Senftenberg baut größte Solarthermie-Anlage Deutschlands mit Einspeisung in zentrales Fernwärmenetz

Heute stelle ich Euch ein neues Großprojekt in Sachen Solarthermie vor. Ich habe alles an Infos zur Senftenberger Großflächenanlage zusammengetragen, was ihre Erbauer (als Auftraggeber: die Stadtwerke Senftenberg, als Auftragnehmer: Ritter XL Solar) dazu zu sagen haben. Und den Bürgermeister der Bergbaustadt Senftenberg, Andreas Fredrich, habe ich selbstverständlich auch befragt. Seid gespannt!

Wollte ich Senftenbergs Entwicklung in Sachen Energie mit drei Worten beschreiben, würde ich sagen: Braun wird Grün. Oder etwas ausführlicher: Eine brandenburgische Ex-Bergbaustadt, die einst wegen ihres Braunkohletagebaus das Energiezentrum der DDR war, ist heute auf dem besten Weg, eine Stadt der erneuerbaren Energien zu werden. Folgende Belege habe ich dafür gefunden: 2006 errichtete man die damals größte Biogasanlage Deutschlands (Leistung laut Wikipedia: 3 Megawatt) in Senftenberg. Und jetzt wird wieder an einer Anlage für erneuerbare Energie in Rekordgröße gebaut: Derzeit entsteht auf dem Gelände der rekultivierten Deponie Laugkfeld eine Solarthermie-Freilandanlage. Mit ihren 8.300 Quadratmetern Bruttokollektorfläche ist sie die größte ihrer Art in Deutschland. Die Kollektoren werden erstmals in Deutschland ihren Wärmeertrag dezentral via Ringleitung in das große städtische Fernwärmenetz einspeisen. Und nicht nur das: Die Anlage aus 1.680 Vakuumröhrenkollektoren ist damit auch die größte ihrer Art weltweit! Damit hat die Anlage übrigens auch das Zeug, auf unsere Top-Liste der berühmtesten Solarthermie-Anlagen der Welt zu kommen.

Es gibt  noch einen weiteren Grund dafür, dass ich Euch das Senftenberger Großprojekt hier vorstelle: Die Anlage ist ein Projekt der Ritter XL Solar GmbH, die ein Teil der Ritter Gruppe ist, die, wie Ihr wisst, auch hinter unserem Blog steht. Und ganz nebenbei gibt’s da noch eine ganz persönliche Begründung für: Senftenberg ist keine 40 Kilometer von Cottbus, meinem Geburtsort, entfernt!

Was Ritter XL Solar über die Senftenberger Solarthermie-Großanlage sagt

Die Senftenberger Anlage wird so ausgelegt, schreibt Ritter XL Solar, „dass das Wärmenetz selbst als ausreichender Speicher genutzt wird und damit zusätzliche Speicherkapazitäten nicht benötigt werden. Zur Errichtung kommt eine Montagetechnik in großem Stil zum Einsatz, die sich bei den Bioenergiedörfern Büsingen und Neuerkirch-Külz (Simmern) bereits bestens bewährt hat. Die Stadtwerke Senftenberg entschieden sich für das AquaSolar-System mit Plasma-CPC-Vakuumröhrentechnik, da die Solaranlage über das ganze Jahr hinweg Temperaturen von mindestens 85 Grad Celsius liefern muss und der Grund und Boden mit maximaler Flächeneffizienz genutzt werden soll. Ritter XL Solar liefert außer dem eigentlichen Kollektorfeld auch die Planung der Solaranlage und die Regelungstechnik. Wie stets bei den Projekten der Ritter Gruppe arbeitet auch diese Anlage mit Wasser, um problemlos sieden zu dürfen, wenn die Solarwärme einmal nicht gebraucht wird. Zur Gewährleistung einer notwendigen Frostsicherheit wird mit einem Bedarf von weniger als einem Prozent des geplanten jährlichen System-Jahresnutzertrages von rund 4 Millionen Kilowattstunden gerechnet.“

Was die Stadtwerke Senftenberg über ihre Großflächensolarthermieanlage sagen

Auf einer Fläche von ca. 2,1 Hektar (ha) kämen demnach 1.680 Vakuum-Röhrenkollektoren mit Plasmaschicht, montiert auf Rahmen und Unterkonstruktion, zur Aufstellung. Mit einer Bruttokollektorfläche von gesamt 8.300 Quadratmetern sei die Anlage für einen System-Jahresnutzungsertrag von rund 4 GWh/a projektiert. Damit entstehe in Senftenberg die größte Freiflächenröhrenkollektoranlage in Deutschland. Das mit der Solaranlage erwärmte Wasser werde laut den Stadtwerken über ein angeschlossenes Rohrleitungssystem zur zentralen Wärmeübergabestation (WÜST) geführt. Die WÜST beherberge demnach die Steuerungs- und Regeltechnik für ie Anlage und bilde mit einem Wärmetauscher den Übergabepunkt der solar erzeugten Wärme an das Fernwärmenetz.

Detlef Moschke, Geschäftsführer der Stadtwerke Senftenberg schreibt dazu im März-Newsletter „LausitzEnergie kompakt“ seines Unternehmens: „Das solarthermische Großprojekt wird gefördert durch das KfW-Programm Erneuerbare Energien ‚Premium‘ und erreicht damit sehr effiziente und wettbewerbsfähige Wärmegestehungskosten. Es ist eine Möglichkeit zum Ersatz von Verbrennungsprozessen bei der Wärmeerzeugung, zur Ressourcenschonung und nicht zuletzt zur Vermeidung von Rauchgasen und CO2-Emissionen.“

Was der Bürgermeister Senftenbergs über sein Großprojekt sagt (Interview)

Ich habe hier den Mann befragt, der am besten über seine Stadt Auskunft geben kann, den Bürgermeister von Senftenberg, Andreas Fredrich (SPD), der seit Februar 2007 im Amt ist:

Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Foto: Steffen Rasch

Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Foto: Steffen Rasch

Bürgermeister Andreas Fredrich, Ihre Stadt hat Großes geplant: Die größte Solarthermie-Anlage Deutschlands und die weltweit größte Anlage mit Plasma-CPC-Vakuumröhrenkollektoren soll hier entstehen. Was sind die Beweggründe für diesen energetisch nachhaltigen Schritt in die Sonne?

Bürgermeister Andreas Fredrich: Wir erzeugen künftig Fernwärme für Senftenberg ohne Verbrennungsprozesse. Die Solarthermie ist damit unsere Alternative zu Kohle-, Erdöl- oder Erdgasheizwerken. Wir werden dank der Solarwärme unabhängig von energetischen Rohstoffen und deren Preisentwicklung. Mit dieser sonnigen Ausrichtung realisieren wir Positionen des Energiekonzeptes der Stadt Senftenberg, darunter die, dass wir die Fernwärmeerzeugung optimieren und somit den mit ihr verursachten Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren. Das Großprojekt ist ein Baustein der Fernwärmeersatzlösung der Stadtwerke.

Wie kamen Sie auf Solarthermie als Wärmequelle für Ihr Fernwärme-Netz und warum entschieden Sie sich für eine Zusammenarbeit mit Ritter XL Solar?

Wir haben gründlich recherchiert. Wir haben nach technischen Entwicklungen gesucht, die zu unserem Standort und dessen Möglichkeiten passen. Der Abgleich mit den Erfordernissen, die das Senftenberger Fernwärmenetz hat, Stichwort: Sommergrundlast, führte uns zu Ritter XL Solar.  Das Unternehmen erfüllte sämtliche Parameter unserer Ausschreibung und entsprach mit seiner Solarthermie-Lösung den Erfordernissen zur Einbindung in das Fernwärmenetz der Stadtwerke. Außerdem konnte Ritter XL Solar uns – wenn auch kleinere – Referenzprojekte vorweisen, deren Vakuumröhrentechnik uns überzeugte.

Welche Erwartungen hinsichtlich der Leistung der Anlage haben Sie?

Wir erwarten in Abhängigkeit von den Sonnenstunden – und wir haben diesbezüglich gute Voraussetzungen in der Lausitz –  von der Solarthermieanlage mit ihren 1.680 Stück zum Einsatz kommenden Hochleistungsvakuumkollektoren mit insgesamt 8.300 Quadratmetern Kollektoroberfläche pro Jahr einen Energieertrag von etwa 4 Millionen Kilowattstunden. Wir erhoffen uns, damit insbesondere die Sommergrundlast im Fernwärmenetz abzudecken. 

Wie stemmt die Stadt Senftenberg die Finanzierung der Anlage?

Die Errichtung und Finanzierung der Anlage realisieren die Stadtwerke Senftenberg. Zur Finanzierung trägt die Deutsche Kreditbank AG aus Mitteln der KfW-Bankengruppe bei. Das Projekt wird gefördert aus dem Programm „Erneuerbare Energien Premium“ der KfW.

Vielen Dank, Bürgermeister Fredrich, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben!

Last but not least: Der aktuelle Stand der Dinge zum Solarthermie-Großprojekt in Senftenberg

In der Märzausgabe ihres monatlich erscheinenden Newsletters berichten die Senftenberger Stadtwerke vom Baubeginn des Solargroßprojektes: Demnach sei mit der Verlegung der Fernwärmeanschlusstrasse der Startschuss für den physischen Baubeginn der Großflächensolarthermie-Anlage gefallen. Weiter heißt es dort: „Bei bisher günstigen Witterungsbedingungen konnte ein zügiger Baufortschritt erreicht werden, so dass das Vorhaben im gesteckten Terminplan liegt.“

Foto: Ritter XL Solar GmbH, Steffen Rasch (Porträt)

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2 Kommentare zu “Senftenberg baut größte Solarthermie-Anlage Deutschlands mit Einspeisung in zentrales Fernwärmenetz”

  1. Niels Kirstein

    Sehr interessanter Artikel, insbesondere das hier allein das Wärmenetz als Speicher dient. Mich würde noch interessieren, durch weleche Anlage die restliche Fernwärme bereitgestellt wird bzw. wie es aktuell noch funktioniert.

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Vielen Dank und sonnige Grüße

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