Haben die Energieversorger die Energiewende verschlafen?

Der Atomausstieg ist besiegelt, und nach der Atomspaltung scheint jetzt die Spaltung der großen Energieversorger in vollem Gange: Die „Big 4“ E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW haben in den vergangenen Jahren herbe Verluste hinnehmen müssen. Nun wollen sie grüner werden und parken Atom und Fossil teilweise in eigene Gesellschaften um. Doch mit den alten Energien abgeschlossen haben sie noch lange nicht.

Die guten atomaren Zeiten sind vorbei

Da sind zum einen die Verfassungsbeschwerden von E.ON, Vattenfall und RWE gegen den Atomausstieg; EnBW klagt „nur“ auf Schadenersatz. Die Erfolgsaussichten sind gering. Bei der Klage gegen die Kernbrennstoffsteuer erlitten die Energieriesen bereits 2015 eine Niederlage; sie mussten zahlen.

Kapital ist in Atom- und Kohlekraftwerken gebunden

Ein Ausgleich für die im Zuge der Energiewende massiv gesunkenen Strompreise ist also nicht in Sicht, und das Kapital der Stromunternehmen ist weitgehend in Atom- und Kohlekraftwerken gebunden; EnBW nahm sogar 2014/15 noch neue Kohlekraftwerkskapazitäten in Betrieb, investiert aber auch in Windkraftanlagen on- und offshore. RWE ist auch noch stark kohleabhängig und möchte, so die taz, bis 2017 bis zu einer Milliarde Euro in Erneuerbare investieren; von E.ON sind noch keine Angaben zu bekommen und der Vattenfall will in den kommenden Jahren immerhin 5,5 Milliarden für Windkraft ausgeben.

Alte Erneuerbare Energien

Ein guter Teil der grünen Stromerzeugungskapazitäten bei Stromriesen stammt noch aus „alter“ Wasserkraft. Eine Studie über die Zukunft der großen Energieversorger im Auftrag von Greenpeace vom Januar 2015 bezifferte die Grünstromanteile der Big 4:

  • Vattenfall: 1,8 Prozent
  • RWE: 3,5 Prozent
  • E.ON 11,2 Prozent
  • EnBW 19,2 Prozent

Und das, wo mittlerweile über 27 Prozent des gesamten deutschen Endenergiebedarfs an Strom erneuerbar sind.

Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch für Strom, Wärme und Kraftstoffe

Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch für Strom, Wärme und Kraftstoffe

Die Energiewende ist dezentral

Die Strom-Energiewende wird woanders gemacht – und zwar dezentral: Bei den Ökostromanbietern, bei Energiegenossenschaften in Bürgerhand und den Kommunen, die sich erfolgreich neben den großen Energieversorgern behaupten. Auch ein Trend zur Rekommunalisierung ist zu beobachten. Prominentes Beispiel ist Hamburg, das sein Stromnetz von Vattenfall zurückkaufte. Die Bürger wollten es so. Nicht zu vergessen die vielen Privatleute, die selbst zu Stromerzeugern geworden sind. Energieautarkie ist heute schon realisierbar.

Und wo ist die erneuerbare Wärme?

Sorry Leute, aber das muss ich fragen – wie schon bei meinem Artikel über die Ölkonzerne. Alles konzentriert sich auf Strom, dabei wäre bei der Wärme noch so viel zu holen – und zwar auch in großem Maßstab, bei der Fernwärme. Aber die haben die klassischen Energiekonzerne wohl auch nicht auf dem Schirm.

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:

Foto: roufoto / photocase.de

Grafik: BMWi

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