… und bei denen die Photovoltaik meilenweit voraus ist.
Jetzt beschäftigen wir uns schon ziemlich genau zwei Jahre mit dem Thema Solarthermie und es wird immer deutlicher, dass es an viel zu vielen Ecken massiv krankt und das hat wenig bis gar nichts mit der Technologie selbst zu tun. Viel mehr tragen die Rahmenbedingungen dazu bei, dass hier nichts weiter geht. Da ich aus der Photovoltaik komme, macht es mich wahnsinnig zu sehen, wie viel da bei der Thermie noch fehlt und es wundert dann auch nicht, dass die Thermie unter manchen Photovoltaikern, die sich nicht so intensiv damit beschäftigen, ein schlechtes Image hat.
1. Wärmemengenzähler als Standard und Ertragsvisualisierungen via App!!
Herrschaftszeiten! Wieso ist es so schwer einen verpflichtenden Wärmemengenzähler zu verlangen oder als Standardelement zu führen?? Erklär einem Photovoltaik-Betreiber, dass er bei der Thermie nicht wirklich erkennen kann wie viele Kilowattstunden erzeugt oder genutzt wurden? Für viele ist es ja fast schon zum Ritual geworden Abends zu schauen wie viel die Anlage “geleistet” hat. Natürlich ist bei Strom alles viel einfacher, aber wir sind auch zum Mond gekommen, also kriegt das bitte endlich in den Griff. Es gibt ja auch schon tolle Lösungen am Markt, aber anscheinend noch keinen Anreiz diese auch wirklich flächendeckend zu verwenden und untereinander zu vergleichen. Sind diese etwa zu teuer oder woran liegt das? Hier sollte der Gesetzgeber an Verpflichtungen arbeiten oder diese fördern.
2. Ertragsbezogene Förderung statt Quadratmetereintopferei
Der Durchbruch der Photovoltaik ist nur gelungen, weil der Einspeisetarif dazu geführt hat, dass die Erträge vergütet wurden und nicht die Quadratmeter und das hat wiederum dazu geführt, dass vor allem jene Anlagen gebaut wurden, die auch Erträge gebracht haben. Die Quadratmeterförderung führt dazu, dass jene Bauherren, die eine Solarheizung einbauen MÜSSEN, ganz garantiert das billigste System nehmen und es überhaupt keine Rolle spielt ob die Anlagen danach fossile Energie ersetzt oder nicht, dabei wäre ja genau das das Ziel, oder hab ich da etwas falsch verstanden? Ich habe furchtbarste Aussagen von Projektentwicklern gehört, die einfach irgendein System nehmen, weil es eh komplett wurscht ist. Mich ärgert das schon länger so wahnsinnig, dass wir hier nun einen Schwerpunkt zu diesem Thema setzen werden und hoffe, dass bald auch die angefragten Informationen aus dem Bundesministerium kommen. Ich hab auch das starke Gefühl, dass es hier noch an einer Truppe wie Hermann Scheer und Hans-Josef Fell fehlt, die mit Expertise Vorschläge für ein Wärme-EEG einbringen und das ist umso problematischer als Solarthermie noch etwas komplexer als Photovoltaik ist, aber ein weiter wie bisher wäre wohl das ultimative Todesurteil für die Branche.
3. Manipulierbare Dimensionierungssoftware und Intransparenz beim Endkunden bremsen den Durchbruch der Solarthermie
Was mich in letzter Zeit aber so richtig närrisch macht, ist der Umstand, dass auch die besten Softwareprogramme zur Dimensionierung nicht zu transparenten Ergebnissen führt und diese noch viel zu leicht manipulierbar sind. Bzw. der Kunde nicht erkennen kann ob manuell eingegebene Werte oder geprüfte Werte im Ergebnis erscheinen geschweige denn die Ergebnisse, die bei T-Sol oder Polysun rauskommen verständlich dargestellt sind. Was ist so schwer daran zu zeigen was erzeugt und was eingespart wird, auf EINEN BLICK UND UNMISSVERSTÄNDLICH, ohne dass man dafür Heizungstechnik studiert haben muss? Es muss doch möglich sein, ein System zu entwickeln, bei dem die Planer nicht “schummeln” können und trotzdem selbst konfigurieren aber auch die Informationen aus der Solar Keymark UND dem Datenblatt 2 berücksichtigt werden UND auch noch verständlich dargestellt werden. Ist vielleicht etwas zu viel verlangt aber ich habe erst kürzlich erlebt, wie zwei Vakuum-Röhrensysteme, die bei unterschiedlichen Temperaturniveaus laut Datenblatt 2 der Solar Keymark unglaublich große Unterschiede im Jahresertrag aufweisen, aber dann bei der Simulation überraschenderweise ähnliche Ergebnisse herauskommen. Nun habe ich erfahren, dass die Werte eben auch manuell eingegeben werden können und einmal die geprüften Daten und ein andernmal die selbst eingegebenen Datensätze verwendet wurden. Jetzt erklär mal einem Endkunden warum die eine Simulation richtig ist und die andere nicht, obwohl sie aus dem selben System stammen. Auch hier ist es nicht vorstellbar, dass Photovoltaik-Investoren bei solchen Umständen je die vielen Millionen investiert hätten, wobei bei Millioneninvestitionen ohnehin meist Ertragsgarantien wichtig wären, aber auch das Thema Ertragsgarantien ist noch überhaupt nicht weit verbreitet und nur wenige Anbieter geben sie. Ohne wird die der Durchbruch der Solarthermie nicht kommen. Und das tragischste überhaupt ist, dass die Simulationen überhaupt nicht kundengerecht sind, sondern maximal dem Installateur noch etwas sagen, aber nicht dem Endkunden. Ich sag es nochmal, diese Intransparenz über die Erträge ist gefährlich für die ganze Branche. Wer sich gegen diese Transparenz stellt, schadet allen.
4. Fehlende Nennleistung und Unvergleichbarkeit der Kollektoren
Wie hier schon mal beschrieben halte ich es für Endkunden unzumutbar, dass es bei den Kollektoren keine echte “Nennleistung” gibt. Es sagt einfach vielmehr aus, wenn ich von einem 1000 Wt Kollektor und einem 250 Wp Modul spreche, also von einem 14 Röhrenkollektor mit 2,6 m² Bruttokollektorfläche. Von mir aus, kann auch der Jahresertrag als Kennzeichnung herhalten. Dann ist es eben nicht die Nennleistung, sondern ein Nennertrag unter Standardtestbedingungen wie 50° am Standort Würzburg, aber zumindest ein klares Erkennungsmerksmal, das mir eine Einschätzung der Leistung zeigt. Sunpower ist hier das Paradebeispiel. Jeder wusste, dass ein 330 Wp Modul echt unglaublich stark war, weil das schon im Produktnamen enthalten war. Bis man diesen Wert bei der Thermie gefunden hat, sucht man (oder niemand) seeeehr lange in der Solar Keymark. Das verhindert eindeutig den Durchbruch der Solarthermie.
5. Fehlende Kostentransparenz und Wärmegestehungskosten verhindern den Durchbruch der Solarthermie
Nicht zuletzt ist es in der Photovoltaik mittlerweile undenkbar, dass es eine derart große Bandbreite bei den Kosten und vor allem den Gestehungskosten herrscht und vor allem 90% der Branche keine Ahnung haben wie viel Wärme aus Solarthermie nun kostet. Sind es 4 ct/kWh oder 10 Cent oder gar 15 ct/kWh. Ich habe mich vor einiger Zeit ja dazu verantwortet, die Kosten der Solarthermie etwas transparenter zu machen und hab schon wieder einiges an Material. Trotzdem gibt es viel zu wenige Institute, die sich damit beschäftigen. Außer AEE Intec und Solites hab ich noch niemanden gefunden, der hier ernsthafte Berechnungen anstellt. Das ist viiiiiiel zu wenig und führt dazu, dass alle meinen Solarthermie sei so teuer obwohl das gar nicht stimmen müsste, wenn endlich mal etwas Transparenz in den Markt kommen würde und klarer wird, was solche Systeme und auch Sonnenheizungen tatsächlich kosten müssen und können.
So, das war nun ein längst überfälliger solarthermischer Gefühlsausbruch. Falls ich in der Hitze des Gefechts irgendwo etwas über die Stränge geschlagen haben sollte, bitte nur her mit der Kritik. Wie immer korrigieren wir auch im Nachhinein.
Also wenn die Politik ernsthaftes Interesse hat, in der Solarthermie etwas zu bewegen sollten sie zumindest bei diesen Punkten anfangen. Ich bin mir sicher es gibt noch ganz viele andere Baustellen, was mich zur Abschlussfrage bringt: Was sind eurer Meinung nach die Bremsen, die verhindern dass der Durchbruch der Solarthermie gelingt?
Foto: spacejunkie / photocase.com
Wirklich die Politik? Wenn ich mir die 5 Punkte ansehe – die Emotionen sieht man an den sehr langen Absätzen – glaube ich, dass die Industrie sehr viel dazu beitragen kann, das alles zu ändern. Hier müssen innovative Unternehmen vorangehen und andere Hersteller unter Druck setzen.
Wer legt die Förderung fest? Die Beschlüsse macht die Politik, aber die Industrie redet da sehr viel mit. Deshalb steht die Industrie da auch in der Pflicht.
Wir haben es uns zu lange angewöhnt nur auf die Politik zu schauen und zu schimpfen, das reicht aber nicht aus für den notwendigen Erfolg.
Ja, du hast Recht. Die Industrie hat da sehr viele Versäumnisse mitzuverantworten. Vor allem transparenter zu werden und endlich wirklich die Erträge zu beurteilen und sich nicht hinter den Quadratmetern zu verstecken, ist ein wesentlicher Punkt, der in die anderen Punkte hineinspielt. Es gibt aber seeeeehr große Hersteller, die diese Transparenz anscheinend nicht wollen und ich verstehe einfach nicht wieso. Hier wäre aber dann schon wieder die Politik gefragt, die diese Transparenz einfach einfordert, wenn schon Gelder ausgeschüttet werden. Sie hätten hier durchaus Lenkungsmöglichkeiten.
Und die angesprochenen Punkte sind zwar nicht unbedingt Aufgabe der Politik, aber sie sind extrem politISCH. Alleine die Einigung auf eine Nennleistung stelle ich mir furchtbar vor unter den Herstellern, weil jeder besser als der andere dastehen will. Auf höhere Ebene gibt’s wieder keinen der sich auskennt und da eine gute Entscheidung FÜR DEN ENDKUNDEN treffen kann…
Den Vergleich mit den Qualitätsstandards in der PV finde ich richtig und halte das für einen guten Ansatz. Ich sehe zudem nicht unbedingt nur die Politik in der Pflicht, sondern auch die Handwerker. Die müssen erstens besser beraten und zweitens sorgfältiger arbeiten, damit die Anlagen gut funktionieren. Vielleicht hilft da ja die die Erhöhung der Zuschüsse für die Vor-Ort-Beratung ab März.
Ich fange gerade an, mich in das Thema Solarthermie einzulesen, weil ich demnächst Vertriebs-verantwortung bei einem Entwickler und Hersteller von Wärmespeichern übernehme. Dieser Artikel ist das Beste, was ich bislang zu diesem Thema gelesen habe. Ich unterschreibe jedes einzelne Wort und werde alles tun, um die Anregungen bei uns im Hause zeitnah umzusetzen.
Vielen Dank für den kleinen Vulkanausbruch
Rolf Hemkendreis
Wow! was für ein Kompliment! Das freut mich sehr!!