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Handwerkerin des Monats: Marie Tolksdorf, Anlagenmechanikerin SHK

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Heute lernt ihr unsere Handwerkerin des Monats kennen: Marie Tolksdorf arbeitet im Betrieb Rudolf Neuen Sanitär- und Heizungstechnik Seite an Seite mit den Brüdern Frank und Stefan Neuen, die wir im Juli zu unseren Handwerkern des Monats kürten. Im Interview mit den beiden kam Marie zur Sprache und ich habe sie daraufhin um ein Interview gebeten, denn wie die 25-Jährige selbst sagt, ist sie als Frau im SHK-Handwerk eine Rarität. Uns erzählt die Handwerkerin, warum ihr Herz fürs Handwerk schlägt und wie sie trotz Schwierigkeiten ihren Traumjob fand.

Marie, Sie haben einen Handwerksberuf, in dem Mann fest zupacken muss …

… und Frau auch! Deswegen habe ich diesen Beruf gewählt. Ich wollte nicht den ganzen Tag in einem Büro sitzen. Das Stillsitzen war schon in der Schule nicht mein Ding. Ich suchte daher nach einem Beruf, der mich ich in Bewegung hält und mir die Hände voll zu tun gibt. Anpacken, das ist genau das, was ich will und brauche.

Haben Sie schon als Kind viel mit den Händen gearbeitet?

Ja. bei uns in der Familie wurde viel handwerklich gearbeitet. Das, was sich erledigen ließ, wurde auch gemacht.

Handwerksberufe gibt’s ja ’ne Menge. Warum wurde es schließlich einer im SHK-Handwerk?

Das war eher Zufall. Ich hatte mich in viele Handwerksrichtungen beworben, bekam zunächst aber nur Ablehnungen oder gar keine Antwort.

Mit welcher Begründung lehnte man Sie ab?

Wenn überhaupt, dann begründeten die Betriebe die Ablehnung meist damit, dass sie derzeit keine Auszubildenden suchten. Manche schrieben auch, dass sie keine Örtlichkeiten für eine Frau im Betrieb hätten.

Eine Zusage hat es dann aber gegeben, oder?

Nicht wirklich. Ich fliege nebenbei und arbeite in der Werkstatt des Flugplatzes …

Moment, Sie fliegen?

Ja, ich habe den Pilotenschein fürs Segelfliegen und fliege Chessnas, die allerdings nur im Beisein meines Fluglehrers, da ich mir den Pilotenschein nicht leisten kann – noch nicht.

Wow! Und nebenbei schrauben Sie noch an den Flugzeugen?

Ja, in der Werkstatt werden die Flugzeuge, platzeigene wie fremde, gewartet und repariert. Ich habe dort gearbeitet und die Maschinen auseinander genommen und wieder zusammengesetzt. Oft habe ich eine 8-Stunden-Werkstattschicht an meinen Schultag oder später Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitstag gehängt, weil ich das Schrauben liebe.

Und dort haben Sie Ihren SHK-Ausbildungsplatz gefunden?

Ja. Der Werkstattmeister berichtete mir eines Tages, dass einer der Flugzeugbesitzer im Hangar einen Ausbildungsplatz im SHK-Bereich zu vergeben hätte. Ich habe den Mann angesprochen und er gab mir den Platz. Er kannte mich bereits von der Werkstatt.

Waren Sie die einzige Frau in der Ausbildung?

Ja.

Wurden Sie als einzige Handwerkerin anders behandelt als Ihre Mitschüler?

Ja. Immer. Sowohl von den Mitschülern als auch von den Ausbildern.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich habe sie durchgestanden. Doch es stieß mir häufig auf, dass ich nach zwei Minuten Bekanntschaft zu hören bekam, „komm, du bist eine Frau, ich mach das mal eben selbst…“ Verstehen Sie das nicht falsch: Ich lasse mir gerne helfen. Aber ich allein weiß, was ich kann. Und was für mich zu schwer ist, entscheide ich gerne selbst. Zumal das nicht meine Arme entscheiden …

Ich habe zwischendrin meinen Ausbildungsbetrieb gewechselt. Nicht, weil ich als Frau dort so große Probleme hatte, sondern vor allem, weil mir der Betrieb das Gefühl gab, dass Auszubildende ein Klotz am Bein seien. Nach einem Monat fand ich einen neuen Betrieb, wo ich die Ausbildung beenden konnte.

Haben Sie Ihre Berufswahl jemals bereut?

Nein. Definitiv nicht. Doch es war nicht immer leicht. Es gab Tage, da war ich am Boden zerstört. Aber dann bin ich wieder aufgestanden.

Wer oder was half Ihnen, dran zu bleiben?

Die Arbeit selbst. Ich zog Befriedigung aus der praktischen Arbeit mit meinen Händen. Auch in der Werkstatt des Flugplatzes. Und dann bin ich ja noch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Mit den Kameraden, männlichen wie weiblichen, verstehe ich mich gut, wir sind ein Team. Das zu spüren, half über manche schlechte Erfahrung während der Ausbildung hinweg.

Marie, Sie sind seit Mai Teil des Handwerksbetriebs Neuen. Dort bekommen Sie es auch mit Solarthermie zu tun. Freuen Sie sich darauf?

Solarthermie fand ich immer sehr interessant. Leider hatte ich bis zu diesem Job keine Gelegenheit, die Solarthermie handwerklich kennen zu lernen, selbst dann nicht, wenn die ehemaligen Betriebe sie im Programm hatten. Umso mehr freue mich jetzt darauf.

Würden Sie jungen Frauen Ihren Beruf empfehlen und wenn ja, was würden Sie ihnen raten?

Ich rate ihnen definitiv dazu! Allerdings sollten die Frauen bedenken, dass der Beruf tatsächlich heißt, schwer zu schleppen. Das muss Frau können! Grundsätzlich sollten sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Und sich von „Schlägen unter die Gürtellinie“, die es ganz sicher gibt, nicht entmutigen lassen.

Und was brauchen die Frauen, um sich in der (noch) Männerdomäne SHK als Handwerkerin zu behaupten?

Sie müssen kontern. Dabei hilft ein lockeres Mundwerk. Ich sage immer direkt, was ich von dem halte, was man mir sagt oder was man mit mir macht. Damit können nicht alle umgehen. Mir hat es geholfen, direkt zu reagieren.

Letzte Frage Marie: Was ist Ihr nächstes Ziel – der SHK-Meistertitel?

Daran denke ich nicht. Ich tue gerade das, was mir viel Spaß macht. Warum sollte ich das ändern?

Vielen Dank, Marie Tolksdorf, dass Sie uns so offen Rede und Antwort gestanden haben!

HdM Neuen Handwerker des Monats Juli 2018
Unsere beiden Handwerker des Monats Juli 2018, Frank und Stefan Neuen, mit ihrer Kollegin Marie Tolksdorf, unserer amtierenden Handwerkerin des Monats August 2018. Foto: Frank und Stefan Neuen

Und das sagen Maries derzeitige Arbeitgeber – unsere Handwerker des Monats Juli 2018

Frank und Stefan Neuen, in deren Betrieb Marie Tolksdorf offensichtlich ihren Traumjob gefunden hat, haben wir angesichts der Erfahrungen, die Marie hier mit uns teilt, auch zum Thema „Frau im Handwerk“ befragt:

Frank und Stefan Neuen – Sie haben Marie in Ihren Familienbetrieb geholt. Warum?

F: Wir brauchten wegen wachsender Auftragszahlen einen weiteren Handwerker im Betrieb.  Da wir gerne eingefahrene Wege hinterfragen und bereit sind, neue Wege zu suchen und auch zu gehen, wenn die alten nicht (mehr) zum Ziel führen, haben wir uns die Frage gestellt, ob es zwingend ein neuer Handwerker sein muss – oder nicht. Schnell war uns klar, dass uns das Geschlecht unwichtig ist. Dann schauten wir uns entsprechend auf dem Markt um. Und trafen Marie. Wir boten ihr an, bei uns reinzuschnuppern und fragten uns danach schnell, warum ein Betrieb sie jemals gehen ließ.

S: Bei uns wird Marie das tun, was sie liebt und was sie kann. Solides Handwerk. Wir werden sie zum Beispiel auch auf Solarthermie schulen, die Schulungen bei Paradigma werden selbstverständlich als Arbeitszeit anerkannt und bezahlt. Wir freuen uns, dass Marie so einen guten Start bei uns hingelegt hat.

Auch Ihnen Danke für die Antworten, Frank und Stefan Neuen!

Foto: Frank und Stefan Neuen, Rudolf Neuen Sanitär- und Heiztechnik

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