Klima-Risiko-Index 2020, Weltkarte Ranking 2018

Klimaschäden? Nicht bei uns, oder etwa doch?

Deutschland liegt nach Hitzewellen und Rekorddürre im Jahr 2018 auf Rang 3 der am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit – hinter Japan und den Philippinen. Das geht aus dem Klima-Risiko-Index hervor, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf dem derzeit in Madrid stattfindenden Weltklimagipfel COP25 vorstellte.

2018 lag Deutschland auf Platz 3 der am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit

Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte des Klima-Risiko-Index gehöre Deutschland zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit. Der Index, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf dem Weltklimagipfel COP25 in Madrid vorstellte, beziffert die Todesopfer der Hitzewellen im Jahr 2018 auf 1.200 und die in Kombination mit der Rekorddürre verursachten Schäden auf rund 1,3 Milliarden US-Dollar (das entspricht etwa 1,2 Milliarden Euro) in Kaufkraftparitäten. Die Gesamtschäden infolge der Wetterextreme in Deutschland beliefen sich demnach auf rund 4,5 Milliarden Euro. Nur Japan und die Philippinen seien laut dem Index im vergangenen Jahr noch stärker von Extremwettern betroffen gewesen.

Im Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 betrachte, besetzten Puerto Rico, Myanmar und Haiti die ersten drei Plätze der am massivsten von Stürmen, Überflutungen und Dürren heimgesuchten Staaten.

klima-risiko-index_2020_tabelle_1999-2018

“Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen – sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan. Folgen von Extremwetter wie Dürren, Überflutungen oder Hitzewellen führen auch hierzulande zu Todesopfern und großen Schäden.” Das sagt Dr. Maik Winges, einer der Autoren des Index in der zugehörigen Pressemitteilung.

Im Vergleich seien aber die ärmsten Staaten der Welt den noch größeren Risiken ausgesetzt. Vor allem, weil sie bisher kaum Hilfe für erlittene Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels bekämen, erklärt Winges weiter. Zudem würden in diesen Ländern bereits die heutigen Schäden und Verluste wegen der schlechteren Datenlage eher unterschätzt. So fehle es Winges zufolge beispielsweise in Teilen Afrikas bisher an umfassenden Informationen über Hitzeschäden.

Klima-Risiko-Index 2020, Weltkarte 1999-2018

Langfrist-Index: Die vom Klimawandel am massivsten betroffenen Staaten sind zumeist arme Länder

Im Langfrist-Index der vergangenen 20 Jahre seien sieben der zehn am stärksten betroffenen Staaten Entwicklungsländer mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Die an der Spitze des Index geführte Insel Puerto Rico sei ein Beispiel für die wachsende Zahl von Ländern, in denen ein einziger verheerender Hurrikan so massive Schäden hinterlassen habe, dass weite Regionen viele Jahre für den Wiederaufbau bräuchten. Daneben gebe es aber noch einen weiteren Trend: “Wir beobachten in Ländern wie Haiti, den Philippinen oder Pakistan in so kurzen Abständen wiederkehrende extreme Wetterlagen, dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass arme Länder nicht nur bei der Anpassung an den Klimawandel, sondern auch bei nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten Unterstützung von den Hauptverursachern des Klimawandels erhalten”, sagt Vera Künzel, Co-Autorin des Index gegenüber der Presse. Sie fordert in Richtung COP25, dass dieser Klimagipfel Antworten auf die Frage finden müsse, wie der Umfang der benötigten Unterstützung in armen Ländern regelmäßig ermittelt werden könnte und wie dann die benötigten finanziellen Hilfen aufgebracht würden.

Der Klima-Risiko-Index für das Jahr 2018 zeige vor allem die verheerenden Folgen von außergewöhnlichen Hitzewellen und Dürren auf. Besonders betroffen seien davon neben Deutschland auch Japan und weite Teile Indiens gewesen. Jüngste Studien hätten den längst nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Anzahl sowie Intensität von Hitzewellen erneut bestätigt. In weiten Teilen Europas zum Beispiel sei die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hitzewellen heute bis zu einhundert Mal größer als noch Anfang des 20. Jahrhunderts. In Deutschland habe die Hitze 1.234 Todesopfer und in Kombination mit der lang anhaltenden Dürre über 1,3 Milliarden US-Dollar an Schäden in Kaufkraftparitäten gefordert. Das Umweltbundesamt bezifferte laut Germanwatch allein die landwirtschaftlichen Schäden in Deutschland 2018 auf rund 700 Millionen Euro. Insgesamt hätte Deutschland 2018 rund 5 Milliarden US-Dollar (4,5 Milliarden Euro) Schäden infolge Wetterextremen verzeichnet. Hauptursachen seien neben Hitze und Dürre mehrere schwere Stürme gewesen, insbesondere die Orkantiefs Friederike im Januar und Fabienne im September.

Weltweit hätten über 12.000 extreme Wetterereignisse in den vergangenen 20 Jahren knapp 500.000 Todesopfer gefordert und rund 3,5 Billionen US-Dollar Schäden (in Kaufkraftparitäten) gefordert.

Über den Klima-Risiko-Index

Germanwatch erstellt den Globalen Klima-Risiko-Index jährlich auf der Grundlage der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re sowie von sozioökonomischen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Index betrachtet die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden (um Vergleichbarkeit zu ermöglichen in Kaufkraftparitäten) – sowohl die absoluten Zahlen als auch in Relation zur Einwohnerzahl bzw. dem Bruttoinlandsprodukt. Wenngleich die Auswertungen über die steigenden Schäden und Todesopfer keine einfache Aussage darüber erlauben, welcher Anteil davon auf den Klimawandel zurückzuführen ist, so lässt sich doch ein Bild der Betroffenheit der Staaten zeichnen. Der Index wird seit 2006 jährlich bei den Weltklimakonferenzen vorgestellt.

Grafiken: www.germanwatch.org/kri