Österreich fördert Ölheizungen – oder etwa nicht?

Ölheizung mit Mann

In letzter Zeit häufen sich bei mir mal wieder die Anfragen warum bzw. ob Ölheizungen in Österreich gefördert werden. Achtung Spoiler: Die Antwort vorab damit nicht noch mehr Verwirrung entsteht ist: NEIN!!!! – keine öffentlichen Gelder fließen in neue Ölheizungen.

Damit das Gerücht aber ein für alle Mal aus der Welt geschafft wird, gehe ich der Sache mal so richtig auf den Grund. Sollte mir in nächster Zeit etwas zustoßen oder ganz furchtbare Dinge über mich bekannt werden, wisst ihr wer dahintersteckt.

Wie kommt es zu dieser Annahme?

Seit einiger Zeit wird im Radio wieder lautstark damit geworben, den Ölkessel bzw. die Ölheizung gegen eine neue effizientere auszutauschen und dafür bis zu 3000,- FÖRDERUNG zu bekommen. Auf dieser Seite kann man den ungefähren Inhalt des Spots nachhören.

Ein Twitter-User hat mich kürzlich darauf angesprochen und auch privat bekomme ich diese Frage viel zu oft.

Ausgeklügeltes System, das sogar staatliche Bürokratie imitiert

Im Spot wird erklärt, dass man für einen effizienteren Brennwertkessel einen Zuschuss bekommt. Je nach Quelle werden da 3000,- – 5000,- versprochen. Dieser wird auch tatsächlich wie eine Förderung abgewickelt. Man füllt Formulare aus und bekommt das Geld von einer Stelle zurückerstattet. Es wurde sogar die Bürokratie mit eingebaut, damit es auch wirklich wie eine echte Förderung für Ölheizungen wirkt. Hut ab vor den Kommunikationsleuten dort. Das Wording ist echt Klasse, sogar ein EnergieFONDs wurde geschaffen, der auch ähnlich wie der öffentliche Klima- und Energiefonds heisst.

Ölheizungs-Förderung als Verkaufstrick

Man hätte ja einfach so plumpe Verkaufsmaschen wie die Autoindustrie einbauen können, die einfach Rabatte als “Förderung” verkaufen oder Unternehmen die einen 20% Rabatt als “Ersparnis der MWSt.” verkaufen aber nein, die haben gleich das volle Programm angefahren und 2009 kurz nachdem die Erneuerbaren Heizungen einen echten Boom hatten eine Institution geschaffen, die die Förderung für Ölheizungen abwickelt.

Wie soll man also erkennen ob es sich um eine staatliche Förderung handelt oder nicht? Eigentlich reicht ein Blick in die Richtlinien. Es ist alles völlig transparent, was die Herrschaften für mich schon wieder sehr sympathisch macht.

Heizen mit Öl-Energiefonds AUSSCHLIESSLICH AUS PRIVATWIRTSCHAFTLICHEN MITTELN finanziert

Fördern Heizung mit Öl

Hier ein Screenshot mit dem entsprechenden Auszug aus den Richtlinien im Antragsformular. Die Förderung ist ausschließlich aus Mitteln der Industrie gespeist oder sagen wir mal auf jeden Fall zu 33%. Ich Neugierdsnase muss dann natürlich auch noch den Firmenbuchauszug der Heizen mit Öl GmbH rauskramen. Dort finden wir folgendes:

Heizen mit Öl GmbH
Unternehmenszweck:
Förderung von Heizen mit Öl mit moderner Technik
Gesellschafter
Firma Fachverband der Mineralölindustrie
Freie Berufe
Anteil: 33,3300%
Gesellschafter
Firma Institut für Wärme- und Oeltechnik BPD Wien
eingetragener Verein
Anteil: 33,3300%
Gesellschafter
Firma Fachverband des Energiehandels
Freie Berufe
Anteil: 33,3300%

Förderung auf Umwegen?

Hmm, zwei der drei Anteilshaber sind öffentliche Kammern, die zum größten Teil von Geldern ihrer Mitglieder und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch mit öffentlichen Mitteln des Staates gefüttert werden. Ich lasse das mal einfach so stehen. Müssen andere beurteilen ob hier auf Umwegen etwas gefördert wird, was wir eigentlich nicht wollen.

Förderung = Verkaufsfördernde Maßnahme

Was mich jedenfalls stört ist, dass das Wort “Förderung” hier verwendet wird und dem Endkunden suggeriert wird, dass er hier eine energiesparende Maßnahme tätigt. Dieses System ist nur möglich, weil die Hersteller sich dadurch die Einnahmen aus dem zukünftigen Ölverkauf sichern und nicht weil sie so sehr daran interessiert sind, dass weniger Öl verbraucht wird. Ich appelliere hier einfach mal wieder an den Hausverstand. Es handelt sich hier um eine ganz einfache verkaufsfördernde Maßnahme wie sie auch Nespresso mit dem Quasi-Verschenken von Kaffeemaschinen oder Gillette mit günstigen Rasierhalterungen betreibt. Der Gewinn wird nicht beim Verkauf der Maschine gemacht, sondern bei den Produkten, die danach kommen. Ich will nur, dass das jemand der heute noch in diese teure Energie investiert, bewusst ist. Dänemark verhindert solche Tricks ja durch ein einfaches Verbot.

Dilemma der Erneuerbaren – Kein Upselling möglich

Nun könnte man sagen: Naja – was hindert die Hersteller von Anlagen für Erneuerbare Energieerzeugung daran auch so eine private Förderungsmaschinerie zu starten? Abgesehen davon, dass ich die Idee tatsächlich interessant finde, ist es leider so, dass es nach dem Verkauf der Solarthermie- oder Photovoltaikanlage nicht mehr viel Möglichkeiten gibt, Geld zu verdienen, die Kosten für die Erzeugung der Anlage müssen also schon beim Erstverkauf erwirtschaftet werden. Es gibt keine teuren Kapseln oder teures Öl, das nachher in die Anlage gesteckt werden müsste und demnach auch keine überschüssigen Mittel, mit denen eine solche Aktion finanziert werden könnte. Die Sonnenenergie gibt’s ja bekanntlich gratis. Also, bitte immer darüber nachdenken warum und wie so etwas möglich ist.

So ziemlich alles ist energiesparender als eine alte Ölheizung – warum der Verkaufstrick trotzdem funktioniert

Eine Sache spielt jedenfalls für die Aktion. Es gibt wohl nix energievernichtenderes als eine alte Ölheizung. Zu behaupten 40% Energieersparnis sind möglich erscheint vielen dadurch charmant und ist auch sicher richtig. Statt € 6000,-/Jahr nur mehr € 3600,- zu zahlen wenn die neue Anlage nach dem Zuschuss nur € 3000,- kostet, klingt extrem verlockend. Der kluge Verkäufer wird dem Kunden dann eine Amortisationszeit von nur 2 Jahren vorrechnen, ohne zu erwähnen, dass die nächsten 20 Jahre mindestens 72.000,- fürs Öl dazukommen. Wenn einem dann vorgerechnet wird, dass sich eine solare Heizung erst in 10 Jahren amortisiert, aber ab dem ersten Tag fast keine Kosten mehr anfallen, glauben viele trotzdem die 10 Jahre Amortisationszeit wären schlechter als die 2 Jahre… Ich hoffe ihr habt den Verkaufskniff durchschaut. Der Mensch ist schon ein komisches Geschöpf…

Die laufenden Kosten sind entscheidend

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Eine alte Ölheizung produziert im Betrieb so unfassbar hohe Kosten, dass jedes System daneben effizient wirkt. Eben auch eine neue Ölheizung. Man darf aber nicht vergessen, dass es zig Systeme gibt, die noch viel effizienter sind als neue Ölheizungen. Wer nachschauen will, welches System welche Heizkostenersparnis mit sich bringt, kann unseren Heizkostenrechner ausprobieren. Wirklich spannend, diese Zahlen mal schwarz auf weiß zu sehen.

Ich hoffe es ist nun klarer, dass der österreichische Staat zumindest nicht absichtlich Ölheizungen fördert. Die förderabwickelnde Stelle ist eine private GmbH.

  • Titelbild: froodmat / photocase.com
  • Srcreenshot: Heizen mit Öl GmbH

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4 Kommentare zu “Österreich fördert Ölheizungen – oder etwa nicht?”

  1. Herbert

    Diese “nichtstaatliche”-Förderung verzerrt den Wettbewerb. Die Länder subventionieren Biomasse (Pellets etc.), und die Privatwirtschaft “fördert” Öl-Heizungen. Und dabei sind die privatwirtschaftlichen Zuschüsse teilweise sogar um etliches höher als die Subventionen für Biomasse. Der aktuelle Ölpreis tut sein Übriges dazu, dass die Pelletsanlagen-Hersteller langsam aber sicher ausgehungert werden. Einige sind bereits auf Kurzarbeit, und die Prognosen sind trist. Dass da die Politik nicht lenkend eingreift, ist mir unverständlich…

    1. corneliadaniel

      Ja, es ist einfach nur traurig wie die Herrschaften sehenden Auges beim Untergang zuschauen… Andere Interessen haben derzeit einfach noch viel zu viel Gewicht…

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