Wo ist der Aufschrei zur 10 Prozent Heizölpreissteigerung?

Alles schreit dieser Tage wegen der Verkündung der neuen EEG Umlage, die wie erwartet von 3,59 auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde gestiegen ist. Man rechnet vor, dass ein 4-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4500 kWh  nun 90 € mehr pro Jahr zahlen muss. Pro Monat sind das 7,5 € und wenn wirs noch durch vier teilen kommt überhaupt eine ziemlich kleine Zahl raus (1,87 €/Person/Monat). Ist also eigentlich nur eine Frage wie mans rechnet. Bei der Vorstellung der dänischen Energiewende hat einer der Minister übrigens eine schlaue Kommunikationsmethode gewählt. Er rechnet die Kosten der Bevölkerung, die diese notwendigen Maßnahmen für ein erneuerbares Dänemark kostet, in McDonalds Burgern vor. Dort war es glaub ich ein Burger pro Woche, den sie weniger essen sollen und damit gleich  auch noch das Gesundheitssystem schonen. Dänemark ist überhaupt schlauer im Vorrechnen der Kosten, wenn man es NICHT machen würde und bezieht dabei oft Gesundheitskosten wie zB. durch Feinstaubbelastung offiziell mit ein. Aber dazu gehört eben auch ein Kommittment auf oberster Regierungsebene. Daran haperts gerade ein wenig in Deutschland und in Österreich sowieso.

Heizkosten machen den Großteil der Energiekosten aus und werden nicht beachtet

Jedenfalls muss ich mich wundern, warum diese Preissteigerung so wahnsinnig stark in den Medien ist, wenn gleichzeitig klammheimlich die Heizkosten – die einen unvergleichbar höheren Anteil der Energiekosten in einem Haushalt haben – (ca. 80% wenn ich mit recht erinnere) in schwindelnde Höhen klettern, ohne dass auch nur irgendeine EEG-Umlage daran beteiligt wäre. Ich muss an dieser Stelle leider die Bildzeitung zitieren, weil es wirklich schwierig ist, aktuelleNews zu diesem Thema zu finden. Zumindest von meinem österreichischen Googleversum aus.

Seit 2005 sind die Preise für Heizöl um 69,7 Prozent gesteigert

Ich halte eigentlich nichts von willkürlich subsumierten Jahren, um auf eine schöne Zahl zu kommen, aber da man auf dem Heizkostenauge blind zu sein scheint, muss ich ein wenig boulevardesquer schreiben. Die jährlichen Zahlen sind überdies auch beachtlich. In Deutschland und auch Österreich steigen die Heizkosten dieses Jahr um mindestens 10% und ich hab auch schon von 15% gelesen. Die österreichische Arbeiterkammer rechnet sogar Mehrkosten von € 324,-/Jahr im kommenden Jahr vor. DAS find ich wirklich bedrohlich.  Wer ein ähnliches Rechenbeispiel aus Deutschland findet, bitte im Kommentarfeld posten. Generell wäre eine Sammlung von Rechenbeispielen für die Energiekostensteigerungen spannend, um zu sehen wer gerade schön- und wer dann wieder hässlichrechnet.

Was einsetzen bei der Amortisationsrechnung von erneuerbaren Heizsystemen?

Ich bin übrigens gerade dabei Amortisationsrechnungen von Solarthermieanlagen zu durchforsten um zu beweisen, dass 10 Jahre Amortisationszeit von Solarthermieanlagen schon heute Realität sind. Dabei hatte ich mich über einen häufig verwendeten Steigerungssatz der Energiekosten von 6 % jährlich gewundert, da ich das bei Photovoltaik-Amortisationsrechnungen nicht einzusetzen wage, weil dann die Gewinne in utopische Höhen steigen würden und auch nicht ganz korrekt wäre. Man muss aber auch hier wieder klar zwischen Strom und Wärme unterscheiden. Strom kommt derzeit noch aus vielen verschiedenen Großkraftwerken und ist nicht so stark an die Ölpreis gekoppelt. Öl und Gas hingegen schon. Die Preissteigerungen durch schwerer förderbares Öl, wird also den Wärmebereich früher treffen als den Strombereich. Seht ihr das auch so? Was wäre eine angemessene Preissteigerungsrate die man Berechnungen bei  erneuerbaren Heizsystemen zugrunde legen sollte?

Nachtrag:

Nach Veröffentlichung wurde ich auf einige Artikel in den neuen Medien hingewiesen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Anscheinend sind vor allem die alten Medien nicht an dem Thema interessiert, weil keiner dafür bezahlt, diese Information zu streuen. Wer ähnliche Artikel hat, die gut dazupassen, einfach im Kommentarfeld posten!

Foto: marqs / photocase.com

 

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:

  • Bekenntnisse einer Wärmepumpen-Betreiberin
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17 Kommentare zu “Wo ist der Aufschrei zur 10 Prozent Heizölpreissteigerung?”

  1. Hilbert

    Am Heizöl verdienen alle gut und des wird langsam aber sicher knapper, am Strom noch besser, wenn man sich die Jahresüberschüsse der Großen Energieversorger ansieht. Die Lobbyis sind identifiziert und die hohen Jahresüberschüssen lassen sich so leichter verstecken, wenn diese rufen: Haltet den Dieb!!!

  2. Cornelia Daniel

    Vielen Dank für den tollen Link Silivia! Genau solche Artikel such ich. Da hatten wir wohl diesselbe Eingebung. Mit solchen Prognosen dürfte die Entscheidung welches Heizsystem man wählt ziemlich eindeutig sein, aber ich seh jetzt schon wieder die Leute in 5 Jahren um Heizkostenzuschuss flehend, weil man sich heue von der Öllobby eine „Ölkesselförderung“ hat einreden lassen. Politische Lenkungsmaßnahmen wären da dringend heute schon notwendig um das zu vermeiden.

    1. Robert

      Und inmitten des medialen Getöses um die Erhöhung der EEG-Umlage gehen auch Diskussionen um die Einschränkung von Mieterrechten unter (http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/experten-uneinig-ueber-energiewende-effekt-der-mietrechtsnovelle-3983.html). Hier sollen Mieter drei Monate lang nicht mehr die Miete senken dürfen, auch wenn die Wohnqualität durch zB ein Baugerüst, Baulärm und Baustaub eingeschränkt wird. Nur damit die Vermieter einen „Anreiz“ haben, eine energetische Sanierung durchzuführen.

    2. Cornelia Daniel

      Aha, interessanter Ansatz… es braucht unbedingt Anreize für Vermieter, ob das der richtige Ansatz ist weiß ich nicht. Andererseits haben die Mieter dann ja auch geringere Energiekosten, was ja ihnen ja auch wieder zugute kommt… Ohne mich jetzt genauer damit befasst zu haben, finde ich das nicht soo schlimm…

    3. Elmar

      Hallo Cornelia,
      den Grundtenor deines Blog-Eingtrages kann ich nur unterstützen – ich denke auch, dass da die Lobbyisten eine wirklich guten Job gemacht haben.
      Ich finde es allerdings bedenklich, dass die Mieter sich nicht mehr mit Mietkürzungen gegen die meist unnötige und oft sogar nicht wirksame sogenannte „erergetische Sannierung“ wehren können.
      Es gibt Studien, die sagen, dass die energetische Sannierung – meist ist das nur das Zukleben von Gebäuden mit dicken Styropur-Platten – für die Mieter nicht die Einsparungen bringen, die versprochen werden. Der Vermieter hat den Benefit einer im Markt als höherwertig angesehenen Wohnung und der Mieter zahlt die Zeche…
      Siehe dazu auch http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/hintergrund/waermedaemmung117.html
      Durch schlecht gemachte Dämmung entstehen zudem Nachteile für die Mieter – am häufigsten wohl Schimmelbildung und das hat nichts mit falschem Lüften zu tun! Dazu kommt noch die erhöhte Brandgefahr – Styropor verbrennt nicht nur mit starker Rauchbildung, der Rauch ist auch noch sehr giftig…
      Auch hier haben die Lobbyisten einen guten Job gemacht.

    4. Cornelia Daniel

      Hmm, solche Entwicklungen sind natürlich bedenklich. Das passiert vermutlich dann, wenn der Vermieter einfach den Billigstbieter nimmt und nicht überprüft wird, ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung haben. Ist ein ähnliches Problem wenn Förderungen nur für installierte m² Solarthermie ausgeschüttet werden und nicht für erzeugte Leistung wie es in der PV zum Erfolg geführt hat. Was lernen wir daraus? Förderungen sollten in irgendeiner Form immer Leistungsbezogen sein, damit nicht Billigstanbieter den Ruf ganzer Branchen gefährden und Steuergelder verbrannt werden…

    1. Cornelia Daniel

      Danke Florian, die Entwicklungen gehen auf jeden Fall in die richtige Richtung für die Erneuerbaren, es ist nur bedenklich welche Macht die Medien hier ausüben und wie viel mehr auf den Strom hingehauen wird, obwohl die wirklichen Probleme ja bei Heizung und Benzin liegen.
      Das mit den 60% wusste ich nicht, ist ja wirklich ein Wahnsinn und auch darüber liest man in den Zeitungen nicht viel…

  3. Franz Bergen

    Zur Frage „Was wäre eine angemessene Preissteigerungsrate die man Berechnungen bei erneuerbaren Heizsystemen zugrunde legen sollte?“

    Kurz: Das, was der Investor annimmt! Denn er entscheidet auf Grund dieser Annahme über seine Investition.

    Das Problem ist die Verlässlichkiet dieser Annahme, die nur Spekulation sein kann.

    Gibt man dem Investor Erfahrung und historische Daten an die Hand, kommt er zu folgendem Ergebnis.
    Erfahrung: „Energiepreise verdoppeln sich alle 10 Jahre“ (also 7,2%/a oder 100% bis 2022). Unter dem Aspekt ist die Vorhersage von CO2-online von 50% Ölpreissteigerung bis 2020 recht konservativ.
    Statistik: Seit 1970 (laut EANRW: 8,2 Cent) bis 20.10.2012 (laut Tecson: 94 Cent) haben sich die Ölpreise trotz Weltwirtschaftskrise 2008 um jährlich 5,98% erhöht (eigene Berechnungen).
    Ich würde dem Investor empfehlen 6%/a an Preissteigerung anzunehmen (Verdopplung alle 12 Jahre)..

    Dagegen rechnet man kostenlose Sonnenwärme und Holzpellets, deren Preissteigerung in den letzten 10 Jahren 1,5%/a betrug. Bei stärkerer Nutzung wird auch dieser Prozentsatz stärker ansteigen. Vorschlag 3-4%/a für Holzpellets. Um diesen Preisanstieg zu bremsen halte ich es für erforderlich, auch bei einer Solar-/Pelletkombination größere Solaranteile zu verwirklichen.

    Realistische Amortisationszeiten für diese Kombination (=solare Sanierung) mit diesen Annahmen je nach Wärmebedarf und Solaranlagengröße zwischen 9 und 14 Jahren. Die konventionelle Vollsanierung (Dach- und Außenwanddämmung, neue Fenster, kontrollierte Wohnraumbelüftung, Ölbrennwerttherme) mit etwa gleichem Einsparpotential amortisiert sich eher nach 35 denn nach 25 Jahren, also in einem Zeitraum wo nachgebessert werden muss..

    1. Cornelia Daniel

      Danke für die ausführliche Antwort. Ich höre nun immer öfter, dass eine solarthermische Heizung günstiger kommt, als eine Dämmung und dass letztere eben nicht immer notwendig ist, wenn die Energie von der Sonne kommt. Birgt vermutlich auch viel Streitpotential aber ich werd mir auch das noch genauer ansehen.

    2. Wolfgang Günther

      Herr Bergen ich kann ihre Ausführungen nur bestätigen. In meinen Vorträgen und Beratungsgesprächen rechne ich persönlich bisher mit einer Steigerungsrate von 7,5 % bei fossilen Brennstoffen. Ich denke da liege ich nicht ganz schlecht. Letzlich frage ich meine Kunden aber immer mit welchen Steigerungen sie rechnen würden. Erstaunlicherweise ist dieser Wert häufig höher als meine Einschätzung. Sie haben vollkommen Recht, der Investor muss seine eigene Annahme zugrunde legen. Das können wir ihm nicht abnehmen.
      Ich habe dafür eine Tabelle (Excel), in der ich zum Vergleich die Investitionskosten z.B. einer Ölheizung einer Pelletsheizung gegenüberstelle zuzüglich der kummulierten Brennstoffkosten für die nächsten 20 Jahre. Das entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung einer Heizungsanlage, auch wenn ich bei den modernen Brennwertgeräten so meine Bedenken habe. Als Steigerungsfaktor setze ich den vom Kunden genannten ein, der Fairness halber rechne ich bei Pellets zunächst mit dem gleichen Faktor. Es kommt immer ein Ergebnis zu Gunsten der Pelletsheizung heraus, in der Regel fünfstellig. Wenn ich dann zum Vergleich bei Pellets z.B. 2,5% Steigerung ansetze gibt es regelmäßig große Augen.
      Trotz dieser gigantischen Vorlage schreckt viele Kunden die hohe Investitionssumme ab. Es ist nicht einfach die Leute von einer Pelletsheizung zu überzeugen, trotz der immensen Preissteigerung von Heizöl. Es tut wohl noch nicht weh genug.

      Dieses Rechenmodell hat übrigens auch seine Tücken, wenn man im Beratungsgespräch zur Solaranlage kommt. Da wird dann plötzlich der erwartete Ertrag in Kilowattstunden mit dem Pelletspreis hochgerechnet. Da braucht es dann viel Überzeugungsarbeit.

      Wie auch immer, einer muss es ja machen 🙂

      Wolfgang Günther
      Installateur- und Heizungsbaumeister, Betriebswirt, Unternehmer

  4. L.Stenzel

    Ich möchte an dieser Stelle nicht bewerten ob das Handeln der Regierung (in Deutschland und Österreich gleichermaßen) richtig, falsch, gut oder schlecht ist. Aber fakt ist, dass die Regierung nach außen hin einen miserablen Eindruck hinterlassen. Es wird irgendwas beschlossen, die Bevölkerung zahlt und alles ist gut. Die Frage ist nur, wie lange noch. Es wäre mal an der Zeit, dass die Regierung sich auch mal erklärt und offenlegt, was sie von verschiedenen Handlungen kurzfristig, aber auch langfristig erwartet und wo Chancen und Risiken liegen.
    Ansonsten lässt sich deren Arbeit ja auch kaum sinnvoll bewerten.

  5. Claude Klingenberger

    Mittlerweile übrigens interessant, dass wir beim Heizoel aktuell mit < 60€/hl (Oktober 2015) wieder auf dem Preisniveau von Herbst 2005 bzw. Herbst 2009 liegen.
    Dazwischen lagen durchaus extrem Preise in 2011 bis 2014.
    Quelle tecson.de

    Wie mag es weiter gehen ?

    Aber wie haben sich die Pelletpreise zwischendurch entwickelt ?
    Der Pelletverband DEPV.de hält die historischen Preise leider zurück (?)
    http://www.holzpellets.net gibt aber einen Langfristchart seit 2005.

    Demnach gab es seit liegen die Preise heute mit 235 €/t 25% über den Preisen Ende 2005,
    zwischendurch gab es auch deutliche Schwankungen.

    Der Langfristvergleich wäre da durchaus mal interessant.

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