Passivhaus und Solarthermie – eine gute Ergänzung?

Ein echtes Passivhaus lebt von inneren und äußeren Wärmegewinnen. Das heißt, die Gebäudehülle ist so beschaffen, dass zwar Wärme reinkann, aber nur schwer wieder raus. Solarkollektoren machen es so ähnlich. Ein Passivhaus ist also im Grunde ein einziger großer Solarkollektor. Es benötigt nur wenig zusätzliche Heizwärme – maximal 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Das ist die offizielle Definition des Passivhausinstitutes.

Welchen Sinn haben zusätzliche Solarkollektoren beim Passivhaus?

Klassische Passivhäuser haben eine dichte Gebäudehülle und eine Lüftungsanlage, die der Abluft kostbare Wärme entzieht. Die zugeführte Frischluft wird bei Bedarf beheizt, zum Beispiel mit einer Wärmepumpe. Das Passivhaus Institut in Darmstadt empfiehlt für mitteleuropäische Passivhäuser übrigens eine Erdwärmepumpe – und eine solarthermische Anlage, um den Stromverbrauch der Wärmepumpe zu senken. Anders als bei konventionellen Häusern macht beim Passivhaus die Warmwasserbereitung den größten Anteil aus, die Raumheizung ist nur ein Nebenprodukt. Und die Warmwasserbereitung fällt auch im Sommer an.

Auch ein Haus ohne Heizung braucht Warmwasser …

Der saisonal bedingte Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage ist beim Passivhaus weniger groß als bei anderen Haustypen; die Anlage kann ganz anders dimensioniert werden. Deshalb sind Solarkollektoren für Passivhäuser durchaus interessant. Je nachdem, ob man die Solarthermie nur für die Warmwasserbereitung einsetzt oder auch als Raumheizung, muss die Anlage unterschiedlich geplant werden. Während das klassische Passivhaus nur die Luft als Wärmeträger nutzt, benötigt die solare Raumheizung in der Regel auch noch eine wassergeführte Flächenheizung.

… und manchmal braucht es trotzem eine Raumheizung.

Nun kann man Solaranlagen auch so auslegen, dass sie einen höheren Heizwärmebedarf abdecken, und das sogar im Altbau. Wozu dann überhaupt ein Passivhaus? Das ist eine Grundsatzentscheidung. Auch weil die Ökobilanz und die bauphysikalischen Eigenschaften von Dämmung immer wieder heiß diskutiert werden (schade, dass sich Diskussions-Abwärme nicht heiztechnisch nutzen lässt :-)). Auch Sonnenhäuser haben hier ja einen hohen Standard.

Mehr Dämmung oder mehr Solarthermie?

Was ist besser? Bei der Bewertung hilft vielleicht diese interessante Studie über die Balance zwischen Dämmung und Solarthermie (PDF-Datei). Sie kommt zu dem Schluss, dass Effizienzhäuser mit hohen solarthermischen Deckungsgraden weniger End- und Primärenergie benötigen als Effizienzhäuser mit sehr stark optimierter Gebäudehülle. Aber die „reine Lehre“ Sonnenhaus contra Passivhaus ist nicht mehr zeitgemäß – vielmehr geht es darum, dass Haustyp und Heizung zueinander passen und dass alle Möglichkeiten kreativ ausgeschöpft werden.

Abschied vom Blog – zurück zu meinen kreativen Anfängen

Und damit bin ich überraschend zu meinen Anfängen zurückgekehrt: Als ich vor vier Jahren anfing, hier zu bloggen, fragte mich Cornelia Daniel, was meiner Meinung nach die Energieform der Zukunft ist. Meine Antwort lautete: Kreativität. Weil viele kleine Ansätze in der Summe große Wirkung zeitigen können, wenn alle an einem Strang ziehen und gute Ideen zu durchdachten Konzepten führen.

Damit verabschiede ich mich als Autorin dieses Blogs, denn in der nächsten Zeit möchte ich mich verstärkt meiner kreativen Seite widmen, der Vermarktung meines Romans Brot und Bitterschokolade, der in diesen Tagen erscheint. Es hat viel Spaß gemacht, hier für euch zu schreiben, und ich werde meine Mitautorinnen vermissen … Macht’s gut!

Foto: Michael Schmid | wikipedia, Schutzhütte Schiestlhaus im Passivhausstandard

 

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  • Familie möchte Haus modernisieren
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  • solare Deckungsraten im Altbau
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