Viele bunte Fakten aus der Solarthermie-Roadmap 2025 für Österreich

Solarthermie Roadmap

Die Roadmap „Solarthermie 2025“ für Österreich, die ich Wärmewende gehen könnte – doch keinen schert‘s“ href=“https://blog.paradigma.de/oesterreich-die-presse-schreibt-wie-waermewende-gehen-koennte-doch-keinen-scherts/“>hier bereits vorgestellt habe, umfasst eine Menge spannender Fakten zum weltweiten Solarthermie-Markt sowie zum österreichischen. Letztere sind besonders aufschlussreich, geben sie doch Auskunft über den Status Quo von Solarthermie in Österreich. Da die Roadmap bislang wenig Aufmerksamkeit findet – zu Unrecht wie ich meine – will ich hier die spannendsten Fakten vorstellen.

In der Roadmap heißt es zur österreichischen Solarthermie, dass in der folgenden Abbildung „die lange Solarwärmetradition in Österreich“ deutlich erkennbar sei, „ … denn mit 3,3 GWth rangiert Österreich vor Ländern mit wesentlich günstigeren klimatischen Rahmenbedingungen und höherer Population auf Platz acht. Aus dem europäischen Blickwinkel betrachtet, sind hinsichtlich der eingesetzten Kollektortechnik und der Industriekompetenzen aktuell speziell Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren relevant, weshalb in den nachfolgenden Betrachtungen ausschließlich diese Kollektortypen angeführt werden“.

Länderspezifischer Einsatz wassergeführter Kollektoren - Österreich Platz 8

Die nächste Abbildung bezieht die installierte Leistung Österreichs auf die Zahl seiner Einwohner (Leistung pro 1.000 Einwohner). Daraus ergibt sich die tatsächliche solare Marktdurchdringung für das Land.

Leistung bezogen auf Einwohnerzahl

„Mit Stand Ende 2011 weisen Zypern (541,2 kWth) und Israel (396,6 kWth) hier die höchste Solaranlagendichte (installierte Leistung je 1.000 Einwohner) auf“, schreiben die Autoren der Roadmap, Christian Fink und Dieter Preiß vom AEE – Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf, „sind aber im Vergleich mit beispielsweise mitteleuropäischen Ländern klimatisch deutlich begünstigt. Bereits an 3. Stelle folgt Österreich mit 355,7 kWth pro 1.000 EinwohnerInnen. China liegt bei dieser Betrachtung mit 113,8 kWth auf Platz 8, Deutschland mit 126,2 kWth auf Platz 7.“

Der bunte Kringel im Folgenden zeigt, wie viel der 2,4 GWth Solarwärmeleistung Europas im Jahr 2012 in den einzelnen europäischen Ländern installiert wurden. Die Leistung entspricht den Autoren zufolge einer neu installierten Kollektorfläche von 3,4 Mio m². Rund 34 Prozent dieser Fläche seien in Deutschland installiert worden. Mit rund 10 Prozent Marktanteil im Jahr 2012 folgt Italien vor Polen mit 9 Prozent, Frankreich, Griechenland, Spanien mit jeweils 7 Prozent und Österreich mit 6 Prozent:

Aufteilung der 2012 installierten Flach- und Vakuumröhrenkollektoren nach Ländern (Estif 2013)

Weiter heißt es in der Roadmap, dass „die gesamte installierte Kollektorfläche (Flach- und Vakuumröhrenkollektoren) … Ende 2012 in Europa (EU 27 zuzüglich die Schweiz) 40,5 Mio m² oder in thermischer Leistung ausgedrückt 28,3 GWth (ESTIF, 2013a)“ betrug. Knapp 40 Prozent dieser Leistung seien demnach in Deutschland installiert, rund 10 Prozent davon jeweils in Griechenland und Österreich. Das bedeute, dass Österreich hinsichtlich der insgesamt installierten thermischen Leistung noch vor großen europäischen Ländern wie Italien (8,4 Prozent) und Spanien (8,3 Prozent) liege. Beziehe man die installierte Leistung auf die Einwohnerzahl (Leistung pro 1.000 EinwohnerInnen), liege Österreich hinter Zypern an zweiter Stelle und damit noch vor Griechenland und deutlich vor Deutschland und Dänemark. Mit rund 0,6 m² Kollektorfläche pro EinwohnerIn liege Österreich außerdem deutlich über dem Durchschnitt der EU-Länder (EU 27 und der Schweiz), der bei rund 0,08 m² pro Kopf liege.

Österreich könne den Autoren der Roadmap zufolge im Bereich der Solarwärmenutzung auf eine über 30 Jahre lange und sehr erfolgreiche Historie verweisen. Insgesamt waren demnach mit Ende 2012 knapp fünf Millionen Quadratmeter Kollektorfläche (genau 4.929.657 m²) installiert, was pro österreichischem Kopf einer Kollektorfläche von 0,6 m² entspreche.

In thermischer Leistung stehe diese Kollektorfläche für 3,5 GW. Daraus resultiere ein solarer Deckungsgrad am österreichischen Niedertemperaturwärmebedarf (bis 250 Grad Celsius), der im Jahr 2011 120,1 TWh betrug, von 1,7 Prozent.

Dabei setze sich die bis Ende 2012 installierte Fläche aus

  • 558.601 m² unabgedeckten Absorbermatten (überwiegend zur Schwimmbaderwärmung eingesetzt),
  • 4.289.605 m² abgedeckten Flachkollektoren,
  • 79.542 m² Vakuumröhrenkollektoren
  • sowie 1.908 m² Luftkollektoren

zusammen. Das folgende Balkendiagramm zeigt die jährlich installierten Kollektorflächen/Kollektorleistungen der jeweiligen Produktkategorien.

Entwicklung jährlich neu installierte Kollektorfläche Österreich

Dazu schreiben Fink und Preiß: „Spielten Ende der 80er und Anfang der 90er unabgedeckte Schwimmbadabsorber eine zentrale Rolle (bis zu 60 Prozent Marktanteil), so betrug der Anteil an der im Jahr 2012 insgesamt installierten thermischen Leistung (146,8 MWth entsprechen 209.630 m²) nur mehr rund 1,1 Prozent. Luftkollektoren besetzen mit 0,4 Prozent Anteil an der im Jahr 2012 installierten thermischen Leistung einen definitiven Nischenmarkt (insbesondere im Bereich Trocknung von landwirtschaftlichen Produkten). Den Hauptanteil nehmen Flachkollektoren (96 Prozent) und Vakuumröhrenkollektoren (2,7 Prozent) in verschiedenen Anwendungsbereichen ein.“

Darüberhinaus weisen die Roadmap-Autoren darauf hin, dass aus dem Diagramm „deutlich“ hervorgehe, „dass der von 2004 bis 2008 durch dynamisches Wachstum gekennzeichnete Markt (durchschnittliche Steigerungsraten pro Jahr von knapp 20 Prozent) sich seit nunmehr drei Jahren in ähnlicher Dynamik rückläufig entwickelt„. Dies hätte demnach zur Folge gehabt, „dass das durchschnittliche jährliche Marktwachstum in Österreich für die letzte Dekade nur mehr 2 Prozent betrug“.

Die gesamte Branche stehe nach Fink und Preiß wegen „geänderter Rahmenbedingungen im Energiebereich und mehr Wettbewerb unter den erneuerbaren Energieträgern unter gehörigem wirtschaftlichen Druck“. Ersten Verkaufszahlenerhebungen von Austria Solar zur Folge werde sich, so das Autorenduo weiter, „die rückläufige Marktentwicklung auch 2013 fortsetzen (Austria Solar, 2014)“.

Die aktuelle Marktsituation in den einzelnen Bundesländern Österreichs spiegele sich demnach in der Verteilung der Kollektorfläche aus der letztverfügbaren Jahresstatistik (209.630 m² in 2012) wieder – wie die Grafik zeige:

Verteilung 2012 Kollektorfläche Österreich

Dabei entfalle ein Marktanteil von 27 Prozent auf Oberösterreich, 24 Prozent auf die Steiermark und 12 Prozent auf Niederösterreich. Den nach absoluten Zahlen geringsten aktuellen Solarwärmemarkt weisen Wien mit 1 Prozent und das Burgenland mit 2 Prozent auf.

Die Verteilung der insgesamt in Österreich installierten Flach- und Vakuumkollektorfläche beziehungsweise Wärmeleistung auf die Bundesländer zeigt die Roadmap mit den beiden folgenden Tortendiagrammen:

2012 Kumulierte Kollektorfläche Österreich

Links: Mit 25 Prozent an der insgesamt installierten Flach- und Vakuumröhrenkollektorleistung (3,1 GWth) liege Oberösterreich (765 MWth) demnach an erster Stelle, gefolgt von Niederösterreich mit 18,2 Prozent (557 MWth) und der Steiermark mit 16,5 Prozent (505 MWth).

Rechts: Das Tortendiagramm zeigt die in den Bundesländern installierte Flach- und Vakuumkollektorfläche bezogen auf die jeweilige Einwohnerzahl. In Bezug auf die Marktdurchdringung liegen zwei Bundesländer (Vorarlberg und Oberösterreich mit jeweils 0,78 m² pro Einwohner) vorne gleichauf. Danach folgen Tirol (0,72 m² pro Einwohner), Kärnten (0,69 m² pro Einwohner) und die Steiermark (0,6 m² pro Einwohner). Wien weise demnach mit 0,07 m² pro Einwohner mit Abstand die geringste Solaranlagendichte auf.

So. Damit habt Ihr eine ganze Menge aktueller Daten und Fakten zum Solarthermie-Markt Österreichs – und auch die eine oder andere Zahl zu Deutschland, Europa und der Welt. Demnächst kommen noch mehr Daten zur österreichischen Solarthermie bezogen auf die Anwendung. Wäre doch gelacht, wenn sich das Interesse an der Roadmap nicht wecken ließe …

Foto: griwaldia / photocase.de, 6 Grafiken (AEE)

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