Ratgeber „Richtig heizen“, Teil 5: Heizverhalten oder: Wie gut kennst du deine Heizung?

Lüften und richtig Heizen: Heizverhalten

Energiebewusstes und zugleich kostenbewusstes Heizen resultiert zum einen aus der Heiztechnik, die man betreibt. Zum anderen spielt das Heizverhalten des einzelnen Verbrauchers eine Rolle. Das wiederum spiegelt unser Wissen über die Zusammenhänge von Heizen und damit erzielbarer thermischer Behaglichkeit und Energieeffizienz wider. Die Frage ist: Was wissen wir über unsere Heizung und reicht das Wissen für die Wärmewende daheim?

Wie beeinflusst unser Heizverhalten unseren Energiehaushalt?

Das Heizverhalten ist Teil unseres Umgangs mit Energie. Es beeinflusst unter anderem,

  • welche Energie wir verbrauchen
  • wie viel Energie wir verbrauchen
  • und wofür wir Energie verbrauchen.

Dabei nehmen wir als Energieverbraucher mit unserem Verhalten Einfluss auf den Energieverbrauch. Vier Wege der Einflussnahme lassen sich ausmachen:

vergleichsweise seltene Investitionsentscheidungen mit dafür dauerhaften Konsequenzen

  • Entscheidung über Aus- und Umbau, Sanierung und Modernisierung des Haushalts (Gebäude, Haus, Wohnung),
  • Entscheidung über Kauf bestimmter Haustechnik (Heiz- und Kühltechnik, Lichttechnik, Lüftungstechnik),
  • Entscheidung über Kauf bestimmter Haushaltsgeräte wie Herd, Kühlschrank, Gefrierschrank, Multimedia)

eher seltene Handlungen mit dafür dauerhaften Effekten

  • Festlegen der Betriebszeiten der Heizung,
  • Festlegen der gewünschten Raumtemperatur und Warmwassertemperatur, die die Heiztechnik liefern soll,
  • Einstellungen von Kühlschrank und Gefrierschrank,
  • Lüftungsverhalten über Öffnen und Schließend der Fenster

regelmäßig wiederholte Handlungen (Gewohnheiten und Routinen)

  • Entscheidung für Badewannenbad oder Dusche, Wannenfülle und Duschdauer,
  • Entscheidung für eine Waschtemperatur und Programmlänge bei Waschmaschinen, Trocknern und Spülmaschinen,
  • Gewohnheit, Elektrogeräte nach der aktiven Nutzung weiter laufen zu lassen, in den Stand-by-Modus oder ganz aus zu schalten

spontane Reaktionen auf vorherrschende Bedingungen

  • statt den Trockner zu nutzen, wird die Wäsche in der Sonne getrocknet,
  • mehr oder weniger Kleidung anziehen und die Heizung entsprechend rauf oder runter regeln,
  • Licht bei Betreten / Verlassen eines Raums an- oder auszuschalten

Diese Einflussnahme auf den Energieverbrauch des Haushalts ist an Personen gekoppelt. Je nachdem, ob die Personen sich hinsichtlich ihrer Gewohnheiten und Routinen sowie spontanen Reaktionen absprechen und aneinander anpassen – oder nicht, kann das Verhalten den Energieverbrauch mindern oder gar steigern.

Welche Vorteile bringt energiebewusstes Heizverhalten?

In der Studie „United Kingdom housing energy fact file 2013“ von Jason Palmer und Ian Cooper, der ich die vorhergehenden Zusammenhänge entnommen habe, werden Änderungen des  verhaltensbedingten Energieverbrauchs als besonders vorteilhaft beschrieben,

  1. da sie schnellere Erfolge zeigten als beispielsweise infrastrukturelle Änderungen, die Jahre bis Jahrzehnte bräuchten, auch wenn die absolute Menge an eingesparter Energie und daraus resultierender Emission kleiner sein mag: „a 1 percent gain today is worth more than a 1 percent gain tomorrow“, heißt es in der Studie.
  2. da sie sehr kostengünstig seien
  3. und da die Verbraucher direkt von den Einsparungen und anderen Vorteilen profitierten.

Laut der meinen Ausführungen hier zugrunde liegenden Studie hätten beispielsweise viele Haushalte in den vergangenen Jahrzehnten bauliche Veränderungen erfahren wie räumliche Erweiterungen (Anbauten, Ausbauten), darunter Installation von Wintergärten, Terrassen & Co., die jedoch typischerweise nicht eine Anpassung des Energiehaushaltmanagements nach sich gezogen hätten. Ich vermute jetzt einfach mal, dass das eine Aussage ist, die auch auf viele deutsche Haushalte zutrifft.

Einen der Gründe dafür liefert die Studie gleich mit: „Many housholds have a limited understanding of their heating controls and their energy use.“

Wie gut kennen wir Verbraucher unsere Heizung?

Ob es auch auf uns deutsche Verbraucher zutrifft, dass wir nur begrenzte Kenntnis davon haben, wie unsere Heizungsregelung funktioniert und wie viel Energie sie verbraucht, das will ich jetzt mal genauer wissen. Denn wenn das angenommene Unwissen zu Heizung, Heizungstechnik und Energieverbrauch eine Hürde auf dem Weg zur Energiewende, besser: Wärmewende in den eigenen vier Wänden, ist, ließe die sich ja nehmen, indem die Wissenslücken gefüllt würden. Wissen spart hier schließlich nicht nur Energie, sondern bares Geld: die Energiekosten!

Im Rahmen einer aktuellen Umfrage von °Thermondo und TopTarif antwortete gut ein Viertel der Befragten (25,7 Prozent) auf die Frage „Wissen Sie, was bei Heizungen der Unterschied zwischen Brenn- und Heizwert ist?“ mit Ja, der Rest mit Nein. Und 31,9 Prozent der Befragten könnten demnach ihre Heizung nicht selbst ablesen, während der Rest sich dies wohl zutraue.

Spannend finde ich das Umfrageergebnis auf die Frage: „Wodurch können Sie Ihre Energiekosten am besten senken?“ Hier antworteten die Befragten so:

  • Energiesparende Geräte:76,1 Prozent
  • Energieeffizientes Heizen / Lüften: 51,4 Prozent
  • Energiesparlampen (LED): 47,3 Prozent
  • Bauliche Energiesparmaßnahmen, darunter Dämmung / Heizungswechsel, Sanierung: 45,9 Prozent
  • Energieeffiziente Gerätenutzung: 41,5 Prozent
  • Energieanbieter- / Tarifwechsel: 37,9 Prozent

Dass viele Verbraucher den Energiebedarf privater Haushalte, sowohl ihres eigenen als auch die Summe des Energiebedarfs aller privaten Haushalte, und das daraus resultierende Einsparpotential mehr als fehl einschätzen, habe ich hier auf dem Blog in meinem Artikel „Warum unterschätzen wir unsere Heizkosten so sehr?“ bereits diskutiert.

Fakten über deutsches Heizverhalten

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche, der sich auf eine Analyse des Energiedienstleisters Techem beziehe, unterscheide sich das Heizverhalten der deutschen Verbraucher regional wie folgt: „Haushalte in Flensburg, der nördlichsten Stadt der Republik, benötigten im vergangenen Jahr (Die Rede ist hier von 2014 – Anmerkung der Redaktion) 157 Kilowattstunden (kWh) Energie je Quadratmeter (qm) Wohnfläche – und damit mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. … Auch auf den nächsten Plätzen folgten 2014 Städte aus Schleswig-Holstein: Husum (155 kWh/qm) sowie Itzehoe und Lübeck (je 154 kWh/qm). Auf Rang fünf findet sich dann mit München (150 kWh/qm) die erste Stadt aus Süddeutschland. … Die Städte, deren Haushalte die wenigste Energie benötigten, waren regional breiter gestreut – mit einem Schwerpunkt im Westen. Am sparsamsten waren zwar die Rostocker (91 kWh/qm), das sonnige Wetter an Mecklenburg-Vorpommerns Küste dürfte hier ein Faktor gewesen sein. Danach folgten aber Schweinfurt (95 kWh/qm), Bottrop und Pforzheim (je 100 kWh/qm) sowie Gladbeck und Hattingen (je 101 kWh/qm). Die Bottroper waren bundesweit auch ganz vorn beim Energiesparen: Sie verbrauchten 23 Prozent weniger, ähnlich wie die Nächstplatzierten (Dinslaken und Paderborn). Insgesamt ermittelte Techem 18 Städte, in denen Haushalte ihren Energieverbrauch um über 20 Prozent senkten.“

Und der Mieterschutzbund Berlin berichtet hier in Bezug auf eine Umfrage des Internetportals Immobilienscout24 davon, dass die Deutschen beim Heizen sparen würden, um die Kosten möglichst gering zu halten:

„Auch wenn es draußen Minusgrade gibt, sind die meisten Deutschen sparsam mit der Wärme in den eigenen vier Wänden. 93 Prozent der Deutschen geben an, durch verschiedene Maßnahmen die Heizkosten senken zu wollen. So spart regelmäßiges Stoßlüften im Vergleich zum Kipplüften (siehe Titelfoto mit Fnster auf Kipp – Anmerkung der Redaktion) nicht nur Energie, sondern hilft auch gegen Schimmelbildung. Rund 70 Prozent der Befragten versuchen durch diese Methode ein angenehmes Raumklima zu schaffen. Jeder zweite Deutsche heizt nur, wenn er sich zuhause aufhält oder zieht lieber wärmere Sachen an, als die Heizung voll aufzudrehen. Fast 50 Prozent der Befragten heizen einen oder mehrere Räume gar nicht. Besonders der Flur (59 Prozent), das Schlafzimmer (49 Prozent) und die Küche (41 Prozent) bleiben im Winter oft kalt. Und auch Gäste müssen frieren oder sich rechtzeitig ankündigen, da Gästezimmer und WC ansonsten unbeheizt bleiben.“

Der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern sinkt in Deutschland stetig. Grafik: © BMWi; Datenbasis: ista Deutschland GmbH; Berechnungen des DIW Berlin

Der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern sinkt in Deutschland stetig. Grafik: © BMWi; Datenbasis: ista Deutschland GmbH; Berechnungen des DIW Berlin

Ganz frische Fakten zum deutschen Heizverhalten liefert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das sich dabei auf den Wärmemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bezieht. demnach sei der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern auch in 2015 weiter gesunken: „Seit 2003 sank der Heizenergiebedarf von Mehrfamilienhäusern um rund 18 Prozent auf 120,83 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Im Vergleich zum Vorjahreswert ging der Energiebedarf um knapp 1,5 Prozent zurück.“

Weitere Artikel aus der Reihe „Richtig heizen“:

  • Teil 1: Raumtemperatur und ihre Wirkung auf Herz, Gewicht und Harndrang
  • Teil 2: Thermische Behaglichkeit: Thermische Behaglichkeit: Bei wie viel Grad ist uns behaglich?
  • Teil 3: Thermische Behaglichkeit: Warum Frauen eher frieren als Männer
  • Teil 4: Thermische Behaglichkeit – 4 Grad zwischen Theorie und Praxis

Foto / Grafik: winlogon / photocase (Titelfoto), © BMWi; Datenbasis: ista Deutschland GmbH; Berechnungen des DIW Berlin (Grafik)

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