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In deutschen Gebäuden stagniert die Energiewende

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Das ist die Kernaussage des neuen 48-seitigen Gebäudereports „Statistiken und Analysen zur Energieeffizienz im Gebäudebestand“, den die Deutsche Energieagentur (dena) 2018 in erstmals kompaktem Format veröffentlichte. Wir fassen euch hier die wichtigsten Fakten aus dem dena-Gebäudereport 2018  zusammen.

Endenergieverbrauch in Gebäuden stagniert laut dena-Gebäudereport

dena-Gebäudereport-2018-Endenergieverbrauch-Raumwärme-Warmwasser
Quelle: Destatis 2017c, Baugenehmigungen, Baufertigstellungen nach Gebäudeart – Lange Reihen bis 2016. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt; eigene Berechnungen. Grafische Darstellung: dena

Der Endenergieverbrauch in Wohn- und Nichtwohngebäuden stagniere der dena zufolge im Zeitraum 2010 bis 2016 auf hohem Niveau. Der Effizienztrend der Jahre 2002 bis 2010, in denen der Energieverbrauch in Gebäuden um 20 Prozent reduziert wurde, sei damit anscheinend vorbei.

1.002 Terrawattstunden (TWh) Primärenergieverbrauch fallen laut der dena auf den Gebäudesektor und damit etwa ein Viertel (27 Prozent) des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland (3.730 TWh, 2016). Einen Überblick, wofür die Energie in Gebäuden verbraucht werde, liefert die folgende Grafik aus dem dena-Gebäudereport 2018, den ihr hier aus dem Internet kostenlos downloaden könnt:dena-Gebäudereport-2018-Endenergiebezogener-Gebäudeenergieverbrauch

Die Grafik macht deutlich, wie groß bei Wohn- und Nichtwohngebäuden jeweils der Anteil an Endenergie ist, der für Raumwärme draufgeht.

Auch die Senkung der Treibhausgase (THG) stagniert laut dena-Gebäudereport

  • Die Gebäudewärme verursache dem dena-Gebäudereport zufolge CO2-Emissionen in Höhe von 183 Millionen Tonnen CO2 (Privathaushalte, GHD und Industrie), ein kleiner Teil davon mit der Nutzung von Strom für Wärme (20 Millionen Tonnen CO2 )

Auch bei den Messwerten zu den THG-Emissionen sei laut dena eine Stagnation zu beobachten: Diese seien nämlich zunächst über mehr als 20 Jahre konstant gesunken, verharrten jedoch seit 2014 bei etwa minus 28 Prozent im Vergleich zu 1990. Damit zeichne sich ab, dass das für 2020 anvisierte Klimaschutzziel der Bundesregierung, eine Reduktion um 40 Prozent, nicht erreicht werde. Somit seien auch die Ziele für die Jahre 2030 und 2050 in Gefahr, schätzt die dena ein.

„Die derzeitigen Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz sind nicht ausreichend, um die Klimaschutzziele und damit die anvisierte Treibhausgasreduzierung im Gebäudebereich zu erreichen“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung gegenüber der Presse. Er fügt hinzu, dass für eine umfassende Wärmewende sowohl der Einsatz energieeffizienter Heizungsanlagen, Fassaden und Fenster als auch die Anwendung innovativer Techniken und Geschäftsmodelle wie das serielle Sanieren notwendig seien. Darüber hinaus sei die Energiewende ein gesellschaftspolitisches Projekt, bei dem es darum gehe, die Menschen für klimafreundliches Bauen und Sanieren zu begeistern. Mit ihrem Gebäudereport 2018 wolle die dena eine solide Datenbasis schaffen und zu mutigen Entscheidungen anregen.

Was steht noch im dena-Gebäudereport 2018?

Der dena-Gebäudereport enthält  aktuelle Trends zur Energieeffizienz im Gebäudebereich. Dazu liefert er euch Zahlen, Daten und Analysen zum Gebäudebestand, zum Energieverbrauch und zu klimapolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Wir haben hier ein paar spannende Inhalte herausgepickt:

Zum Gebäudebestand in Deutschland

dena-Gebäudereport-2018-Gebäudebestand-Deutschland

In Deutschland gebe es dem dena-Gebäudereport 2018 zufolge rund 19 Millionen Wohngebäude, darunter rund 12 Millionen, die aus Zeiten vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung stammten – vorher sei energieeffizientes Bauen nur als technisches Regelwerk (DIN 4108), aber nicht ordnungsrechtlich verankert gewesen. Aufgrund des hohen Energieverbrauchs pro Quadratmeter im Vergleich zu Neubauten böten gerade diese Gebäude hohe Einsparpotenziale, schreibt die dena. Um das Ziel der Bundesregierung, einen nahezu klimafreundlichen Gebäudebestand bis 2050, zu erreichen, müsse beim Sanieren der Fokus auf den Gebäudebestand vor 1979 gelegt werden, heißt es im Report.

Zahlen und Fakten rund um Wärme im Gebäudesektor

Wärmeerzeuger in deutschen Gebäuden

  • Mehr als 75 Prozent neu abgesetzter Heizungsanlagen in deutschen Gebäuden werden laut dena-Report mit Gas betrieben.
  • Rund 10 Prozent der neuen Wärmeerzeuger würden noch immer ineffiziente Niedertemperaturtechnik verwenden.
  • Der jährliche Absatz elektrischer Wärmepumpen sei demnach inzwischen auf einen Marktanteil von 10 Prozent angestiegen.
  • Der Anteil von Biomasseheizungen liege dagegen bei geringen 4 Prozent.
  • Im Vergleich zu 1999 sei der Absatzanteil ölbefeuerter Anlagen um 19 Prozentpunkte zurückgegangen. Dies verdeutliche die zunehmende Verdrängung ölbefeuerter Anlagen aus dem Markt und den Bedeutungsrückgang von Heizöl in der Wärmeversorgung.
dena-Gebäudereport-2018-Absatzzahlen von Wärmeerzeugern
Hinweis zur Grafik: Solarthermie diene dem dena-Gebäudereport zufolge immer als Ergänzung zu einer anderen Heizungsanlage.

Status der Wärmedämmung in deutschen Gebäuden

  • Der Anteil nachträglich gedämmter Außenwände von Altbauten liege laut dem dena-Report bei Ein- und Zweifamilienhäusern (EFH/ZFH) bei etwa 27 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern (MFH) bei etwa 33 Prozent.
  • Deutlich mehr als die Hälfte aller Dachflächen (EFH/ZFH: 59 Prozent, MFH: 60 Prozent),
  • aber nur rund 12 bis 13 Prozent der Kellerdecken in Altbauten würden nachträglich gedämmt.

Der gesamte Fortschritt der Modernisierung beim Wärmeschutz im Altbau lasse sich als gewichtiges Mittel des Sanierungsfortschritts aller Bauteile auf derzeit knapp 30 Prozent schätzen (Schätzung auf Basis von IWU, 2010).

Auf zur integrierten Energiewende!

Der dena-Gebäudereport spricht von einer integrierten Energiewende – eine Energiewende, in die auch die Wärmewende integriert sein müsse und die die Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen den Sektoren Strom, Gebäude, Verkehr und Industrie mitbedenke. Denn Wärme und Strom in Gebäuden sind der dena zufolge mit 36 Prozent für mehr als ein Drittel des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland verantwortlich.

Effizienztechnologien böten viele Einsparpotenziale, insbesondere auch in Nichtwohngebäuden. Der dena-Gebäudereport zeige, dass bereits jetzt Querverbindungen wie das Erzeugen von Strom mit Wärme (Heat-to-Power) beziehungsweise von Wärme mit Strom (Power-to-Heat ) eine wichtige Rolle spielten. Gleichzeitig nähmen Gebäude eine zentrale Position in einem integrierten Energiesystem ein: Sie würden als Ort fungieren, an dem Energie produziert, gespeichert und abgegeben werden könne.

Serielles Sanieren

Das serielle Sanieren versteht der Gebäudereport 2018 der dena dabei als Innovation: Aufgrund der industriellen Fertigungsweise könnten Gebäude demnach in nur 3 bis 10 Tagen und mit vergleichsweise niedrigen Kosten saniert werden.

Energiewende braucht Verbraucher

Für neuen Schwung in der Energie- und Wärmewende im Gebäudebereich müssten die Verbraucher wieder zum „Mitmachen“ bewegt werden, ist im dena-Gebäudereport weiter zu lesen. Hier sei vor allem die Politik gefragt:

  • Es brauche eine Neuausrichtung des staatlichen Fördersystems mit Raum für technologieoffene Ansätze und gleichzeitige Planungssicherheit.
  • Zudem müssten bei anhaltend niedrigen Preisen für fossile Energieträger neue Anreize geschaffen werden: Eine CO2-Bepreisung habe das Potenzial, den Markt für erneuerbare Energien zu beleben und ein neues „Klima der Investition“ zu schaffen, sagt die dena.

Fotos+Grafiken: dena

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