FH Muenster Waerme Hotspot Karte online

Münsterland: Online-Karte zeigt regionale Wärme-Hotspots

Prozentual betrachtet, kommt erneuerbarer Strom bei der Energiewende schneller  zur Sache als erneuerbare Wärme. Laut der FH Münster waren 29 Prozent  des Stroms in 2016 hierzulande erneuerbarer Art. Demgegenüber stünde bei der Wärme lediglich ein prozentualer Anteil von 9 Prozent.  Statt erneuerbarer Wärmeenergie käme importiertes Erdgas zur Wärmeerzeugung in den Haushalten zum Einsatz – vor allem im Münsterland, schreibt die FH Münster  in ihrer Pressemeldung weiter. Die beschreibt ein Projekt, dass ich euch heute näher vorstellen möchte: Eine Online-Karte mit an die 200 Wärmeinseln im Münsterland (siehe Kartenausschnitt oben), auch Wärme-Hotspots genannt, wo Wärmenetze Sinn machen würden.

Mit seinem Forschungsteam habe Prof. Dr. Christof Wetter demnach am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster einen Aufschlag für die gesamte Region gemacht: Auf einer interaktiven Karte könnten Kommunen einsehen, wo Gebiete liegen, in denen Wärmenetze Sinn machten. Wärmenetze, in die sich wiederum erneuerbare Energien im großen Maßstab einspeisen ließen. Das konkrete deutsch-niederländische Forschungsprojekt heiße „Wärme in der Euregio fokussieren und modernisieren“ (WiEfm).

FH Münster stellt Wärme Hotspot Karte online
Sie arbeiten an der Wärmebedarfskarte (v.l.): Dr. Elmar Brügging, Prof. Dr. Christof Wetter, Hinnerk Willenbrink und Jigeeshu Joshi. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Karte mit Wärme-Hotspots zeigt 200 Wärmeinseln im Münsterland

„Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir weg vom Gas und Öl“, beschreibt Hinnerk Willenbrink, WiEfm-Projektingenieur  die Situation. „Ein Wärmenetz wäre eine echte Alternative – ein unterirdisches Netz, ähnlich wie unsere Wasserleitungen.“ Kommunen müssten dem Experten zufolge aber wissen, wo es sich lohne, dieses Wärmenetz zu installieren. Dafür habe das Projektteam auf der interaktiven Karte, die jetzt online ging, fast 200 Wärme-Hotspots im Münsterland  gekennzeichnet: Die Wärme-Hotspots würden zeigen, wo der Wärmebedarf besonders hoch sei, erklärt Willenbrink.

Ausgangspunkt für die Karte sei eine flächendeckende Bedarfsberechnung aller Gebäude im Münsterland gewesen. Die wiederum sei möglich gewesen, weil das Bundesland NRW seine Geodaten ( Open-Source Daten des Landes NRW, bereitgestellt durch Geobasis NRW) seit Jahresbeginn frei zugänglich gemacht hätte. Darauf aufbauend hätten die Forscher eine Methodik entwickelt, um Bauten mit besonders hohem Wärmebedarf, inbesondere öffentliche Einrichtungen, darunter Schulen, Krankenhäuser, Schwimmbäder und Verwaltungsgebäude, und relevante innerörtliche Flächennutzungen miteinander zu verschneiden. „Dabei müssen wir nicht an klassische Wärmenetze denken“, sagt Dr. Elmar Brügging, der das deutsch-niederländische Forschungsteam koordiniert. Wärmenetze könnten Brügging zufolge so vielfältig sein wie die erneuerbaren Energien selbst. Die Techniken dafür seien alle vorhanden – was fehle, sei die passende Infrastruktur.

Karte mit Wärme-Hotspots als Wegweiser zur Wärmewende für kommunale Wärmewender

Hier kämen die Kommunen und Unternehmen ins Spiel, die ihren Klimaschutzverpflichtungen nachkommen und sich von Energieimporten unabhängiger machen wollten. Denn die aktuelle Diskussion in den Niederlanden, die auch das Münsterland mit Gas beliefere und die das in Zukunft wegen Eigenbedarfs und schwindenden Ressourcen nicht mehr tun werde, zeige laut der FH Münster, dass der Gasmarkt in Bewegung gerate und dass die Abhängigkeiten vom russischen und US-amerikanischem Fracking-Gas und die damit verknüpften politischen Konsequenzen immer mehr zunähmen. „Unsere Karte gibt konkrete Vorschläge, wo es Sinn macht umzusatteln auf erneuerbare Energien, das ist eine große Chance“, sagt Hinnerk Willenbrink. „Gerade als Unterstützung für langfristige Stadtentwicklungskonzepte.“

„Mit unserer Karte können Bürgermeister und Klimaschutzmanager der Landkreise sofort loslegen“, sagt Prof. Dr. Christof Wetter. Dass das sich lohne, habe das Team hochgerechnet: In den ermittelten Wärme-Hotspots würde ein Drittel des kompletten Heizwärme- und Warmwasserbedarfs des Münsterlandes gebraucht – auf gerade mal 1,5 Prozent seiner Gesamtfläche. „Gas ist zwar bequem – aber keine nachhaltige und umweltfreundliche Lösung, die dem Verständnis der Energiewende entspricht“, betont Willenbrink. „Eine zusätzliche neue Möglichkeit der Wärmeversorgung ist möglich.“

Die Methodik hinter der Karte mit Wärme-Hotspots

Als Datengrundlagen dienten der Karte die oben erwähnten Geodaten. Auf Grundlage von statistischen Annahmen habe man jedem einzelnem (wärmerelevanten) Gebäude im Münsterland einen spezifischen Wärmebedarf zugewiesen. Die Summe der Wärmebedarfe der Einzelgebäude wurde aggregiert in den sie enthaltenden Baublöcken. Der aggregierte Wärmebedarf (in kWh/ha·a) sowie die Nutzungsart des Baublocks (zum Beispiel “Wohnen”) wurden mittels definierten Grenzwerten ausgewertet um die “Wärme-Hotspots” herauszufiltern.

Hintergrund des Ganzen sei die Erkenntnis, dass eine integrierte Wärmeleitplanung notwendig sei, um eine Wärmewende zu ermöglichen. Das Vorbild Dänemark zeige, dass sich eine Zonierung von Stadtgebieten dazu eigne, Kristallisationspunkte für Wärmenetze zu schaffen und dann ökonomisch sinnvoll eine netzbezogene Wärmeversorgung (gestützt durch erneuerbare Energien) auszubauen.

Über das Projekt WiEfm

Projekt-Ziel

WiEfm habe zum Ziel, eine klimafreundliche und nachhaltige Wärmeversorgung in der EUREGIO zu ermöglichen. Das Thema Wärme solle für Wirtschaft und Kommunen der Projektregion greifbar und nutzbar gemacht werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen und die Umstellung auf eine zukunftsfähige Wärmeversorgung zu befördern, heißt es in der Selbsterklärung auf der zugehörigen Internetseite.

In der Erklärung heißt es außerdem, dass sich für die Versorgung mit Strom in den vergangenen Jahren unterschiedlichste technische Lösungen etabliert hätten, so dass inzwischen an die 30 Prozent des Stroms in Deutschland von erneuerbaren Energien stammten. Der Bereich der Wärme sei dagegen deutlich diffuser und technische Lösungen hätten sich demnach bislang kaum am Markt etabliert, wobei der Wärmebedarf fast dreimal so hoch wie der Bedarf an Strom sei.

Projekt-Inhalt

Das Projekt WiEfm würde aus eben diesem Grund Ansätze für eine effiziente Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wärme entwickeln. Im Rahmen von WiEfm würden laut Eigenbeschreibung

  • Grundlagen der Wärmeversorgung und des Wärmemarktes im Projektgebiet der EUREGIO untersucht,
  • Einsparmöglichkeiten und innovative Effizienztechnologien ausgearbeitet
  • sowie technische Lösungen für eine bestmögliche Nutzung klimafreundlicher Wärme dargestellt.

Dafür bringe man in das Projekt ein und betrachte sowohl vorbildliche Wärmeprojekte in der EUREGIO als auch internationale Beispiele für eine gelungene Praxis. Und weil neben den technischen Aspekten in der Wärmewende auch die richtigen Betreiber- und Finanzierungsmodelle den langfristigen Erfolg ausmachen und breite Akzeptanz schaffen würden, untersuche man auch diese Aspekte auf deutscher und niederländischer Seite und werte sie aus.

Anhand konkreter Fallbeispiele, die im Rahmen von WiEfm unterstützt und begleitet würden, baue man im Rahmen des Projekts eine Basis an Erkenntnissen und Erfahrungen für die weitere Wärmewende auf. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit zur Förderung einer Machbarkeitsstudie, die Einblick in die Chancen und Möglichkeiten biete, um ein profitables Wärmegeschäftsmodell in einem bestimmten Gebiet zu erstellen. Wer ein Vorhaben im Bereich der Wärmeversorgung hätte und dazu eine Machbarkeitsstudie durchführen lassen wolle, der könne bei WiEfm einen sogenannten „Wärmegutschein“ für die Betreuung und Förderung seines Projekts beantragen.

Wer mehr zum Thema Wärmenetze lesen will, sollte sich unsere gleichnamige Artikelserie anschauen – hier geht’s zu Teil 1 und 2 derselben:

Grundlagenwissen Wärmenetz, Teil 1: Nahwärme und Nahwärmenetz

Grundlagenwissen Wärmenetz, Teil 2: Fernwärme & Fernwärmenetz

Foto: FH Münster/Pressestelle (Foto), Screenshot (Grafik)