Die aktuelle Förderpolitik ist sicher nicht das Gelbe vom Ei – Team Schramm | Handwerker des Monats 06/2016

Handwerker des Monats: Die Gebrüder Schramm

Unser Handwerker des Monats Juni, den ich Euch heute vorstelle, ist genau genommen keiner im Sinne von einer, sondern zwei. Es geht nämlich um das Team Schramm – Bad, Heizung, Energie, das die Brüder Rüdiger (Firmengründer) und Christian Schramm (unser Interviewpartner) bilden, wobei jeder Bruder seinen eigenen Firmensitz hat: Rüdiger links der Mosel in Ellange in Luxemburg (Team Schramm Sarl), Christian rechts der Mosel im deutschen Orscholz (Team Schramm GmbH). Im Interview berichtet Christian Schramm, wie sein Handwerksbetrieb im Grenzdreieck Deutschland, Luxemburg, Frankreich läuft, warum er sich als Maschinenbauingenieur bewusst für den Quereinstieg ins Solarhandwerk seines Bruders entschied und was die beiden Solarteure Schramm heute bewegt. Freut Euch auf einen Mann, der Tacheles und hier an vielen Stellen auch für seinen Bruder redet!

Christian Schramm, bitte beschreiben Sie kurz Ihren Handwerksbetrieb!

Inhaltsverzeichnis

Christian Schramm: Mein jüngerer Bruder Rüdiger hat unseren Betrieb 2003 in Luxemburg gegründet. Wir haben heute 25 Mitarbeiter, darunter 5 Azubis.

Wie kamen Sie zu dem Betrieb?

Der Betrieb meines Bruders entwickelte sich in den ersten fünf, sechs Jahren nach Gründung recht schnell. Als Rüdiger vor der Entscheidung stand, entweder den Status quo mit zehn Mitarbeitern aufrecht zu erhalten oder „noch mal ’ne Schippe drauf zu legen“ und sich bezüglich Mitarbeiterzahl und Umsatz zu vergrößern, bin ich nach einem guten Gespräch von Bruder zu Bruder und ein paar Nächten, die für das neue Konzept drauf gingen, mit eingestiegen. Ich habe mein Angestelltenverhältnis, wo ich in meinem Beruf als Maschinenbauingenieur gearbeitet hatte, aufgelöst und habe einen zweiten Sitz des Teams Schramm hier in Deutschland eröffnet.

Dann sind Sie das, was man einen klassischen Quereinsteiger nennt?

Ganz genau.

Haben Sie den Schritt jemals bereut?

Nein.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?

Die Möglichkeit, etwas Konkretes für die Umwelt tun zu können, ist für mich schon Beweggrund gewesen, in den Betrieb einzusteigen, und bis heute meine Motivation. Jeden Tag wieder.

Wie landete das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen/Services?

Unser Betrieb ist von Anfang an auf Erneuerbare Energien, energieeffiziente Systeme, solare Technik – Photovoltaik und Solarthermie – sowie Pelletsheizungen ausgerichtet.

Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Die Partnerschaft mit Paradigma haben wir von Anfang an bewusst gewählt. Vor 13 Jahren gab es zum einen kaum Systemanbieter, Paradigma war damals ja Pionier in der Sache. Zum anderen war uns wichtig, Systeme geliefert zu bekommen, die nicht nur verschiedene Energiequellen kombinieren können, sondern sich dabei auch über ein und dieselbe Regeltechnik steuern lassen.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Solarthermie-Projekt!

Wir haben vor wenigen Tagen eine Solarthermie-Anlage mit vier Quadratmetern Bruttokollektorfläche auf einem Privathaus installiert. Die kleine Anlage soll den Bewohnern künftig das Warmwasser bereiten.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Ganz ehrlich?

Unbedingt!

Also gut: Ich habe genau genommen zwei Lieblingsprojekte: meine eigene Anlage und die meines Bruders. Mein Bruder betreibt seine schon etwas länger, sein Haus ist etwas älter. Ich habe neu gebaut und mir 2011 ein Passivhaus hingestellt. Eins meiner Ziele damit war, einen höchstmöglichen solaren Deckungsgrad zu erreichen. Das ist mir gelungen! Theoretisch waren 55 bis 60 Prozent berechnet, ich liege mittlerweile bei über 70 Prozent. Mit meinem Pelletofen brauche ich übers Jahr nur noch 700 bis 800 Kilogramm Pellets, das macht Heizkosten von nur etwa 200 Euro im Jahr.

Das klingt vielversprechend. Ich freue mich schon darauf, die beiden Anlagen vom Team Schramm als Ihre Lieblingsprojekte hier auf dem Blog vorzustellen! Dazu demnächst hier also mehr – versprochen! Und jetzt die nächste Frage an Sie: Welches ist Ihr bislang größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie?

Das ist ganz klar die Anlage auf dem Gebäude hier in Orscholz, in dem wir unseren deutschen Firmensitz haben. Mit vier Paradigma-Kollektoren (CPC-45er) ist es auch die größte Anlage, die wir bislang installiert haben. Die Solarthermie-Anlage dient unserer Verkaufsausstellung quasi als lebendes Ausstellungsstück, ebenso wie der Paradigma-Pelletkessel, der hier jeden Tag läuft.

Hätte es zu Demonstrationszwecken nicht auch eine kleinere Anlage getan?

Bestimmt – aber die vier Solarkollektoren liefern auch den sechs Mietwohnungen über unseren Ausstellungs- und Geschäftsräumen die alltäglich benötigte Wärme. Gegenüber den Mietparteien treten wir als Wärmelieferant auf, die zugehörige Rechnung gibt’s von uns einmal im Jahr. Wir praktizieren hier also echtes Energycontracting!

Beeindruckend! Auch das Projekt hätte durchaus das Zeug, hier vorgestellt zu werden! Aber nein, ich freue mich auf die Anlagen der Brüder Schramm – das klingt irgendwie nach Wettbewerb … Doch dazu später! Wo drückt denn der Schuh im Handwerker-Alltag?

Momentan sind es mit Sicherheit die günstigen Preise von Öl und Gas, die die Diskussion mit Kunden über die Wirtschaftlichkeit von Solarthermie und Pellets, um mal beim Beispiel Heizen zu bleiben, erschweren. Für die meisten Kunden zählt die Investition in die Anlage mehr  als die in die Energiewende. Und von den Kunden, denen die persönliche Energiewende so wichtig ist, dass sie weniger auf die Wirtschaftlichkeit achten, gibt es zu wenige. Solarthermie hat es momentan echt schwer …

Auch die Tatsache, das der Fokus im Neubau, insbesondere beim Passivhausbau, auf die Wärmepumpe gelegt wird, macht uns Solarteuren das Leben schwer. Solarthermie in Kombination mit einem – ich nenn‘ ihn mal: – Spitzenkessel kann so viel!

Was tun Sie, um Ihre potentiellen Kunden dennoch für Erneuerbare zu gewinnen?

Wir gehen mit gutem Beispiel voran. Wer, wenn nicht wir Solarteure sollte das auch sonst tun? Wir zeigen unsere Systeme, zum Beispiel Ende Juni beim „Tag der Architektur“. Wenn ich meine Anlage vorführe und den Besuchern erkläre, dass ich ohne Heizung im klassischen Sinne auskomme und Betriebskosten in Höhe der bereits erwähnten 200 Euro pro Jahr für Pellets habe, dann beginnen die Kunden, aufmerksam zuzuhören. Meine Überzeugung kommt aus dem Herzen raus, das spüren die Kunden natürlich auch.

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Ich sehe die aktuelle Förderpolitik sehr skeptisch. Die ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei. Ich wünschte, die Politik würde die Energiepreise so beeinflussen, dass ganz klar wird, dass die Energiewende das Ziel ist. Das heißt, Öl und Gas müssten so kalkuliert werden, dass es sich nicht lohnt, überhaupt noch in die fossilen Energien zu investieren. Stattdessen sollten Anreize geschaffen werden, dass Verbraucher ihr Geld in Erneuerbare stecken. Förderung, allein das Wort hat schon so einen faden Beigeschmack. Das tut der Sache nichts Gutes.

Letzte Frage, Christian Schramm: Sie liefern Ihre Dienste an Kunden in Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Gibt es Unterschiede bei Ihrer Kundschaft bezüglich der Investitionsfreudigkeit in die Energiewende?

Nein. Ich kann keine kulturell oder national bedingte Motivation ausmachen. Wer von zukunfstragenden Energiesystemen überzeugt ist, ist überzeugt, ganz gleich, ob er die Anlagen diesseits oder jenseits der Mosel installiert.

Vielen Dank, Christian Schramm, dass Sie sich die Zeit für unser Gespräch genommen haben!

Fotos: Team Schramm, Montage: Doreen Brumme

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3 Kommentare zu “Die aktuelle Förderpolitik ist sicher nicht das Gelbe vom Ei – Team Schramm | Handwerker des Monats 06/2016”

  1. Dipl.-Ing. Axel Creifelds

    Solarthermie wird seit der EnEV 2009, die bis dahin objektiv hinsichtlich der anlagentechnischen Technologien war, durch Einführung des Referenzgebäudes mit STA für WW einseitig bei Neubauvorhaben bevorteilt (Nachweisverfahren), obwohl wirtschaftlich bei EFH/ZFH, anders als bei Gewerbe und Industrie, meist nicht sinnvoll.
    Bei Neubauvorhaben ist die Kombi WP + PV nahezu unschlagbar.
    In D existieren jedoch 14 Mio Bestandsanlagen mit meist deutlich überdimensionierten, primären Wärmeerzeugern, die Neubauzuwachsraten sind dazu vergleichsweise extrem bescheiden.
    Solarthermische Nutzung kann besonders im Bestand wirtschaftlich interessant sein, wenn die Option Heizungsunterstützung (HU) berücksichtigt wird, denn vorhandene Hydraulik, Heizflächen sind meist kaum „wärmepumpenfreundlich“.
    Ich würde Solateuren die Orientierung auf den Bestand nur mit HU empfehlen, vorausgesetzt, die anlagentechnische, hydraulische Dimensionierung erfolgt bedarfsgerecht.

    1. Doreen

      Vielen Dank für die Empfehlung! Sie bezieht sich auf die vom HdM erwähnte kleine 4-qm-Anlage, die er zur WW- Bereitung installiert hat, oder? Vllt. mag der eine oder andere Handwerker ja mal berichten, wie es aussieht: Gibt es noch viele Kunden, die „nur“ WW und nicht WW+HU wollen? Und falls ja, warum?

    2. Dipl.-Ing. Axel Creifelds

      Die wirtschftlich belastbaren Antworten dürften ja wohl nur die Auswertung von WMZ vorhandener Anlagen ergeben.

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