Hohe solare Deckungsgrade gibt es auch im Altbau

solare Deckungsraten im Altbau

Heute ist mal wieder einer dieser Tage wo ich mich wirklich freue für diesen Blog zu arbeiten, weil ich das Gefühl habe, dass wir tatsächlich ein ganz klein wenig dazu beitragen können, dass die Solarthermiebranche zusammenwächst und es doch noch Hoffnung gibt ;-). Kürzlich bekam ich ein echt freundliches Mail einer Dame, die sich bei uns vorstellte mit einem Unternehmen dass ich tatsächlich nicht kannte und fragte, ob wir Interesse an den Themen hätten. Wir bekommen oft solche Mails, aber dieses war anders, es war wirklich etwas dahinter und so schaute ich mir das alles näher an und war begeistert. Da gibt es in Sachsen ein Bauunternehmen, das sich voll und ganz der Solarthermie verschrieben hat und wirklich ganzheitlich Lösungen anbietet. Sie schaffen anscheinend solare Deckungsgrade von 90 %!! An dem Punkt war es um mich geschehen und ich wollte ein Interview. Genau solche Unternehmen braucht es nämlich noch zu Tausenden, deshalb stellen wir dieses Unternehmen hier sehr gerne vor, damit es hoffentlich viele Nachahmer findet. Bühne frei für Frau Trottnow von der FASA AG, die mit dem Energetikhaus100® anscheinend sehr erfolgreich unterwegs sind.

Frau Trottnow, erstmals vielen Dank, dass Sie sich an uns gewandt haben. Wie haben Sie uns gefunden?

Als innovatives Unternehmen, das seit mehr als 10 Jahren erfolgreich im Bereich solares Bauen aktiv ist, haben wir gelernt, wie wichtig (Kunden-)Kontakte sind. Allerdings müssen auch wir immer wieder feststellen, wie wenig vernetzt die Akteure der Solarthermie-Branche untereinander doch sind. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir nur gemeinsam langfristig etwas im Wärmeenergiesektor erreichen können. Deshalb sind wir permanent auf der Suche nach Möglichkeiten, unser Netzwerk zu erweitern. Ein entsprechender gedanklicher Austausch mit Dr. Corradini vom FFE, der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. brachte uns schließlich zu blog.paradigma.de und damit zu Ihnen.

Stellen Sie bitte kurz sich und Ihr Unternehmen kurz vor?

Die FASA AG ist ein mittelständisches Bauunternehmen aus Sachsen mit Firmensitz in Chemnitz. Wir bauen seit über 10 Jahren hocheffiziente Sonnenhäuser (Deckungsgrade solarthermisch > 90 %) und gelten als technologischer Marktführer auf diesem Gebiet bundesweit. Unser solarenergetisches Portfolio erstreckt sich vom Bau von Sonnen-Einfamilienhäuser über den Bau von Sonnen-Gewerbebauten, von Sonnenhäusern im Gebirge und von solaren Stadthäusern bis hin zur hocheffizienten Altbausanierung (Gründerzeithäuser von 1912 mit solarem Deckungsgrad von >50 – 90 % nach der Sanierung).

Aus Ihrem Anschreiben kann man erkennen, dass Sie sich schon sehr früh mit dem Thema „hohe solare Deckungsgrade“ auseinandergesetzt haben. Wie kam es dazu?

Unser Unternehmen wurde als eines der ersten Unternehmen 1990 in Chemnitz gegründet, das zeigt auch der Handelsregistereintrag mit der Nummer HRB 123. Damals lag unser Aktivitätsschwerpunkt auf der Sanierung von Fassaden, daher der Name FASA (Fassaden-Sanierung). Ende der 90iger Jahre mit dem Wegfall der Sonderabschreibungen entwickelten sich Überkapazitäten am Markt und die ostdeutsche Bauwirtschaft geriet in die Krise: Der Konkurrenzdruck nahm zu, der Bau-Markt bereinigte sich. Die FASA jedoch ging gestärkt aus der Krise hervor und nutzte die Gelegenheit für eine strategische Neuausrichtung in allen Unternehmensbereichen. Im Bereich Hochbau verfolgten wir einen neuen Ansatz: Mit Blick auf die Entwicklungen auf dem Ölpreismarkt, den permanent steigenden Preisen seit der „Ölkrise“ der 70er-Jahre und den geänderten Anforderungen an nachhaltiges Bauen rückten alternative, neu entstehende Hausbaukonzepte wie Niedrigenergiehäuser, Passivhäuser, etc. in den Fokus unserer Betrachtungen. Jedoch war keiner der auf dem Markt angebotenen Häusertypen aus unserer Sicht als Zukunftsmodell geeignet, da alle nur auf den verringerten Verbrauch fossiler Energieträger abzielten. Unser Anspruch war jedoch ein kompletter Verzicht auf fossile Heizstoffe wie Öl und Gas. Dies ließ sich allerdings nur durch den Wechsel des Energieträgers bewerkstelligen: Die Nutzung von Sonnenenergie wurde unser neues Paradigma. Zwar existierten zum damaligen Zeitpunkt bereits Sonnenhäuser, diese verfügten jedoch größtenteils nur über vergleichsweise geringe solare Deckungsgrade von 50-60 % und waren damit weit entfernt von der von uns angestrebten Wärmeautarkie. Zudem gab es nur vereinzelte Prototypen mit höherer Deckung. Diese waren jedoch nicht reproduzierbar, geschweige denn für den Otto-Normal-Häuslebauer preislich erschwinglich. Aus diesem Grunde haben wir ab dem Jahre 2000 eine Eigenentwicklung angeschoben. Als Resultat dieser Entwicklung errichteten wir im Jahre 2006, nach jahrelanger Forschungsarbeit, gemeinsam mit der TU Bergakademie Freiberg und anderen sächsischen Partnern ein nahezu wärmeautarkes Einfamilienhaus, das ENERGETIKhaus100®, welches nachgewiesenermaßen einen solarthermischen Deckungsgrad von 98 % aufweist.

Sie haben erzählt, dass kürzlich eine Schweizer Delegation zu Gast war und diese sehr überrascht waren über die hohe Dichte an Sonnenhäusern. Wie kam es dazu und wie war das genau?

Es gibt viele gute Gründe Chemnitz einen Besuch abzustatten: die Kunstsammlungen, der versteinerte Wald, die Industriekultur, das Sächsische Museum für Archäologie. Ein außergewöhnlicher Anlass jedoch ist der innovative Ruf, der Chemnitz in Bezug auf den umfassenden Einsatz regenerativer solarer Energien vorauseilt. Nirgendwo anders in Europa gibt es eine vergleichbare flächendeckende und konzentrierte Ansammlung von Bauten, die Solarthermie so extrem effizient nutzen, wie hier. Das haben auch die Schweizer erkannt: Deshalb wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um eine mehrtägige Tour ins schöne Sachsen, zu uns nach Chemnitz zu organisieren. Initiator und Hauptorganisator des Ganzen war kein Geringerer als einer der Vorreiter solarthermischer Energienutzung, der Schweizer Josef Jenni. Als international angesehener Solarpionier engagiert er sich seit den 70er Jahren intensiv und sachverständig für das Thema Solarthermie und zählt mit seinem Unternehmen „Jenni Energietechnik“ zu den führenden Herstellern großvolumiger Solarspeicher. Ende April besuchte Josef Jenni unser Haus mit einer mehr als 60-köpfigen Delegation. Architekten, Politiker, Planer, Energieexperten und Journalisten aus der Schweiz und Deutschland bekamen hier einen umfassenden Einblick in die Funktionsweise, die Einsatzmöglichkeiten und die Vorteile der ganzheitlichen Nutzung von Sonnenwärme für eine echte Energiewende im Bauwesen. Höhepunkt des Besuchs war eine solare Stadtrundfahrt, im Rahmen derer die Gäste die Umsetzung solarer Bauten mit solaren Deckungsgraden von größtenteils mehr als 90 % am echten Beispiel erleben können. Neben urbanen Sonnenhäusern mit Reihenhauscharakter, „klassischen“ solaren Einfamilienhäusern z. B. im von uns errichteten Solar Areal “Rittergut Rabenstein“ (17 Häuser) und dem energetisch sanierten Firmensitz der FASA AG war vor allem die erfolgreiche Altbausanierung eines denkmalgeschützten Gründerzeithauses aus dem Jahre 1912 von besonderem Interesse. „Den mit Abstand größten Anteil des Wärmebedarfs, und damit auch ein sehr großes Potential zum Erreichen der Energiewende, weisen bestehende Bauten auf. Um diese bezahlbar und energetisch sinnvoll zu sanieren, besonders im historischen Bereich, bedarf es neuer innovativer Wege. Einen erfolgreichen Weg hat die FASA AG beschritten und wir freuen uns, sie auf diesem Weg zu begleiten zu können. Wir erhoffen uns eine Menge neuer Impulse von unserem Besuch in Chemnitz“ meinte Josef Jenni.

Wie schaffen Sie einen solaren Deckungsgrad von 90% in einem Gründerzeithaus? Könnten Sie ein Projekt beispielhaft erklären?

Solares Bauen im Bereich Neubau ist in Deutschland z. Zt. zwar eher noch selten, aber auf dem Vormarsch. Die energetische Sanierung von Altbauten mit Solarenergie hingegen ist Neuland. Betrachtet man die Gesamtheit der bundesweiten Bausubstanz, wird klar: Nur ca. 4 % sind Neubauten (Quelle: Stat. Bundesamt, Zensus 2011). Den Löwenanteil, nämlich 96 %, bilden Bestandsgebäude. Der Schlüssel für eine Energiewende im Bauwesen und für entsprechendes Zukunftspotential liegt in der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden, u.A. auch denkmalgeschützten. Was macht man also mit einem Straßenzug voller maroder, denkmalgeschützter Altbauten in scheinbar heruntergekommener Wohnlage? Verfallen lassen? Abreißen? Sanieren! Mit einer ambitionierten Vision zum solaren Bauen, Mut zur Investition und vor allem einer Menge Know-how kann es gelingen! Im Juli 2014 stellten wir unsere aktuellste solare Neuerung der Öffentlichkeit vor: Die Sanierung eines denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1912, der Kanalstraße 15 in Chemnitz mit einem kumulierten solaren Deckungsgrad von ca. 90 %. DAS ist deutschlandweit EINMALIG, da diese Werte sonst nur bei wenigen Neubauten von (Einfamilien-) Sonnenhäusern erzielt werden. Umsetzbar ist dies nur mit einem ausgeklügelten System aus Dacharchitektur, 130 m² Solarthermie-Kollektoren und einem exakt dimensionierten Solarspeicher von mehr als 50 m³, der sich über alle Geschosse des Gebäudes erstreckt sowie einer intelligenten Kopplung mit dem Nachbargebäude.

Konkret entsteht die exzellente Wärmebilanz von ca. 90 % durch „solare Nachbarschaftshilfe“: In den sonnenreichen Monaten von Frühjahr bis Herbst erwirtschaftet die Solaranlage der Kanalstraße 15 mehr Erträge aus Solarenergie als die Bewohner dieses Gebäudes verbrauchen können. Dieser Überschuss fließt in das energetisch verzahnte Nachbargebäude, die Kanalstraße 13 und kommt dort zum Heizen und zur Erhitzung von Warmwasser zum Einsatz. Die Menge an Sonnenenergie, die die Solaranlage der Kanalstraße 15 im Sommer zusätzlich, über den eigenen Bedarf hinaus, bereitstellt, holt sie sich in der kälteren Jahreszeit aus der vorhandenen Gasheizung der Kanalstraße 13 zurück. Gleichzeitig profitiert im Gegenzug auch die Kanalstraße 13, die bereits 2001 mit einer 40 m² Solarthermieanlage und 2 m³ Solarspeicher ausgerüstet wurde. Der Großspeicher in der Kanalstraße 15 ermöglicht jetzt, deutlich mehr Sonnenenergie auch von der Kanalstraße 13 abzuspeichern und damit nutzbar zu machen.

Einzeln betrachtet wiesen die beiden beschriebenen Gebäude solare Deckungsgrade von ca. 15 % (Kanalstraße 13) und ca. 80 % (Kanalstraße 15) auf. Durch intelligente Verzahnung wurden beide signifikant erhöht: Der solare Deckungsgrad der Kanalstraße 13 steigt auf 25 % und in der Kanalstraße 15 auf ca. 90 %. Hinzu kommt die Ersparnis einer weiteren Gasheizungsanlage.

Chemnitz bestätigt mit diesem energetischen Sanierungsprojekt seinen Status als eine der führenden Städte im bundesweiten Ranking von Energiestädten und zeigt, dass solares Bauen bzw. Sanieren auch im Altbau höchst effizient möglich ist. Gleichzeitig entsteht ein Prototyp für Quartierskonzepte: Die Nutzung einer gekoppelten dezentral-regenerativen Energieversorgung bietet viel Potential für die Zukunft.

Für die Bewohner und Nutzer der beschriebenen sanierten Gebäude ergeben sich gleich mehrere erfreuliche Effekte: Alle senken erheblich und dauerhaft ihre Nebenkosten für Heizung und Warmwasser. So bleibt mehr Geld übrig für die schönen Dinge des Lebens. Zudem entsteht ein ganz besonderes Wohngefühl: Der typische Gründerzeit-Charme mit hohen Decken und historischen Details trifft auf modernste solare Nutz-technik. Das sorgt für höchsten Wohnkomfort bei allen Witterungslagen. Die Wohnungen zwischen 60 m² und 150 m² in der Kanalstraße 15 wurden in einem Zeitraum von nicht einmal einem Monat bereits fast vollständig vermietet. Das zeigt zum einen den Bedarf des Mietermarktes an nachhaltigen Wohnkonzepten und zum anderen die hohe Attraktivität des derart gestalteten Wohnraums.

Es werden sich einige Leser bestimmt wieder beschweren, dass wir hier Häuser mit Flachkollektoren vorstellen, weil hohe solare Deckungsgrade eben mit den Hocheffizienzkollektoren noch leichter zu erreichen wären. Darf ich fragen ob Sie die Ritter Produkte kennen oder vielleicht auch schon eingesetzt haben?

Die Röhrenkollektoren von Ritter sind uns durchaus bekannt. Jedoch nutzen wir für unser ENERGETIKhaus®-Konzept derzeit ausschließlich Flachkollektoren. Dies wird durch zwei Sachverhalte begründet: Zum Einen dienen uns die Solarkollektoren als Bauelement des Hauses, denn diese werden nicht aufgeständert, sondern bilden konkret die externe Dachfläche oder ggf. Fassaden. Zum Zweiten ermöglicht das Vakuum in Röhrenkollektoren zwar einerseits höhere Wärmeerträge und damit höhere Effizienz, aber im Umkehrschluss verhindert das Vakuum gleichzeitig das selbstständige Freitauen der Kollektoren bei Minusgraden. Gerade das selbstständige Anlaufen und Freitauen der Kollektoren ist für unser Konzept des Ganzjahres-Solarhauses und den Einsatz in klimatisch herausfordernden Gegenden mit einem hohen Eis- und Schneerisiko im Winterhalbjahr jedoch essentiell. Deshalb können wir auf Flachkollektoren nicht verzichten. Jedoch halten wir Röhrenkollektoren im Rahmen von Spezialanwendungen für eine gute Alternative z.B. beim Einsatz in extremen Höhenlagen wie den Alpen über 1500 m n. N. in Verbindung mit zusätzlichen Maßnahmen zur Sicherung von deren Betriebsfähigkeit.

Vielen lieben Dank für dieses nette Interview. Ich bin mir sicher, dass hier auch eine nette Diskussion entsteht, warum die Röhren auch hier ganz gut zum Einsatz kommen könnten und wer weiß, vielleicht ergibt sich bei den Gewerbeprojekten oder besonders kniffligen Altbauten mal der ein oder andere perfekte Anwendungsfall, da punkten die Ritter Röhren ja bekanntlich besonders. Wir freuen uns jedenfalls, dass es so innovative Unternehmen gibt, die vorangehen und zeigen wie es gehen kann. 

mal geteilt
image_pdf
Bitte keine Werbung
Helfen Sie uns diesen Teil der Welt sauber zu halten. Bitte keine kostenlose Zeitungen, persönliche Verletzungen oder Werbe-Links einwerfen.

Vielen Dank und sonnige Grüße

2 Kommentare zu “Hohe solare Deckungsgrade gibt es auch im Altbau”

  1. Andreas Reitmann

    Sehr geehrte Frau Trottnow, Ihr Konzept klingt sehr interessant. Vielleicht können wir die Technologie auch auf dem “Energie-und Erlebnishof Liebon” http://www.Liebon.de einsetzen. Wir möchten hier eine möglichst hohe Energieerzeugung durch die Sonne bei Wärme und Strom erreichen. Ich würde mich über Ihren Kontakt freuen.
    Beste Grüße,
    Andreas Reitmann

    1. Diana Trottnow

      Sehr geehrter Herrn Reitmann, es freut mich sehr, dass wir Sie neugierig machen konnten. Ich melde mich schnellstmöglich bei Ihnen mit einer persönlichen Nachricht! Beste Grüße, Diana Trottnow

Bitte keine Werbung
Helfen Sie uns diesen Teil der Welt sauber zu halten. Bitte keine kostenlose Zeitungen, persönliche Verletzungen oder Werbe-Links einwerfen.

Vielen Dank und sonnige Grüße

Kommentar verfassen

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind so gekennzeichnet *

Erlaubtes HTML <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>