Erneuerbare Energien machen Schule!

Das Berufliche Gymnasium Erneuerbare Energien am Nord-Ostsee-Kanal

Für Erneuerbare Energien gibt es mittlerweile eine Reihe von Studiengängen, Ausbildungsberufen und Weiterbildungsangeboten. Dass Erneuerbare Energien aber zum Unterrichtsschwerpunkt gemacht werden, ist eher die Ausnahme. Das Berufliche Gymnasium Erneuerbare Energien (BG-EE) im schleswig-holsteinischen Osterrönfeld macht es vor. Darauf aufmerksam geworden sind wir auf das Projekt übrigens über diesen Podcast von energynet.

Energieabitur in Schleswig-Holstein

Die kleine, feine Schule im Norden ist eine Tochter des Berufsbildungszentrums Nord-Ostsee-Kanal (BBZ-NOK) in Rendsburg und startete zum Schuljahr 2010/11 mit einer Klasse von 29 Schülern, ausgewählt aus 140 Bewerbern und Bewerberinnen. Obwohl sich viel mehr Jungs als Mädchen bewarben, scheinen die Mädchen dort zahlenmäßig recht gut vertreten – wenn sie denn mal in den Naturwissenschaften auftauchen, starten sie offenbar durch 🙂

Neben den allgemeinbildenden Fächern, die mit dem gleichen Anspruch unterrichtet werden wie an anderen Gymnasien auch, gibt es an beruflichen Gymnasien zusätzlich noch so genannte Fächer mit „erhöhtem Anforderungsniveau“. In Osterrönfeld ist es das Fach Erneuerbare Energien, genauer die Themen

  • Klimaschutz
  • energetische Gebäudeoptimierung
  • Windenergie
  • Energie aus Biomasse
  • solare Energiegewinnung
  • Energiespeicherung

Dazu kommt als zweites „eA“-Fach Mathematik.

Praxis, Projekte und ein 1. Preis

Wem das zu viel Naturwissenschaft ist, kann ab 2014 anstelle von Mathe auch Englisch als zweites Hauptfach wählen. Der Stoff wird anschaulich in der Praxis vermittelt; so untersuchen die Schüler und Schülerinnen beispielsweise den energetischen Zustand ihrer Elternhäuser und arbeiten gemeinsam an Projekten. Dieses Jahr wurde die Schule mit dem besonderen Profil sogar schleswig-holsteinischer Landessieger beim bundesweiten Energiesparmeister-Wettbewerb.

Wer darf auf’s BG-EE?

Wer das Energie-Abitur machen möchte, bewirbt sich jeweils bis Ende Februar eines Jahres; das Anmeldeformular und weitere Infos gibt es hier. Im kommenden Schuljahr 2014/15 stehen 56 Plätze zur Verfügung, aufgeteilt auf zwei Klassen.

Die Zugangsvoraussetzungen:

  • Realschulabschluss (oder gleichwertig)
  • Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik kleiner oder gleich 2,4
  • Notendurchschnitt der übrigen Fächer kleiner oder gleich 3,0
  • keine ungenügenden Leistungen im Zeugnis

Mit Berufsausbildung oder Praktika kann der Notendurchschnitt verbessert werden; meist gibt es aber mehr geeignete BewerberInnen als Plätze.

Vorsprung in Erneuerbaren Energien – Abschlüsse und Berufschancen

Das Energie-Gymnasium führt zur Fachhochschulreife (12. Klasse) oder zum Allgemeinen Abitur (13. Klasse). Die Jobchancen später sind „hervorragend“, steht es auf der Schul-Webseite zu lesen. Tatsächlich unterstützen auch viele Firmen das BG-EE als Sponsoren. Einen ersten Berufsabschluss vermittelt das Gymnasium zwar nicht, aber sicherlich einen großen Vorsprung für eine Berufsausbildung oder ein Studium im EE-Bereich. Auch bemüht sich die Schule gerade darum, dass die speziellen Inhalte des „Energie-Abiturs“ als Teilleistungen in Form von Credit Points auf das spätere Studium angerechnet werden können, so Knut Klagges, Klassenlehrer und Ansprechpartner für die Energie-Klassen. Ich habe ihn außerdem gefragt, was die Schüler und Schülerinnen der ersten Abschlussklasse von 2013 jetzt machen. Einige davon studieren bereits EE-Fächer wie Offshore-Anlagentechnik oder Gebäudetechnik, andere machen eine Ausbildung oder orientieren sich noch in einem sozialen oder Auslandsjahr.

Energiethemen gehören zur Allgemeinbildung!

Egal in welchem Bereich sie letztendlich tätig werden – ich finde es einfach enorm wichtig, dass sich junge Menschen so früh wie möglich mit dem Thema Erneuerbare Energien auseinandersetzen und dass Klimaschutz und Energiethemen ein Stück weit Allgemeinbildung werden, anstatt ein Nischendasein an den Hochschulen und in gelegentlichen Sonderprojekten zu führen. Zudem kann man in diesem Themenfeld Naturwissenschaften, Mathe und Physik direkt praktisch anwenden – und das macht einfach mehr Spaß als Frontalunterricht!

Nachtrag 7.12.2013: Im Artikel sind lediglich die so genannten vorrangigen Aufnahmekriterien genannt; die restlichen Plätze werden an Schülerinnen und Schüler mit einem Gesamtnoten-Durchschnitt (alle Zeugnisnoten) kleiner 3 vergeben. Letztes Jahr hatte der „schlechteste“ aufgenommene Schüler eine 2,6. Das hat mir Knut Klagges, der Klassenlehrer, geschrieben. Also nichts wie ran an die Bewerbung! Bis Ende Februar 2014 ist noch ein bisschen Zeit.

Foto: Erste Abschlussklasse BG-EE 2013
© BBZ am Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg

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2 Kommentare zu “Erneuerbare Energien machen Schule!”

  1. Daniel B.

    Ich bin erfreut, dass es endlich auch so etwas gibt und war höchste Zeit. Beruflich habe ich nun einen ganz anderen Zweig eingeschlagen und leider gab es so etwas vor ein paar Jahren noch nicht. Es wäre definitiv etwas für mich gewesen!

    1. Cornelia Daniel-Gruber

      Same here! Ich hätt sowas so gern in Österreich! Die berufsbildenden höheren Schulen bei uns wären dafür äußerst gut geeignet. Sowohl die Höheren Technischen Schulen wie auch die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Leider mahlen die Mühlen im Bildungsbereich immer besonders langsam…

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