Sven Tetzlaff: "Der Solarthermie geht es hundsmiserabel"

Kürzlich hatten wir einen Gastartikel veröffentlicht, der einen leichten Aufwärtstrend bei der Solarthermie beobachten lies. Aufgrund der schlechten Marktlage ist das zwar Wachstum auf niedrigem Niveau aber wir dachten es wäre doch eine Meldung wert. Nicht so dachte einer unserer Leser und veröffentlichte prompt einen Antwortartikel, den wir euch keinesfalls vorenthalten wollen, weil er ziemlich deutlich den Finger in einige Wunden der Branche legt und mich eure Meinung dazu interessiert. Sven Tetzlaff ist Journalist in China und weiß deshalb sehr genau über die Marktgeschehnisse Bescheid. Demnächst wird hier auch ein Interview mit ihm hier erscheinen. Nun aber zum Gastartikel, der er uns dankenswerter Weise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Ich bin gespannt auf eure Reaktionen, weil da doch einiges schwer Verdauliches dabei ist.


ALLES IST SUPER, ALLES IST WUNDERBAR. HIPP, HIPP, HURRA!

Anfang der Woche habe ich einen etwas verstörenden Artikel über den aktuellen Zustand der Solarthermie gelesen. Verstörend daran war eigentlich weniger die Faktenlage, sondern mehr die Intention des Artikels. Etwas gehässig zusammengefasst hätte man es auch so schreiben können: “Die Photovoltaik steckt schon bis zum Scheitel in der Scheisse. Da gehts der Thermie noch richtig super, unsere Solarthermie-Nase ist noch frei – wenn wir den Kopf schräg halten.” Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen den Artikel mit der rhetorischen Frage, ‘von welchem Planeten eigentlich die Rede sei ?’, zu kommentieren. Leider befinden sich die Solarthermie-Macher nicht erst seit heute, in einem schon fast pathologisch zu nennenden Realitaetsverzerrungsfeld. NEIN, DER SOLARTHERMIE IN EU GEHT ES NICHT GUT, SONDERN HUNDSMISERABEL! Und was noch viel wichtiger ist, solche Artikel ermuntern die Protagonisten, auch weiterhin für die Problem-Verdrängungs-Meisterschaften zu trainieren. Besonders folgender Satz hat mich ein klein wenig erregt: “Dieser Verlauf deckt sich mit dem tatsächlichen Kollektor-Zubau. So seien laut dem Bundesverband Solarwirtschaft die Installationen von Solarwärme-Kollektoren in den ersten drei Monaten 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9 Prozent angestiegen.” Wenn man sich die Daten genauer anschaut, dann wird klar, dass hinter dieser verkürzten Aussage eine gehörige Portion Zweckoptimismus steckt. Kumuliert kommen wir im April nämlich nur auf ein “Wachstum” von 2.8 %. Das setzt sich zusammen mit den auf die tatsächlichen Anteile normierten -7.8% Röhrenkollektoren und +4.1% Flachkolletkoren. Am Auffälligsten ist die (kranke) Volatilitaet bei den Röhrenkollektoren. Die Röhrenkollektor-Werte repräsentieren i.A. Industrieanwendungen, Solar Cooling und Heizungsunterstützung. Da steht im Januar ein Plus von +39.8% einem Verlust von -33.3% im April gegenüber.

 FlachkollektorRöhrenkollektorgesamt      
Bruttokollektorenfläche in m2Bruttokollektorenfläche in m2Bruttokollektorenfläche in m2
Veränderung in ProzentVeränderung in ProzentVer. in
monatlich20132014%20132014%20132014%
Januar31.04534.64411.62.9114.07139.833.95638.71514
Februar33.51540.75721.64.1453.86-6.937.6644.61718.5
März63.27363.5090.47.2737.9399.270.54671.4481.3
April75.15772.322-3.810.2176.817-33.385.37479.139-7.3
Mai75.03308.636083.6690
Juni75.26307.197082.460
Juli84.4709.086093.5560
August72.06408.853080.9170
September77.279010.191087.470
Oktober75.592010.27085.8620
November51.78106.636058.4170
Dezember28.33704.744033.0810
kumuliert bis
Februar64.5675.40116.87.0567.93112.471.61683.33216.4
März127.833138.918.714.32915.8710.8142.162154.788.9
April202.99211.2324.124.54622.687-7.6227.536233.9192.8
Mai278.02333.182311.205
Juni353.28640.379393.665
Juli437.75649.465487.221
August509.8258.318568.138
September587.09968.509655.608
Oktober662.69178.779741.47
November714.47285.415799.887
Dezember742.80990.159832.968
quartalsweise
I127.833138.918.714.32915.8710.8142.162154.788.9
II225.453026.050251.5030
III233.813028.130261.9430

April ist traditionell einer der besten Monate. Doch sowohl Flachkollektor (-3.8%) als auch Röhrenkollektor (-33.3%) haben drastische Einbrüche zu verzeichnen. Eine der wesentlichen Ursachen für diese schlechte Performance ist meiner Erkenntnis nach die enorme Unsicherheit auf der Konsumentenseite. Das (falsche) Versprechen von Gabriel&Co den Energiepreisanstieg gegebenenfalls zu deckeln und gleichzeitig die Bevölkerung mit dem Frackingversprechen an die Gasindustrie am Nasenring durch die Manege zu schleifen, schürt diese Unsicherheit nicht nur unwesentlich.

Photovoltaik nicht an allem Schuld

Das beliebte Hobby der Solarthermie, der Photovoltaik die Schuld an Allem&Alles zuzustecken ist zwar albern, dennoch weit verbreitet und gerade in den Zeiten der Intersolar auch ordentlich laut. Photovoltaik und Solarthermie sind zwar Konkurrenten, jedoch nicht auf der Produktseite (thermische vs. elektrische Energie), sondern ausschliesslich im Wettkampf um Flächen – insbesondere bei begrenzten Dachflächen im privaten Bereich. Der genannte Artikel zielt in subtiler Weise aber genau auf diesen Freudschen Photovoltaik-Neid.

Rolf Meissner

Dr. Rolf Meissner (Ritter XL Solar)

Preisniveau für Solarthermie in Deutschland zu hoch

Ein zweites Problem – und das halte ich für wesentlich – das ist der Preis. Das Preisniveau fuer Solarthermie in Deutschland ist deutlich zu hoch. Die Wagner-Pleite hat aber auch gezeigt, dass die Liquiditätsdecke der deutschen Unternehmen viel zu gering ist. Da kann man sich Abenteuer nebenher, wie z.B. mit der Photovoltaik rummachen, einfach nicht leisten. Wenn aber der Preis zu hoch ist, die Margen aber zu gering, dann ist die Produktion schlichtweg zu teuer. Der Flachkollektor ist ein Produkt der Nestfertigung deren Produktion zwar automatisiert werden kann, aber die Kosten für die Automatisierung jeden kostensenkenden Effekt wieder zunichte machen. Noch dramatischer ist, dass der Materialeinsatz beim Flachkollektor zu hoch ist. Auf lange Sicht ist der Rohstoffpreis überlebensentscheidend. Da nützen auch technisch fragwürdige Substitutionen wie Aluminium vs. Kupfer  rein gar nichts – wie die Rohstoffpreisentwicklung eindrücklich zeigt. Ich empfehle da nochmal den Meissner Artikel.

Systemwechsel dringend notwendig

Der Flachkollektor zusammen mit der frostschutzbasierenden Systemtechnik sind enorme Preistreiber. Hier hilft nur ein Technologiewechsel, welcher allein wegen der Solaren Kühlung sowieso zwingend überfällig ist. Schaut man sich nun an, welche Firmen massgeblich für die o.g. Statistik sind, dann dramatisiert sich diese zusätzlich:

 FlachkollektorRöhrenkollektor
Aquasolx
Austria Emailx
Junkersxx
Brötjexx
Buderusxx
Buschbeckx
Carl Capitoxx
Citrin Solarx
Consolarxx
De Dietrich Remehax
ELCOxx
Hovalx
KBBx
Monierx
MHGx
NAUxx
Oertli-Rohlederxx
Paradigmax
Rotexx
Roth Werkex
Schücox
Solvisxx
Sonnenkraftxx
STIEBEL ELTRONx
Sunsetx
TiSUNx
Vaillantxx
Viessmannxx
WagnerX
Weishauptx
Wolfxx

30 Firmen produzieren Flachkollektoren, 13 davon “produzieren” Röhrenkollektoren und nur einer hält sich ausschliesslich an die Röhre. Produzieren steht in Hochkommas, weil lediglich Viessmann und Paradigma auch tatsächlich eine eigene Röhrenproduktion haben – und damit auch Zugriff aufs komplette Röhrenkollektor Know-How. Würde man die massgeblichen Importer wie Shentai (2013 10,000 m2) oder auch Sunrain mit in die Statistik einbeziehen, und auch die Flachkollektor Basis erhöhen, hätte das auf die Relationen vermutlich keinen grossen Einfluss, jedoch würde die Volatilität noch weiter gesteigert. Doch hohe Volatilitaet kennzeichnet einen kranken Markt – welcher die Gefahr in sich birgt, ganz schnell vollständig zu kollabieren.

Im Solarthermieland China ist die Technologieentscheidung gefallen

Will man eine Krise in der Autoindustrie untersuchen, dann wendet man sich deren Industriezentren – also z.B. Deutschland und USA zu. In der Thermie lohnt daher ein Blick auf das Mutterland der Solarthermie – nach China. Auch dort ist nicht alles in Butter. Zwar sind die Zuwachsraten auch weiterhin positiv, doch die Exporte nach Europa haben sich tatsächlich nicht erhöht, oder wie Robin Welling von der ESTIF in seinem neusten Brandbrief schreibt “at best, stagnated”. Man merkt vielen chinesischen Solarthermie- Firmen an, dass sie keinerlei Lust mehr auf religiöse Debatten wie “Röhrenkollektor vs. Flachkollektor” oder “Wasser vs. Glykol” in Europa haben. Diese Diskussion wurde durch das Normative des Faktischen weltweit bereits entschieden. Einzig EU bzw. besonders Deutschland gibt sich in alter Rumpelstilzchenmanier diesen ganz und gar absurden Diskussionen hin.

Kunden wieder in den Fokus

Es gibt da eine andere typische deutsche Analogie zu dieser Diskussion, das ist der hirnerweichende Kampf zwischen “Online-“ und “Print-“ oder noch verstrahlter: “Qualitäts-Journalismus”. Den Protagonisten kommt es gar nicht in den Sinn, dass man hier lediglich über ein Medium diskutiert, während sich aber Journalismus vor allem mit der Nachricht befasst. Tatsächlich gibt es diesen Streit nur in Deutschland in dieser extrem peinlichen Ausgestaltung. Doch abgesehen von der Meinung der offensichtlich strunzdummen Qualitätsjournalisten oder Flachkollektor-Fanboyz geht es gar nicht um das Medium bzw. die Technik, sondern es geht um das Produkt – die Nachricht bzw. die Energie. Und das Produkt muss entsprechend profitabel an den Konsumenten gebracht werden, der wiederum seinen Vorteil, Spass oder Profit darin wiederfinden will. Jegliche andere Diskussion ist rein akademisch und lenkt vom Problem und damit von dessen Lösung ab.

Warum die Chinesen noch nicht eingefallen sind

Preislich könnten die Chinesen in Europa zwar problemlos konkurrieren (Im Gegensatz zu USA mit Röhrenkollektor vs Unglazed), doch ihnen fehlt in EU jegliches Vertriebs-Know-How, was die Firmen selbst auch auf lange Sicht aus der EU draussen halten wird. Nicht so natürlich die OEM Importeure, die mittlerweile eine halbwegs komfortable Nische gefunden haben. Einzig Ritter/Linuo spielen in der EU eine entscheidende und z.T. marktführende Rolle. Zu der notwendigen Umwälzung der gesamten Industrie führt solches Kleinklein natürlich nicht. Doch international sieht die Situation für die Chinesen ganz ausgezeichnet aus. Gerade eben hat die TAITRA mit der PVTaiwan beschlossen, die Messe auch mit Solarthermie aufzubohren. Die Forderung kam von der Regierung, da die Zuwachsraten in Südostasien aktuell z.T. bei 90% liegen (wenn auch von einem niedrigen Niveau ausgehend). Europa hat mit seiner veralteten Technologie auf diesem Markt schlichtweg keine Chance. Entsprechend konzentrieren sich die chinesischen exportfähigen Firmen auch lieber auf Südostasien, Suedafrika, Südamerika, Mena und natürlich dem Heimatmarkt und überlassen den Diskutierern in EU das Feld. Meines Wissens spielen auf diesen Märkten nur noch Ritter mit Röhrenkollektoren (aus China) und BBT mit Flachkollektoren (ebenfalls aus China) als EU Unternehmen mit.

Wie gesagt, Relativismus, wie ihn der bemängelte Artikel zelebriert nützt niemandem. Insofern finde ich es auch sehr begrüßenswert, dass die ESTIF in der aktuellen Pressemeldung den Finger in die Wunde legt und da ordentlich rumpopelt – und zwar so sehr, dass es weh tut:

“Unlike previous years, in 2013 the downturn affected almost all the larger and medium size markets. The major markets have contracted or, at best, stagnated. Germany, the main market still representing one third of the overall European market, led the trend with a decrease of 11% compared with 2012, totalling only 714 MWth (1.02 mio m²). Among the larger markets France experienced the strongest decrease (-24%), while in the medium size markets Portugal was the most affected (-31%). Several markets suffered as a consequence of ineffective and/or erratic government support mechanisms“

Zwar stimme ich dem Ruf nach zusätzlicher Förderung nicht zu – denn die verrinnt nur an Stellen wo sie keiner braucht, dennoch ist es dringend geboten, dass politische Einmischung und die deutliche Bevorteilung von Fossil&Nulklear laut benannt und abgeschafft wird.

Es gibt Hoffnung, wenn jetzt die Transition gelingt

FAZIT: Wie ich in dem Kommentar zu dem Beitrag geschrieben habe, die Lage der Solarthermie in der  EU ist katastrophal. Allerdings ist sie nicht hoffnungslos. Die Solarthermie-Industrie in EU kann überleben, wenn ihr die Transition zu einer kostenmäßig tragfähigen und vor allem nachhaltig kostenneutralen Technologie vollzieht. Eine Transition zu einer Technologie, die am günstigsten ist, die wenigsten Rohstoffe verbraucht, die höchsten Wirkungsgrade erzielt und die das breiteste Einsatzspektrum hat.

 

Der Autor Sven Tetzlaff ist ein deutscher Fotojournalist in Asien. Er lebt  abwechselnd in Hangzhou, Hong Kong und Singapore. Sven Tetzlaff ist einerseits Freelancer, aber auch Angestellter der Hong Konger Agentur Charlotte Green Co. Ltd.. Er schreibt und fotografiert als Freelancer überwiegend für Zeitschriften, Blogs und Webseiten der Erneuerbaren-Energien-Branche und innerhalb der Agentur über alle weiteren möglichen und unmöglichen Themen Asiens – so z.B. ueber die Fotografie. Privat und im Netz ist er auf http://sventetzlaff.com oder bei G+ unter dem Pseudonym +MaxsimKammerer zu finden. 

mal geteilt
image_pdf

6 Kommentare zu “Sven Tetzlaff: "Der Solarthermie geht es hundsmiserabel"”

  1. heinbloed

    Danke fuer die gut dargestellte Kritik am solaren Waermemarkt.
    Die eindeutig kostensenkende thermische Versorgung mittels chin. Technik ist mir bekannt, ich betreibe selbst eine wasserbasierte Roehrenkollektoranlage aus chin. Produktion (Sunshore).

    Im Vereinigten Koenigreich und in Irland liegen Flach-und Roehrenkollektorinstallationen ungefaehr gleich auf.
    In den letzten Jahren sind mir als Aussenstehendem dort die Roehrenkollektoren verstaerkt aufgefallen.
    Aber auch bei diesen versuchen eur. Hersteller immer noch sehr hochpreisige Systeme an den Mann zu bringen, erfolgreich aber mit insgesamt niedrigen Wachstumsraten.

    Evtl. sollte das chin. Aussenhandelsministerium sich mit eur. Verbrauchergruppen und Waermeversorgern kurzschliessen um durch Werbekampagnen den Endverbrauchermarkt zu erreichen.

    1. Sven Tetzlaff

      Hallo heinbloed,
      danke fuer den Kommentar. Was Interventionen eines Govs. in den ST-Markt betrifft, da bin ich eher skeptisch. Zumal, das chin. Verbraucher-Gov. hat eine pralle Agenda von Themen, die alle die hoechste Prioritaet haben. Stichwort: Foodsafety, Pollution, Counterfeiting … Dagegen nimmt die die Agenda des Bundestages wie das Animationsprogram auf der Aida aus. Ich glaub wirklich, die haben da im Moment keinen Nerv fuer. Aber die Richtung stimmt schon. Warum sollen nicht europaeische und chinesische Unternehmen, Verbrauchergruppen usw. nicht zusammenkommen ? Ich mein, was kann schoener sein – Voelkerverstaendigung mit EE als Basis und Geld verdient man auch noch ??? Ich gehe in dem von Cornelia erwaehnten Interview auf dieses Thema mit der noetigen Ausfuehrlichkeit ein. So weit … Sven

  2. Thomas Nasswetter

    Danke für diesen Artikel, denn endlich wird einmal Klartext geredet. Aber das mit den wassergeführten Systemen und den Röhrenkollektoren ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass sich über Jahre die wichtigen Player im Heizungsmarkt nicht an größere und leistungsfähigere Anlagen in der Heizungsunterstützung heranwagen, weil sie die Technologie schlicht und einfach nicht beherrschen. Über die Verbände verhindern diese Hersteller dann geschickt, dass Förderkriterien, die auf Ertrag und nicht auf Fläche basieren, zugunsten des Ertrags geändert werden. Und der Großteil der mittleren Player spielt da mit, und geht, wie das Beispiel Wagner zeigt lieber unter, als etwas an der fragwürdigen Haltung zu ändern.

    In Wahrheit wird also auch von den Herstellern seit Jahren eine Politik betrieben, die Innovation nachhaltigste verhindert und dem Großteil der Konsumenten wirksame und leistungsstarke Lösungsansätze vorenthält. Die Wärmewende in Richtung der Solarthermie zu entwickeln steht offenbar gar nicht auf der Agenda der den Markt dominierenden Heizungshersteller. Aber auch das Handwerk trägt seinen Teil an der Stagnation der technischen Weiterentwicklung bei. Denn auch das Installateursgewerbe zeichnet sich durch ein geradezu bemerkenswertes Verharrungsvermögen aus. Es gibt durchaus gute und ertragsstarke Lösungen am Markt, die zig-tausendfach funktionieren, aber man muss sich halt damit auch auseinandersetzen wollen.

    In meinen Augen ist der Zug derzeit abgefahren und in Mittel- und Nordeuropa wird die Solarthermie mehr oder weniger aussterben, wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht. Erst bei der nächsten großen Energieknappheit in ca. 10 bis 15 Jahren, wird das Thema Wärmewende mit Solarthermie wieder aufpoppen und dann wird der Druck der Konsumenten und nicht der Hersteller zu eine Renaissance der Solarthermie führen, unter chinesischer Flagge wohlgemerkt. Derzeit ist für mich Deutschland dabei seine Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Hocheffizienz Solarthermie sinnlos zu opfern.

    1. Detlef Golombowsky

      Dieser Artikel trifft endlich mal den Nagel auf den Kopf. Wir planen und montieren seit mehr als 15 Jahren diese Anlagen, besser gesagt Systemtechnik. Systemtechnik heiß nicht der Kollektor bestimmt den Ertrag sondern das System, dann funktioniert es auch. Da muss alles passen und aufeinander abgestimmt sein. Dann sind auch die Erträge und die zufrieden Kunden da. Andere habe es auch gezeigt Sonnenhaustechnologie, BUSO und viel andere mit ähnlichen Systemen. Das geht aber eben nicht über Standardanlagen vom „Baumarkt“ (besser sind doch die meisten Anlagen nicht) die nur über Kosten und Menge produzieren und das Handwerk dazu anhalten nicht mehr zu denken. Diese „Player“ haben den Markt in Sachen Effizienz zerstört. Einer nach dem anderen verabschiedet sich, weil er sich dieser Ideologie „Umsatz“ nicht anpassen will. Und da steigt dann noch die Politik mit ein. Wenn die Systeme ineffizient sind oder werden verschwinden die allein vom Markt. Wir verkaufen doch lieber Gas und Strom….
      In diesem Sinn wünsche ich allen die Systeme bauen die funktionieren und durchhalten alles Gute
      Detlef Golombowsky

  3. Silke Thole

    Herr Tetzlaff,
    ich stimme Ihnen zu, dass es der Solarthermie in Deutschland und der EU hundsmiserabel geht. Die Branche steckt in der Krise. Und das schon seit einigen Jahren.
    Und ja, die Systeme sind zu teuer. Auf dem Otti-Symposium Thermische Solarthermie im Kloster Banz, einer Veranstaltung, auf der sich Jahr für Jahr die Protagonisten der Branche und der entsprechenden Forschungsinstitute versammeln, steht das Thema Kostensenkung seit Jahren immer wieder ganz oben auf der Agenda (siehe Links zu den EnBauSa.de-Beiträgen dazu unten). Die Kollektorhersteller schieben den schwarzen Peter gerne den Handwerkern zu. Die Montage mache das ganze teuer, bei den Kollektoren sei man nahezu am Limit angekommen. Das ist sicher zu einfach.
    Nun entnehme ich Ihrem Beitrag, dass ein Technologiewechsel von Flachkollektoren hin zu Röhrenkollektoren die Lösung des Problems ist. Ist es wirklich so einfach? Meines Wissens sind Röhrenkollektoren hierzulande deutlich teurer als Flachkollektoren. Außerdem gibt es mehr Probleme, was die Beständigkeit gegen Wetterphänomene wie Hagel und Ähnliches angeht. In meiner Region gab es vor einem Jahr ein Hagelereignis, bei deutlich mehr Röhren- als Flachkollektoren zu Bruch gegangen sind.
    Und dann sollte gibt es neben dem Kostenproblem auch noch das Image-Problem – nicht der Röhrenkollektoren, sondern der Solarthermie im Ganzen. Nicht, dass sie ein schlechtes Image hätte, sie hat gar keins. Wann immer in Deutschland von Solarenergie die Rede ist, denken die Menschen an Photovoltaik. Wann immer von erneuerbaren Energien die Rede ist, denken die Menschen an Strom. Erneuerbare Wärme ist in den Köpfen nicht präsent. Lässt sich dieses Problem auch über die „Transition zu einer Technologie, die am günstigsten ist, die wenigsten Rohstoffe verbraucht, die höchsten Wirkungsgrade erzielt und die das breiteste Einsatzspektrum hat“ lösen?
    Hier die Beiträge zum Otti-Forum thermische Solarenergie aus 2013 und 2014:
    http://www.enbausa.de/solar-geothermie/aktuelles/artikel/solarthermie-branche-ist-im-aufbruch-3966.html
    http://www.enbausa.de/solar-geothermie/aktuelles/artikel/solarthermiebranche-sucht-weg-aus-der-krise-3345.html
    Es grüßt Sie
    Silke Thole, Redaktion EnBauSa.de

  4. Cornelia Daniel-Gruber Post Author

    Ja, Image Problem ist tatsächlich ein Thema. Es gibt keines, es gibt auch kein Markenbewusstsein, wie das bei der PV schon der Fall ist. Die meisten wissen zumindest welches Produkt sie am Dach haben. Bei der Solarthermie ist das sehr oft nicht der Fall. Es wird viel zu wenig über das Thema Wärme gesprochen und irgendwie hat noch niemand eine Lösung dafür gefunden.

    Das Hagelargument würde ich so nicht stehen lassen. Das sollte die grundsätzliche Entscheidung nicht beeinflussen. Da gibt es einfach gute und schlechte Produkte und natürlich sollt ich nur ein Produkt nehmen, dass auch die entsprechenden Hageltests überstanden hat und/oder langjährige Garantien abgibt. Zudem ist das in den meisten Fällen einfach ein ganz normaler Versicherungsfall. https://blog.paradigma.de/solaranlagen-verschaerfter-hageltest-beim-tuev/

    Das mit dem Strom ist aber tatsächlich ein Problem. Die Menschen denken halt auch an Strom, weil die Massenmedien über nichts anderes als Strom schreiben. Der Gasmarkt ist anscheinend noch nicht bedroht genug… und bei Wärme geht es halt immer um dieses unsexy Thema Einsparung und nicht Geld verdienen. Dabei müssten sie eigentlich nur die Einsparungen auf irgendein Konto selbst überweisen, dann wäre das auch sichtbares Geld…

Kommentar verfassen

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind so gekennzeichnet *

Erlaubtes HTML <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>