Bau eines Sonnenhauses, Teil 1: Von der Planung bis zum Rohbau

Mitte Juli bekam Ecoquent Positions Post:

“Hallo Ecoquent-Team, 

Inhaltsverzeichnis

ich habe ein nahezu autarkes, voll ökologisches Sonnenhaus geplant und bin dabei, es in die Tat umzusetzen (Spatenstich 20.7.2016). Beheizt wird es über 20 Quadratmeter Aqua-Plasma-Kollektoren und einen wasserführenden Holzofen (solare Deckung mehr als 65 Prozent – rechnerisch). Der Rest des Daches wird mit einer 6-kWp-Photovoltaik-Anlage belegt und der Solarstrom wird in einem 40 kWh-Bleigelakku gespeichert (Autarkiegrad höher als 85 Prozent). Es handelt sich um ein fast ausschließlich mit regionalen Baustoffen wie Holz, Hanf und Lehm geplantes Gebäude, um Umwelt- und Gesundheitsschäden möglichst gering zu halten. Daher auch die Paradigma-Anlage auf Wasserbasis! [Für alle Leser: Paradigma ist Teil der Ritter Gruppe, die auch hinter unserem Blog steht. – Anmerkung der Redaktion] Es wird auf Passivhausniveau gedämmt und hat einen Heizwärmebedarf von 14,6 kWh/m²a sowie einen Primärenergiebedarf von 4,2 kWh/m² a, das sind 6 Prozent! des Referenzgebäudes nach EnEV 2014 und mehr als 90 Prozent weniger als ein Passivhaus. Bauort ist 95126 Schwarzenbach in ‘bayrisch Sibirien’. Wenn Ihr Interesse habt, darüber zu schreiben, kann ich Euch gerne mehr Infos zukommen lassen.

Euer Andreas Link.”

Und ob wir Interesse haben! Wann bekommen wir Blogger schon mal die Gelegenheit, von Anfang an dabei zu sein und ein solches Sonnenhaus-Bauprojekt zu begleiten und seinen Fortschritt hier auf dem Blog zu dokumentieren? Eben!

Und deshalb starten wir hier eine kleine Serie zum Bau des Sonnenhauses von und mit Andreas Link, dem wir schon vorab herzlich für seine Mühe danken, uns über sein Vorhaben auf dem Laufenden zu halten. Im folgenden Interview stellt sich der Bauherr vor, erklärt uns, was ihn zum Bau des Sonnenhauses bewog, und zeigt die wichtigsten Eckpunkte des Projektes auf.

Diese Bauwerbetafel zum Sonnenhaus-Bauprojekt von Andreas Link, erstellt von seinem Bruder, zeigt die wichtigen Eckpunkte des Bauvorhabens auf. Grafik: Link

Diese Bauwerbetafel zum Sonnenhaus-Bauprojekt von Andreas Link, erstellt von seinem Bruder, zeigt die wichtigen Eckpunkte des Bauvorhabens auf. Grafik: Link

Andreas Link, Sie haben vor, ein Sonnenhaus zu bauen – und wollen uns an dessen Bau teilhaben lassen. Vielen Dank schon mal dafür! Erzählen Sie bitte ein bisschen über sich und Ihr Vorhaben!

Mein Name ist Andreas Link, ich bin 33 Jahre alt und habe Geographie auf Diplom studiert. Ein großes Anliegen war und ist mir, naturverträglich zu leben und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen – ein Ausdruck den ich dann aber erst während des Studiums kennenlernte. Durch diverse Nebenfächer wie Regenerative Energie, Umweltgeowissenschaften und ähnliche bin ich während des Studiums tiefer in die Erneuerbaren Energien eingestiegen. Nach dem Abschluss bereiste ich ein bisschen die Welt und habe mich vor allem mit Holz und Wald beschäftigt – und nebenher die Entwicklungen in der Solarbranche verfolgt.

Seit circa 12 Jahren besitzen meine Eltern das Nachbargrundstück neben unserer gemieteten Doppelhaushälfte. Früher lebten wir dort zu fünft und nun ist meine Mutter die alleinige dauerhafte Mieterin, so kam des Öfteren die Idee vom eigenen kleinen Häuschen nebenan ins Gespräch, bis es dann irgendwann hieß: Warum haben wir nicht längst gebaut? (lacht) Gefragt, getan …

Ich wohne zurzeit auch wieder bei meiner Mutter, so komme ich morgens immer pünktlich zur Arbeit auf die Baustelle (lacht).

Über knapp anderthalb Jahre hinweg habe ich mich dann mit der Planung des Hauses beschäftigt. Sicher war: Ein Holzhaus muss es sein! Früh kam das Thema Solarthermie auf und Stück für Stück stieg der solare Deckungsgrad der Anlage an, bis wir schließlich beim echten Sonnenhaus landeten. Doch das reichte nicht. Schlussendlich sind wir äußerlich bei einem ganz normalen Haus angekommen – mit einem leicht asymmetrischen Dach von einmal 35 und einmal 50 Grad Neigung, um die tief stehende Wintersonne besser nutzen zu können. Innerlich jedoch entpuppt es sich als echtes Sonnenhaus und ist zudem noch nahezu energieautark. Und das auch noch in fast ausschließlich ökologischer Bauweise mit Materialien, die vor Ort verfügbar sind.

Selbst gemachte Lehmziegel für das Sonnenhaus

Hier sieht man die hausgemachten Lehnziegel, die mit Lehm aus der nahe gelegenen Grube handgemacht wurden und in der Sonne zum Trocknen liegen. Foto: A. Link

Wann genau starteten Sie das Sonnenhaus-Projekt?

Ich begann im Herbst 2014 mit der Planung, seit Ende April diesen Jahres habe wir circa 3.200 Lehmsteine hergestellt und das Grundstück für den Bau vorbereitet. Im Juli kam die Bodenplatte und seit Anfang August steht nun der Holzrahmen(roh)bau. Es folgen die Dämmung und das Ausfachen der Wände. Grob wie ein Haus soll es gegen Ende des Jahres aussehen …

Welche Erwartungen haben Sie an Ihr Sonnenhaus?

Meine Erwartungen an das Sonnenhaus sind vorrangig ein möglichst einfacher Betrieb mit hohem Wohnkomfort inklusive dem guten Gefühl, keinen „Dreck“ zu machen – und nebenher auch noch die laufenden Kosten auf ein Minimum zu beschränken. Da es das Haus für meine Mutter ist, hoffe ich, dass sie dadurch ihre Rente in Ruhe genießen kann, ohne sich über irgendwelche Finanzen Sorgen machen zu müssen.

Welche “Vorarbeiten” waren nötig, um den 1. Spatenstich zu vollziehen?

Da wir bereits ein Grundstück hatten, war hier die Frage nur noch, wie wir die Sonne optimal nutzen können. Unser Grundstück ist 55 Grad gegen Westen geneigt, daher startete ich früh den Versuch, eine Drehung des Hauses nach Süden zu erreichen – scheiterte jedoch am Landratsamt. Leider schreibt sich jeder Klimaschutz auf die Fahne, aber effektiv etwas zu unternehmen – das trauen sich dann doch die Wenigsten. Auch wenn das bedeutet, ein leicht schief stehendes Wohnhaus in einem Wohngebiet mit sechs Häusern ohne Bebauungsplan zuzulassen. Wir sahen es als Chance, um zu zeigen, dass es trotzdem machbar ist.

Wir mussten zwei große Birken fällen, da diese genau im Einfallswinkel der Sonne standen. Die gefällten Bäume liefern etwa 10 Ster Brennholz und somit die Zusatzenergie für die nächsten 4 bis 5 Jahre, welche wir dann über den wassergeführten Kaminofen nutzen können.

Wie eingangs bereits gesagt: Von Anfang an stand fest, dass es ein Holzhaus werden soll. Klar war auch, dass ich sehr viel selbst machen werde, zum einen aus Kostengründen und zum anderen, weil ich es will. Ich habe tage- und nächtelang am Computer gesessen und Pläne gezeichnet, Baumaterialien studiert und mich in Konstruktionen eingelesen.

Auch wenn Sie viele Arbeiten selbst ausführen, mitunter braucht man ja doch handwerkliche Unterstützung. Wie findet man Handwerker, die einen bei einem solchen Vorhaben unterstützen? 

Als die ersten Entwürfe feststanden, machte ich mich auf die Suche nach einem Zimmerer. Es stellte sich aber schnell heraus, dass nicht jeder Betrieb mit so vielen eigenen Ideen klar kommt. Und so verabschiedeten sich einige Betriebe von selbst aus dem Rennen um den Zuschlag. Schließlich fanden wir einen Betrieb, der sich für unser Vorhaben begeistern konnte, obwohl sie anfangs – so denke ich heute . nicht wussten, auf was genau sie sich da einließen. Unzählige Mails wurden hin und hergeschickt, Baumaterialien immer weiter abgespeckt, die Dämmung erhöht sowie die Energieautarkie mit eingeplant. Am Ende blieben Holz, Hanf und Lehm als hauptsächliche Materialien übrig und die Aussicht auf unendlich viel Arbeit. (lacht)

Beim Spatenstich weiß man ja schon, wie das Haus einmal ausschauen wird: Was können Sie uns bereits verraten?

Optisch wird das Sonnenhaus, abgesehen von den Fenstern, wegen der unbehandelten Boden-Decken-Schalung von einer Scheune nicht zu unterscheiden sein. Das asymmetrische Dach fällt auch fast nicht auf, die Kollektorseite ist mit 50 Grad Neigung etwas steiler gewählt, um länger in den Winter hinein Solarerträge genießen zu können.

Im Inneren steckt jedoch etwas ganz anderes: Errichtet wird es als Wohnhaus mit zwei abgeschlossenen Wohneinheiten mit circa 160 Quadratmeter Wohnfläche. Das Gebäude vereint verschiedene Baustandards in sich, zum einen ist es ein „KfW 40 Plus Haus“, zum anderen ein „Sonnenhaus autark“ nach dem Sonnenhaus Institut und, bezogen auf die Dämmung,  ein Passivhaus (1,5-Liter Haus). Das bedeutet, wir haben rechnerisch einen spezifischen Heizwärmebedarf von 14,2 kWh/m² und Jahr. Unsere solare Deckung liegt bei ca. 70 Prozent, die Zusatzheizung übernimmt ein wassergeführter Holzofen mit sehr niedriger Strahlungsleistung. Der Stromverbrauch soll bei vier Personen 2.000 kWh pro Jahr nicht überschreiten. Eine 6-kWp-Photovoltaik-Anlage mit einem 41-kWh-Bleispeicher sichert circa 85 Prozent des Gesamtstromverbrauchs, Vorbereitungen für ein Elektroauto sind auch geplant. Die verwendete Technik ermöglicht uns einen Primärenergiebedarf von 4,2 kWh/m² a, das sind gerademal 6 Prozent vom Referenzgebäude!

Sie sprachen von heimischen Baumaterialien – was hat es damit auf sich?

Die verwendeten Baumaterialien kommen fast ausschließlich aus unserer Umgebung. Das Holz für den Holzrahmenbau sowie die Verschalung und den Ausbau ist alles heimisch. Die circa 70 Tonnen Lehm stammen aus einer nahegelegenen Grube und werden von uns zu Lehmsteinen, getrocknet an der Sonne, Lehmdeckenschüttung und Lehmputz verarbeitet. Die Dämmung erfolgt über insgesamt 128 Quadratmeter unbehandelten Stopfhanf an Wand (40 cm) und Dach (44 cm) sowie 40 cm Schaumglasschotter unter der Bodenplatte.

Paradigma-Pufferspeicher fürs Bauprojekt Sonnenhaus von Andreas Link

Der Pufferspeicher aus dem Hause Paradigma soll künftig die Sonnenwärme aus den Solarkollektoren zwischenlagern. Foto: A. Link

Beschreiben Sie uns bitte auch die Heizungsanlage näher!

Beheizt wird das Gebäude durch vier Aqua-Plasma-Kollektoren mit insgesamt 20 Quadratmeter Kollektorfläche. Die Pufferspeicher haben ein Speichervolumen von 2.000 Litern (Expresso 1000 und PS Plus 1000). Die Zusatzheizung übernimmt ein Kaminofen mit Wasserführung. Die Wärmeübertragung erfolgt ausschließlich über flächige Wandheizungen, die in die massiven Lehmwände eingesetzt werden. Als Besonderheit haben wir „Heizschlangen“ unter der Bodenplatte verlegt und nutzen diese im Sommer zur Kühlung des Gebäudes. Angeschlossen an den Heizkreisverteiler und kombiniert mit der großen Wärme(Kälte)speicherkapazität der Lehmwände ist das die wartungsfreiste, unauffälligste und kostengünstigste Form einer Klimaanlage.

Die Dachkonstruktion vor der Eindeckung und Montage der Kollektoren. Foto: A. Link

Die Dachkonstruktion vor der Eindeckung und Montage der Kollektoren. Foto: A. Link

Was ist der aktuelle Stand des Projekts?

Momentan steht der Rohbau und das Dach ist bereits eingedeckt. Aktuell dämmen wir das Dach und beginnen demnächst mit der Außenwand. In dieser Woche werden die Fenster eingebaut und der Heizungsbauer wird gegen Ende der Woche auf die Baustelle kommen und die Montage der Paradigma-Aqua-Plasma Kollektoren sowie der Pufferspeicher vornehmen.

Die Solarthermie-Kollektoren von Paradigma sind auf dem Sonnenhaus von Andreas Link dieser Tage installiert worden. Foto: A. Link

Die Solarthermie-Kollektoren von Paradigma sind auf dem Sonnenhaus von Andreas Link dieser Tage installiert worden. Foto: A. Link

Wow! Wir sind begeistert! Und danken Ihnen noch einmal recht herzlich, dass Sie sich bei all der Arbeit am Sonnenhaus auch noch die Zeit für diese Dokumentation nehmen. Möge das Beispiel Schule machen!

Fotos: Andreas Link

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:

  • Passivhaus und Solarthermie – eine gute Ergänzung?
  • teilsolares Heizen mit der Sonne
    Teilsolare Heizung: Wie geht das?
  • Familie möchte Haus modernisieren
    Welche Kombinationsmöglichkeiten für Solarthermie gibt es?
  • Armin Staudigl
    Armin Staudigl: Ökologisch macht ein Sonnenhaus immer Sinn
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