Solarthermie in Gebrauch kaufen – was ist beim Hauskauf mit Solarheizung zu beachten?

Haus mit Solarthermie kaufen

Auf der Suche nach einem neuen Zuhause begegne ich immer häufiger Immobilien, die auch mit solarer Wärme beheizt werden. Da stellt sich mir die Frage: Worauf muss ich eigentlich achten, wenn ich mir ein Haus kaufe, das bereits eine Solarthermie-Anlage hat? Hat jemand von euch Erfahrungen damit? Dann her damit: Sharing is caring! Ich habe hier mal zusammengetragen, was mir wichtig erscheint. Wer etwas zu ergänzen hat, melde sich bitte!

Auf eine Solarthermie-Anlage, die vom Eigentümer auf einem Haus installiert und betrieben wurde, das er jetzt zum Kauf anbietet, treffen zwei Attribute zu: Einerseits handelt es sich um eine gebrauchte Solarthermie-Anlage. Andererseits um eine, die noch läuft, also noch in Betrieb beziehungsweise in Gebrauch ist.

In Gebrauch ist nicht gleich gebraucht

Auch auf die Gefahr hin, als Erbsenzählerin abgestempelt zu werden, wobei … Ach, egal: Es gibt einen feinen Unterscheid zwischen einer Solarthermie-Anlage in Gebrauch und einer, die man gebraucht kauft. Während eine gebrauchte Anlage anderswo in Gebrauch, also auf ein anderes Haus und dessen Heizungsanlage bestenfalls optimal zugeschnitten im Einsatz war, ist eine Solarthermie-Anlage in Gebrauch nicht abmontiert und wieder eingepackt, sondern noch an ihrem Platz. Mit dem Immobilienverkauf wechselt zwar der Besitzer derselben, aber nicht der Sitz der Anlage. Man könnte auch sagen: Eine gebraucht gekaufte Solarthermie-Anlage fürs eigene Dach ist eine Secondhouse-Anlage, eine, die ich mit dem neuen Haus kaufe, eine Secondhand-Anlage.

Kriterien für den Kauf eines Hauses mit Solarthermie-Anlage

Damit gilt für den Haus-mit-Solarthermie-Kauf zum einen, was für sämtliche Gebrauchsgegenstände gilt, die man gebraucht kaufen möchte. Zum anderen gelten spezifische Kriterien.

Allgemeine Kaufkriterien

Zu den Kriterien, die beim Kauf eines neuen Zuhauses mit solarer Heizung beachtet werden sollten, zählen sicher die folgenden Punkte. Ich habe jeweils dazu notiert, welche Fragen dem Voreigentümer von Haus und Solaranlage zu stellen wären:

  • Kenntnis des Fabrikats der Solaranlage (Hersteller, Typbezeichnung)

Wie heißt der Hersteller der Solarthermie-Anlage? Gibt es Kontaktdaten? Wie lautet die Typenbezeichnung?

  • Kenntnis der Betriebsgeschichte der Anlage

Wann wurde die Anlage installiert? Wer hat die Montage der Anlage ausgeführt und wer hat sie in Betrieb genommen? Gab es dabei Besonderheiten, Abweichungen vom ursprünglichen Plan? Falls ja, warum wurde anders entschieden?

  • Kenntnis über Art und Weise der Wartung und Inspektion der Anlage

Gibt es einen Wartungsvertrag? Mit wem wurde er abgeschlossen? Wurde die Anlage planmäßig gewartet? Falls nicht: warum nicht? Wie oft und in welchem Wartungsintervall fand die Wartung statt? Gab es dabei Auffälligkeiten? Wenn ja, welche?

  • Kenntnis der Heizungsanlage als Ganzes und der Rolle der Solarheizung darin

Welche Heizungsanlage ist in der Immobilie installiert? Welche Komponenten gehören dazu? Wie alt ist die Bestandsheizung, wie alt sind ihre einzelnen Komponenten? Welche Rolle spielt die Solarthermie-Anlage (primärer oder sekundärer Wärmeerzeuger, Warmwasser- und Heizwärmeerzeuger oder nur Warmwasserbereitung)?

Spezielle Kaufkriterien

Solar-Anlagen unterscheiden sich in Aufbau und Funktionsweise. Daher sollte man spezifische Kenntnisse zur mitgekauften Solarheizung einholen. Dazu zählen:

  • Kollektortyp (Es gibt unterschiedliche Kollektortypen mit unterschiedlichem Aufbau, unterschiedlicher Funktionsweise – und daraus resultierend auch unterschiedlicher Leistung. Zum Vergleich von Kollektoren geht’s hier lang.)
  • Art des Solarwärmeüberträgers (Wasser, Wasser-Frostschutzmittel-Gemisch, Luft)
  • Leistungsdaten wie Ertragszahlen (möglichst im Vergleich über mehrere Heizperioden hinweg)
  • typische Verbrauchswerte, die der Spezifik des Haushalts (Wärmebedarf, Personenzahl) geschuldet waren

Gründe des Alteigentümers für Entscheidung pro Solarheizung

Nicht zuletzt sollte man als Kaufinteressent unbedingt nach den Motiven, also den Beweggründen seitens des Vorbesitzers fragen, die ihn einst zur Installation der Anlage geführt hatten. Eine aktuelle Einschätzung der Lage, insbesondere dahingehend, ob die einstigen mit der Installation der Anlage verbundenen Erwartungen in Bezug auf

  • Bedienung
  • und Energieeinsparung

im Laufe der Betriebszeit erfüllt wurden, hilft, die Anlage als Teil des zu erwerbenden Hauses zu verstehen und zu schätzen.

Nachweise zu Anschaffungs- und Installations-/Wartungskosten

Selbstverständlich sollte man sich Rechnungen beziehungsweise Verträge über die Anschaffung, Montage, Wartung & Co. zeigen lassen, um den Mehrwert, den die Solaranlage der Wunschimmobilie beschert, realistisch bewerten zu können.

Tipps zum Kauf eines Hauses mit Solarheizungsanlage

Der Schritt vom Mieter zum Eigentümer ist ein Wagnis. Es geht meist um viel Geld und fast immer um noch viel mehr Träume. Daher sollte man die Wunschimmobilie gut kennen, sowohl ihre Vor- als auch ihre Nachteile. Wer sich mit dem Thema Heizung nicht gut auskennt, sollte sich deshalb ruhig einen Fachmann zur Vor-Ort-Beschau mitnehmen. Das kann ein unabhängiger Sachverständiger sein oder ein örtlich ansässiger Solarheizungsbauer. Auch ein Gespräch mit dem für die Montage, Inbetriebnahme und Wartung der Anlage zuständigen Fachbetrieb hilft, die Anlage und ihre Eigenheiten kennen zu lernen und zu verstehen. Und keine Sorge: Da die Anlage bestenfalls bereits bezahlt ist, sollte das ein echtes Fachgespräch werden und kein Werbe-Verkaufsgespräch! 🙂 Wer mag, kann auch Kontakt zum Hersteller der Anlage aufnehmen, um sich dort beziehungsweise über dessen regionale Vertreter Wissen einzuholen.

Gut zu wissen: Ein Wartungsvertrag ist immer an eine Person gekoppelt. Er hat eine übliche Laufzeit und Kündigungsfrist, ähnlich wie ein Handyvertrag. Der Hausverkäufer muss den Wartungsvertrag demnach rechtzeitig kündigen. Es steht Verkäufer und Käufer natürlich frei, den Vertrag einfach mit Zustimmung des Vertragspartners umzuschreiben. Das ist wohl auch die gängige Lösung. Der Käufer muss selbstverständlich keinen neuen Wartungsvertrag abschließen, kann den Hersteller/Installateur dann aber im Schadensfall nach der gesetzlichen Frist auch nicht haftbar machen. Er kann den Wartungsvertrag auch mit einem anderem Fachbetrieb abschließen als der Vorbesitzer. Doch das ist wohl eher die Ausnahme. Bei manchen Herstellern besteht zudem die Möglichkeit, dass Hausbesitzer auch direkt mit mit dem Hersteller anstelle eines Fachbetriebs einen Wartungsvertrag abschließen können. Dann kommt der Werkskundendienst und wartet die Solar- und gegebenenfalls Heizungsanlagen.

Wer hat schon ein Haus mit Solarheizung gekauft?

An dieser Stelle frage ich mal laut in die Runde: Gibt es unter euch den einen oder anderen Käufer einer Immobilie mit Solarthermie-Anlage? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Worauf sollten Käufer eines Hauses mit Solarthermie achten? Ich freue mich auf euren Input! Bitte gerne hier unten als Kommentar hinterlassen – sonniges 🙂 Danke!

Titelfoto: satzzeichen / photocase

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Ein Kommentar zu “Solarthermie in Gebrauch kaufen – was ist beim Hauskauf mit Solarheizung zu beachten?”

  1. Mirko

    Wäre denn auch der Kauf eines “gebrauchten” Hauses ohne Solarthermie-Anlage denkbar, welches noch nachgerüstet werden kann? Der Vorteil wäre der, dass die Anlage dem neuesten Stand der Technik entspricht und nicht dem von vor X Jahren.

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