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#hope4future (3): Verzicht fürs Klima – bis du dazu bereit?

Wir sind mitten in der Klimakrise. Während die einen sie nicht sehen wollen, fragen sich die anderen: Was kann ich tun, um das Klima zu retten? Verzicht fürs Klima ist angesagt, doch bist du dazu bereit? Und worauf sollte man am ehesten verzichten? Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sei die Mehrheit der Deutschen bereit, Verzicht fürs Klima zu üben. 

Mehrheit der Deutschen bekennt sich zum Verzicht fürs Klima

Ein Verzichten auf Kurzstreckenflüge sei demnach für knapp drei Viertel (74 Prozent) der 2.042 Menschen, die Anfang Juni 2019 befragt worden seien, in Ordnung. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten hätten angegeben, dass sie fürs Klima deutlich weniger Fleisch essen würden. Und mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Umfrageteilnehmer habe angegeben, dass sie das Auto in Innenstädten stehen lassen würden.

Aber: Bereitschaft zum Verzicht fürs Klima sinkt, wenn’s ans Geld geht

So würde zwar noch etwa jeder zweite Befragte deutlich teurere Flugtickets akzeptieren, teurere Spritpreise aber nur noch jeder Vierte (27 Prozent). Würde Fleisch mehr kosten, sei das für gut jeden Zweiten (52 Prozent) hinnehmbar, vorausgesetzt, die höheren Kosten dienten der effektiven Begrenzung des Klimawandels und einer nachhaltigen Agrarpolitik. Besonders intolerant hätten sich die befragten Bürger bei Strompreisen gezeigt: Deutlich teureren Ökostrom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne würde nur noch ein Fünftel (20 Prozent) bereitwillig zahlen.

Die Wochenzeitung Zeit zeigt auf, wie wenig sich das Konsumverhalten in  den vergangenen Jahren erst geändert habe:

  • Demnach liege der Fleischkonsum hierzulande vergleichsweise konstant bei etwa 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Das sei ein Rückgang von lediglich 1,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2013.
  • Der Anteil der Inlandsflüge sinke demnach, allerdings vor allem statistisch, weil die Gesamtzahl aller Flüge wachse. 2018 seien 23,5 Millionen Passagiere im Inland geflogen, schreibt die Zeit und beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). 2017 seien es 23,7 Millionen gewesen, das mache ein Minus von 0,8 Prozent.
  • Der Pkw-Verkehr sei nach Zahlen des Umweltbundesamtes demnach zwischen 1995 und 2017 um knapp 18 Prozent gewachsen.

Aus aktuellen Berichten wissen wir, dass auch der Umstieg von alten, ineffizienten und die Umwelt unnötig belastenden Heizungen auf effiziente, umweltfreundliche viel zu langsam erfolgt.

Ist die Bereitschaft, fürs Klima zu verzichten, also nur ein Lippenbekenntnis? Woher rührt die Diskrepanz zwischen der mündlich bekundeten Bereitschaft zu Verzicht und dem tatsächlichen Verzichten? Und: Was braucht man, um auf Gewohntes, ja gar lieb Gewonnenes zu verzichten?

Verzicht fürs Klima – was braucht Verzicht?

Ein Ziel: Das Ziel des Verzichts ist definiert. Es gilt, die Klimakrise auszubremsen. Wir wissen dank Klimaexperten, wann das Klima kollabiert, und mit ihm die Menschheit, wenn wir weiter so machen wie bislang. Damit haben wir nicht nur ein Ziel, nein, wir haben auch eine Deadline, die im wahrsten Sinne des Wortes eine ist: Die Uhr tickt. Zum Weiterlesen: Klima-Prognose 2050: “Hohe Wahrscheinlichkeit, dass die menschliche Zivilisation endet”

Einen Startschuss: Nun, der Startschuss zur Klimarettung ist längst gefallen, wer ihn nicht gehört hat, hat jedoch die Chance, jederzeit mitzumachen. Noch ist es nicht zu spät für den Verzicht fürs Klima – #hope4future besteht.

Einen Weg zum Ziel: Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, der bekommt derzeit von allen Seiten gangbare Wege beziehungsweise Anleitung aufgezeigt, die zum Verzicht fürs Klima führen: Ob du

  • weniger Fleisch isst,
  • Wasser nur noch aus dem Hahn trinkst,
  • grundsätzlich Lebensmittel höher wertschätzst und daher weniger wegschmeißt,
  • Bio statt konventionell kaufst,
  • Plastik im Haushalt sparst,
  • vom Benziner oder Diesel auf ein E-Auto umsteigst, das du wie den Haushalt mit selbst erzeugtem Sonnenstrom “betankst”,
  • das Auto häufiger stehen lässt und stattdessen radelst,
  • die mit fossilen Brennstoffen befeuerte Heizung gegen eine austauschst, die Wärme aus erneuerbarer Energie erzeugt, oder zumindest einen Teil des fossilen Heizöls oder Heizgases mit Solarwärme ersetzt,
  • weniger Kleidung kaufst
  • oder weniger oder gar nicht mehr fliegst –

du hast die Wahl, denn alle diese Schritte sind Schritte zur Rettung des Klimas. Wichtig ist, dass du überhaupt einen Schritt machst.

Verbunden mit den vielen Wegen, zu verzichten, sind die Alternativen, die du hast, um Veränderung zu bewirken. Nur wer weiß, warum gewohnte, lieb gewordene Konsumgüter Klimakiller sind, und wer zudem klimaschützenden Ersatz dafür kennt, kann beim Kauf die richtige Wahl treffen. Du brauchst also verlässliche Information und Wegweiser.

Weggefährten: Das Klima retten wir nur gemeinsam. Viele haben sich schon auf den Weg gemacht, schließe dich denen an, die auf dem Weg sind, den du einschlagen willst. Social Media zum Beispiel macht es dir heute leicht, Verbündete in der Sache zu finden und dich zu organisieren.

Verzicht auf umweltunfreundliche Konsumgüter & Konsumverzicht

Sich der Klimakrise entgegenzustellen heißt, sich zu verändern. Radikal zu verändern. Aus heutiger Sicht wird es nicht reichen, einen oder alle oben genannten Schritte zu machen. Wir müssen sämtliche unserer gesellschaftlichen Werte in Frage stellen, allen voran das Wachstum um jeden Preis. Oder das Skalieren ohne Ende. Vielmehr müssen wir den Kreis schließen und lernen, im Kreislauf zu wirtschaften.

Verzicht bedeutet dann unter anderem,

  • keine Einwegprodukte mehr zu entwickeln, zu fertigen, zu verkaufen, zu kaufen und zu nutzen, die nach einmaligem Gebrauch weggeschmissen und aufwendig entsorgt werden müssen, sondern langlebige Mehrwegprodukte, die sich nach einer maximalen Lebensdauer einfach recyceln lassen.
  • keine Produkte mehr zu entwickeln, zu fertigen, zu verkaufen, zu kaufen und zu nutzen, die in irgendeiner Weise die Gesundheit der Verbraucher oder die Umwelt mit allem, was darin lebt, schädigen.
  • Mit einer Kreislaufwirtschaft wird sich automatisch der heute alltägliche Überfluss an Konsumgütern in einen Wertstofffluss verwandeln, der Bedarf deckt und die Umwelt schont. Das heißt mit Sicherheit, es wird von nahezu allen Konsumgütern weniger Auswahl geben. Und es wird nicht alles überall und zu jeder Zeit verfügbar sein. Aber das ist ok. Verzicht bedeutet auch, dankbar zu sein, für das, was man hat.

Verzichten lernen heißt: Wir müssen Zufriedenheit nicht am Haben festmachen, sondern mit dem Sein verknüpfen.

Auf diese wertetechnisch radikalen Einschnitte in das uns gewohnte Leben als Konsument und Verbraucher sind wir kaum vorbereitet. Die Leere, die Konsumverzicht in gewisser Weise mit sich bringt, muss deshalb mit neuem Inhalt, mit neuen Werten gefüllt werden. Darum braucht Verzicht Inspiration, Ideen, Gestaltung, Konzeption und ganz sicher auch Regelung.

Denn damit der Verzicht nicht nur ein dezentraler ist, den sich einzelne Verbraucher und Verbrauchergruppen auferlegen, sondern einer wird, der die Gesellschaft als Ganzes trägt und umgekehrt, braucht es etwas, das in vielen Ohren nach Einschränkung von individueller Freiheit klingt: Verbote und Strafen für diejenigen, die Verbotenes tun.

Das lässt sich jedoch nicht vermeiden. Im Gegenteil: Wir müssen eine Menge verbieten, um das Klima zu retten!

  • alles, was der Umwelt schadet
  • alles, was den Menschen schadet

Solche Verbote beschneiden mit Sicherheit hier und da die Freiheit des Einzelnen. Aber das tut die Straßenverkehrsordnung, um nur ein Beispiel zu nennen, auch – und dennoch halten sich alle dran. Ohne Verkehrsregeln würde Chaos auf den Straßen herrschen, in dem Sach- und Personenschaden ohne Ende entstünde. Stellt jemand rechts vor links in Frage?

Warum ist es so schwer, Gesetze zu machen, die die Umwelt und damit uns und alle anderen Lebewesen in ihr retten? Warum ist Bio bei Konsumgütern nicht der normale Lieferzustand? Warum werden fossile Brennstoffe zur Energierzeugung für Heizungen (Wärme), Elektrogeräte (Strom) und Fahrzeuge (Sprit) nicht verboten?

Zum Weiterlesen: Bitte, bitte mehr Verbote!

Leute, es ist höchste Zeit für Verzicht!

Wir stehen vor einem Wechsel. Einem Wechsel in eine neue Welt. Der Wechsel geht uns allen ans Eingemachte: sowohl an unsere Glaubenssätze als auch an unser Geld. Über je mehr davon man heute verfügt, desto schmerzhafter mag einem der Wechsel erscheinen – man könnte ja etwas oder alles verlieren. Doch bei allem Verständnis für den einzelnen Auto-mit-Diesel-Fahrer, den Heizung-mit-Öl-Befeuerer oder den Gerne-in-den-Urlaub-Flieger – was ist denn die Alternative zum Verzicht fürs Klima?

Das Ende. Und das macht Schluss mit allen, ganz gleich, ob reich oder arm, ob Verzichter oder Ignorant. Das klingt pathetisch, oder? Aber wir haben 2019! Bis 2050 (siehe oben: Deadline) sind es noch 21 Jahre. Meine 4 Kinder werden dann 35, 33, 31 und 26 Jahre alt sein. Und ich kurz vor 70. Kein Alter zum Sterben!

Heute nicht zu verzichten heißt, morgen alles zu verlieren.

Heute zu verzichten heißt dagegen, die Kontrolle zu behalten und nicht unkontrolliert unterzugehen.

Foto: go2/photocase