Solares Wärme-Contracting – wie funktioniert das?

Solares Wärme-Contracting

Warum ist Solarwärme für Industrie und Mehrfamilienhäuser noch nicht weiter verbreitet? Eine Studie beziffert das Potential allein für Deutschland auf ca. 170 GWth, das ist ungefähr das 15-fache aller bisherigen Solarthermie-Installationen! Vermutlich ist immer noch Unwissenheit eines der Hindernisse (dem versuchen wir mit unserem Blog ja gegenzusteuern :-)), zum anderen scheuen viele Investoren das vermeintlich hohe Risiko.

Was ist solares Wärme-Contracting?

Genau da setzt Solares Wärme-Contracting an: Hier übernimmt ein Dienstleister, ein so genannter Contractor, die notwendigen Schritte zur Bereitstellung solarer Wärme für den Vertragspartner – zum Beispiel

  • Vertragsgestaltung und Klärung rechtlicher Fragen
  • Planung und Errichtung der Anlage
  • Finanzierung
  • Betriebsführung
  • Instandhaltung

Finanzierung und Betriebsrisiko liegen in den Händen des Contractors. Als spezialisiertes Unternehmen kann dieser idealerweise auf genügend Erfahrung und Know How zurückgreifen, um die Risiken zu minimieren und zu beherrschen. Um dem Kunden Wärmeenergie zu einem günstigen Preis anbieten zu können, braucht es für die Vertragsgestaltung besonderes juristisches Geschick: Die gesetzliche Höchstgrenze für die Laufzeit ist per Verordnung auf 10 Jahre begrenzt (AVBFernwärmeV), und Abweichungen davon sind nur unter besonderen Voraussetzungen möglich. Eine solarthermische Anlage hat jedoch eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren, und der günstige Preis kommt nur durch eine entsprechend lange Laufzeit zustande.

Solares Wärme-Contracting in Variationen

Je nachdem, welchen Leistungsumfang der Contractor erbringt und welche Leistungen etwa beim Contracting-Nehmer bleiben, gibt es verschiedene Modelle für Solares Wärme-Contracting, unter anderem

  • Energieliefer-Contracting (Anlagencontracting)
  • Einspar-Contracting (mit einer festen Energie-Einspar-Garantie)
  • Finanzierungs-Contracting (Anlagenbetrieb bleibt beim Contracting-Nehmer)
  • Technisches Anlagenmanagement (optimierter Anlagenbetrieb durch den Contractor)

Natürlich gibt es auch Kombinationen davon und Contracting-Modelle, die eine bauliche Sanierung mit einschließen. Die am weitesten verbreitete Variante ist das Energieliefer-Contracting.

Solarwärme für 5,5 ct/kWh

Die Firma enertracting (eine Ausgründung der Uni Kassel 2011) beispielsweise nutzt dieses Modell. Enertracting arbeitet mit einem reinen Arbeitspreis, in den auch die verbrauchsunabhängigen Kosten (Grundpreis) wie Investitionen und Wartung der Anlage einbezogen sind; die verbrauchsabhängigen Kosten sind gering, da die Sonne ja keine Rechnung für die Rohstoffkosten schickt. Seit April 2013 erproben enertracting bzw. FSAVE Solartechnik GmbH (Geschäftsführer und Anschrift beider Unternehmen sind identisch) gemeinsam mit der E.ON Mitte AG den Einsatz von Solarthermie und Wärme aus Biomasse zur Erdgasvorwärmung in einer Gasdruckregelanlage: Die Anlage besteht aus 355 m² frei aufgestellten Flachkollektoren von Wagner und 25 m³ Puffer-Speicher, der aus einem Seecontainer konstruiert ist – eine Spezialität der FSAVE Solartechnik. Die E.ON Mitte AG zahlt dabei nur für die tatsächliche gelieferte Wärme und der Preis ist vertraglich an den Gaspreis gekoppelt. Die Kilowattstunde Wärme kostet den Contracting-Nehmer derzeit 5,5 ct/KWh (Stand 2013/14)! Bei der Wärmeabnahme hat Solarwärme hat Priorität, der Rest ist Abwärme aus einer Biogasanlage.

Solarthermie heizt Erdgas ein

Die Solarwärme trägt mit einer solaren Deckungsrate von etwa 15 % zum Prozesswärmebedarf von 1,5 Mio kWh/Jahr bei . In der Gasdruckregelanlage wird Erdgas, das dort mit hohem Druck aus dem Ferntransportnetz ankommt, auf den Druck des lokalen Verteilungsnetzes reduziert. Beim Entspannen des Gases kühlt dieses sich stark ab (wir erinnern uns an die Wärmepumpe“ href=“https://blog.paradigma.de/heizen-mit-der-warmepumpe/“>Funktionsweise der Wärmepumpe) – so stark, dass es einfrieren würde, wenn man es nicht erwärmt. Und so stützt Solarthermie den Bereitstellungsprozess für einen fossilen Energieträger. Wenn’s gut läuft, macht die Solarthermie selber irgendwann diesen Anwendungszweck überflüssig – oder?

Wir möchten in Zukunft noch mehr solcher Contracting Modelle vorstellen. Falls ihr Anlagentipps habt, einfach im Kommentarfeld posten. Uns würden vor allem Firmen, die die Projektierung dieser Contracting Projekte anbieten, interessieren.

Quellen und Links:

Foto: FSAVE Solartechnik GmbH, Kollektorfeld der Anlage in Großsseelheim, Erdgasvorwärmung in einer Gasdruckregelanlage

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