Wie viel ist das Wissen über den Energieverbrauch wert?

Postkasten

Eine aktuelle Studie behauptet, dass wir Verbraucher eine Menge Heizenergie einsparten, wenn man uns unsere Heizkostenabrechnung, sprich: den Wärmeverbrauch, nicht nur einmal im Jahr vor Augen führen würde, sondern beispielsweise monatlich in den Postkasten würfe. Die Auftraggeber der Studie schätzen, dass so eine Energieersparnis von 77 Petajoule für den Zeitraum 2017 bis 2020 möglich sei. Zum Vergleich: Das ist die Menge an Wärme, die eine Stadt wie mein Hamburg innerhalb eines Jahres verheizt. Ist die unterjährige Verbraucherinformation tatsächlich ein Schlüssel zur Wärmewende?

Bevor ich gleich mal eine einjährige mit einer unterjährigen Verbraucherinformation vergleiche und dabei auch ins Auge fasse, was das psychologisch bedeuten könnte, will ich Euch schnell die Hintergründe zu der besagten Studie liefern.

Wer steckt hinter der Studie?

Die Studie stammt aus der Feder von Experten des Unternehmens Ecofys, das nach eigenen Angaben zu den führenden Beratungsunternehmen für Erneuerbare Energien, Energie- & CO2-Effizienz, Energiesysteme & –märkte und Energie- & Klimapolitik gehört. Den Auftrag für die Studie gab das Unternehmen ista, das sich eigenen Angaben zufolge der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich verschrieben hat. Um klarzustellen, mit wem wir es hier zu tun haben: ista hat sich demnach „auf das Submetering spezialisiert, also auf die individuelle Erfassung, Abrechnung und transparente Visualisierung von Verbrauchsdaten für Mehrfamilienhäuser und gewerbliche Immobilien. Als Grundlage nutzen wir … Hardwarekomponenten … funkbasierte Heizkostenverteiler, Wasserzähler, Wärmezähler … Das Unternehmen … unterstützt rund zwölf Mio. Nutzeinheiten (Wohnungen und Gewerbeimmobilien).“

Klar, so mancher von uns Verbrauchern hat demnach Heizkostenablesetechnik von ista im Haus. Ich nicht, meine Technik kommt von Metrona, wie ich hier auf dem Blog schon mal berichtet habe. Doch zurück zur Studie. Wer sie geschrieben hat, wissen wir jetzt.

Was sagt mir die Studie?

Aus der anlässlich der Veröffentlichung der Studie verschickten Pressemitteilung, die Ihr hier im Wortlaut findet, entnehme ich, dass wir Verbraucher mehr Heizenergie sparen würden, wenn wir nicht nur einmal im Jahr unsere Heizkostenabrechnung Schwarz auf Weiß in die Hände bekämen. Laut Ecofys/ista würden wir Verbraucher bei der unterjährigen Verbrauchsinformation „zeitnah über unseren Wärmeverbrauch informiert, zum Beispiel durch monatliche Informationen über ein Webportal, und erhielten darüber hinaus eine Bewertung, ob der Verbrauch hoch oder niedrig ist und ob eine Nachzahlung anfallen wird.“

Als Beleg dafür führen die Verfasser der Studie einen Feldtest der dena (Deutsche Energieagentur) an. Der hätte gezeigt, dass Verbraucher, die zusätzlich zu ihrer Heizkostenabrechnung unterjährige Verbraucherinformationen erhalten hätten, ihr Verhalten kurzfristig und nachhaltig verändert und dadurch signifikant Energie eingespart hätten. Ein Blick auf die Ergebnisse des dena-Tests zeigt:

„Mieter, die monatlich über ihren Heizungsverbrauch informiert werden, benötigen im Durchschnitt 16 Prozent weniger Energie als Mieter, die keine regelmäßige Heizinformation erhalten.“

Was würde die unterjährige Verbraucherinformation mich kosten?

Mit der Aussicht, monatlich eine Heizkostenabrechnung ins Haus zu bekommen, kann ich gut leben. Allerdings drängen sich mir die Fragen auf: Was kostet das extra? Und: Wer soll das bezahlen? Die erste Frage beantwortet die Pressemitteilung eindeutig: 2 Euro pro Wohneinheit monatlich. Die zweite Frage bleibt offen, aber wie ich die Vermieter hierzulande kenne … landet der zusätzliche Zweier auf der monatlichen Heizkostenabrechnung. Summa summarum macht das 24 Euro mehr im Jahr, die gegen die Einsparung gerechnet werden müssten. Bei meiner der Einfachheit halber aufgerundeten Heizkostensumme von 1.000 Euro im Jahr ergäbe sich eine Ersparnis von 160 Euro (entspräche den von der dena genannten 16 Prozent). Abzüglich der Gebühr für die unterjährige Info blieben mir üppige 136 Euro mehr in der Haushaltskasse. Das ist enorm, bedenkt man dass dahinter ja auch eine Menge Energie steckt. Die Frage ist nur, …

… ob die Rechnung auch tatsächlich aufgeht?

Ich spiele das Ganze mal eben durch. Nur so zum Nachvollziehen. Wir haben jetzt November, noch habe ich meine Heizung nicht aufgedreht. Frühestens im Dezember erhielte ich den Verbrauch für November bescheinigt. Auf der Abrechnung stünde wie in den Vormonaten September, August, Juli, Juni, Mai und April ein Verbrauch von Null. Angenommen der November würde extrem kalt und ich würde die Heizung demzufolge ordentlich und andauernd aufdrehen. Dann stünde da im Dezember ein recht hoher Verbrauch. Wie beeinflusst das Wissen darum meinen Verbrauch im Januar? Würde ich weniger heizen? Würdet Ihr weniger heizen?

Für mich kann ich soviel vorhersagen: Ich bin ein Sparfuchs. Ich würde wohl stärker auf Heizersparnis pochen …

Doch was wäre, wenn ich trotz sparsamer Heizflamme auf Dauer einen zu hohen Wärmeverbrauch bescheinigt bekäme? Hieße das dann, dass meine Heiztechnik womöglich zu ineffizient wäre? Und was würde ich dann tun (können)? Mich bei meinem Vermieter beschweren?

Auf Eure Meinung dazu bin ich gespannt. Schreibt doch gleich mal unten ins Kommentarfeld, was Ihr dazu meint!

Foto: tagstiles.com / photocase.de

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
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4 Kommentare zu “Wie viel ist das Wissen über den Energieverbrauch wert?”

  1. Roger Corradini

    Ohne jetzt diese Studie im Detail gelesen zu haben, wollte ich die ausgewiesene Ersparnis in Relation zum Wärmeverbrauch im Sektor Haushalte wissen.

    Kurzer Überschlag:
    Ca. 2.200 PJ Endenergieverbrauch im Sektor Haushalte pro Jahr.
    ca. 80% davon Raumwäre und Warmwasser –> 1.750 PJ
    Davon werden in vier Jahren 77 PJ also ca. 19 PJ jährlich eingespart.

    Ergibt 1,1 % des Wärmeverbrauchs im Sektor Haushalte
    Erscheint auf den ersten Blick wenig …

    Allerdings zum Vergleich der nutzbare Ertrag aller derzeit in Deutschland installierten Solarthermie-Anlagen beträgt ca. 6,9 TWh = 24,8 PJ
    Quelle Bundesverband Solarwirtschaft – Wert für 2014

    Zwei Schlussfolgerungen:
    1) Ja – wenn diese Maßnahme in der Praxis,
    d.h.:
    – alle Leute sind so Sparfüchse wie die Autorin bzw. die Wissenschaftler der Studie
    – Reboundeffekte treten nicht auf („was sowenig Wärme hab ich gebraucht, dann kann ich nächstes Monat mal großzügiger sein“)
    diese Ersparnis erreichen würde, wäre sie ein wichtiger Baustein zu Wärmwende

    2) Die Solarthermie liegt immer noch weit hinter ihren Möglichen zurück. die Potenziale liegen nämlich allein schon bei den kleinen Wohngebäuden (mit einer Wohneinheit) bei über dem zehnfachen – bei rund 280 PJ. Das entspricht 25 % des Wärmeverbrauch dieser Gebäudeklasse.

    Beste Grüße
    Roger Corradini

  2. Jogi54

    Hallo Doreen,

    Energiesparen um jeden Preis kann auch nach hinten los gehen.

    Ich hatte in meiner vermieteten 77m² Mietswohnung (60er Jahre) ein junges Pärchen mit Baby,
    Die waren der Meinung, dass ihnen ca 16°C Raumtemperatur reicht und 3 mal Stoßlüften fürs Lüften reicht. Die haben Mitte Dezember quasi fristlos zu Ende Januar gekündigt, weil es an den Fenstern schimmeln würde

    Ich hab das damals nachgerechnet und herausgefunden, dass bei 16°C RT und 3 Personen mindestens ein 12facher Luftaustausch/Tag notwendig gewesen wäre, um unter 70% Luftfeuchtigkeit zu kommen, und das meinen Mietern dann auch im Detail erklärt. Unterm Strich waren dann zudem noch höhere Wärmeverluste wg. Lüften angefallen, als bei einer Beheizung auf 20°C.

    Die jungen Leute haben dadurch viel gelernt – auch wenn es sie zudem einen unnötigen Umzug gekostet hat. Sie haben dann bis zum Auszug ordentlich geheizt und den Schimmel professionell beseitigen lassen (Eltern der Frau waren in dem Bereich tätig).

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