Offener Brief an den WDR: Journalismus FÜR die Energiewende wichtiger denn je

Offener Brief an den WDR

Ich habe euch ja schon vom Barcamp Renewables erzählt. Dort wurde auch der Verein der Energieblogger gegründet. Wir werden in Zukunft stärker gemeinsam auftreten und zwischendurch auch mal auf die Pauke hauen. Das ist jetzt aus aktuellem Anlass schneller passiert als wir gedacht hätten. Wir haben als Energieblogger einen offenen Brief an den WDR Intendanten Tom Burow verfasst, den ich auch hier gemeinsam mit meinen Gedanken dazu veröffentlichen möchte.

Wie frei ist unsere Presse wirklich?

Leider erreichen uns immer mehr Meldungen, dass sowohl die deutsche, als auch die österreichische Presse nicht so frei ist, wie man das gemeinhin glauben möchte. Im Grunde weiß es eh irgendwie jeder, dass da viel Geld und Macht noch im Hintergrund eine Rolle spielt, aber irgendwie glauben will man es dann doch nicht so ganz.  Ich werde mich auch hüten hier irgendwie ins Detail zu gehen, weil ich für viele Informationen einfach zu wenige Beweise habe. Was ich aber weiß ist, dass der investigative Journalismus im Energiebereich ganz sicher noch nicht sein volles Potenzial entfaltet hat. Eine Aussage einer Journalistin hat sich besonders bei mir eingebrannt.

“In vielen Redaktionen handelt es sich bei der Zurückhaltung mancher Berichte weniger um Lobbyismus, sondern um vorauseilenden Gehorsam.”

Vorauseilender Gehorsam… sehr interessant. Die Aussage entstand auf die Frage, warum es denn so wenige Berichte über die Probleme und Missstände in der alten Energiewirtschaft gibt und positive Berichte über Erneuerbare überhaupt sehr selten publiziert werden.

Es scheint also in manchen Redaktionen nicht nur am Detailwissen zu fehlen (was durchaus verständlich ist bei der komplexen Materie) sondern eben auch keine große Motivation vorhanden sein das zu ändern, weil das doch recht potente Anzeigenkunden sind. Wenn man die Zeitungen so durchblättert hat man überhaupt das Gefühl die Werbewelt besteht nur mehr aus Energieversorgern, Autoherstellern und öffentlichen Stellen. Ob die wohl alle etwas zu verbergen haben? Ein prominentes Beispiel aus diesem Trio macht ja dieser Tage wegen exzellenter Transparenz Schlagzeilen…

Ich lasse das mal so dahingestellt. Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist der offene Brief, den wir Energieblogger an den WDR verfasst haben. Der WDR hat sich durchaus schon öfter hinausgelehnt bei der Berichterstattung und dafür bestimmt nicht immer nur Schulterklopfer erhalten. Die Presse spielt eine unglaublich wichtige Rolle im Umbau des Energiesystems. Deshalb ist es wichtig, dass investigativem Journalismus Raum gegeben wird. Wir möchten auch in Zukunft mutige Journalisten noch mehr unterstützen. Deshalb haben wir beschlossen diesem Vorsatz Nachdruck zu verleihen und einen offenen Brief an den WDR  Intendanten Tom Burow geschickt. Vielleicht schafft er es ja auch in das ein oder andere Massenmedium.

Offener Brief der Energieblogger an WDR Intendant Tom Buhrow

Investigativer Journalismus muss unterstützt werden

Unsere Demokratie lebt von der freien Meinungsäußerung, der Presse und einer lebendigen Öffentlichkeit, welche die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen im Blick behält und auf subjektiv wahrgenommene Fehlentwicklungen hinweist. Diese freie Meinungsäußerung ist der Kern unseres Handelns als Energieblogger. Im Dialog wissen wir, wie wichtig respektvolle Umgangsformen in sozialen Medien sind. Unangemessene “Shitstorms” hingegen werden ein Problem für die Funktion der Presse, wenn sich diese aufgrund wirtschaftlicher Interessen zu Einflussnahmeversuchen auf Medienhäuser entwickeln.

18.September 2015 | Im Zusammenhang mit der Protestaktion im Garzweiler, der Reaktion des betroffenen Unternehmens und der Polizei erscheinen uns folgende Berichte bedeutsam:

Beispiel Westdeutscher Rundfunk, Jürgen Döschner
Garzweiler-Proteste: “Die Gewalt ging eindeutig von uns aus”, 21. August 2015

Beispiel taz. die Tageszeitung, Malte Kreuzfeld
Protest in Garzweiler: Tagebau von Presse befreit, 18. August 2015
Proteste in Garzweiler: Polizei und Grüne schweigen, 31. August 2015

Es ist gut, wenn die Presse inklusive dem WDR an dem Thema dran bleiben. Sollten die Polizei und die Sicherheitsdienste des Unternehmens unanständig kooperiert haben, dann muss dies aufgeklärt werden. Unbedingt und ohne Rücksicht auf politische Einflussnahme. Gerade weil die Politik die Aufklärung vertagt hat, ist die Arbeit der freien Presse so wichtig. Vorausgesetzt sie ist frei.

Im Internet kann man auf Facebook-Gruppen die Entrüstung bei Mitarbeitern nachlesen. Da deren Arbeitsplätze mit der Zukunft der Kohle zusammenhängen, kann man den Wunsch der Arbeitsplatzsicherung verstehen. Gerade eine Medienkritik aus einer Interessenslage heraus darf nicht die Berichtserstattung beeinflussen. In der heute „RWE-Mitarbeiter für eine faire Berichterstattung“ genannten Facebookgruppe wurde diffamiert. Die Unterscheidung zwischen Kommentaren und investigativen Berichten scheint man dort nicht zu kennen.

Der Journalist sei gekauft, würde Meinungsmache betreiben, Brände stiften und solle doch durch den WDR gestoppt werden. Wer wie wir die ungleichen Kräfteverhältnisse zwischen neuer und alter Energiewirtschaft, vor allem in Sachen PR-Budgets kennt, weiß wie unhaltbar diese Unterstellung ist. Es braucht im Gegenteil viel mehr mutige Journalisten, die sich auch in Kommentaren trauen unangenehme Wahrheiten auszusprechen, auch auf die Gefahr hin angreifbar zu werden.

Verehrte Kollegen der Presse. Bitte machen Sie weiter und lassen Sie sich keinenfalls von unbedacht formulierten “Shitstorms” entmutigen sondern intensivieren Sie investigative Berichte gerade dann, wenn es durch versuchte Einflussnahmen unbequem wird.

Ihre Energieblogger

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Vielen Dank und sonnige Grüße

7 Kommentare zu “Offener Brief an den WDR: Journalismus FÜR die Energiewende wichtiger denn je”

  1. Pia Grund-Ludwig

    Liebe Leute, mal ganz ehrlich: wenn ein Unternehmensblog (und das ist ecoquent-positions nun mal, auch wenn “finanziert durch Ritter” einem lieber sein mag als “sponsored by Kernkraft”) investigativen Journalismus fordert, werde ich als Journalistin hellhörig. Investigativen Journalismus brauchen wir in der Tat, und zwar ohne Scheuklappe pro oder contra Erneuerbare, sondern ergebnisoffen. Alles andere ist PR. Mit journalistischen Grüßen, Pia Grund-Ludwig

    1. Cornelia Daniel

      Liebe Frau Grund-Ludwig. Vielen Dank für diesen Kommentar und ihre Kritik. Zu allererst: Der Offene Brief geht von den Energiebloggern aus, ich hoffe das geht aus dem Artikel klar genug hervor, falls nicht, lassen Sie es mich wissen. Ich habe ihn mit meinen Gedanken dazu hier veröffentlicht. Zu Ihrem Vorwurf:
      Wie Sie wissen, ist hier sehr transparent wer dahintersteht. Was Sie vielleicht nicht wissen ist, dass dieses Portal überhaupt nur aus der Notwendigkeit entstanden ist, dass sich die Medien genau gar nicht für die Wärmewende und schon gar nicht für Solarthermie interessieren. Natürlich werden hier auch Produkte vorgestellt, vor allem jetzt mit den Handwerkern des Monats, aber sehr viel mehr allgemeine Themen und ich für mich kann absolut behaupten, dass es für mich keinen Unterschied macht ob ich hier meine Meinung schreibe oder auf meinen anderen Blogs. Und ja, natürlich sind wir hier auf jeden Fall Pro Erneuerbare, eben weil diese Stimme in den Massenmedien viel zu leise ist und wie man jetzt kürzlich gesehen hat, eben nicht durch Zufall, oder weil die Erneuerbaren so viele Nachteile haben. Ich habe nicht die Mittel für wirklich investigative Recherchen hier, aber die großen Medienhäuser haben das sehr wohl. Mit dem offenen Brief wollen wir als Energieblogger die Großen ermutigen hier dranzubleiben, weil die Presse einfach sehr viel Macht hat und diese in den letzten Jahren in eine sehr bedenkliche Richtung gelenkt hat.

  2. Bert Robel

    Herrn Döschners Rechtfertigung von Rechtsbruch bei der Garzweiler-Demo als investigativen Journalismus zu feiern und mehr davon zu verlangen, zeugt von einem wahrlich total pervertierten Rechtsverständnis.

    1. Cornelia Daniel

      Es geht nicht nur um dieses eine Beispiel. Abgesehen davon wird in dieser speziellen Diskussion nur selten zwischen dem Kommentar und den Recherchen zu den Verflechtungen zwischen Polizei und RWE unterschieden.

  3. Manuel

    Investigativer Journalismus soll ja nicht zwangsweise bloßstellen, sondern lediglich klarstellen. Das kann gerne auf einer neutralen Ebene geschehen – aber beide Seiten müssen gleichwertig beleuchtet und berichtet werden. Nur so kann eine wahrheitsgemäße Berichterstattung erfolgen. Unser Aufruf ist kein Appell an eine Bloßstellung, die wir uns angeblich wünschen. Wir wünschen uns qualitative und korrekt recherchierte Aufklärung. Foren- und Lobbykommentare dürfen nicht als Tatsachen angesehen werden, nur weil sie in der Masse überwiegen und sich niemand mit Fakten dagegenstellt.

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