Solarthermie als Prozesswärme, Teil 3 – Bestand weltweit

2017 weltweit 500 Anlagen solare prozesswärme

Wie in Teil 2 „Potenziale“ meiner Serie zu solarer Prozesswärme versprochen, liefere ich euch heute einen Überblick über den Bestand an bereits laufenden Anlagen, die solare Prozesswärme erzeugen.

Ich stütze mich mit meiner Bestandsübersicht auf den Artikel „Solare Prozesswärme – Beliebter als gedacht“ der Kollegen vom Fachmagazin Sonne, Wind & Wärme (SW&W), der dort in der Ausgabe 1+2/2017 erschienen war. Der Artikel ist hier auf Englisch zu lesen.

Weltkarte zur solaren Prozesswärme

Die SW&W wertet in ihrem Artikel unter anderem die Daten der zweiten sogenannten Weltkarte der solaren Prozesswärme aus, die das Ergebnis einer umfassenden Umfrage sei, die Solrico Ende 2016 im entsprechenden Marktsegment durchgeführt hatte. Die Weltkarte (siehe Grafik) könnt ihr euch hier aus dem Internet herunterladen.

Die Weltkarte sei Teil des Projekts „Solar Payback“, das sowohl die ökonomischen als auch die politischen Rahmenbedingungen solarer Prozesswärme in Ländern Brasilien, Mexiko, Indien und Südafrika bekannter machen soll. Das Drei-Jahres-Projekt koordiniere der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar). Die Finanzierung stemme die Internationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums. Das Programm laufe demnach noch bis September 2019.

Weltkarte Solare Prozesswaerme

Die Weltkarte zur solaren Prozesswärme 2017. Quelle: Solrico

Verglichen mit der Erstauflage der solaren Prozesswärme aus dem Jahr 2013/14, die auf Daten einer Ende 2013 durchgeführten Umfrage basierte, sei für die 2. Auflage die Zielgruppe etwas verändert worden: Während man in der ersten Befragung speziell Hersteller von Hochtemperatur-Kollektoren bis 250 Grad Celsius angeschrieben habe, sein dieses Mal auch Planer und Ingenieurbüros befragt worden. Voraussetzung dabei sei gewesen, dass diese ihren Kunden eine sogenannte „schlüsselfertige“ (Turnkey) solarthermische-Prozesswärme-Anlage könnten. Schlüsselfertig sei im Fragebogen als Anlage definiert worden,

  • die vom Anbieter entweder komplett geplant, geliefert und installiert wurde
  • oder deren Installation der Anbieter zumindest überwacht habe.

Im Zuge der Umfrage seien gut 130 Unternehmen angeschrieben worden, der Rücklauf habe sich laut SW&W auf 64 belaufen. Ähnlich wie in der Erstauflage wollte man auch mit der neuen Umfrage ergründen, wie groß der weltweite Markt für solare Prozesswärme sei, wie zufrieden die Anbieter mit der derzeitigen Geschäftslage seien und wie sich die Marktlage in verschiedenen Ländern und Regionen unterscheide.

Zur systematischen Erfassung der Lage auf dem Weltmarkt für solare Prozesswärme

Die Umfrageteilnehmer habe man daher zunächst nach der Zahl ihrer bislang realisierten, schlüsselfertig gelieferten Projekte gefragt, die Solarwärme für industrielle Prozesse bereitstellten. Die genaue Fragestellung habe sich als komplex erwiesen, wobei übliche Anwendungen wie

  • solares Kühlen
  • und die Stromerzeugung mit Hilfe von Solarwärme

bewusst außer Acht gelassen worden seien, um den Weltmarkt der Solarthermie für die produzierende Industrie abschätzen zu können.

Sogenannte Solar-Dish-Systeme, die es in großer Zahl für Großküchen in Indien gebe, habe man aus eben diesem Grund auch nicht in der Statistik erfasst. Ebenso Hotelbetriebe oder Krankenhäuser, deren Warmwassererzeugung für Gäste und Patienten an den Warmwasserbedarf von Küche oder Wäscherei gekoppelt sei. Mitgezählt worden sei dagegen der Einsatz solarer Prozesswärme in der Landwirtschaft, auch wenn diese wenigen Projekte Niedertemperaturanwendungen wie Heizungen für Ferkelställe beinhaltet hätten. Einerseits falle die Ferkelzucht großzügig ausgelegt unter „Produktion“. Andererseits würde der Ausschluss der Anlagen heißen, aktiv gegen die Prozesswärme-Definition im Sinne des Marktanreizprogrammes (MAP) arbeiten zu müssen.

Wichtig: Im Gegensatz zur vorigen Erhebung habe man dieses Mal auf das Kriterium Temperatur verzichtet. So haben auch Hersteller und Planer von Anlagen mit Vakuumröhren- oder Flachkollektoren auf der Weltkarte der solaren Prozesswärme-Anbieter 2017 Einzug halten können, weil Prozesstemperaturen in Textilindustrie, Landwirtschaft und Bergbau oft deutlich unter 100 Grad Celsius lägen.

Viele der 64 Teilnehmer der Erhebung hätten sich wegen der eng gefassten Definition solarer Prozesswärme damit zufrieden geben müssen, dass sie nicht mit Referenzen sondern dem Zusatz „ready-to-offer“ gelistet wurden, darunter Newcomer wie Krypton Energy aus Pakistan, New Heat aus Frankreich, Inersur aus Spanien oder Artic Solar aus den USA. Es seien aber auch erfahrene Anbieter konzentrierender Solaranlagen in diese Kategorie gefallen. So hätten Chromasun (USA) oder Trivelli (Italien) bereits Solaranlagen für Kunden aus dem Gewerbe gebaut, doch diese lieferten keine Prozesswärme im engeren Sinne. Andere Anbieter wie NEP Solar (jetzt Australien, früher Schweiz), würden sogar in der Datenbank SHIP-plants.info auftauchen, einem vom österreichischen AEE Institut für Nachhaltige Technologien betriebenen Online-Portal mit 195 solaren Prozesswärmeanlagen weltweit, in dem Firmen ihre Referenzanlagen eintragen können. Allerdings seien im Rahmen der aktuellen Weltkarte Anbieter schlüsselfertiger Anlagen gesucht worden – ein Kriterium, das NEP Solar mit den in Europa installierten Anlagen bisher nicht erfüllte.

500 Anlagen für solare Prozesswärme weltweit

Die Zahl der Referenzanlagen aller 64 auf der Weltkarte gelisteten Firmen habe man auf Plausibilität geprüft. Bei Unstimmigkeiten seien ausführliche Daten nachgefordert worden. So seien insgesamt  341 Referenzanlagen zusammengekommen, die Solarwärme für industrielle und auch ein paar gewerbliche Prozesse wie Autowaschanlagen bereitstellten.

Das heiße, dass trotz enger Definition von solarer Prozesswärme in der neuen Weltkarte circa eineinhalb Mal so viele Anlagen erfasst worden seine wie in der SHIP-Datenbank. Dazu müsse man wissen, dass 25 (entspreche 39 Prozent) der 64 antwortenden Anbieter angegeben hätten, dass sie nichts von der SHIP-Datenbank wüsten. 11 davon hätten dort nach eigener Aussage bislang selbst Projekte gemeldet, wobei auch die SHIP-Organisatoren selbst Anlagen in die Datenbank eingepflegt hätten. Das Abgleichen der Solrico-Umfrage mit der SHIP-Datenbank habe ergeben, dass ein Teil der Anbieter solarer Prozesswärme dort noch Anlagen gemeldet hätten, die in der Weltkarte nicht als Referenz aufgeführt seien, unter anderem weil sie nicht in die Kategorie „Turnkey“ gepasst hätten. Zähle man diese 11 Anlagen mit, ergebe sich, dass die Teilnehmer der Weltkarte insgesamt 352 Anlagen mit einer Gesamtfläche von mindestens 276.500 Quadratmetern installiert hätten.

Hinzu kämen noch die Anlagen, die zwar in der SHIP-Datenbank aufgeführt worden seien, deren Planer jedoch keine Daten für die Weltkarte der solaren Prozesswärme-Anbieter gemeldet hätten. Das seien 129 weitere Anlagen mit 123.707 Quadratmetern Gesamtfläche.

Man könne angesichts der vorgestellten Daten demnach davon ausgehen, dass es im Ganzen mindestens 481 Anlagen zur Erzeugung solarer Prozesswärme gebe, deren Fläche mindestens 400.200 Quadratmeter weltweit betrage.

Das sei laut des SW&W-Artikels eine überraschend hohe Zahl, die zeige, dass die solare Prozesswärme weiter verbreitet sei, als oft angenommen werde.

Die 129 zusätzlichen Anlagen aus der SHIP-Datenbank seien von 62 Firmen geplant worden, die sich nicht an der Weltkartenbefragung beteiligt hätten und die auch nicht zwingend Turnkey-Anbieter seien. Darunter seien auch 27 Anlagen, die nicht explizit einer Engineering Firma zugeordnet werden könnten. Es sei demnach also durchaus davon auszugehen, dass auch die Industrie der solaren Prozesswärme-Spezialisten noch weit mehr Firmen umfasse, als die 64 auf der Weltkarte gelisteten Turnkey-Anbieter.

Im folgenden Teil der Serie zur solaren Prozesswärme schaue ich mir die für die Weltkarte der solaren Prozesswärme befragten Anbieter und ihre Antworten in der Umfrage etwas genauer an. Bleibt dran!

Foto (Titel): carlitos /photocase

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