdem wie lange man die Lebensdauer annimmt, aber er wird existieren.

      Michael Ziegler hat bei der aktuellen Ausgabe der Energiefacetten übrigens einen sehr langen und interessanten Artikel zu dem Thema geschrieben. http://www.energiefacetten.net/

  6. Sabine E. Rädisch Post Author

    Vielen Dank für Ihre Beiträge, Herr Prof. Turtur, Herr Josef, und danke auch an Cornelia. Frau Güte: Sie meinen bestimmt das Richtige, aber die Freie Energie besteht eben nicht nur aus Magnetismus, wenn ich den Vortrag des Professors richtig deute. Alles in allem faszinierende Gedanken zur Nullpunktenergie, der “Kraft, die unser Universum expandiert” – sie existiert. Nur leider müssen wir Ihnen, Herr Prof. Turtur, im Moment tatsächlich “glauben” (und nicht wissen), zumindest alle, die wir keine in einschlägigen Fachgebieten ausgebildeten Wissenschaftlerinnen sind. Und so kann ich auch nur meine ganz subjektive Einschätzung abgeben.

    So manche große Erfindung war einmal eine Vision und wurde lächerlich gemacht. Die “Zensur” hat es leicht, denn viele von uns verstehen die physikalischen Grundlagen nicht. Wobei: Wer kann schon lückenlos erklären, wie ein Smartphone funktioniert? Anscheinend braucht es praktische Beweise. Tatsächlich hat Prof. Turtur sogar eine Bauanleitung ins Netz gestellt, doch mir als Bauingenieurin fehlt was: Eine Planzeichnung wäre nicht schlecht, sowie praktikable Bezugsquellen auf dem freien Markt. Die Versuchsanordnung in Prof. Turturs Badezimmer erinnert mich irgendwie an diese YPS-Hefte – kennt die noch jemand? Es waren die Achtziger, und es gab fliegende Propeller.

    Wie Freie Energie in Bälde großmaßstäblich (oder auch im Haushalt) nutzbar wäre, kann ich mir noch immer nicht vorstellen. Anlagen zur Raumenergienutzung können erst in den Wettbewerb mit anderen Energieträgern treten, wenn sie existieren.

    Unter http://www.energiederzukunft.org/ und http://www.ostfalia.de/cms/de/pws/turtur/FundE kann sich jeder und jede einen eigenen Eindruck verschaffen – oder sich die Nullpunktenergie von Harald Lesch erklären lassen.

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