Leitungswasser für Solarthermie-Systeme?

Anforderungen an die Wasserqualität für wassergeführte Solarthermie-Systeme

Wasser und Heizgeräte, das ist so ein Thema: Wenn ich in meinen Wasserkocher gucke, sehe ich eine Kalkschicht, die mir das relativ harte Regensburger Leitungswasser beschert. Auf Norderney hingegen hinterlässt das Wasser nicht mal Kalkflecken auf handgespülten Gläsern. Und wie schaut es beim Heizungswasser aus? Nach unseren Artikeln zum Thema wassergeführten Solarthermieanlagen hat uns ein aufmerksamer Leser eine interessante Fragen zur Wasserqualität gestellt: Welches Wasser darf man dafür verwenden? Wir bemühen uns heute um eine Antwort dazu.

Einfach nur Leitungswasser in den Heizkreislauf?

Es heisst ja, dass bei rein wassergeführten Solarthermie-Systemen  die Solarkollektoren direkt in den Heizkreislauf eingebunden werden und das Wasser einfach aus dem Wasserhahn bezogen werden kann. In vielen Fällen reicht reines Trinkwasser tatsächlich aus; doch ungeeignetes Trinkwasser kann Probleme machen durch Kalkablagerungen oder Korrosion. Wichtige Parameter sind dabei

Nicht zu hart, nicht zu sauer und nicht zu salzig

Härtebildner im Wasser sind hauptsächlich Kalzium und Magnesium. Wenn das Wasser erhitzt wird, fallen sie aus und bilden die bekannten Ablagerungen an Geräteoberflächen. Deshalb soll das ideale Heizungwasser für wassergeführte Solarthermie-Systeme ca. 12 ° dH Gesamthärte nicht überschreiten; das ist noch im mittleren Wasserhärtebereich. Kleinere Anlagen bis zu 100 l/m² Aperturfläche kommen auch mit härterem Wasser noch hin. Mein Regensburger Trinkwasser mit satten 17 ° dH müsste also aufbereitet werden. Die Angabe in „Grad deutscher Härte“ (° dH) ist in Deutschland und Österreich gebräuchlich, die Schweiz verwendet eine andere Skala mit französischen Härtegraden.

Die Wasserhärte erfahrt ihr von eurem Wasserversorger; Heizungsfachleute können sie an Hand der elektrischen Leitfähigkeit des Trinkwassers bestimmen, dem Trinkwasserleitwert, Einheit: ?S (Mikrosiemens)/cm.

Wichtig ist auch der pH-Wert, denn er beeinflusst das Korrosionsverhalten. Heizungswasser sollte neutral (ph-Wert 7) bis leicht alkalisch bzw. basisch sein (ph-Wert 9, das entspricht etwa einer milden Seife), aber auf keinen Fall sauer (ph-Werte kleiner als 7). Den pH-Wert kann man mit handelsüblichen pH-Wert-Messstäbchen bestimmen.

Den Chloridgehalt erfährt man wiederum vom Wasserversorger. Chloride sind Salze, und Salze fördern Korrosion. Nicht umsonst waschen Autobesitzer nach dem Winter das Streusalz vom Unterboden. Chloridgehalte unter 100 mg/l sind unkritisch für unser Heizungswasser; die deutsche Trinkwasserverordnung lässt bis zu 250 mg/l zu.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, schickt das Wasser zur Analyse ins Labor. Bei Altanlagen erkennt man oft schon an Trübungen oder Schlamm im Wasser, dass dieses nicht (mehr) verwendet werden kann.

Was tun, wenn Leitungswasser nicht geeignet ist?

Wenn die oben genannten Grenzwerte nicht eingehalten sind, wird das Leitungswasser mit vollentsalztem Wasser gemischt. Das erforderliche Mischungsverhältnis berechnet der Heizungsfachmann oder die –fachfrau an Hand des Trinkwasserleitwertes. Entsalzt wird mit Hilfe von so genannten Mischbettharz-Vollentsalzungspatronen (VE-Patronen). Übrigens ist entsalztes bzw. demineralisiertes Wasser nicht identisch mit destilliertem Wasser.

Anforderungen an Heizungswasser allgemein enthält die VDI-Richtlinie 2035; beim Heizen mit wassergeführten Solarkollektoren sollte man darüber hinaus die Herstellerangaben beachten. Die Angaben oben zu Wasserhärte, Chloridgehalt und ph-Wert stammen vom Aqua-System der Firma Paradigma. Es wäre interessant, wenn sich noch weitere Hersteller oder Anwender wassergeführter Systeme melden und von ihren Erfahrungen berichten würden!

Foto: Trojana1712 / photocase.com

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