Mangelts der Solarthermiebranche einfach an Lobbypersonal?

Lobbyismus Solar-Branche

Wie ihr wisst beschäftigen wir uns hier nicht nur mit Solarthermie im Speziellen, sondern auch mit Energiepolitik. Und wenn es um Energiepolitik geht, geht es schnell auch um Lobbyismus. Ich weiß, dass dieses Wort schon schwer in Verruf geraten ist, weil es imho vor allem von jenen Menschen missbraucht wurde, die gesellschaftsschädliche Gesetzesänderungen durchbringen wollen und wollten. Dabei ist Lobbyismus per se nichts anderes als Interessensvertretung und eine Brücke zwischen der wirtschaftlichen Praxis und der politischen Theorie. Das ist grundsätzlich nichts Verwerfliches, weil sonst vermutlich noch mehr weltfremde Beschlüsse durchs Parlament gejagt würden. Wir machen hier ja auch nichts anderes als Aufklärungsarbeit und Interessensvertretung, weil es viel zu wenige Medien und Artikel zum Thema Solarthermie gibt.

In den letzten drei Jahren in denen wir hier schreiben hat sich bei mir nun eine Frage manifestiert, die mich nicht mehr loslässt. Ich habe sie im Titel artikuliert. Obwohl die Solarthermie eine der Silver Bullets im Kampf gegen den Klimawandel und im Bereich der Wärmewende ist, ist der Markt massiv rückläufig und ein Unternehmen nach dem anderen muss aufgeben, heute erst kam wieder die Insolvenzmeldung von Solvis. Das Potenzial der Solarthermie wird durch die Bank unterschätzt und klare Strategien für einen richtig großen Wurf hat noch kein einziges Land auf den Weg gebracht. Dafür gibt es vielerorts Unkenrufe auf den Untergang der Technologie und das liegt meiner Meinung nach vor allem an der Kommunikation der Branche selbst und nicht weniger am Personalmangel auf Ebene der Interessensvertretung. Ein Leser hat mich in der Diskussion um das neue Kollektorlabel auf das Thema aufmerksam gemacht und je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird für mich eines der Probleme der Branche. Es gibt einfach nicht genug Menschen, die sich gut genug auskennen, um wirklich Veränderungen im jeweiligen Land durchzubringen und auch innerhalb der Unternehmen gibt es aufgrund des schwierigen Tagesgeschäftes zu wenige Leute, die sich mit dem Thema beschäftigen können. Uwe Trenkner, der selbst mal Generalsekretär der ESTIF war schreibt in einem Kommentar.

Wir haben die Idee des Verbundlabels entwickelt, damit auch die Solarthermie-Spezialisten vom Label profitieren können. Dabei zeigte sich einmal mehr: Auch die Unterstützung seitens der Hersteller war sehr schwierig. Es gab nur sehr, sehr wenige Firmen, die jeweils einem Mitarbeiter genügend Zeit geben konnten, sich in die sehr komplexe Materie einzuarbeiten und dann auch noch auf europäischer Ebene Vorschläge durchzusehen, zu kommentieren, Gegenvorschläge zu erarbeiten. Bis heute kämpfen wir mit Unklarheiten und Fehlern im europäischen Regelwerk, die sich vielleicht hätten vermeiden lassen, wenn ein paar kluge Köpfe mehr an den entscheidenden Treffen hätten teilnehmen können.

Ja, die Solarthermiebranche hat sicherlich einige Hausaufgaben in der Vergangenheit nicht gemacht und vielleicht wurden nicht genügend Mittel bereitgestellt um die notwendige Arbeit zu finanzieren.

Schauen wir uns deshalb die “Lobbylandschaft” bei der Solarthermiebranche mal genauer an.

In Wahrheit gibt es in Österreich, Deutschland und der Schweiz jeweils einen nationalen Verband, der sich mit dem Thema beschäftigt und auf europäischer Ebene die ESTIF, die versucht die Interessen aller Länder und Hersteller unter einen Hut zu bringen. Wie viele Leute sind das?

Deutschland – BSW – Bundesverband Solarwirtschaft

Der mit Abstand größte Solarverband im deutschsprachigen Raum ist der BSW mit ca. 20 Leuten. Leider ist auf der Website nicht ersichtlich, wie viele davon sich wirklich mit Solarthermie auseinandersetzen. Der Vorstand lässt vermuten, dass der Fokus stärker auf dem Thema Photovoltaik liegt.

Meine Schätzung: 3-4 Personen

Österreich – Austria Solar

In Österreich ist die Interessensvertretung sehr überschaubar. Nur 1,5 Personen müssen sich um alle Anliegen der Solarthermie kümmern.

Österreich: 1,5 Personen

Schweiz – Swiss Solar

Auch in der Schweiz ist die Verbandsarbeit von Photovoltaik und Solarthermie in einem Verband vereint. Es arbeiten dort derzeit 18 Personen. Wie viele nur mit Solarthermie beschäftigt sind, lässt sich auch hier nur schätzen. Eine Person ist ausgewiesen, also werden es auch hier nicht viel mehr als 2-3 Leute sein, die sich ausschließlich diesem Thema widmen. Sollte ich falsch liegen, einfach im Kommentarfeld posten.

Schweiz: 2-3 Personen

EU – ESTIF

Die schon oben erwähnte ESTIF beschäftigt sich ausschließlich mit Solarthermie. Das Verbandskonstrukt ist etwas verwirrend, da im Board auch Leute aus den Länderverbänden und den Herstellerunternehmen sitzen. Mich interessieren die wirklich operativ arbeitenden Menschen, die die Gesetztestexte formulieren, Informationen zusammentragen und wirklich aktiv arbeiten. Das sind dafür, dass es sich um die EU-Ebene handelt meiner Meinung nach auch nur sehr wenige.

ESTIF: 4 Personen

10-20 Personen sollen einen ganzen Markt bewegen?

Meine Schnellanalyse ergibt also gerade mal 10-20 Personen im deutschsprachigen Raum und der EU, die sich wirklich operativ der Interessensvertretung der Solarthermie verschrieben haben. Dementgegen steht eine Armada an Personen die sich für andere erneuerbare Energieträger und ein Heerschar an Lobbyisten, die mit viel Geld das alte System so lange wie möglich aufrecht erhalten möchten. Wie soll das funktionieren?

Gleichzeitig gibt es auch in den Unternehmen anscheinend einfach kein Geld und keine Zeit für diese Arbeit. Die alte Energiewirtschaft hat die “Kriegskassen” nach wie vor recht voll. Wurde sie doch die letzten 50 Jahre gefüttert. Wie also rauskommen aus dem Dilemma? Ohne wirklich große Sprünge kommen wir nicht raus aus der Schieflage. Ein echter CO2 Preis könnte Berge versetzen. Dagegen wehren sich aber noch viel zu viele Interessensgruppen. Deshalb möchte ich zumindest etwas Licht ins Dunkel bringen und vor allem interessieren mich folgende Fragen:

  • Wie viele Lobbyisten gibt es eigentlich im Energiebereich?
  • Wie viele beschäftigen sich davon mit Solarthermie
  • Wie ist das Zahlenverhältnis zwischen Fossil und Erneuerbar generell?

Was meint ihr?Hat hier jemand genauere Zahlen? Auf Lobbycontrol oder dem österreichischen Lobbyregister lässt sich das leider nicht gut genug herausfiltern.

Natürlich interessiert mich auch wie ihr das seht!

Bild: time. / photocase.com

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Vielen Dank und sonnige Grüße

10 Kommentare zu “Mangelts der Solarthermiebranche einfach an Lobbypersonal?”

  1. Andreas Kuehl (@energynet)

    Fängt das Problem nicht schon innerhalb der Solarbranche an? Sie hat sich jahrelang auf die Photovoltaik konzentriert und die Solarthermie vernachlässigt. Heute gibt es Grabenkämpfe, die Solarthermie zugunsten der PV ganz verdrängen möchte. Zielführend ist dies sicher nicht, für die Thermie auf jeden Fall schädlich.

    1. Cornelia Daniel

      Es wurde meiner Meinung nach viel zu lang das Potenzial der großflächigen Solarthermie verkannt und eben viel mehr Menschen arbeiten im Strombereich wobei es eine schier unvorstellbare Menge an neuen Kapazitäten bräuchte, wenn wir den Wärmebereich komplett elektrifizieren wollen. Es ist definitiv für alle Platz.

  2. Andreas Reitmann

    Ich denke eher, es liegt an den Kosten. Mittlerweile ist es günstiger die Wärme Stadt aus solar thermischen Modulen, aus der PV plus Wärmepumpe zu holen. Ich beschränke mich auf eine Technik, die Installation ist einfacher und die Gestehungskosten sind zumindest gleich, wenn nicht niedriger.

    1. Cornelia Daniel

      Ich hab die Rechnung selbst schon aufgemacht. Auf Wärmegestehungskosten von unter 8ct/kWh mit einer PV-WP Kombi zu kommen, halte ich für sehr, sehr ambitioniert (das schafft mich ach und Krach die PV alleine ohne die 5-10.000,- zusätzlichem Invest) und wenn dann nur für Warmwasser möglich. Für Heizung und eben solare Deckungsgrade von jenseits der 60% wirds schwierig und gerade dieses Segment, bei dem man möglichst unabhängig ist, ist völlig ausgeblendet und bräuchte mehr Aufmerksamkeit.

  3. Doreen

    Ich denke nach wie vor, dass es hier tatsächlich um das Selbstverständnis einer hochmodernen Branche geht. Noch zu viele Solarthermiker glauben an den Grundsatz, Qualität setzt sich durch, ohne auf das Wie? zu fokussieren – wir haben das multimediale 2015! Wer heute laut trommelt, wird nahezu überall gehört. Wer leiser trommelt oder gar wartet, dass sein ökologisch wertvolle(re)s Produkt ohne Trommelei aufgrund der Qualität von ganz allein bekannt würde, der hat sich offensichtlich geirrt. Das Spiel hat Regeln. Wer nicht mitspielen will, sollte ein neues, anderes Spiel ausrufen: laut und mit einem Trommelwirbel. Sonst geht er mit seinem Ruf im mehr oder weniger angebrachten Zuschauerlärm des laufenden Spiels unter. Ein neues Spiel kostet mehr als nur ein Spielgeld. Und das muss die Solarthermie jetzt locker machen. Besser spät als nie. Go, Solarthermie, go!

  4. Tom Best

    Ja die Solarthermie… Ein schöne Sache, funktioniert auch in unseren Breiten und mal abgesehen von den Investitionskosten auch ohne weitere Kosten, Bestimmungen, Verordungen oder sonstigen Abgaben. Also ganz anders als bei dem PV-Strom. Ich sage da nur mal EEG-Umlage auf selbstverbrauchten Strom.

    Hier nur ein paar Zahlen zum Energieverbrauch der privaten Haushalte vom Umweltbundesamt:
    Die privaten Haushalte benötigten nach vorläufigen Angaben aus dem Jahr 2012 etwa 69 % der Energie für das Heizen, 15 % für das Warmwasser, 6 % für das Kochen, 4 % für Kühl-und Kälteanwendungen, 4 % für Information- und Kommunikationstechnologien, 2 % für die Beleuchtung sowie weniger als 1 % für sonstige Elektrogeräte.

    Sprich über 80% Energie für Wärme und Warmwasser und nicht mal 20% für Strom.

    Warum gibt es also nicht mehr Solarthermie in Deutschland, wo wir doch Monate im Jahr Heizperiode haben? Die Antwort ist nach ganz einfach. Weil es für den Staat besser ist wenn die Bürger teuren Brennstoff mit viel Steuerabgaben bezahlen als sparam die Wärme aus der Sonne zu nutzen und dies auch noch kostenlos. Auf den Wärmeertrag einer Solarthermieanlage gibt es keine Steuerabgaben die man zahlen muß. Ergo auch keinen finanziellen Ertrag für den Staat also auch kein Interesse daran.

    Wo kämen wir denn hin wenn alle Ihre Wärme umsonst produzieren würden. RWE Eon und die anderen würden nichts mehr verkaufen und der “arme” Staat würde weniger Energiesteuern einnehmen. Warum wird wohl das Isolieren von Altbauten so verteufelt und die Wärmepumpe als DIE neue Heizungstechnik verkauft. Warum macht RWE Werbung zur PV-Anlagen Wartung…!?

    Es geht in der Politik nicht um gut und richtig sondern um Macht und Geld. Sprich, habe ich viele Bürger an der Elektro-Leine (Netzanschluß von Wärmepumpe und PV) dann habe ich auch die Macht die Preise zu diktieren und damit die (Steuer)-Einnahmen zu kontrolieren und abzuschöpfen. Erzeugen aber immer mehr Menschen ihre benötigete Energie autark und selbst kann ich diesen Einfluß nicht mehr geltend machen.

    Somit MUSS der Staat und die mächtige Stromlobby gegen Solarthermie sein und für die Wärmepumpe, und für PV-Anlagen die in der Kombination miteinander im Winter den Nutzer alt und arm werden lassen.

    Einfache Systeme sind bei uns nicht erwünscht und Menschen die die Dinge logisch hinterfragen schon garnicht. Sonst wären alle Dächer mit Solarthermie belegt und wir hätten endlich die WÄRMEWENDE geschafft und würden wiksam etwas gegen die Klimaerwärmung machen.

  5. Florian

    Tom spricht mir aus dem Herzen! Genau so ist es und darum gibt es auch keine Solarlobby: wieso sollte irgend jemand dem Endkunden sagen, dass er mit Solarthermie heizen kann, wenn keiner dann noch etwas mit diesem Endkunden verdienen kann. Nur der langfristig laufende Geldhahn lässt Lobbys leben: Service, Energiefolgekosten, Steuern, Leitungsgebühren. Mit ST steht eine einfache, jahrzehntelang erprobte Technologie zur Verfügung, die sofort verfügbar ist, deren Produkte 30 Jahre und länger halten (auch schon in der Praxis nachgewiesen). Leicht könnte man den Anteil von 1% auf über 20% am Gesamtenergieverbrauch ( noch ohne die ebenfalls sträflich vernachlässigte solare Prozesswärme) in kürzester Zeit steigern. CO2 Reduzierung und Wärmewende pur! Aber offensichtlich will das ja keiner wirklich. Gleichzeitig wird über den Klimawandel gejammert und die Ziele, um dagegen etwas zu tun, immer weiter in die Zukunft geschoben, mit Technologien, die risikoreich, teuer und nicht erprobt oder heute bereits machbar sind! Lächerlich!

    1. corneliadaniel

      Vielen Dank für eure tollen Kommentare und umso trauriger wenn es wirklich so ist. Jetzt im Abwärtsstrudel ist es umso schwierigier das nötige Geld für Interessensarbeit locker zu machen, zumal die Branche sich auch gerne gegenseitig behindert und die Verbände so auch nicht wirklich stark auftreten können… Mir wird immer klarer, dass vor allem ein CO2 Preis hermüsste, dann wäre zumindest mal ein Markt möglich, so wie es jetzt ist wird die Thermie doppelt belastet…

      Was können wir tun?

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Vielen Dank und sonnige Grüße

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