Wärmedämmung lohnt sich, Wärmedämmung lohnt sich nicht, Wärmedämmung lohnt …

Während die Politik die Wärmedämmung von Gebäuden als zentralen Teil der Energiewende massiv fördert, gibt es immer wieder Kritiker, die der Wärmedämmung ihren Nutzen absprechen. In den Medien liest man nun von einer Studie, die besagen soll, Wärmedämmung rechne sich nicht. Kurz darauf widerspricht der Auftraggeber der Studie, die KfW, die übrigens viele Dämmmaßnahmen finanziert, Wärmedämmung lohne sich. Ja – was denn nun? Ich zahle seit Jahren für gedämmte Wände – und wüsste nun wirklich gerne mal, ob ich damit die Energiewende unterstütze oder nicht.

Wärmedämmung hausnah

Am 18.5.2008 kündigte meine Hausverwaltung in einem Brief an uns an, dass an der Hofseite des Hauses eine Fassadendämmung mit Thermohaut „Zerotherm WLG 040-10 cm“ und Kratzputz vorgenommen werde, so wie schon an der Nord-Ost-Seite des Gebäudes. Der darin geschriebene Satz, dass „der Aufwand für Energiekosten sich durch diese Maßnahme drastisch weiter reduzieren werde“, sollte uns wohl darüber hinwegtrösten, dass sich damit auch unsere monatliche Miete erhöhen werde. Drei Monate später, am 18.8.2008, war die Rückwand gedämmt und die Mieterhöhung fiel geringer aus, als zuvor geschätzt. Gut 18 Euro zahlen wir seitdem mehr für unsere 67,8 Quadratmeter. Übrigens stand in dem Schreiben „Maßnahmen zur Energie-Einsparung und Mietanpassung“ auch noch einmal die Aussage, dass sich der Aufwand für unsere Energiekosten durch diese Maßnahme noch weiter reduzieren werde. Das Adjektiv „drastisch“ tauchte allerdings nicht mehr auf. Dafür die Versicherung, dass wir „damit einen wesentlichen Beitrag zum gerade beschlossenen Klimaschutzpaket der Bundesregierung“ leisteten. Ja!

Im Spätsommer 2012 folgte die Dämmung des Dachstuhls mit „Mineralwolle Klemmfilz 200 mm WLG 035 gemäß Energieeinsparungsgesetz“. Das neu gedämmte Dach brachte uns einen Tag vor Fertigstellung nicht nur einen Schwelbrand, zu dessen Löschung Feuerwehr (drei Löschfahrzeuge) und Polizei (vier Einsatzwagen) anrückten, währenddessen wir alle das Haus verlassen mussten und uns zwei Stunden auf der Straße um unser Zuhause sorgten, sondern auch eine Mieterhöhung von fast 36 Euro.

Macht summa summarum 54 Euro Mehrkosten. Für Dämmmaßnahmen. Soweit so gut, der Vermieter handelte nach Vorschrift. Und ich wohne in der Annahme, etwas zur Energiewende beizutragen. Die Räume im rückwärtigen Teil des Hauses, Kinderzimmer, Küche, Bad, fühlen sich tatsächlich wärmer an, insbesondere die Außenwände. Heizen tun wir dort eh nie. Vom gedämmten Dach habe ich dagegen (noch) nichts gemerkt. Aber wir wohnen auch in Etage 1 von 4. Und unsere Heizkosten sind trotz gestiegener Preise für Heizmaterial in etwa gleich geblieben. Energetisch betrachtet also ein positiver Effekt, oder?

Wärmedämmung lohnt sich nicht?

Doch ich lese immer wieder Kritiken an der so hochgelobten Wärmedämmung.

  • Die Kritik, dass die dabei oft verwendeten Styroporplatten leicht Feuer fangen können, nun ja, die kann ich hausnah bestätigen und hoffe, dass das nicht der Regelfall ist.
  • Besorgniserregend ist auch das: Tests des Dahlberg-Instituts für Bauwerksdiagnostik in Wismar haben ergeben, dass sich auf 75 Prozent der wärmedämmenden Platten Algen und Pilze niederlassen. Gegen den unerwünschten Bewuchs werden deshalb Gifte in den Putz oder die Farbe gemischt, die teilweise wasserlöslich sind und sich somit auswaschen und schlussendlich im Grundwasser landen. Solche Algizide oder Biozide sind in der Landwirtschaft längst verboten, an Fassaden noch nicht.
  • Ungelöst ist bisher auch die Frage, wie man ausgediente Dämmplatten aus Polystyrol und Styropor entsorgt. Von Sondermüll ist hier die Rede, dessen Entsorgung auf den Schultern nachfolgender Generationen laste. Es wäre also wichtig sich auch über die Art des Dämmstoffes Gedanken zu machen. Es gibt ja schließlich auch ökologischere Varianten.
  • Dass Spechte sich in den leichten Dämmplatten schnell und gerne ein Nest bauen (Fassadenhacker), habe ich trotz Buntspechtfamilie im Hof bisher nicht beobachten können, allerdings klettern die Eichhörnchen neuerdings schnell mal die Wände hoch, um sich Nüsschen von den Fensterbrettern zu holen (Fassadenkletterer). Aber das nur nebenbei.

Und was ist mit der Hauptkritik, der zufolge die energetische Sanierung von Gebäuden nicht den von Politik und Umweltschützern heiß ersehnten Nutzen brächte? Immerhin ist die Wärmedämmung von Häusern zentraler Teil der deutschen Energiewende, in die die Regierung viele Fördergelder steckt. Das Ziel ist mit dem Klimaschutzkonzept schließlich gesetzt: Verglichen mit den Werten von 2008 soll der Wärmeverbrauch bis 2020 um ein Fünftel und der Primärenergiebedarf in Wohngebäuden bis 2050 sogar um vier Fünftel gesenkt werden.

Es macht mich mehr als nachdenklich, wenn sich die Experten darüber streiten, ob sich die Wärmedämmung überhaupt lohnt. Ich bin ehrlich gesagt sogar besorgt darüber. Denn es sind ja nicht nur meine 54 Euro im Monat (648 Euro im Jahr), die in die Wärmedämmung fließen. Meine Frage ist: Wurde die Wärmedämmung als energiewendige Maßnahme überschätzt? Und: Ist sie zu voreilig beschlossen worden? Vielleicht, um schnelles Wirtschaftswachstum zu bewirken? Man muss dazu wissen, dass die Investitionen, die auch die KfW über ihre Programme unterstützt, pro Jahr immerhin geschätzte Zwei- bis Dreihunderttausend neue Arbeitsplätze schaffen, vor allem im Bauhandwerk und Handwerk.

Große Zweifel an der Wärmedämmung und ihrer Ecoquenz wecken in mir Meldungen wie die: Gerade habe das Schweizer Beratungsunternehmen Prognos, beauftragt von der deutschen Förderbank KfW, eine Studie veröffentlicht, die unter anderem aussage, dass man 838 Milliarden Euro bräuchte, um das oben genannte Energiespar-Ziel der Bundesregierung zu erreichen. Gleichzeitig brächten die zugehörigen Maßnahmen „nur“ eine 370-Milliarden-Euro-Ersparnis an Energiekosten. Diese Meldung ging dann durch alle Medien und sorgte für Verunsicherung, auch meine.

Wärmedämmung lohnt sich?

Allerdings kritisiert inzwischen ausgerechnet der Auftraggeber der Studie, die KfW, die Ergebnisse der Forschungsarbeit von Prognos. Als Verbraucher verwirrt mich das ziemlich. Bloggerkollege Andreas Kühl hat sich des Themas angenommen und den Rechenfehler aufgedeckt. Es wurden anscheinend einfach die gesamten Sanierungskosten inklusive Heizung und sogenannter „Sowiesokosten“ den Einsparungen gegenübergestellt. Klassischer Fall von Äpfel vs. Birnen.

In der entsprechenden Pressemeldung heißt es:  „Die energieeffiziente Sanierung lohnt sich. Prognos zeigt: die Energiekostenersparnis finanziert die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben für eine Sanierung. Für die Wirtschaftlichkeitsanalyse energetischer Sanierungen zählen die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben im Vergleich zur Energiekostenersparnis.

Um die Energiewende zu schaffen, unterstützt die KfW in der Studie bis zum Jahr 2050 Gebäudesanierungen in Höhe von 507 Mrd. EUR (Gesamtinvestition). Die Energiekostenersparnis dieser Sanierungen (361 Mrd. EUR) finanziert die geschätzten, energieeffizienzbedingten Mehrausgaben (237 Mrd. EUR). Sie deckt darüber hinaus zu einem wesentlichen Teil die allgemeinen Renovierungskosten (Ohnehin-Kosten), die unabhängig von der Energieeffizienz einer Sanierung anfallen.

Mit Fördermitteln der KfW amortisiert sich eine Sanierung in der Regel deutlich früher als ohne, meist in weniger als 20 Jahren. Steigende Energiepreise werden die Attraktivität in Zukunft noch erhöhen.

Wärmedämmung lohnt sich demnach doch. Ich bin fürs Erste beruhigt und wünsche mir etwas mehr Sorgfalt in der Massenmedienberichterstattung. Wie soll man da als normaler Mensch sonst durchblicken? Die große Headline merken sich nämlich vermutlich viele, den Rechenfehler dagegen wohl kaum einer.

Foto: © April Cat – Fotolia.com

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10 Kommentare zu “Wärmedämmung lohnt sich, Wärmedämmung lohnt sich nicht, Wärmedämmung lohnt …”

    1. Doreen Brumme

      Ich frage mich bei solchen Verwirrspielen immer, warum Politik es offensichtlich nicht schafft, das beste Wissen der Wissenschaft zu nutzen, um Entscheidungen zu fällen, die nachhaltig von Nutzen sind: für das Land, die Wirtschaft, die Ökologie, den Verbraucher. Ich bin ja bereit, zu zahlen: für lohnenswerte Maßnahmen. Ich befürchte jedoch, dass die Politik so sehr verflochten ist mit der Wirtschaft, dass hier fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse mitunter derprofitorientierten Lobby-Arbeit einzelner Branchen/Unternehmen unterliegen. Ich weiß, dass Erkenntnis letztendlich nicht nur das Ergebnis sondern auch der Weg dorthin ist, ein schöpferischer Prozess eben. Doch dann muss man mit politisch einschneidenden Entscheidungen warten, bis sie Hand und Fuß haben. 800 Milliarden sind keine Peanuts!

  1. Andy

    Danke Cornelia für den Hinweis auf meinen Beitrag.

    Ich hatte das Gefühl da ist jemand den Beiträgen in den klassischen Medien, egal ob die Welt, SpOn oder eine der anderen, auf dem Leim gegangen. Denn es ging in der Prognos-Studie gar nicht um Wärmedämmung, allenfalls um komplette Sanierungen (inklusive der Heizungstechnik). Die Studie hat lediglich die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Sanierungen untersucht.

    Die großen Medien haben dann nur zwei Zahlen aus der Pressemeldung der KfW entnommen und festgestellt, dass die Ausgaben höher sind als die Ersparnis. Daraus haben sie dann die Schlußfolgerung gezogen, dass sich Wärmedämmung nicht lohnt. Häh? Es ging in der Studie um komplette Sanierungen, die Wärmedämmung ist nur ein Teil davon. Man hätte genauso gut sagen können, neue Heizungen lohnen sich nicht.

    Die genannten Kosten von 838 Milliarden Euro enthalten auch die ohnehin notwendigen Ausgabe für Sanierungen. Die rein energetisch bedingten Sanierungskosten betragen nur 270 Milliarden Euro und da sieht die Wirtschaftlichkeit der Sanierungen schon wieder ganz anders aus.

    Die Problematik der Wärmedämmung an sich ist bekannt und Fachleuten auch bewusst. Aber das Thema Brandschutz und den Algenwachstum kann man durch ordentliche Planung und geeignete Materialien in den Griff bekommen. Eine Lebensdauer von 20 oder 25 Jahren lese ich hier zum ersten Mal, was passiert dann nach der Zeit?

    Wir sollten aufpassen und Bautechnik, Heizung und erneuerbare Energien nicht gegeneinander ausspielen. Es werden künftig energieeffiziente Gebäude gebraucht, genauso wie erneuerbare Heizungstechnik. Bei Studien muss man immer genauer hinsehen, und vor allem was Medien dann daraus machen.

    1. Cornelia Daniel

      So, der Beitrag wurde nun um den Rechenfehler und ein paar anderen Dingen ergänzt! Das mit der Lebensdauer haben wir erstmal ganz rausgenommen. Da gibt’s wohl noch zu viele Uneinigkeiten was denn nun wirklich stimmt. Unsere Dämmung zu Hause haben wir glaub ich vor ziemlich genau 20 Jahren gemacht – mit Kork – sieht nicht so aus als würde sich das die nächsten 20 Jahre irgendwie noch verändern. Drüberpinseln sollte man halt mal, wir haben diese berühmten Punkte drauf.

  2. Doreen Brumme

    Ich stimme Dir zu, Andy, dass vielleicht die wenigsten Verbraucher, auch Journalisten, die Prognos-Studie wirklich gelesen haben oder lesen. Von Verstehen will ich hier noch nicht mal schreiben. Doch ich will das dem Verbraucher nicht vorwerfen. Auch wenn ich der meinung bin, dass ich als mündiger Bürger eine Holschuld bei Infos habe, weiß ich, dass vieel gar nicht wissen, wo glaubhafte Infos zu holen sind – beziehungsweise die Glaubwürdigkeit so mancher „Informanten“ fehleinschätzen. Als Verbraucher sehe ich die Journaille als Dienstleister, der mir die Infos serviert – in Häppchen, die ich verdauen kann. Eine Erwartung, die nicht immer und von jedem Medium erfüllt wird. Deshalb habe ich meine Verwirrung hier geschildert – wie ich sie als Verbaucher empfinde, der auf vielfältige Weise mit Wärmedämmung zu tun bekam. Wenn unsere gemeinsame Diskussion nun dazu beiträgt, dass mir (und vielleicht ein paar meiner Nachbarn) hier mehr Durchblick verschafft wird, ist das ein guter Dienst im Sinne der Energiewende, die mir sehr am Herzen liegt. Und wenn man den gestrigen Medienmeldungen Glauben schenken will, dann glauben die Deutschen ihren Nachbarn immerhin mehr als Kirchen, Gewerkschaften, Banken und Politikern … 😉

  3. Joachim Ollig

    Hallo Frau Brumme,
    Bei mir hinterlässt das genau das Gegenteil. Schöner Bericht, der alles einmal ‚richtig‘ beleuchtet. Nun, wir haben es hier mit der Politik zutun. Und dann wird’s eben mal wieder ganz anders … Meine Grundhaltung war immer, dass ich Energie einsparen möchte. Der Umwelt und der Kosten wegen! Nun, nach der neuen Studie, die ja wunderbar auch medial inszeniert und in die breite Gesellschaft eingebracht wurde – ist mal wieder der Gefühlszustand völlig aus dem Häuschen. Die gesamten Förderungen bilden meine Meinung nach nur ab: Industrie – und Produktionssubvention! Für den Mieter wie auch den Eigentümer ist das mal wieder mehr ein Blick in die (leere) Röhre. Denn bei den hohen Energiekosten, den hohen Produktionskosten kann es eben keinerlei Benefit für eben Mieter/Eigentümer geben. Bin nur mal gespannt, wie die KFW den Sprung übers Wasser hinbekommt und die eigens erstellte Studie kurzum wieder in die ‚Gefriertruhe‘ packt! Sicher wird die differenzierte Betrachtung zukünftig wieder das Vertrauen aufbessern. Daher ist derzeit Aufklärung angesagt!

    1. Andy

      Hallo Herr Ollig,
      dass sich energetische Sanierungen (Wärmedämmung ist nur ein Teil davon, neue Heizungen gehören genauso dazu) nicht rechnen, haben die Medien wie die Welt sich selber zusammen gereimt. Die Studie sagt etwas anderes, was jetzt auch hier enthalten ist. Die Meldung der KfW gibt das auch wieder, nur die Gegendarstellung in der Welt hat aber fast keiner mitbekommen. Daher gibt es überhaupt keinen Grund die Studie verschwinden zu lassen.

  4. Jörg Rudnik

    Natürlich lohnt sich Dämmung: Für die Chemie-Industrie und für die Handwerksbetriebe inklusive des grauen und schwarzen Arbeitsmarkts. Ob es sich für den Auftraggeber lohnt, muß jeder selbst ermitteln.
    Zur Dämmung im Miet- und Geschoßwohnungsbau kann ich nichts sagen, außer das Thema „Principal agent problem“ (Wikipedia) als Lesestoff zu empfehlen, weil genau dieses zwischen Vermieter/Eigentümer und Mieter besteht. Den englischen Text finde ich persönlich besser.
    Bevor ich etwas Ernsthaftes zur Situation beim privaten EFH-Besitzer (im Bestand) sagen möchte, schicke ich noch folgende wahre Begebenheit vorab: Ich hatte 3 Firmen um Angebote zur Dämmung unseres Hauses gebeten. Bei der Ortsbesichtigung machte ich jedem klar, daß ich eine abgeschlossene Ausbildung habe und jedes Angebot sowohl technisch wie auch kommerziell genau prüfen werde. Auf meine Frage, welche Dämmstärke wohl wahrscheinlich benötigt wird, antwortete einer mit der Gegenfrage, wieviel ich denn ausgeben möchte. Ich sagte: gar nichts, ich wollte eigentlich was sparen. Keine der Firmen hat sich je mit einem Angebot gemeldet, nicht mal unverbindlich. Ergo: Solche Kunden, die mit Dämmung tatsächlich Geld sparen wollen, sind wohl keine lohnende Kundschaft. Es ist eben immer leichter, das Geld anderer Leute auszugeben als sein eigenes.
    Jetzt aber ernsthaft: Die erste Frage ist doch, welches Ziel verfolge ich. Im Regelfall kann man mit einer Flinte nur auf einen Hasen zielen, d.h. wenn ich als Hausbesitzer tatsächlich Geld sparen will, dann kann ich nicht gleichzeitig Ziele der Wirtschaftspolitik , Umweltpolitik oder Religion mit den Umbaumaßnahmen am eigenen Haus verfolgen. Wer sich so etwas einreden läßt, hat schon verloren. Insofern interessieren mich auch keine gelben kWh oder grüne Primärenergie oder blaue Emmissionen, sondern nur die Euros die von meinem Konto abfließen, d.h. der Geldverbrauch und nicht der Energieverbrauch ist entscheidend. Wer genug Geld hat , soll sein Haus abreißen und ein neues Traumhaus bauen. Für viele einfache Leute ist dies jedoch keine Option. Wenn jemand also einen eigenen Wald vor der Tür hat, ist es egal wieviel kWh durch das Haus hindurchgehen ( verbraucht werden kann die Energie sowieso nicht ), solange das Holz billig ist, und ich werde denjenigen wegen seiner vernünftigen Verhaltensweise nicht verurteilen. Insofern sollte man wenigsten einige einfache finanzmathematische Berechnungen der einigen Geldströme anstellen, bevor man andere Firmen damit durchfüttert.
    Ich treffe mal einige einfache Annahmen für folgende Milchmädchenrechnung:
    Jahresverbrauch ( z.B. Öl ) : 3000 € , ( es ist egal ob dies 3000 Liter für 1 € sind oder 4000 Liter für 75 Cent , dies würde nur ablenken ) , die Heizung selbst funktioniert, aber ist abgeschrieben , irgendwann wird sie kaputtgehen. Es ist zwar finanzmathematisch nicht fair, gegen eine abgeschriebene Heizung anzutreten, aber das Leben ist nie fair.
    Bevor wir mögliche Investitionen durchrechnen, stellt sich noch die Frage nach dem Amortisationszeitraum. Laut deutscher Rechtsprechung muß man Zeiten über 10 Jahre für Energiesparmaßnahmen nicht hinnehmen (die meisten Firmen nehmen nicht mal das hin),anderseits akzeptiert das Finanzamt 20 Jahre für PV-Anlagen ohne Liebhaberei zu unterstellen, was man sonst immer gern tut. Jeder der älter als 45 Jahre ist wird aber kaum 30 Jahre als Amortisationszeit hinnehmen wollen oder gar 50 Jahre wie auf Gebäude. Also nehme ich mal 20 Jahre an, letztendlich muß dies jeder selbst entscheiden.
    Szenario 1:
    (Annahme:) Eine Dämmmaßnahme reduziert den Jahresverbrauch von 3000 € auf 2000 €. Dann stehen aus 20 Jahren ( ohne Zinseffekte ) 20*1000 € = 20 T€ zur Verfügung. Viel Spaß beim Einholen der Angebote.
    Szenario 2:
    (Annahme:) Die Dämmmaßnahme halbiert den Verbrauch auf 1500 €. Dann hätte man immerhin 30 T€ zur Verfügung , dafür sind 50% Reduktionsziel durch Dämmung auch sehr ambitioniert. Das lassen Sie sich besser schriftlich geben.
    Ich will aber gar nicht diskutieren, ob man dies erreichen kann. Mit Allem in Eigenleistung und Material zum Einkaufspreis mag das vielleicht sogar gehen. Das Problem ist ein ganz anderes: Eine Dämmung heizt kein Haus und macht kein warmes Wasser und das Problem der Skalierbarkeit technischer Systeme.
    Nehmen wir mal an, wir sind bei 1500 €/a nach den 30 T€ Investionenen. Wenn wir jetzt den Verbrauch mit einer neuen Heizung auf 750 € halbieren wollen, damit wir uns selbige leisten können , stehen uns nur noch 20*750 € = 15 T€ zur Verfügung. Für das Geld bekommt man zwar eine neue konventionelle Heizung auf Öl- oder Gasbasis , aber die halbiert auf keinen Fall den zukünftigen Geldverbrauch. Und bei neuartigen oder innovativen Heizsystemen kann man mit 15 T€ vielleicht gerade das Material bezahlen ohne jede Dienstleistung.
    Hätten wir die 30 T€ noch , könnte man evtl. mit 45 T€ direkt von 3000 € auf 750 € Jahresverbrauch gehen. Das ist schon wesentlich realistischer. Für 45 T€ kann man auch bei seriösen Anbietern umfangreiche Heizsysteme kaufen. Große Systeme sind auch wesentlich effektiver als kleine, sonst hätte jedes Dorf eine U-Bahn.
    Noch schlimmer würde es mit der Dämmung, wenn nach einigen Jahren die Heizkosten wieder gestiegen sind. Dann ist man 30 T€ ärmer und wieder bei 3000 €/a Heizkosten, da die Dämmung ja nicht heizt. Das ist ungefähr so, als wenn man dem Drogenabhängigen eine High-tech-Spritze verkauft. mit der er nur halbsoviel Stoff braucht und in paar Jahren ist der Stoff doppelt so teuer.
    Entzug geht nur ganz oder gar nicht. Also nehme man 20*3000 = 60 T€ und überlege sich, wie man diese so investiert, daß man für ca. 0 €/Jahr heizen kann. Ich schreibe ca 0€, weil der Staat sich immer Wege überlegen wird, wie er uns Geld abknöpfen kann, solange wir sein Territorium bewohnen oder benutzen. Die Luftsteuer zum Atmen wird kommen, egal ob auf CO2-Basis und O2-Basis. Regenwasserabgaben gibt es schon und die Sonnensteuer wird gerade gemacht.
    Für 60 T€ geht mit heutiger Technologie schon sehr viel, das mentale Problem ist zu realisieren, daß man solche Summen tatsächlich durch den Schornstein jagt, obwohl doch das Haus selbst (ohne Grundstück) als Gebrauchtimmobilie vielleicht nur das 2-4fache wert ist und man nicht einsehen will, daß man 60 T€ für eine Heizung ausgeben soll ( beim einem Auto ist dies natürlich was ganz anderes ). Das andere Problem ist, daß die Lobby und der Staat so etwas nicht wollen und deshalb viele kleine Hürden aufbauen, um es möglichst unattraktiv und unökonomisch zu machen (z.B. durch das Baurecht, Wind und Sonne scheinen in verschiedenen Bundesländern verschieden zu funktionieren).
    Ich kann und will hier keinen Beweis antreten, daß man mit 60 T€ ein altes Haus „kostenlos“ heizen kann, aber skizzieren tue ich einen Lösungsansatz schon: Wärmepumpe inkl. Puffertechnik usw. 30 T€ , thermische Solaranlage 10 T€ , Photovoltaik 20 T€. Letztere liefert allerdings im Dez/Jan/Feb nicht genug Strom zum Betrieb der Wärmepumpe, dafür aber im Sommer selbst bei kleinen Vergütungen Geld als Ausgleich. Es ging hier ja nicht um technische Autonomie , sondern um finanzielle Automonie. Dies wird oft gleichgesetzt oder vergessen. Mit dieser Technik hat man soviel kWh , daß es eine Freude ist, diese durch das Haus zu jagen, bevor sie wieder ins Weltall verschwinden, wo sie her kamen.
    Man könnte aber auch noch die 20fache Jahresstromrechnung für Haushaltsstrom ( z.B. 20 T€ ) hinzufügen und schauen, ob man für 80 T€ komplett autonom werden könnte. Käuflich sind solche Lösungen nicht, weil es keinen Bedarf dafür gibt. Das will ich auch nicht propagieren. Warum soll man ein erschlossenes Grundstück autonom machen ? Jedenfalls (noch) nicht aus finanziellen Gründen. Wenn allerdings die Konzerne und der Staat den Strompreis auf 0,50 €/kWh anheben, wird es einen Markt dafür geben. Dann wird der Staat aber einen Anschlußzwang oder eine Autonomiesteuer erfinden. Anschlußzwang für Fernwärme gibt es in manchen Kommunen in Deutschland schon.
    Da sich die Dämmung also schon rein finanziell herauskatapultiert hat (ohne daß man technische Betrachtungen machen mußte), trauere ich dem vermiedenen Umsetzen der Regenfallrohre, den neuen Fensterbänken, den vermiedenen Ballspielverboten ums Haus und den possierlichen Algen, Vögeln und anderen zusätzlichen 6bis 8beinigen Bewohnern des Wärmedämmverbundsystems nicht hinterher. Gerichte drücken sich auch gern um die Entscheidung nebensächlicher Fragen. Solange die Dämmung mein Haus nicht heizen kann , ist es mir egal wieviel Prozent Einsparung ich für wieviel Euro bekommen kann. Die Frage ist für mich einfach nicht relevant und ich werde mit niemanden darüber streiten. Wer große Mengen Dämmung für eigenes Geld kaufen will, soll es tun. Ich werde es nicht tun.
    Mit freundlichen Grüßen , Jörg Rudnik

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