Klaus Mischensky – "Erfolgsfaktoren des Marktes erkennen und beherrschen"

Klaus Mischensky

Es ist einiges los in Österreich, was sich auch in vermehrten Artikeln hier widerspiegelt. Heute stellen wir den neuen Mann in Österreich vor, der Doris Hammermüller nachfolgt: Klaus Mischensky ist neuer Geschäftsführer des SolarWärmeVerbandes AUSTRIA SOLAR – Wärme für Generationen. Ihr dürft euch freuen, der Herr bringt ganz schön viel Wind in die alten und eingefahrenen Strukturen in Österreich und lässt mit ungewöhnlich klaren Worten aufhorchen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Klaus, die Solarthermiebranche steht vor großen Herausforderungen. Was hat dich bewogen diese Aufgabe anzunehmen?

Sicherlich viel Idealismus und die Neugier wieder etwas Neues dazu zu lernen. Darüber hinaus kann und will ich nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Solarwärmetechnologie sich auf Dauer nicht durchsetzen sollte. Für mich ist es die nachhaltigste und wirtschaftlich sinnvollste regenerative Energiequelle überhaupt und dafür will ich arbeiten und die Rahmenbedingungen mitgestalten. Ich bin auch überzeugt, dass die Energiewende nur durch die Wärmewende gelingen kann.

Was ist dein Hintergrund? Wie kamst du zur Solarthermie und in welcher Funktion?

Nach meinem Abschluss auf der Uni (Wirtschaftsstudium) habe ich über 10 Jahren in einem internationalen Markenartikel Unternehmen gearbeitet. Danach war ich bei einem regionalen Multi-Utility-Unternehmen (Hauptgeschäftsbereich Energieversorgung) und habe mich dort für regenerative Energien – insbesondere – die Solarwärme zu interessieren begonnen. Danach bin ich durch einen Zufall Geschäftsführender Gesellschafter in einem Sonnenkollektoren-produzierenden Unternehmen geworden und habe mich über 8 Jahre international für die Vermarktung der Solarwärme eingesetzt.

Wir sind hier sehr bemüht immer wieder herauszufinden, wie wir den Markt in Gang bringen können und vor allem endlich Transparenz schaffen, warum scheint das so schwierig?

Es ist deswegen so schwierig, weil der Solarwärme Markt nicht generisch gewachsen ist, sondern durch öffentliche Förderung gepusht wurde und hier die Mechanismen der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt worden sind. Aber bitte nicht falsch verstehen: ich bin absolut für Förderungen – sie sind wettbewerbspolitisch sogar unerlässlich – da die fossilen Energien in Österreich nach wie vor mit rund Euro 2 Mrd. / pro Jahr quersubventioniert werden (mit öffentlichen Geldern) . Wenn wir uns da die Fördermittel für die Solarwärme in Österreich anschauen – nicht einmal 30 Mio. Euro p.a. – und das Gesamtvolumen für die regenerativen Energien dazu nehmen, dann scheue ich mich nicht davor, von z.B. Wettbewerbsverzerrung bzw. Diskriminierung zu sprechen.

Ich bin überzeugt, dass wir zwei Ansätze brauchen -> fördern und fordern-> damit meine ich, dass auch der Gesetzgeber – wenn er den Klimawandel und die Energiewende wirklich ernst nimmt, auch regulierend eingreifen muss.

Zur Transparenz: Ich weiß, dass die Solarwärme eine sehr wettbewerbsfähige und nachhaltige Technologie ist. Wir haben uns aber ins Quadratmeter-Eck drängen lassen und haben bis 2008 auch gut damit gelebt. Die Zukunft sollte das Denken und Argumentieren in kWh im Mittelpunkt stehen – nur so, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit dokumentieren und durchsetzen.

Stichworte: Ertragsmessung/Visualisierung der Erträge, nachvollziehbare Wärmegestehungskosten, Systemkompetenz, größere Speichervolumen mit hohen Energiedichten, smarte urbane Energieversorgungssystem mit Integration der Solarwärme und vor allem runter mit den Kosten = die gemachte Kostendegression der Industrie auch am Markt weitergeben.

In dem Interview mit Sonne Wind und Wärme sprichst du dich für eine klare Deklaration der Kollektoren aus und einem Effizienzlabel wie von Stefan Abrecht vorgeschlagen. Da das Interview nicht online verfügbar ist, würde ich dich bitten hier nochmal kurz zu erkären worum es da geht und wie du dazu stehst?

Ich gehe hier ganz konform mit Stefan Albrecht, dass wir den Kollektoren eine technische Leistungskennzeichnung geben müssen. Wir müssen vom Quadratmeterdenken hin zu einer transparenten Leistungsdeklaration für Kollektoren kommen und es auch prominent und selbstbewusst am Kollektor herzeigen (z.B. Solar Key Mark Datenblatt 2): jährlicher Kollektor-Ertrag kWh/qm wäre ein Anfang. Wenn wir das noch mit einem Kollektor-Label – wie von Albrecht vorgeschlagen – kombinieren, dann könnten wir selbstbewusst zumindest A++ bzw. A+++ kennzeichnen. Dies könnte in Zukunft mit einer freiwilligen Selbstkennzeichnung – im Rahmen des AUSTRIA SOLAR Gütesiegels – erfolgen.

Wie sind gerade mitten in einer großen Diskussion zum Thema Förderung nach Quadradmeter oder nach Ertrag? Wie siehst du das?

Da denke ich gar nicht nach und rede lange um den „Brei herum“: wenn ich mir was wünschen darf -> dann nur ERTRAG!

In Österreich gibt es die Förderung für solare Großanlagen, das funktioniert schon recht gut, bei solarer Fernwärme gibt’s aber noch Nachholbedarf, wie sind deine Pläne dazu?

Grundsätzlich: das größte Problem ist, das sich der Gesetzgeber nicht klar deklariert (Stichwort Strategiewüste Österreich) Klimawandel, Erderwärmung und CO2 Reduktion usw. ist omnipräsent und was tut er dagegen? Über die Klimaschadenfolgekosten und den volkswirtschaftlichen Schaden will ich gar nicht reden. Faktum ist, dass z.B. durch das Programm des Klimafonds, aber auch mit den jeweiligen Landesförderungen – bei solaren Großanlagen / auch für die Nah- und Fernwärmeversorgung / eine Investmentförderungsquote von bis zu 50% zu erzielen ist (gem. EU Richtlinie). Mit diesen Voraussetzungen ist die solare Wärmeerzeugung eigentlich unschlagbar und wir könnten damit in Richtung Vorbild Dänemark gehen. Meine Pläne dazu: Ich möchte über unser Netzwerk u.a. mit dem Verband EEÖ (Erneuerbare Energien Österreichs) und dem DVEK (Dachverband Energie Klima der WKÖ) einen solaren Wärmeschwerpunkt für die Städte Wien, Graz und Klagenfurt im Jahr 2015 nachhaltig anstoßen und in weiterer Folge erste Leuchtturm-Projekte umsetzen. Wichtig wäre hier vor allem, dass ein technisches Monitoring (evtl. Forschungsprojekt) installiert wird, welches valide Daten liefert und auch einer breiten Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern kommuniziert werden kann.

Was sind deine großen Ziele für den Verband in den nächsten Jahren?

Im Prinzip ist das ganz einfach: Ich wünsche mir, dass unsere Mitgliedsunternehmen die Erfolgsfaktoren des Marktes erkennen und beherrschen lernen und wir gemeinsam eine Trendwende schaffen. Dazu brauchen wir aber auch Innovationen, Investitionen und nachhaltige Internationalisierung (= tripple i). Emotional meine ich, dass wir unseren Job dann gut gemacht haben, wenn es uns gemeinsam gelingt, dass die Solarwärmetechnologie als cool, 6y und als bestes Primärheizsystem wahrgenommen wird und auf die ich in meiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht verzichten will (= to be grandchild fit)

Ganz nach dem Motto -> solar heating: we are our future

Vielen Dank für dieses großartige Interview. Ich glaube, wir werden in Zukunft noch mehr über Österreich berichten. Das könnte spannend werden. Vielleicht können wir das große Potenzial meines Landes ja doch noch heben und den deutschen Kollegen zeigen, wie man den Solarthermiemarkt wieder in Richtung Erfolg dreht. Mich würds jedenfalls freuen.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Passend zum Thema:
  • Vergleich-Kollektortypen
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Ein Kommentar zu “Klaus Mischensky – "Erfolgsfaktoren des Marktes erkennen und beherrschen"”

  1. Thomas Nasswetter

    Und wieder geht es nur um Kollektoren und deren Kennzeichnung. Dattenblatt II – Besser als bisher aber weiterhin ein Krücke. Die Solarthermie ist immer noch kein mehrheitsfähige Technologie im Gegensatz zu PV! Daran sollte endlich gearbeitet werden und nicht an Kennzeichnungen die niemand versteht oder verstehen kann. Die Hersteller müssen sich in unseren Breiten auf das Heizen mit der Sonne konzentrieren. Das ist eine ganz und gar nicht triviale Aufgabe aber die Solarthermie muss für die Bevölkerung so wie die PV trivial werden. Dann ist der Durchbruch geschafft.

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