Jürgen Bleher verschenkt 1000 Liter Heizöl/Jahr | Handwerker des Monats 06/2015

Handwerker des Monats: Jürgen Bleher

Wie Cornelia bereits hier angekündigt hat, wollen wir unsere Blogstärke nutzen, um auch den Solarhandwerkern eine Bühne zu geben, denn sie sind es, die Tag für Tag landauf landab dafür sorgen, dass Solarthermie zum Einsatz kommt. Conny hat sie mit Recht als „Schlüssel zur Energiewende“ bezeichnet. Unser erster Handwerker des Monats ist Diplom-Ingenieur Jürgen Bleher. Er ist Geschäftsführer der Bleher Haustechnik GmbH in Salgen-Pfaffenhausen – und führt seinen Betrieb in dritter Generation. Vorhang auf! 

Jürgen Bleher, schön, dass Sie trotz der vielen Arbeit Zeit gefunden haben, mit Ecoquent Positions zu sprechen. Beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb! Wie kamen Sie zu dem Beruf und was gefällt Ihnen daran?

Inhaltsverzeichnis

Jürgen Bleher, Handwerker des Monats: Unsere Firma wurde 1927 von meinem Opa als Spenglerei (Der Begriff Spengler geht zurück auf eine der Tätigkeiten dieser ursprünglich metallverarbeitenden Handwerker: die Herstellung von Spangen und Beschlägen. – Anmerkung der Redaktion) gegründet. Mein Vater erweiterte die Firma um die Bereiche Heizung und Sanitär. Wir sind ein regional stark verwurzeltes Familienunternehmen mit zwölf motivierten Mitarbeitern.

Jürgen Bleher Haustechnik GmbH

Der neue Sitz der Bleher Haustechnik GmbH im Gewerbegebiet Pfaffenhausen-Salgen: Ein Gebäude, das dank Photovoltaik-Anlage, Blockheizkraftwerk, Solarthermie-Anlage und Pelletskessel ein Plus-Energiegebäude ist.

Ich bin also die dritte Generation und habe – nach meinem Studium der Energie- und Wärmetechnik – meine Hauptausrichtung auf den Bereich „Ökologische Haustechnik“ gelegt.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen steht?

Die Sonne schenkt uns so viel kostenlose Wärme – wieso also nicht nutzen? Hermann Scheer (1944 bis 2010; Mitbegründer und ehrenamtlicher Präsident der gemeinnützigen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR und ehrenamtlicher Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien (World Council for Renewable Energy, WCRE) – Anmerkung der Redaktion) hatte in einem Vortrag die Aussage gebracht, dass die Sonne es auch im Winter schafft von minus 273 Grad (absoluter Nullpunkt = Weltraumtemperatur) unsere Umwelt auf mindestens minus 15 Grad zu erwärmen, dann werden wir es doch schaffen – mit etwas Intelligenz und Wille – die restlichen 35 Grad aufzuheizen. Das Zahlenspiel hat mich damals beeindruckt und überzeugt.

Und so brachten Sie den Bereich Solar in den Familienbetrieb ein … 

Es ist einfach unsinnig, Öl zu verheizen. Was weg ist, ist dauerhaft weg. Ich will das für die zukünftigen Generationen – gerade auch vor dem Klimawandel mit allen Folgen – nicht verantworten.

Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Vor 25 Jahren war ich einer unter vielen „Suchenden“. Die etablierten Solarthermie-Anbieter konnten oder wollten uns die Produkte nicht bieten, die wir gerne gehabt hätten. Bei Paradigma fand ich einen passenden Partner: innovativ, mutig und kurze Entscheidungswege. Ich habe die Partnerschaft – trotz vieler Prüfungen – nie bereut.

Die Marktsituation ist jetzt eine andere. Alle Anbieter können alles – zumindest meinen die das – und die Pionierarbeit ist fast getan.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Solarthermie-Projekt!

Zurzeit sind einige Projekte am Laufen. Interessant sind sicherlich die Anlagen mit knapp über 20 Quadratmetern Kollektorfläche. Wir haben aktuell zwei Mehrfamilienhäuser in Bearbeitung. Hier zieht u.a. die sehr gute Förderung. Es ist zwar etwas aufwendig, aber gerade die Herausforderung macht das Ganze spannend.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Jede erstellte und funktionierende Anlage ist für uns ein Lieblingsprojekt und das sind inzwischen ganz schön viele.

… dann stelle ich die Frage anders: Welche Anlage(n) sehen als Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie?

Zwei Anlagen freuen mich besonders:

Die Erste sind 40 Quadratmeter CPC (Vakuumröhrenkollektoren mit Compound-Parabolic-Concentrator – Anmerkung der Redaktion) als Aqua-Anlage auf einem exklusiven Einfamilienhaus. Hier war eine Viessmann-Röhren-Glykol-Anlage ausgeschrieben und der Bauherr hat sich von unserem System überzeugen lassen. Es wurde extra ein „Gartenhäuschen“ (siehe Foto) für die Solaranlage errichtet. Der Bauherr ist heute noch von der Entscheidung überzeugt und freut sich über jedes Kilowatt Wärme von der Sonne.

Bleher_Projekt_EFH_Gartenhäuschen

Das „Gartenhäuschen“ wurde extra errichtet, um darauf die Solarthermie-Anlage zu installieren.

Die zweite Anlage ist ein neu gebautes Sechs-Familienhaus mit 20 Quadratmetern Plasma und Pelletskessel. Das Besondere sind die Wohnungsstationen mit Frischwassererwärmung. Bei dieser Anlage haben wir den höchsten solaren Deckungsgrad. Die Nebenkosten sind so gering, dass der Wohnungsverwalter die Abrechnung zweimal prüfen ließ.

Und wo drückt der Schuh im Alltag, Herr Bleher? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

  • Leider immer noch, dass oft die Solarthermie mit Photovoltaik in einen Topf geschmissen wird.
  • Und dass die Solarthermie einen schlechten Ruf hat, vor allem, weil viele große Flachkollektoranlagen nicht das bringen, was dem Verbraucher versprochen wurde.
  • Die Kilowattstunde (kWh) wird mit Liter Heizöl gleichgesetzt
  • Die PV-Branche und Wärmepumpenlobby kämpfen mit harten Bandagen und zum Teil mit unfairen Mitteln.

Können Sie Beispiele dafür geben?

Gerade auf Messegesprächen merken wir, dass die Unsicherheit beim Verbraucher zu groß ist und er deshalb keine Entscheidung treffen kann. Bei zehn Messegesprächen bekommt der Verbraucher zehn verschiedene Aussagen: Fenster tauschen ja/nein, Haus dämmen ja/nein, Öl-Brennwertheizung, Wärmepumpe, Solar, PV-Anlage und damit Heizen?????

Wenn wenigstens zwei oder drei von zehn Anbietern, Herstellern & Co. das Gleiche sagen würden, wäre die Entscheidung leichter. Für die Praxis heißt das: Bevor der Verbraucher etwas falsch macht, macht er häufig lieber gar nichts.

Was wünschen Sie sich also für Ihren Solarthermie-Job?

Eigentlich ist das komplette Umfeld nie so gut gewesen wie zurzeit: die Förderung passt, die Zinsen sind günstig, die Anlagen sind gut und ausgereift, das Geld ist immer noch da, die Energiepreise sind eigentlich noch hoch, die Energieversorgung aus dem Ausland (Russland u.a.) ist unsicher und der Klimawandel zwingt zum raschen Handeln.

Alles passt – und doch hat die Solarthermie keine Lobby. Erst in einem persönlichen Gespräch mit viel Überzeugung und Enthusiasmus darf man ein Solarthermie-Angebot machen. Ob es damit überhaupt zum Auftrag kommt, ist allerdings fraglich. Hilfreich wäre sicherlich eine ertragsabhängige Förderung der Solaranlage – Leistung muss belohnt werden!

In Gesprächen mit Handwerkern hören wir mitunter, dass es so manchem Kollegen lieber sei, ein Bad einzubauen, als eine Solarthermie-Anlage aufs Dach zu montieren. Wie sehen Sie das „Baddilemma“ – und falls es so ist, was müsste Ihrer Meinung nach zugunsten der Solarthermie verbessert werden?

Eigentlich passt auch hier die Antwort, die ich in der vorigen Frage gegebenen habe.

Auf Messen werden von den Verbrauchern tütenweise Infomaterialien gesammelt – um sie in der Tüte daheim zu lagern. Man(n) will ja Geld ausgeben, aber: wofür? Dann kommt vielleicht die Frau und will ein neues Bad oder eine neue Küche. Hier kann man ja nichts falsch machen, entweder es gefällt oder nicht. Also wird das Geld hier ausgegeben und dann ist nichts mehr für die Heizung übrig.

Wir machen Bäder nicht so gern – lieber Technik.

Womit überzeugen Sie in Gesprächen mit Kunden? Wie zeigen Sie das Potential von Solarthermie auf?

Interessant ist immer die Reaktion beim Verkaufsgespräch, wenn ich frage, ob der Kunde einverstanden wäre, wenn ich ihm zu seinem neuen Kessel jedes Jahr – mindestens 25 Jahre – 1.000 Liter Heizöl schenken würde.

Klare Antwort: Kessel sofort bestellen, Preis Nebensache. … Und dann machen wir ein Angebot mit 15 Quadratmetern Solarthermie – die macht ja auch nichts anderes, als mir jedes Jahr 10.000 kWh Wärme zu schenken. Zuerst kommen dann die großen Fragezeichen, es folgt ein Schmunzeln – und dann: „Ja, bitte ein Angebot machen …!“

Vielen Dank Jürgen Bleher, dass Sie sich die Zeit für unser Gespräch genommen haben. Ihre Aussagen sind wirklich überzeugend. Wie versprochen, werden immer zwei Lieblingsprojekte der Handwerker des Monats vorgestellt. Die kommen im Laufe des Monats. 

Fotos (3): Bleher Haustechnik GmbH, Jürgen Bleher

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